Gudesstraße 3- 5

29525 Uelzen

0581 / 973 696 00

Termine nach
Vereinbarung

Der Clubfonds-Ticker

117,44 EUR

Gudesstraße 3- 5

29525 Uelzen

0581 / 973 696 00

Termine

nach Ver­ein­ba­rung

Kutzers Zwischenruf: Jetzt Aktien kaufen – aber mit viel Geduld!

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Es gibt gute Nachrichten für Anleger: Die deutsche Aktie wird aufgewertet! In der breiten Öffentlichkeit nur wenig beachtet (kein Wunder angesichts der Inflations- und Krisenstimmung) hat die Bundesregierung Eckpunkte eines geplanten „Zukunftsfinanzierungsgesetzes“ vorgestellt. Damit soll die Aktie als Anlage- und Finanzierungsinstrument in Deutschland für einen deutlich größeren Kreis von Menschen attraktiver und den Finanzplatz Deutschland für Unternehmen wettbewerbsfähiger gemachen werden. Lob. Nur: So etwas hätten wir schon viel früher gebrauchen können. Das Deutsche Aktieninstitut kann endlich laut in die Hände klatschen. Anlass zum Jubeln bietet insbesondere die Absicht, Kursgewinne von Privatanlegern bis zu einem Freibetrag wieder steuerfrei zu stellen. Dies trägt wesentlich dazu bei, den Aktienbesitz attraktiver zu machen.

Das ist also jetzt in der Planung. Die Anleger selbst brauchen darauf aber nicht zu warten, sondern können schon heute ihre finanzielle Zukunft (Altersvorsorge!) sichern oder verbessern, indem sie langfristig (wirklich gaaanz langfristig!) in Aktien investieren. Es gilt also, mit einer entsprechenden Einmalanlage oder – besser noch – einem Aktien- bzw. Aktienfondssparplan die Gunst der schwachen Börsenstunde zu nutzen. Wer über Jahrzehnte hinweg schaut, braucht sich aktuell keine grauen Haare wachsen zu lassen. Gewiss, die hinter und liegenden Monate waren für die Börse hundsmiserabel. Fachwelt und Medien beschäftigen sich schweißtreibend mit der Frage, ob man sich jetzt noch schnell von seinem Depot trennen oder es antizyklisch aufstocken sollte. Denn dass sich ein langer Atem an den Börsen auszahlt, ist kein Geheimnis. Aber es dominiert leider das Kurzfristig-Denken, aktuell haben die meisten Anleger einen kurz- bis mittelfristigen Horizont.

Dabei sollte gerade in diesen Tagen von möglichst vielen Experten das Erfolgsrezept Nummer 1 der Börse propagiert werden: die Geduld. Vorbildlich zum Beispiel die Strategen von M.M. Warburg & Co., die Einmalanlage und Sparpläne analysiert haben. Letztendlich sind bei der Wahl zwischen den Strategien das eigene Wohlbefinden und Risikoprofil sowie die persönliche Vermögensausstattung entscheidend. Aber wie man sich auch entscheidet: Historisch betrachtet haben sich beide Anlagestrategien ausgezahlt. Auch temporäre Rücksetzer (einschließlich tiefer Kurseinbrüche) an den Aktienmärkten, so wie aktuell zu beobachten, ändern diese Grundaussage nicht. Ich teile die dringende Empfehlung der Hamburger Banker: Anleger sollten für die private Vorsorge besonders geduldig sein und einen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren – besser 15 Jahren – mitbringen. Denn es lohnt ich nach wie vor (besser: gerade jetzt), in Aktien zu investieren, selbst wenn der Gegenwind kurzfristig spürbar zugenommen hat.

Kutzers Zwischenruf: Ein Tiefdruckgebiet mit schweren Sommergewittern

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Meine letzte Headline an dieser Stelle („Nach der Vorsicht kommt die Zuversicht“) klang den Börsen-Bären vielleicht noch zu zuversichtlich. Deswegen schiebe ich ein zumindest saisonal passendes Bild aus dem Wetterbericht nach: Wir erleben Tiefdruckgebiete mit teils schweren Sommergewittern. Eine Überraschung? Versuchen wir doch einmal, die klassischen Fundamentalfaktoren zu vernachlässigen. Also keine Vergleiche von KGVs und ähnlichen Kriterien. Trotzdem die Frage: Stehen die Kurse (noch) hoch oder (schon) niedrig, sind die Aktien also trotz empfindlicher Verluste ziemlich teuer oder bereits billig? Humorlose Analysten mögen den Kopf schütteln, wenn man sich derart unsystematisch einer Antwort nähern möchte.

Der bisherige Verlauf 2022: Die Mehrheit der Fachwelt hat sich geirrt. Auch die Damen und Herren Notenbanker. Doch ist das keine Überraschung angesichts der unberechenbaren und schwerwiegenden Veränderungen des geopolitischen und wirtschaftlichen Umfelds. Die Halbjahresbilanz der Welt-Aktienmärkte ist miserabel: ein Kursrutsch von grosso modo 20 %. Aber das allein ist es ja nicht, denn neben dem Aktienmarkt standen auch fast alle anderen Anlageklassen unter Verkaufsdruck – vom Rentenmarkt bis zum Bitcoin. Enttäuschend (trotz Krisenstimmung) selbst das blasse Gold. Und die Realzinsen bleiben auf absehbare Zeit negativ. Wohin also mit dem Geld? Auch wenn die seit langem heißdiskutierte Zinswende der großen Notenbanken mittlerweile eingeleitet wurde, wäre es kein Wunder gewesen, wenn die Märkte schon früher und noch heftiger reagiert hätten. Aber es gibt ja auch so etwas wie den Gewöhnungseffekt.

Aber es geht um mehr, viel mehr! Der Krieg in Europa und neue Pandemiewellen sind zwei katastrophal wirkende Entwicklungen mit globaler Ausstrahlung – direkt oder mittelbar. Die Folgen erweisen sich als unkalkulierbar – allen voran die historisch hohe Inflation, die Explosion der Energie- und Lebensmittelpreise (mit drohender Verknappung). Die Armut nimmt selbst in Deutschland zu. Zeitlich parallel breitet sich auf der stündlichen Halbkugel die entsetzliche Hungersnot dramatisch aus, wird das Trinkwasser (trotz der Unwetter) sogar in einigen Regionen Europas und auch hierzulande gefährlich knapp. Wichtig ist zu erkennen, dass diese gewaltigen Herausforderungen miteinander verbunden sind. Allein die mit der Inflation entstandenen Probleme werden die Staatsverschuldung in unbekannte Höhen treiben.

Nein, die Talsohle der Börsenkurse dürfte noch nicht erreicht sein. Ob es im Verlauf des zweiten Halbjahrs wieder aufwärts gehen wird? Gut möglich, aber nicht absehbar. Ich würde keine großen Beträge darauf wetten.

Kutzers Zwischenruf: Nach der Vorsicht kommt die Zuversicht

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Doch, trotz der immer noch vorherrschenden Unsicherheit an den Börsen gibt es auch Futter für die Bullen. Entscheidend ist, ob sie Geduld aufbringen und zunächst noch tiefere Kurse ertragen können. Jüngste Analysen machen zumindest deutlich, dass nur mit Wenn und Aber eine Meinungsbildung sinnvoll erscheint. Das wiederum sollte die individuelle Strategie und Taktik maßgeblich beeinflussen. Auffallend ist, dass der Krieg und seine denkbare Eskalation in den Vorschauen der Experten keinen breiten Raum einnehmen. Aber wer kann (wer wollte) den Verlauf dieses Konflikts schon vorzeichnen?

Bemerkenswert konkret sind die Strategen von M.M. Warburg & Co., die sich mit der möglichen Differenzierung der Börsentendenz beschäftigen. Das halte ich für wichtig, denn auch die Anleger sollten nicht nur den zeitlichen Horizont ihres Investments festlegen, sondern das Kaufen und Verkaufen auch mit der Börsenstimmung verbinden. Fazit: „Trotz der bereits hohen Kursverluste an den Aktienmärkten raten wir im Moment weiterhin zur Vorsicht. Der Dax dürfte in absehbarer Zeit nochmal seinen Jahrestiefstand bei rund 12.400 Punkten in Angriff nehmen.“ Sollte dieses Niveau nicht halten, stellt der Buchwert bei knapp 10.000 Punkten im Worst-Case-Szenario die entscheidende Auffanglinie dar. Diese hat in den beiden großen Abschwüngen im Jahr 2002 und 2008 als untere Begrenzung gehalten, spätestens dann muss man die Aktienquote wieder erhöhen. Da man den unteren Wendepunkt ohnehin nur mit Glück erwischen wird, sollte man auch in dieser Marktphase ein Basisportfolio aus wenig konjunkturabhängigen Aktien mit guter Preissetzungsmacht halten.

Eine Alternative: Kommt es nicht zu einer Rezession oder bildet sich die Inflation schneller als momentan erwartet wieder zurück, würde dies den Weg für eine deutliche Kurserholung ebnen. Hat man dann keine Aktien im Depot, läuft man der Erholung hinterher. Zudem gilt auch in dieser schwierigen Marktphase: Langfristig dominiert an den Aktienmärkten der Aufwärtstrend. Bislang wurden alle in Krisenzeiten entstehenden Kursverluste wieder aufgeholt und Anleger dafür entschädigt, durch ein Tal der Tränen zu gehen. Die Vordenker von Warburg sind (wie ich) überzeugt davon, dass es auch diesmal so sein wird.

Ähnlich zeichnen internationale Asset Manager das Bild. Die allgemeine Aktienstimmung ist jetzt auf einem Niveau, das man normalerweise als konträres Kaufsignal betrachten würde. Ein Blick auf die Positionierung der Anleger zeigt jedoch ein anderes Bild. Auch wenn Aktien, Kredite und die meisten anderen Risikoanlagen jetzt günstiger sind als zu Jahresbeginn, scheint es noch zu früh zu sein, um Positionen deutlich aufzustocken. Eine nachhaltige Erholung der Risikobereitschaft und der Risikoanlagen lässt sich nur schwer begründen, solange es keine Anzeichen dafür gibt, dass die Inflation ihren Höhepunkt überschritten hat, die Arbeitsmärkte sich abkühlen und die Zentralbanken in einer Weise reagieren, die hoffen lässt, dass sie den Widrigkeiten trotzen und eine weiche Landung herbeiführen können. Bis dahin dürften Risikoanlagen weiterhin unter Bewertungsdruck stehen – durch steigende Realrenditen und negativen Einfluss der wirtschaftlichen Wachstumsabschwächung.

PS.: China steht wieder im Fokus. Bei der regionalen Einschätzung sind in den vergangenen Tagen gleich mehrere Kaufempfehlungen internationaler Vermögensverwalter für chinesische Aktien (mein alter Favorit) vorgelegt worden. Die haben ihre Baisse schon hinter sich.

Schnelle Rezession wäre wünschenswert – Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Es kann wohl heute zweifelsfrei festgestellt werden, dass insbesondere in den USA fiskalisch sowohl als auch geldpolitisch in der Coronakrise mit der Bekämpfung dieser maßlos übertrieben wurde. Wie man auf die Idee kommen konnte, bei absehbar verringertem Angebot durch Produktionsunterbrechung, gestörte Lieferketten und weitestgehend geschlossener Serviceindustrie wie Reisen oder Restaurants den Bürgern durch Helikopter-Geld mehr Einkommen zukommen zu lassen als sie normalerweise gehabt hätten, lässt sich nur noch schwerlich erklären. Es war wohl die schiere Panik vor der größten Rezession aller Zeiten. Hier hat sich das deutsche System des Kurzarbeitergeldes am Ende doch wieder als überlegen erwiesen. So wurde Massenarbeitslosigkeit vermieden, ohne dass Eingriffe wie in den USA notwendig wurden. Die USA als immer noch größte Volkswirtschaft der Welt haben mit ihrer Politik jedenfalls ein Inflationsproblem geschaffen, dass nun genauso das Verbrauchervertrauen abstürzen lässt, wie dies in der Coronakrise der Fall war.

Das Pendel schlägt zu beiden Seiten immer gleich stark aus
Keine Frage, noch befindet sich die US-Wirtschaft in einer Boomphase, betrachtet man den Arbeitsmarkt. Das liegt aber nicht etwa daran, dass die Beschäftigtenzahl sich auf einem Höchststand befindet, sondern daran, dass viele ehemalige Beschäftigte wohl noch immer vom Helikopter-Geld zehren. Denn die Beschäftigtenzahl insgesamt liegt unter der von vor der Corona-Pandemie. Die Knappheit an Arbeitskräften sorgt nun für steigende Löhne und die sogenannten Zweitrunden-Effekte als Ausgleich für die Inflation werden ihr weiteres dazu beitragen. Doch Abschwächungstendenzen sind bereits in den Einkaufsmanagerindizes und in der zunehmenden Ankündigung von Massenentlassungen erkennbar.

Auch die Lieferkettenprobleme lösen sich zunehmend auf wie auch die Schiffs-Schlangen vor den Häfen in Los Angeles und Shanghai. Das ging schneller als zu erwarten war, denn die neuerlichen Lockdowns in China ließen schlimmeres befürchten. Es dürfte aber auch ein Anzeichen dafür sein, dass die Abschwächung der Nachfrage bereits eingesetzt hat. In den vergangenen Wochen wurden die Waren zu einem großen Teil auch nicht mehr geordert, um die Nachfrage zu befriedigen, sondern um die Läger aufzufüllen. Hier sitzt der Schock in den Unternehmen immer noch tief, aus der Erfahrung nicht mehr liefern oder wegen mangelnder Vorprodukte nicht mehr produzieren zu können. In Europa mussten die Wachstumserwartungen wegen des Ukraine-Krieges und der Energiekrise, die durch ihn ausgelöst wurde, ohnehin zurückgenommen werden. Und auch wenn China das Corona-Problem nun wieder unter Kontrolle hat, es bleibt die deutlich abgekühlte Baukonjunktur, die das Wachstum in China weit unter das Niveau der vergangenen Jahre drücken wird. Schließlich macht dieser Sektor ein Drittel der gesamten Konjunktur aus. Und auch die Talfahrt an den Aktien- und Anleihemärkten dürfte auf die Nachfrage drücken.

Nimmt man zum Beispiel in den USA die Verluste an den Aktienmärkten und Anleihemärkten zusammen, wurde mehr Vermögen vernichtet als in jedem Börsen-Crash zuvor. Haben die Bürger weniger Vermögen, nehmen Sie in der Regel auch weniger Kredite für den Konsum auf. Kurzum, für mich sieht es so aus, als dass die Weltwirtschaft schneller in eine Rezession und wegen der hohen Inflation damit in eine Stagflation abgleitet als dies bisher offiziell prognostiziert wird. Das Pendel dürfte in Bezug auf das Wachstum auf der Negativ-Seite genauso weit ausschlagen, wie zuvor auf der positiven.

Notenbanken gänzlich entzaubert
Immer wieder haben die Zentralbanken dieser Welt nach Indikationen gesucht, die Ihnen frühzeitig Aufschluss über die kommende Inflationsentwicklung geben. Die meist probierte war die Geldmengen-Steuerung. Doch auch sie hat versagt, weil im globalisierungsbedingt deflationären Umfeld die Geldmenge über Jahre deutlich schneller wuchs als die Wirtschaft nominal und die Inflation trotzdem nicht anspringen wollte. Auch der Blick auf Einkaufsmanagerindizes, auf die Arbeitsmarktzahlen, am Ende hat nichts wirklich auf Dauer funktioniert. Und so ist die US-Notenbank, und andere sind ihr gefolgt, einfach auf die Inflationssteuerung anhand der Inflationsdaten gewechselt. Damit laufen sie diesen dann aber eben auch einfach nur schlicht hinterher und müssen, wie seit rund einem Jahr zu beobachten, jeden Monat ihre Politik und ihren Ausblick anpassen. Diese Geldpolitik könnte auch ein Computer übernehmen. Wenn man aber mal genau hinschaut, dann sieht man, dass die Dinge gerade in jüngster Vergangenheit viel schneller passieren als Wirtschaftswissenschaftler und Notenbanken dies für möglich halten. Und so käme ein schnelles Abkippen in eine Rezession und in eine Stagflation für mich nicht überraschend. Sie wäre aus Sicht des Aktienmarktes sogar wünschenswert. Dann würde eine plötzlich schrumpfende Wirtschaft den Fokus der Notbanken auch wieder auf Rezessions- und nicht nur auf Inflationsbekämpfung legen. Damit die Börse aber nicht nur eine Erholungsrallye starten kann, sondern wir wieder in Richtung neuer Rekordkurse laufen, müssten vor allem die Staatsanleiheverkäufe aus der Bilanz der amerikanischen Notenbank gestoppt werden.

Das wäre sicherlich die wichtigste Maßnahme neben einem Ende der Zinserhöhungen oder unter Umständen dann auch wieder Zinssenkungen. Eine Rezession würde natürlich auch die Nachfrage stark abbremsen und somit Linderung an der Inflationsfront bringen. Blieben die Energiepreise auf dem aktuellen Niveau und stiegen nicht weiter an, würden entsprechend im Februar 2023, also ein Jahr nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges, die viel beschworenen Basiseffekte einsetzen. Das würde den entsprechenden Spielraum für die Notenbanken schaffen, plötzlich wieder von der Bremse zu gehen und auf das Gaspedal zu treten. Das wäre dann wieder das perfekte Umfeld für die Aktienmärkte. Viel schlimmer wäre es nämlich, würde die Wirtschaft weltweit zumindest so stark wachsen, dass die Notenbanken weiter restriktiv agieren. Dann fehlte gänzlich die Überschussliquidität, die für jede Hausse notwendig ist. Und dann müssten wir uns auf eine lange Durststrecke an den Aktienmärkten einstellen, die wahrscheinlich längste seit den 1970er Jahren. Und so muss man sagen, dass diesmal aus Sicht des Aktienmarktes eine schnelle Rezession das Beste wäre, was ihm passieren kann.

 

 

Kutzers Zwischenruf: Jetzt für die langfristige Aktienanlage werben!

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Kann man sich kurz- bis mittelfristig von der Börse zurückhalten, gleichzeitig aber die langfristige Aktienanlage verstärken? Man kann. Das eine muss nicht ängstliches Aussteigen bedeuten, sondern Vorsicht mit neuen Engagements. Demgegenüber sollte man ausdrücklich langfristig angelegte Depots (vor allem für die Altersvorsorge) nicht abräumen. Deshalb empfehle ich allen damit befassten Organisationen und Produktanbietern jetzt (gerade jetzt!) mehr und intensiver bei Privatanlegern für die langfristige Beteiligung an Dividendenwerten zu werben. Denn der Lebensstandard im Alter steht auf dem Spiel.

Immobilien, private Rentenversicherungen mit Garantie und Aktien/Aktienfonds – das sind laut Umfragen des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) die TOP-3 der privaten Altersvorsorge. Seit einigen Jahren wird ein deutlicher Trend in Richtung aktienbasierter Geldanlagen sichtbar. Das ist erfreulich. Doch das ausgeprägte Sicherheitsbedürfnis treibt viele Menschen nach wie vor auch in renditeschwache Anlagen. Und von Realrenditen (nach Abzug der Inflation) kann beim Kontensparen und am Anleihemarkt keine Rede sei. Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht entscheidend verbessern. An Aktien führt also kein „Langstrecken-Weg“ vorbei.

Deshalb teile ich die Ansicht des DIVA: Wirkungsvoller bei steigender Inflation ist die stärkere Einbindung des Aktienmarkts in die Altersvorsorge, da dieser in gewissem Maße der Inflation trotzen kann. Die Zahl der Fondssparpläne und fondsgebundenen Lebensversicherungen wachsen seit Jahren stetig. Und dieser Trend zu aktienbasierten Anlagen hat sich ganz ohne staatliches Zutun aufgebaut. Kommentiert das Institut: „Das lässt erahnen, was bei einer aktiven Förderung möglich wäre. Beispielsweise durch steuerliche Anreize oder direkte finanzielle Zulagen. Und allemal besser als die Diskussion über neue Staatsfonds.“ Außerdem haben unsere Politiker akut noch größere Sorgen.

Gewiss, vereinzelt tauchen in den unterschiedlichsten Medien Werbeformate von Banken und Investmentgesellschaften für Aktien und Aktienfonds auf. Und das nicht erst seit gestern. Angesichts der aktuellen Belastungen für die Börse durch Kriegsfolgen, Energiekrise, Gefahr neuer Pandemiewellen, Welthandelsstörungen (Lieferketten) und der historisch hohen Inflation drohen aber Privatanleger wieder auszusteigen und Bargeld zu horten. Mein Vorschlag: Gerade jetzt könnten mit neuen Zahlen angereicherte Studien zur langfristigen Sicherheit der Aktienanlage (sicherer als Anleihen!) öffentlichkeitswirksam publiziert werden. Motto: Sicherheit + Wertsteigerung.

Kutzers Zwischenruf: Die Börsen bleiben tierisch

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Wie sollten Anleger auf die steile Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank reagieren? Gar nicht, ist eine Möglichkeit. Bullisch oder bärisch, sind richtungstechnisch die beiden anderen. Spontan haben die Profis an der Wall Street Gelassenheit an den Tag gelegt. Dem ist Europa zunächst gefolgt – aber nicht lang. Dann rutschten die Aktienkurse weiter ab. Daraufhin folgten gemischte Stellungnahmen von Analysten und Volkswirten. Es sieht also zunächst einmal so aus, als blieben die Märkte unsicher und uneinheitlich, als würde die Börse zwischen fest und schwach pendeln.

Dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen am Mittwochabend um 75 Basispunkte und damit so kraftvoll wie seit 1994 nicht mehr anhob, hat die Hoffnungen einiger Markteilnehmer übertroffen, zumindest erfüllt. Und schon für Juli steht der nächste Zinsschritt an. Damit reagieren die Währungshüter (endlich) auf die extrem hohe Inflation von zuletzt 8,6 Prozent. Fed-Chef Powell selbst hat jetzt eingeräumt, dass ihn die Höhe der Inflation „überrascht” hat. Die amerikanischen Notenbanker haben jetzt deutlich gemacht, dass sie entschlossen gegen die Teuerung vorgehen möchten.

Dennoch gehen die Stellungnahmen der Fachwelt auseinander. Optimisten glauben jetzt daran, dass sich die Aktienmärkte schon bald stabilisieren dürften. Die Zinserhöhung um 75 Basispunkte gilt als ein klares Signal, dass die Fed ihr Stabilitätsziel nach längerem Zögern jetzt mit Nachdruck verfolgt und nicht die Fehler der Politik in den 1970er Jahren wiederholen wird. Zwar muss in den kommenden Monaten mit einer deutlichen Abschwächung der Konjunktur gerechnet werden. Eine starke Rezession dürfte aber durch die hohen Auftragsbestände der Industrie und eine starke Post-Corona-Nachfrage im Dienstleistungssektor verhindert werden. Andere Volkswirte sprechen von einem „doppelten Würgegriff“: Insgesamt scheinen die US-Notenbanker entschlossen, ihre Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, und zwar insbesondere in Bezug auf ihre Fähigkeit, die noch zu hohe Inflation in den Griff zu bekommen. Mit Blick auf die Zukunft muss die US-Notenbank diese Härte nun jedoch umsetzen – selbst wenn das Ergebnis eine Rezession sein sollte. Die Risiken dafür sind jetzt eindeutig noch weiter gestiegen. Deshalb befürchtet ein deutscher Banker skeptisch: Der US-Wirtschaft droht im zweiten Halbjahr ein doppelter Würgegriff aus einer zu hohen Preisdynamik und einer restriktiven Geldpolitik.

In meinen Augen ist die Interpretation von Inflation und Geldpolitik nicht ausreichend für die Beurteilung der Wirtschafts- und Börsenperspektiven. Vielmehr muss versucht werden, die Risiken aus den beiden globalen Gefahren einzubeziehen. Irgendwie.

Früher als erwartet sorgt Corona nicht nur in China wieder für Schlagzeilen, wird auch hierzulande vor einer neuen Welle gewarnt. Und noch größer sind die Gefahren durch den Ukraine-Krieg. Es ist doch völlig unberechenbar, wie lange dieser schreckliche Konflikt dauern kann und welche Folgen eine weitere Eskalation hätte. Pandemie und Krieg bilden ein bedrohliches Börsenumfeld, das die ersten Reaktionen der Märkte auf die Zinswende der führenden Notenbanken in den Hintergrund schieben kann.

 

Gute schlechte Nachrichten – Gastkommentar von Frank Pöpsel, Geschäftsführender Chefredakteur der Münchener Finanzen Verlag GmbH

Gastkommentar von Frank Pöpsel, Geschäftsführender Chefredakteur der Münchener Finanzen Verlag GmbH

Warren Buffett sagt: “Seien Sie ängstlich, wenn die Welt gierig ist, und seien Sie gierig, wenn die Welt ängstlich ist.” 15 Gründe, warum Sie jetzt gierig sein sollten – bilden Sie sich selbst eine Meinung.
 
1. Seit mehr als 50 Jahren gab es – gemessen an prozentualen Verlusten in den Indizes – keinen so schlechten Start in ein Börsenjahr. Wer verkaufen will, hat also schon verkauft.
 
2. Nur zweimal in den vergangenen 50 Jahren gab es längere Verlustperioden. Eine Gegenreaktion ist fällig.
 
3. Die Stimmung der US-Börsenbriefe ist extrem bärisch – ein perfekter Kontraindikator!
 
4. Auch der Bulle & Bär-Indikator an der Wall Street ist extrem negativ und kippte von einem Wert von 7,7 im Februar auf 0,6. Negative Nachrichten sind eingepreist, positive Nachrichten werden als Überraschung wahrgenommen.
 
5. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der S & P-500-Aktien hat sich seit Januar halbiert. Aktien sind nicht mehr teuer.
6. Der Rückgang des KGV ist stärker als nach dem Lehman-Crash. Wir haben aber keine Finanzkrise.
 
7. Die Bewertung von kleinen Aktien (Small Caps) hat sich sogar gedrittelt. Viele sind viel zu billig.
 
8. US-Fondsmanager sind extrem unterinvestiert, die Barreserven sind auf historischem Höchststand. Steigen die Indizes, müssen die Fondsmanager investieren, um nicht in der Performance zurückzubleiben.
 
9. Viele Top-Technologieaktien sind günstiger bewertet als Konsumaktien. Sie weisen aber ein deutlich höheres Wachstum auf.
 
10. Die Realzinsen nach Abzug der Inflationsrate sind weiter negativ. Negative Realzinsen sind gut für die Aktienkurse.
 
11. Nie kauften US-Firmen so viele eigene Aktien zurück wie aktuell. Die Gewinne je Aktie steigen dadurch.
 
12. Auch US-Insider (Vorstände und Aufsichtsräte) kaufen massiv eigene Aktien. Sie werden wissen, was sie tun.
 
13. Die Inflation wird in der zweiten Jahreshälfte zurückgehen. Die Anleiherenditen dürften ihre Höchststände erst einmal erreicht haben, gut für den Aktienmarkt.
 
14. Nach der Zinserhöhung im Juli will die US-Notenbank Fed erst einmal eine Pause einlegen und die Entwicklung abwarten. Die Angst vor einer zu starken Bremsung schwindet damit im Markt.
 
15. Börsenurgesteine wie Jens Ehrhardt halten sogar eine Erholung bis zu den alten Rekordständen für möglich. Ehrhardt hat eine ähnliche Empfehlung auch im Corona-Crash aus- gesprochen – und lag damit richtig.

Zeitenwende in der europäischen Geldpolitik?-Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 
Nun ist sie zumindest in Aussicht gestellt, die erste Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) seit elf Jahren. Den Zinserhöhungszyklus, den die US-Notenbank zwischen 2015 und 2018 vollführte, hatte die EZB komplett ausgelassen. Der Grund war die Eurokrise, die als Nachwirkung der Finanzkrise in den Jahren zwischen 2008 und 2016 Staaten wie Irland, Italien aber vor allem Griechenland erfasste. Der berühmte Satz des damaligen EZB-Chefs Mario Draghi „Whatever It Takes“ fand in dieser Politik ihren Ausdruck. Doch nun kann auch die EZB die Inflation nicht mehr ignorieren. Dass sie Folge dieser lockeren Geldpolitik irgendwann sein würde, davor hatten viele gewarnt, ich 2009 auch in Buchform, allerdings gab es aus meiner Sicht zu der damaligen Politik dann doch wenig Alternativen.
 
Keine echte geldpolitische Wende 
Um 0,25 Prozent soll der Leitzins im Juli also steigen. Das ist näher betrachtet natürlich nichts weiter als Symbolpolitik bei einer Inflationsrate von über sieben Prozent. Noch mehr als die USA ist die EZB gehalten, trotz der ausufernden Inflation die Zinsen ziemlich in der Nähe von Null zu belassen, da es in der Eurozone Staaten gibt, für die stärkere Zinsanhebungen wahrscheinlich in die nächste Eurokrise führen würden. Das Wachstum lässt ohnehin nach, nicht zuletzt wegen des Ukraine- Krieges. In dieser Situation jetzt mit scharfen Zinserhöhungen die Inflation zu bekämpfen, würde bedeuten, Länder wie Griechenland, Italien aber auch Frankreich in ein neues Schuldenproblem zu stürzen. Natürlich, auch für die Eurozone gilt mittlerweile mehr oder minder: Staaten, die sich in ihrer eigenen Währung verschulden, können nicht pleitegehen. Sie drucken schließlich das Geld, in dem sie sich verschulden. Sofern die EZB also bereit wäre, im Notfall alles an Staatsanleihen am Markt aufzukaufen, könnten sich die Länder weiter finanzieren. Das Problem ist nur, dass sie dann am Ende nur noch immer mehr neue Schulden machen würden, um ihren Zinsdienst bedienen zu können. Würde dieser immer klarer erkennbar mit der Notenpresse finanziert, wäre ein schwindendes Vertrauen in das Papiergeld in Form des Euro absehbar. Derzeit sind die Schuldenberge kein Problem. Italien zahlt weniger Zinsen als vor 20 Jahren mit einer heute viel höheren Verschuldung. Der Grund ist ein ganz einfacher: Die Staatsanleihen, die noch deutlich höhere Zinscoupons hatten, sind mittlerweile ausgelaufen und die in den letzten Jahren begebenen rentieren viel geringer. So ist die Zinslast Italiens heute viel geringer.
 
Geldpolitik in homöopathischen Dosen
Auch die EZB hat verkündet, dass neben Zinsschritten das Anleiheaufkaufprogramm gestoppt wird. Sie geht noch nicht so weit wie die US-Notenbank Federal Reserve (FED) und hat Verkäufe aus der Bilanz angekündigt, aber der Rückenwind für die Aktienmärkte durch diese monatliche Flutung der Finanzmärkte mit Liquidität geht auch in Europa verloren. Das trübt auch hier das Aktienumfeld ohne Frage ein. Aber auch hier stellt sich eben die Frage noch mehr als in den USA nach den Alternativen. Zinsen irgendwo im Bereich von Null und selbst wenn sie auf zwei Prozent stiegen, können nicht im Ansatz die hohe Inflation ausgleichen. Während zehnjährige US-Staatsanleihen schon über drei Prozent Rendite bringen, liegt die der deutschen Bundesanleihe noch bei rund einem Prozent. Ich hatte immer wieder in den vergangenen 21 Jahren gesagt und geschrieben, dass die von einigen Krisen zwar unterbrochene 1982 gestartete Dekade der immer weiter steigenden Aktienmärkte dann zu Ende ist, wenn die Notenbanken erstmals eine Inflation bekämpfen müssen, die in der besagten Dekade nie ein Problem darstellte. Diese Situation haben wir jetzt. Ich meinte damit aber eine Politik, wie wir sie Anfang der achtziger Jahre mit Zinsen deutlich über der Inflationsrate erlebt haben, was damals in den USA Leitzinsen von knapp 20 Prozent bedeutete. Solange es aber bei den homöopathischen Dosen in der Zinspolitik bleibt, haben die Aktien sicherlich nicht mehr den Antrieb wie 2021 oder auch nach der Finanzkrise, aber sie könnten mit einem blauen Auge davonkommen. Und auf die lange Sicht dürfte nach Inflation ein Anleger, der auch jetzt weiter auf Aktien setzt, besser fahren als einer, der nun in Geldwerte geht, sprich festverzinsliche Anlagen.
 

 

 

DAX-Kursziel 17.400 Punkte!-Gastkommentar von Raimund Brichta Börsenreporter n-tv

 

Wer hat Angst vorm Corona-Crash? | Wahre Werte Depot

Gastkommentar von Raimund Brichta Börsenreporter n-tv

Manchmal lässt sich ein DAX-Ziel für die absehbare Zukunft mit simpler Schulmathematik ausrechnen. So wie jetzt: Die Börsenstimmung ist schlecht, entsprechend niedrig sind die Aktien bewertet. Die Frage lautet jedoch: Wieviel Potential haben die Kurse nach oben, wenn sich die Stimmung bessert und die Bewertungen wieder Normalniveau erreichen?

Die Antwort liefert der Dreisatz, den wir in der Schule gepaukt haben: Wenn der DAX bei rund 14.500 mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,5 bewertet ist, wo liegt er dann, wenn das KGV wieder ein Normalniveau von 15 erreicht? Ganz einfach: bei 17.400!

Das ist also mein Mindestziel für den Verlauf des nächsten Jahres. Klar, bis dahin müssen die Ängste überwunden werden, die derzeit kursieren. Und Jerome Powell muss eingesehen haben, dass er das viele Geld, das er gedruckt hat, nicht wieder einsammeln kann. Beides wird passieren, da bin ich mir sicher. Zwar nicht morgen oder übermorgen, aber spätestens im nächsten Jahr.

Bis dahin bleibt’s holprig an der Börse, wie von mir am Jahresanfang avisiert. Beruhigend finde ich es trotzdem, schon jetzt etwas weiter nach vorne blicken.

Kutzers Zwischenruf: So werden Sie zum Selfmade-Millionär

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Vermutlich gehören die meisten von Ihnen längst zum Kreis der (Multi-)Millionäre, geschätzte Anleger. Oder etwa nicht? Vorsorglich sollten die „Ärmeren“ wissen, wie man es werden kann. Dazu gibt es eine neue Studie, die deutlich macht, welche Eigenschaften Selfmade-Millionäre gemeinsam haben und was sie vom Rest der Bevölkerung unterscheidet. Naturgemäß spielt der Börsenerfolg dabei eine Rolle.

Millionäre ticken anders. Vor allem, wenn sie sogenannte Selfmades sind, also ihr Vermögen nicht qua Erbe zu ihnen kam. Insbesondere fünf Persönlichkeitsprofile sind bei Selfmade-Millionären besonders stark ausgeprägt (auch bei Ihnen?): Risikobereitschaft, emotionale Stabilität, Offenheit, Extraversion sowie Gewissenhaftigkeit. Interessanterweise ist das Vermögen umso größer, je mehr die Persönlichkeit den Punkten entspricht. Dies zeigen Daten einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung und der Universität Münster. Dabei liegen diese Typen (entgegen manchen Vorurteilen) selten auf der faulen aut. Die durchschnittliche geleistete Arbeitszeit beträgt bei Millionären 46,9 Stunden pro Woche. Bürger, die in puncto Vermögensverteilung der unteren Hälfte zuzuordnen sind, arbeiten im Mittel 36,4 Stunden pro Woche.

Die Risikobereitschaft scheint eine besonders große Rolle zu spielen. Dies manifestiert sich unter anderem auch darin, dass 73 Prozent der Reichen selbständig bzw. unternehmerisch tätig sind, und demzufolge auf ein von vielen als sicher wahrgenommenes Angestelltenverhältnis verzichten.

Auch in puncto Investments sind sie eher geneigt, Risiken einzugehen. Während die Börse in bestimmten Kreisen der Bevölkerung als Zocker-Paradies abgestempelt wird, gehen die Profis vielmehr aus Überzeugung ein kalkuliertes Risiko ein und sehen systemische Chancen. Gemäß dem Deutschen Aktieninstitut sind 42 Prozent der Anlegerinnen und Anleger bereit, bei der Geldanlage Risiken einzugehen, wenn sie gute Kenntnisse über Geld- und Kapitalanlagen aufweisen. Zum Vergleich: bei der Gruppe, die schlechte Kenntnisse über Geld- und Kapitalanlagen aufweist, bezeichnen sich nur 7 Prozent risikobereit.

An dieser Stelle möchte ich dringend ergänzen, dass „gute Kenntnisse“ von der Börse nicht nur die Angst vor den Risiken entscheidend reduzieren, sondern vor allem die Vorteile des langfristigen Investments deutlich machen. Das ist auch ein wesentlicher Grund für das seit ein paar Jahren (endlich) steigende Interesse breiter Bevölkerungskreise an der Aktienanlage – junge Menschen tragen zu besser werdenden Statistiken über die Anlegerkultur in Deutschland maßgeblich bei.

Auch mit weiteren gängigen Klischees wissen aktuelle Daten aufzuräumen: So ist die allgemeine Lebenszufriedenheit bei Millionären beispielsweise überdurchschnittlich hoch. Geld allein mag nicht glücklich machen, aber einen kleinen Teil dazu beitragen. Noch gravierender: bei einigen Jahrgängen hat das reichste Zehntel eine um bis zu sieben Jahre längere Lebenserwartung als das ärmste Zehntel.

Meine Empfehlung am Rande: Googeln Sie doch einmal Zitate und Sprüche zum Börsenerfolg bzw. zum reich werden an der Börse. Da ist viel Interessantes von interessanten Leuten dabei. Mein Beispiel von André Kostolany: „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reich wird; ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: Indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden.“