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Zölle treiben Inflation – Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

Die Zeit des wachsenden Welthandels und der fallenden Handelsschranken scheint endgültig vorbei. Nachdem bereits unter US-Präsident Donald Trump umfangreiche Zölle eingeführt wurden, vor allem gegenüber China, aber auch Europa, hat der amtierende Präsident Joe Biden noch mal nachgelegt und auf Elektroautos aus China, Solarpanels und vielerlei weitere Produkte die Zölle vervielfacht. Europa legt nun ebenfalls nach, mit Zöllen auf Elektroautos. Diskutiert wird dabei immer über die Auswirkungen auf Unternehmen, sofern es seitens China zu Gegenmaßnahmen komme.

Vor allem die deutsche Automobilindustrie zittert jetzt. Es fiel den anderen Ländern Europas leichter, diese Zölle einzuführen, weil deren Automobilhersteller in China kaum Marktanteile haben. Bei den deutschen und vor allem bei Volkswagen geht es um viel. Zwar sind sie bei den Elektroautos sowieso ins Hintertreffen geraten und werden in China wohl kaum ein Fuß auf den Boden bekommen, noch verkaufen Sie aber eben auch Verbrenner, die dann erheblich im Preis steigen würden.

Zölle verteuern heimische Produkte

Wenig diskutiert wird bisher der Einfluss der Zölle auf die Inflation. Denn was sollen Zölle bewirken? Sie sollen die teureren heimischen Produkte wieder wettbewerbsfähig machen, in dem die Billigprodukte aus dem Ausland mithilfe der Zölle teurer werden. China hat schon vorausgesehen, was kommen würde. Deswegen sind zuletzt die Containerpreise enorm gestiegen und extrem viele Elektroautos aus China wurden in den USA und Europa auf Halde gestellt, weil man sie noch mit günstigeren Zollsätzen einführen konnte. Sind diese verkauft, werden Autos aus China teurer. Und der Preisdruck auf die heimischen Hersteller wird nachlassen. Das gleiche gilt für Solarpanels, wo China den Markt fast als Monopol beherrscht. Selbstverständlich wird dies Auswirkung auf die Inflation in den USA, aber eben auch in Europa haben. Produkte, die Donald Trump in seiner Amtszeit mit Zöllen belegt hatte, stiegen im Preis deutlich stärker als Waren, die nicht betroffen waren.

Die rückläufige Inflation könnte sich plötzlich umdrehen und wieder Richtung vier Prozent laufen. Das würde die Notenbanken vor eine schwierige Aufgabe stellen, denn die zu erwartenden Gegenmaßnahmen seitens Chinas würden die heimische Konjunktur sicherlich schwächen, insbesondere in Ländern, die wie Deutschland stark vom Export abhängen. Wegen der Zölle steigende Preise und wegen nachlassender Auslandsnachfrage eine schrumpfende Wirtschaft würden dann in ein Stagflationsszenario führen – Inflation bei gleichzeitiger Rezession. 

Anleger sollten weiterhin auf die Arbeitslosigkeit achten

Ein Stagflationsszenario ist das für die Notenbanken schwierigste wirtschaftliche Umfeld, das es gibt. Auf der einen Seite müssten Sie die Konjunktur ankurbeln, auf der anderen Seite besteht dann die Gefahr, dass sie die zu hohe Inflation weiter antreiben. Für welche Seite sie sich entscheiden, dürfte extrem vom Arbeitsmarkt abhängen. Denn eine mögliche Stagflation heute wäre nicht so schlimm wie in den 1970er Jahren, damals führte die Stagflation zu mehr Arbeitslosigkeit. Aktuell ist es so, dass aufgrund der in Rente gehenden Babyboomer selbst bei einer Rezession womöglich die Arbeitslosigkeit zunächst unbedenklich bliebe.

Bisher ist es das auf jeden Fall zu beobachten. Obwohl die Wirtschaft nicht mehr stark wächst, vor allem nicht in Europa, liegt die Arbeitslosigkeit auf Rekordtief. Deutschland ist die einzige Ausnahme zumindest in dieser Hinsicht. Wir haben einige 100.000 Arbeitslose mehr als noch vor einem Jahr. Und es werden noch mehr. Die Ankündigungen von massenhaftem Stellenabbau bei Unternehmen der Automobilindustrie und ihren Zulieferern kennen wir alle. Deshalb ist Deutschland derzeit in Europa auch eher das Land, das sich Zinssenkungen wünscht, in der Eurokrise war es bekanntermaßen umgekehrt.

Da bettelten die hochverschuldeten Länder, deren Zinsen nach oben schossen, um eine lockerere Geldpolitik. Die bekamen sie auch, aber die aus der Deutschen Bundesbank entsandten Zentralbankmitglieder stellten sich stets dagegen. Das rächt sich jetzt ein wenig. Mit viel Mitleid kann Deutschland daher kaum rechnen. Es dürfte zu einer längeren Zinssenkungspause in Europa kommen, wie die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB) bereits durchblicken ließ. Die Aussichten für Aktien bessern sich dadurch nicht, eher im Gegenteil.

Man muss aber konstatieren, dass das derzeit für die Anleger ja offenbar keine Rolle zu spielen scheint, wobei der DAX tatsächlich erste Schwäche zeigt. Am kommenden Freitag ist der große Verfall an den Terminmärkten. Da könnte sich diese Schwäche eher noch verstärken. In der Vergangenheit war das oft so. So paradox es klingt, käme es zu einer längeren Abwärtsbewegung, dann wären wohl erst mehr Arbeitslose in den USA und Europa der Befreiungsschlag. Dann nämlich dürften die Zentralbanken selbst bei noch erhöhter Inflation die Geldpolitik deutlich lockern.

Neues vom Clubfonds: Roche

roche

Bei unserem Schweizer Depotwert, dem Pharma-Konzern Roche, haben die wegfallenden Corona-Umsätze im ersten Quartal 2024 letztmals ihre Wirkung gezeigt.

Konzernweit setzte Roche zwischen Januar und März mit 14,4 Milliarden Franken (14,8 Milliarde Euro) 6 Prozent weniger um als im Vorjahr, wie unser Depotwert mitteilte. Dabei belastete aber auch der starke Franken: Zu konstanten Wechselkursen legte der Erlös um 2 Prozent zu und lag damit im Rahmen der Zielsetzung des Managements von Roche.

Beide Sparten hatten im ersten Quartal Einbußen zu verkraften: Im Pharmabereich sank der Umsatz um 6 Prozent auf 10,9 Milliarden Franken. Zu den größten Wachstumstreibern zählt Roche hier etwa das Anfang 2022 eingeführte Augenmedikament Vabysmo.

In der Diagnostik-Sparte setzte Roche 3,5 Milliarden Franken um, eine Abnahme ebenfalls von 6 Prozent gegenüber dem Vergleichswert 2023. Vor allem das Basisgeschäft habe sich in den ersten drei Monaten aber weiter sehr stark entwickelt. Die Nachwehen durch die nachlassenden Einnahmen mit coronabezogenen Medikamenten und Tests hält das Management nunmehr für überstanden.

Die ausgewiesenen Zahlen liegen überwiegend im Rahmen der erwarteten Spanne der Analystenschätzungen. Gewinnzahlen legt Roche nach drei Monaten wie einige andere Werte in unserem Depot traditionell nicht vor.

Trotz alledem, Anleger erwarten weitere Impulse oder besser gesagt Nachschub aus der Produkt-Pipeline des Konzerns.

Der Pharma-Konzern überprüft nun bereits seit vergangenem Jahr die eigene Pipeline, um sich künftig vor allem auf die vielversprechenden Kandidaten zu konzentrieren. Auch mit Blick auf die Produktionsstandorte lotet das Management eigenen Angaben zufolge Möglichkeiten aus, das Netzwerk zu optimieren.

Aber es ist aus Sicht ihres Autors wirklich nicht leicht, immer neue Produkte zu entwickeln, zumal der behördliche Zulassungsprozess bei Medikamenten ja doch einige Hoffnungen in den jeweiligen Phasen immer wieder platzen lässt. Und wenn dann ein Medikament die Zulassung erhält, dann kann es immer noch Probleme nach Jahren geben, wie wir erst kürzlich unseren Depotwert J&J oder in der Vergangenheit beim Pharma-Konzern Bayer erleben mussten.

Zukünftiges Ziel sei ein Portfolio, in dem sich vor allem solche Kandidaten befänden, die Roche zum Klassenbesten kürten, sagte Konzernchef Thomas Schinecker in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Und wenn es nicht für den Klassenbesten reiche, dann sollten die jeweiligen Projekte zumindest für die Patienten eine deutliche Verbesserung gegenüber der gängigen Standardtherapie bedeuten. Und wir würden hinzufügen, sonst dürften die Krankenkassen bei nicht nachweisbaren Verbesserungen die rote Karte ziehen und das Medikament nicht mehr bezahlen.

Wie Schinecker weiter betonte, dürften die Überarbeitung der Pipeline und die erwartete Priorisierung bestimmter Projekte einen erheblichen Beitrag zu einer besseren Effizienz leisten. Seit dem dritten Quartal 2023 habe Roche bereits etwa 20 Prozent der Pipeline-Projekte gestoppt.

Mit Blick nach vorne werde auch der chinesische Markt weiter eine zentrale Rolle spielen. Alleine schon wegen seiner Größe stelle er eine potenzielle Wachstumsquelle dar. Vor allem die Diagnostik-Sparte habe auf dem Markt eine starke Position, auf die es weiter aufzubauen gelte, ergänzte der Diagnostik-Chef Matt Sause.

Für jeden Pharma-Konzern ist der Ablauf der Patentschutzfrist ein Problem, da dann die billigeren Nachahmerprodukte auf den Markt kommen. Selbst wenn Ärzte diese Originalprodukte weiter verschreiben, dürfen die Apotheken in der Regel nur die Nachahmerprodukte an die Patienten herausgeben, über die die jeweilige Versicherung einen Gruppenvertrag abgeschlossen hat.

Die erwarteten Einbußen durch Nachahmerprodukte dürften unterdessen nicht mehr so stark belasten wie in der Vergangenheit. Hier bestätigte der Konzern frühere Angaben, wonach Generika 2024 etwa 1,6 Milliarden an Umsatz kosten dürften. Da ist es schon gut, wenn neue patentgeschützte Medikamente zugelassen werden.

 
Roche kann gleich mit zwei Zulassungen punkten. In der EU hat das Krebsmittel Alecensa in einer weiteren Indikation grünes Licht erhalten und in den USA hat der Konzern für einen 4in1-Molekulartest eine Notfallzulassung erhalten, wie aus zwei separaten Mitteilungen vor wenigen Tagen hervorgeht. Alecensa (Alectinib) darf künftig in der EU auch als Monotherapie zur unterstützenden Behandlung nach einer Tumorresektion bei erwachsenen Patienten mit einem bestimmten Lungenkrebs (NSCLC) eingesetzt werden, bei denen die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass der Krebs zurückkommt.

In den USA wiederum hat die Gesundheitsbehörde FDA einem Vier-in-Eins-Molekulartest per Notfallzulassung den Weg geebnet. Mit nur einer Nasenabstrichprobe könne der Test den Nachweis für SARS-CoV-2, die Influenza A/B-Viren und das Respiratory-Syncytial-Virus (RSV) erbringen. Der Test verwende eine hochempfindliche PCR-Technologie. Er ermöglicht medizinischen Fachkräften, sichere klinische Entscheidungen zu treffen und umgehend eine geeignete Behandlung festzulegen, wobei die endgültigen Ergebnisse in nur 20 Minuten vorliegen, wie weiter mitgeteilt wird.

Wir sehen also, es ist immer wichtig für einen Pharma-Konzern wieder etwas Neues auf den Markt zu bringen. Das tut dem Kurs der Aktie gut. Wenn wir uns den Chart anschauen, dann scheint das Schlimmste erst einmal überstanden zu sein. Von seinem Jahrestief im April dieses Jahres mit 27,10 Euro hat sich der Kurs auf aktuell 31,50 Euro mit steigender Tendenz erholt.

Qualität an der Börse kostet – gut so!- Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

Qualität an der Börse kostet – gut so!
Derzeit hört man immer wieder, dass die Börsen hoch bewertet seien. Ein genauer Blick stützt diese Aussage allerdings nicht. Schaut man beispielsweise auf den S&P-500-Index, dann liegt dieser zwar doch recht deutlich über seiner historischen Durchschnittsbewertung.

Nimmt man allerdings die berühmt berüchtigten „Magnificent Seven“- Aktien heraus, liegt die Bewertung schon auf dem historischen Durchschnitt. Das Ganze zeigt sich auch bei der Betrachtung des S&P-500-Equal-Weight-Index, in dem alle Titel und eben auch die großen Technologiewerte mit 0,2 Prozent gleich gewichtet werden.

Beim Blick in die zweite Reihe in den USA lässt sich sogar feststellen, dass die Bewertung unter dem historischen Durchschnitt liegt. Ähnliches gilt für Europa mit dem EuroStoxx50 und auch für den Dax. Historisch betrachtet sind sie nicht teuer. Von einem allgemein hoch bewerteten Aktienmarkt zu sprechen, ist daher falsch.

Qualität hat auch in der zweiten Reihe ihren Preis
Trotz dessen sind viele Aktien nicht günstig, sondern eher teuer. Es sind die Unternehmen, die wir alle lieben. Unternehmen mit hohen Gewinnmargen, steigenden Gewinnen und Cashflows sowie wachsenden Marktanteilen in profitablen, insgesamt wachsenden Branchen.

Dazu gehören, mal abgesehen vielleicht von Tesla, die „Magnificent Seven“ in den USA und auch die „Granolas“ in Europa. Hinter dieser Abkürzung verbergen sich Unternehmen wie LVMH (Louis Vuitton), ASML oder Novo Nordisk. Auch hier handelt es sich um große Titel mit vielen Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Auch diese Aktien werden nach oben getragen durch die massiven Käufe von S&P 500 oder MSCI World ETFs.

Da diese Firmen mit hohen Gewichtungen in den Indizes enthalten sind, profitieren sie entsprechend von diesen Mittelzuflüssen. Auf unserer jüngsten Anlagestrategiesitzung bei Acatis fragte ich deshalb unsere Portfoliomanager, ob es nicht Unternehmen aus der zweiten Reihe gäbe, die die gleichen Qualitätsmerkmale aufweisen würden, die aber wie der Rest der Nebenwerte noch günstig bewertet seien, weil sie eben nicht von den ETF-Käufen profitierten.

Die Antwort war leider: Nein. Die Titel, die ins Schema passten und die wir diskutierten, hatten alle Kurs-Gewinn-Verhältnisse von um die 30. Was billig ist, hat in der Regel eben auch einen Makel. Das ist der Unterschied zum Börsenaufschwung 2021, als alles ähnlich wie im Internet-Boom um die Jahrtausendwende nach oben gejubelt wurde, was mit Technologie zu tun hatte. Unprofitable Technologieunternehmen stiegen in dem Jahr sogar stärker als die hoch profitablen bekannten Namen. Mittlerweile wurden diese aber abgestraft, und das aus gutem Grund.

Deutsche Autokonzerne als Value-Fallen
Deutsche Automobilhersteller sind ein schönes Beispiel für Aktien mit günstiger Bewertung, aber einem entscheidenden Makel. Auf den ersten Blick erschienen sie unglaublich attraktiv. Mercedes, BMW, Volkswagen und Porsche bekam man zusammen weit günstiger als Tesla.

Da lachten einen Kurs-Buchwert-Verhältnisse von unter eins und Dividendenrenditen von über fünf Prozent an. Trotzdem blieb es ein schlechtes Geschäft, weil die Profite von heute zwar im Verhältnis zum Kurs der Aktien sehr hoch sind, aber niemand weiß, wer im Zuge der Transformation ins Zeitalter der Elektromobilität der Gewinner sein wird.

Nach den deutschen Autobauern sieht es derzeit jedenfalls nicht aus, vor allem nicht für Volkswagen im mittlerweile wichtigsten Markt China. Da sieht es eher danach aus, als würden die deutschen Automobilhersteller marginalisiert. Zum Glück haben wir es geschafft, selbst als eingefleischte Value-Anleger der Versuchung dieser attraktiven Kennzahlen zu widerstehen.

Viele andere Beispiele dieser Art gibt es zuhauf. Dazu gehören auch Unternehmen, deren Geschäftsmodell massiv durch die Disruption gefährdet sind, die die künstliche Intelligenz mit sich bringen wird. Und so bleibt eine Erkenntnis: Qualität hat ihren Preis. Wer sie günstig einkaufen will, der wird auf einen Rückschlag warten müssen. Und, so viel ist sicher: Der kommt immer irgendwann.

Neues vom Clubfonds: RWE

Rwe

Alles spricht von den Möglichkeiten und Chancen der Künstlichen Intelligenz. Aber haben wir uns eigentlich schon überlegt, dass die KI ohne Strom nicht laufen würde?!

Mithilfe von KI-Assistenten wie ChatGPT oder Gemini lassen sich Routineaufgaben wie das Zusammenfassen von Texten aus unterschiedlichen Quellen, das Beantworten von E-Mails oder Kundenanfragen oder das Erstellen von Texten und interaktiven Grafiken schnell und effizient bewältigen. Auch bei komplexen Themen und Fragestellungen wie der Optimierung von Produktionsprozessen und Arbeitsabläufen, Erstellung von Medien- und Werbekampagnen, der Auswertung und Analyse umfangreicher Datenmengen sind moderne digitale KI-Helfer schon jetzt in vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken. Der KI-Boom hat allerdings auch seine Schattenseiten, denn nicht nur die Erstellung und das Training von generativen KI-Applikationen und LLMs, wie ChatGPT oder Gemini, erfordern enorme Rechenpower, was mit einem deutlich höheren Energiebedarf einhergeht. Auch die Nutzung der mittlerweile online verfügbaren KI-Helfer lässt den Stromverbrauch deutlich in die Höhe schnellen. So wird für eine Anfrage bei ChatGPT oder Gemini Schätzungen zufolge mehr als zehnmal mehr Strom benötigt als bei einer Suchanfrage bei der herkömmlichen Suchmaschine Google und die Nachfrage auf Jahre massiv erhöhen. Konkret gehen die Analysten von Goldman Sachs davon aus, dass sich der Energieverbrauch bei Rechenzentren bis 2030 weltweit im Vergleich zum Referenzjahr 2020 mehr als verdreifachen wird. Gerade in Europa dürfte der KI-Boom nach Einschätzung der Goldmänner die Stromnachfrage in den kommenden Jahren deutlich nach oben treiben. Basierend auf den Elektrifizierungszielen des REPower-EU-Plans und unter Berücksichtigung des weiter forcierten Datacenter- Ausbaus dürfte der Energieverbrauch laut GS in der EU in den kommenden zehn Jahren um 40 Prozent zulegen.

Unser Depotwert RWE hat dank seiner gut ausgebauten Ökostromkapazitäten gute Chancen, um von der kräftig steigenden Energienachfrage im Zuge des KI-Booms massiv profitieren zu können. Denn Hyperscaler wie Microsoft, Alphabet oder Amazon AWS setzen bei der Stromversorgung ihrer Data- und Cloudcenter vor allem auf regenerative Energien. Dies ist nicht nur gut fürs Image, sondern macht sich angesichts steigender CO2-Abgaben auch positiv auf der Kostenseite bemerkbar. Da RWE seine Ökostromkapazitäten in den vergangenen Jahren dank milliardenschwerer Investitionen massiv ausgebaut hat, ist unser Wert gut aufgestellt, um von der steigenden Nachfrage bei Ökostrom profitieren zu können. Mit einer installierten Gesamtleistung von rund 35,5 GW bei Wind- und Solarenergie gehört RWE schon jetzt zu den weltweit führenden Anbietern bei Wind- und Solarstrom. Da RWE sein Budget für den Ausbau seiner Ökostromkapazitäten bis zum Dekadenende im Zuge des überarbeiteten Investitionsprogramms “Growing Green” von 50 auf 55 Milliarden Euro erhöht hat, dürfte RWE seine installierte Gesamtkapazität im margenstarken Ökostromsegment bis zum Ende der Dekade auf mehr als 65 GW ausbauen. Dadurch erhofft sich RWE einen deutlich positiven Beitrag zum Konzernergebnis, da sich mit Ökostrom im Vergleich zu konventioneller Energie aus Kohle- oder Gaskraftwerken deutlich höhere Margen erzielen lassen. Entsprechend rechnet RWE bis zum Dekadenende mit einer Verbesserung beim bereinigten operativen Ergebnis von 14 Prozent, wobei für 2030 ein bereinigtes operatives Ergebnis von mehr als 9 Milliarden Euro angepeilt wird.

RWE legt den Fokus beim Ausbau seiner Wind- und Solarstromkapazitäten vor allem auf Auslandsmärkte wie den USA, deshalb hat man in Nordamerika dank der Übernahme des Ökostromanbieters Con Edison bereits eine kritische Größe erreicht. Mittlerweile liegt die installierte Gesamtkapazität Nordamerika bei 9 GW, wobei man außerdem über eine attraktive Projektpipeline mit einer Gesamtkapazität von 24 GW verfügt. Damit hat RWE gute Chancen, bei langlaufenden Stromabnehmerverträgen, so genannten Power-Purchase-Agreements (PPA), mit Hyperscalern zum Zug zu kommen. Nachdem unser Depotwert bereits 2021 einen langlaufenden Ökostromliefervertrag mit Meta abschließen konnte, präsentierte RWE kürzlich mit Microsoft einen weiteren hochkarätigen Neukunden aus dem Technologiesegment. Im Rahmen des PPA-Abkommens wird man Microsoft über 15 Jahre mit Grünstrom aus zwei Onshore-Windparks im US-Bundesstaat Texas versorgen. Auch mittelfristig dürfte das positive Momentum bei langlaufenden PPA-Verträgen beim Essener Energieversorger weiter anhalten.

Zuletzt wurde RWE vor allem durch das schwache Europageschäft ausgebremst. Vor allem sinkende Großhandelspreise hatten auf die Margen gedrückt. Entsprechend sah man sich Mitte März zu einer Senkung der Jahresprognose gezwungen, wobei der bereinigte operative Gewinn aus dem Tagesgeschäft nunmehr am unteren Ende der Spanne von 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro erwartet wird. Im 1. Quartal des neuen Fiskaljahres musste RWE erneut beim bereinigten EBITDA aufgrund rückläufiger Großhandelspreise und Rückgängen im Energiehandelssegment über einen deutlichen Rückgang von 2,3 auf 1,71 Milliarden Euro quittieren, während der bereinigte Nettogewinn mit 801 Millionen Euro ebenfalls deutlich unter Vorjahresniveau (1,3 Milliarden Euro) gelegen hatte. Damit schnitt RWE jedoch besser als befürchtet ab. Trotz des deutlichen Gewinnrückgangs sieht RWE Licht am Ende des Tunnels. So hätten sich nach Aussage von CFO Michael Müller die Großhandelspreise für Strom zuletzt wieder deutlich stabilisiert, während man auch im Stromhandelsgeschäft wieder deutlich positive Impulse erwartet. Daher könnte RWE nach dem besser als befürchtetem Abschneiden im 1. Quartal vor einer Prognoseanhebung stehen, so die Einschätzung vieler Analysten. Aktuell rechnet der Analystenkonsens auch aufgrund der hohen Konzernverschuldung und der milliardenschweren Investitionen in den Ökostromausbau für 2025 mit einem EPS von 2,05 Euro, während der Gewinn je Aktie in 2026 bei 2,23 Euro erwartet wird. Hellt sich das Umfeld vor allem bei den Großhandelspreisen weiter auf, bieten sich hier aufgrund der zu erwartenden steigenden Stromnachfrage deutlich Spielraum für Luft nach oben.

Schwere Zeiten für Bären – Gastkommentar Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

Immer wieder analysiere ich die Aktienmärkte an dieser Stelle anhand von Stimmungsindikatoren. Und wenn ich etwas gelernt habe in über 30 Jahren Analyse, dann eines: Trotz guter Stimmung und selbst bei Euphorie können Märkte oft noch lange weiter steigen. Stimmungsindikatoren funktionieren einfach deutlich besser, um das Tief an den Aktienmärkten auszuloten, als einen möglichen Hochpunkt. Sind sie dann aber überhaupt brauchbar, um mit ihrer Hilfe Ausstiegszeitpunkte oder möglicherweise auch Zeitpunkte zu bestimmen, an denen man auf fallende Kurse setzt? Isoliert betrachtet eher nein, in Kombination mit anderen Faktoren allerdings schon. Gab es bereits eine längere Aufwärtsphase an den Aktienmärkten gepaart mit schon länger sehr optimistischen Stimmungsindikatoren, kann man beim Eintreffen schlechter Nachrichten mit einer starken Abwärtsreaktion rechnen. Denn in diesem Fall gibt es viele spekulative Kaufpositionen im Markt, die dann aufgelöst werden.

Es kam wie prognostiziert
Vor fünf Wochen – wie wir heute wissen, ziemlich genau am Tiefpunkt der April-Korrektur – schrieb ich an dieser Stelle, dass die Bewegung der dann folgenden Tage für den weiteren Weg der Märkte entscheidend sein könnte. So war es auch. Die Korrektur setzte sich nicht fort und löste somit auch keine weiteren Stopp-Loss-Verkäufe aus. Im Gegenteil, der Markt drehte, und brachte unterinvestierte Fondsmanager und short positionierte Hedgefonds in Bedrängnis. Ihre Käufe trugen dann die Kurse abermals auf Rekorde. Es sind wirklich schwere Zeiten für Bären. Ich gebe unumwunden zu, dass ich mich schon seit längerem in diesem Lager befinde.

Stimmungsindikatoren sind bereits wieder sehr optimistisch
Die Rekordkurse haben ihre Spuren hinterlassen. Die Bullen haben mittlerweile wieder Oberwasser. Börsenbriefe für Technologie-Aktien in den USA zeigen sich zu über 80 Prozent optimistisch. Man kann an diesem Indikator aber auch gut erkennen, dass mit der Korrektur im April die Stimmung sehr schnell einbrach. Das ist ein besonderes Kennzeichen der aktuellen Aufwärtsbewegung. Gibt es eine Korrektur, stürzen sich sehr schnell viele Marktteilnehmer mit entsprechenden Positionen auf diese, in der Annahme, dass jetzt die vorhandenen Unsicherheitsfaktoren eingepreist werden.

Aktuell sind diese eine mögliche Stagflation in den USA, geopolitische Spannungen zwischen China und Taiwan und damit auch der westlichen Welt und die US-Wahl. So entstehen in jeder Korrektur schnell große Short-Positionen und damit das Potenzial eines Short Squeeze, in dessen Folge die Kurse wieder nach oben schießen. Denn erst wenn die Kurse schon ein Stück korrigiert haben, geraten diejenigen in Not, die auf deren Anstieg gesetzt haben. Insofern haben die internationalen Aktienfondsmanager mit ihren historisch geringen Barquoten von vier Prozent derzeit kein Problem.

Das könnte sich aber ändern, wenn es in näherer Zukunft zu negativen Ereignissen, wie beispielsweise einer überraschenden Zinserhöhung in den USA oder einer Verschärfung geopolitischer Konflikte kommt. In diesem Fall wäre das Abwärtspotenzial derzeit groß.

Neu im Clubfonds: Starbucks

starbucks

Starbucks Corp. ist ein auf Kaffeeprodukte spezialisiertes, international tätiges US-amerikanisches Einzelhandelsunternehmen und Franchisegeber. Das Unternehmen hat seinen Hauptgeschäftssitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington. Starbucks kauft, röstet und vertreibt Kaffeebohnen über die bekannten konzerneigenen und lizenzierten Selbstbedienungscafes (insgesamt über 30.500) in 80 Staaten (Stand: November 2021) und ist somit die größte Kaffeehauskette der Welt.

Im April 1971 eröffneten die Studienfreunde Gerald Baldwin, Gordon Bowker und Zev Siegl aus San Francisco im alten Hafen Seattle am Pike Place 1912 das Kaffee-, Tee- und Gewürzgeschäft „Starbucks Coffee, Tea and Spice.“ Den Namen wählten sie in Anlehnung an den Steuermann Starbuck aus Herman Melvilles berühmten Roman Moby Dick. Bis 1981 wurden weitere drei Filialen in Seattle eröffnet.

Zu einem regelrechten Schub in der Firmengeschichte kam es, als Howard Schultz 1982 die Leitung des Einzelhandels und die Vermarktung übernahm. Zunächst weitete er das Geschäft auf die Belieferung gehobener Restaurants und Espresso-Bars mit Kaffeebohnen  aus. Der Besuch einer Verkaufsmesse in Mailand brachte ihn 1983 auf die Idee, neben dem Bohnenverkauf auch zubereiteten Kaffee zum Vor-Ort-Verzehr anzubieten. 1984 gestanden ihm die Inhaber zu, kleine Espresso-Bars in den Läden einzurichten. Das Kaffeebarkonzept erwies sich als erfolgreich, wenngleich eine weitere Expansion abgelehnt wurde, da laut Baldwins, Bowkers und Siegls die Liebhaberei immer Vorrang vor dem Geschäftlichen haben sollte. Also kündigte Schultz bei Starbuck und eröffnete 1985 mit Unterstützung seiner früheren Arbeitgeber seine eigene Kaffeebar namens Il Giornale.

Mit Hilfe von Investoren kaufte er nach einem Übernahmeangebot 1987 das Unternehmen Starbucks für 3,8 Millionen Dollar und begann mit 11 Läden und 100 Angestellten mit dessen Expansion.

Starbucks wurde 1992 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Stammaktien werden seither am NASDAQ National Market unter dem Kürzel „SBUX“ gehandelt. Mit dem Geld des Börsengangs konnte das Filialnetz ausgebaut werden; Starbucks war bald an 272 Standorten vertreten.

Im Jahr 2000, bei weltweit 3.500 Standorten, zog sich Schultz aus dem operativen Geschäft zurück und wechselte in den Aufsichtsrat.

2004/2005 geriet Starbucks’ deutscher Partner Arcandor in finanzielle Schwierigkeiten, worauf die KarstadtCoffee GmbH vom amerikanischen Mutterkonzern übernommen wurde.
Wegen zahlreicher Probleme kehrte Schultz im Januar 2008 als CEO zurück und leitete eine Sanierung und eine neue Markterschließungsstrategie ein. Im Mai 2018 übernahm unser Depotwert, der Schweizer Nestle-Konzern, für 7,15 Milliarden Dollar die weltweiten Vermarktungsrechte für Produkte wie Bohnen oder gemahlenen Kaffee des Produzenten Starbucks. Nicht davon betroffen sind fertige Getränke und der Verkauf sämtlicher Produkte in Starbucks-Cafés. Das entsprach in etwa dem 3,5-fachen des damaligen Jahresumsatzes.

Nach dem er 2018 sich wieder zurückgezogen hatte, kehrte Schultz übergangsweise 2022 als CEO zurück, um das Ruder ab März an Laxman Narasimhan zu übergeben.

Der Blick in die Bücher
Im Jahr 2023 erzielte Starbucks mit rund 36 Milliarden Dollar einen neuen Umsatzrekord. Mit einem Markenwert von rund 61,5 Milliarden Dollar landete die Coffeeshop-Kette auf dem zweiten Platz der wertvollsten Fast-Food-Marken weltweit, hinter dem absoluten Marktführer unserem Depotwert McDonald’s mit einem Markenwert von circa 191 Milliarden Dollar. Im Geschäftsjahr 2023 erzielte die Kette einen Reingewinn von rund 4,1 Milliarden Dollar.

Die aktuelle Dividende für 2023 beträgt zwei Euro, was einer Rendite von 2,83 Prozent entspricht. Die Ausschüttungen haben sich in den letzten drei Jahren um 10,72 Prozent erhöht.

Die letzten Quartalszahlen von Starbucks waren sicherlich alles andere als umwerfend. Ganz konkret kam es in den ersten drei Monaten des Jahres zu einem Umsatzrückgang von gut 2 Prozent. Dieses eher kleine Minus ist aber nicht der Hauptgrund für die negative Reaktion der Investoren. Vielmehr ist gleichzeitig der Nettogewinn gegenüber dem Vergleichsquartal um 15 Prozent auf einen Betrag von 773 Millionen Dollar eingebrochen. Beide Ergebnisse sind auf einen gewissen Kundenschwund zurückzuführen.

Was sagen die Analysten?
Aktuell liegen 33 Einschätzungen auf dem Portal marktscreener vor. Jeweils sechs Einschätzungen enden mit einer Kauf bzw. Aufstockungsempfehlung. 21 Analysten sagen „halten“.

Das mittlere Kursziel wurde mit 89,65 Dollar ermittelt, wobei der Korridor am oberen bei 120 Dollar und am unteren Ende bei 77 Dollar gezogen wurde.

Der Chart der Aktie ist, wen wundert es, tiefrot. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 18 Prozent verloren. Einen regelrechten Einbruch erlebten die Aktionäre nach den enttäuschenden Quartalszahlen. Da stürzte die Aktie auf ihr Jahrestief von 67 Euro ab. Das Jahreshoch von 100,20 Euro ist weit entfernt, auch wenn sich unser neuer Wert wieder auf aktuell über 70 Euro erholen konnte.

Fazit
Angesichts inflationsbedingter Ebbe im Geldbeutel findet so manch treuer Besucher jetzt anscheinend etwas weniger häufig den Weg zu Starbucks. Dieser Entwicklung möchte Starbucks natürlich entgegenwirken. Deshalb zielt das Unternehmen nun mit verschiedenen Taktiken wie günstigeren Angeboten, einigen neuen Produkten und einem schnelleren Service darauf ab, Kunden zurückzugewinnen. Starbucks hat in seiner Geschichte sicherlich schon herausfordernde Phasen gemeistert.

Außerdem sollten wir den weiterhin intakten Expansionskurs nicht vergessen. Alleine in den letzten zwölf Monaten (Stichtag: 31.03.2024) hat Starbucks 1.734 neue Filialen eröffnet. Das ist immerhin ein Anstieg um neun Prozent.