Das letzte Jahr, in dem der deutsche Leitindex DAX40 im Minus geendet hat, war 2022. Damals hatte die russische Armee das Nachbarland Ukraine überfallen. Die Welt und damit die Märkte mussten mit dieser neuen Situation erst einmal klarkommen, und das Jahr endete mit 12,35 Prozent im Minus. Obwohl der militärische Einmarsch von russischer Seite als Blitzkrieg geplant war – wir erinnern uns an die berühmten 72 Stunden – geht der Krieg nun in das fünfte Jahr.
Die Märkte tangiert der Konflikt nicht mehr so stark wie zu Beginn. So schloss der DAX40 die folgenden drei Jahre im Plus (2023: 20,31 Prozent; 2024: 18,85 Prozent; 2025: 23,01 Prozent). Und wenn wir uns die ersten Wochen des neuen Jahres anschauen, dann scheint es hoffentlich ähnlich weiterzugehen. Mitte Januar erzielte der DAX40 ein neues Allzeithoch von 25.507 Punkten.
Obwohl die deutsche Wirtschaft nach wie vor schwächelt. Laut dem Münchner ifo-Institut steckt Deutschland mittlerweile seit mehr als zwei Jahren in einer Krise, wobei konjunkturelle und strukturelle Faktoren belastend wirken. Bereits 2023 gab es mit einem BIP-Rückgang von –0,3 Prozent eine Rezession bzw. genauer gesagt eine Stagflation (wirtschaftlicher Rückgang bei steigenden Preisen). 2024 folgte ein weiterer Rückgang um –0,2 Prozent, sodass das BIP nur noch knapp über dem Niveau des Jahres 2019 lag.
In der Winterprognose rechnet das ifo-Institut für 2025 mit einem mageren Wachstum von +0,1 Prozent und für 2026 mit +0,8 Prozent. Also noch nicht das große Wachstum, das die Politik angekündigt hatte. Eigentlich stellen die positiven Prognosen für die deutsche Wirtschaft nur eine Reaktion auf die massive Neuverschuldung der Bundesregierung dar. Gleichzeitig hat das ifo-Institut die Prognose für 2026 im Vergleich zum Herbstgutachten um 0,5 Prozentpunkte nach unten korrigiert.
Nach einer Talsohle im Winterhalbjahr 2024/25 sollen in diesem Jahr vor allem fiskalische Impulse der neuen Bundesregierung zu etwas mehr Wachstum führen. Belastend wirken jedoch der schleppende Strukturwandel sowie die Zollpolitik der USA, die aktuell vor dem Supreme Court geprüft wird. Sollten die Zölle zurückgenommen werden – etwa weil sie als rechtswidrige Einzelentscheidungen des Präsidenten gewertet werden oder durch die Midterm-Wahlen im November durch einen neu zusammengesetzten Kongress aufgehoben werden –, stellt sich für uns die Frage, was dann eigentlich die Ursachen für die schwachen Wirtschaftsdaten in Deutschland sind.
Wenn wir keine Schuldigen im Ausland mehr finden können, müssen wir uns dann nicht endlich fragen, was in Deutschland schiefläuft? Haben wir die richtigen politischen Entscheidungen und die richtige Struktur in der Regierung? Es geht längst nicht mehr nur um Besitzstandswahrung durch einen stark gewachsenen Sozialstaat und eine große Regierungs- und Behördenbürokratie, die alle ihre Daseinsberechtigung nachweisen wollen, sondern um die Existenz Deutschlands als Industrie- und Exportnation.
Aktuell wird die Börse weiterhin durch die Wirtschaftspolitik des erratisch agierenden US-Präsidenten, die Zins- und Inflationsdynamik sowie durch geopolitische Konflikte und Unsicherheiten geprägt. Da sich die Preissteigerungsraten zuletzt einigermaßen stabilisiert haben, setzte die US-Notenbank Fed zur Stützung des schwachen Arbeitsmarkts den Ende 2024 begonnenen Zinssenkungszyklus mit weiteren Schritten fort. Marktexperten erwarten jedoch für dieses Jahr nur noch zwei kleine Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte – auch unter dem designierten neuen Fed-Chef Kevin Warsh.
Neben der umstrittenen Zoll- und Handelspolitik der USA könnten zahlreiche geopolitische Konflikte für unerwartete Entwicklungen sorgen. Während beim Ukraine-Krieg weiterhin kein Frieden oder zumindest ein Waffenstillstand in Sicht ist und möglicherweise eine weitere Eskalation droht, könnte es zwischen dem Iran und den USA nach der Niederschlagung der landesweiten Proteste zu einer Verhandlungslösung kommen. Als Drohkulisse wurde ein großes militärisches Aufgebot in Richtung Golfstaaten verlagert. Eine Eskalation bleibt also möglich. Auch die Spannungen zwischen China und Taiwan bzw. zwischen China und den USA sind zuletzt wieder gestiegen.
Während in Deutschland die Zahl der Menschen ohne Arbeit sowie die Zahl der Kurzarbeiter und Teilnehmer in Fördermaßnahmen steigt, zeigt sich der US-Arbeitsmarkt zu Jahresbeginn deutlich robuster als erwartet. Trotz eines massiven Stellenabbaus im öffentlichen Sektor wurden im Januar insgesamt 130.000 neue Stellen geschaffen. Die Arbeitslosenquote sank leicht von 4,4 auf 4,3 Prozent, und das jährliche Lohnwachstum stieg von 3,6 auf 3,7 Prozent. Die Kombination aus Beschäftigungszuwachs, niedrigerer Arbeitslosenquote und realen Lohnsteigerungen macht kurzfristig weitere Leitzinssenkungen immer unwahrscheinlicher.
Die Performance des US-Marktes wird derzeit durch eine verbesserte Aktienentwicklung in der Breite geprägt. Nachdem in den vergangenen Jahren die Indexschwergewichte – allen voran die Technologiekonzerne – die positive Entwicklung getragen haben, lässt sich derzeit eine breitere Marktteilnahme beobachten: Seit November schlägt die durchschnittliche Aktie des S&P 500 den nach Marktkapitalisierung gewichteten Index. Gestützt wird dies durch eine Verbesserung der Fundamentaldaten in vielen Sektoren. Für 2026 rechnen Analysten mit Gewinnanstiegen in sämtlichen Branchen, und die Kluft beim Gewinnwachstum zwischen Tech-Schwergewichten und dem übrigen Markt dürfte sich weiter verringern. Also ruhig einmal auf andere Aktien als nur die bekannten US-Tech-Werte schauen.