Die Rochaden sind vollzogen

Der DAX30 hat ein Sorgenkind weniger, die Papiere von WireCard haben bekanntlich den deutschen Leitindex außerplanmäßig verlassen. 

Jetzt gehört der Essenlieferant Delivery Hero, dass sich gegen Symrise durchsetzte, als neustes Mitglied dem Index an. Man muss kein Prophet sein, um auch diesem Wert keine lange Verweildauer im DAX30 vorherzusagen. Symrise aus Holzminden schreibt wenigstens Gewinne und zahlt Dividende, seine künstlichen Aromen werden in Deutschland und in der ganzen Welt umgesetzt. Während Delivery Hero stets tiefrote Zahlen schreibt und das Deutschlandgeschäft an die Konkurrenz verkauft hat, um wenigstens wieder etwas Luft zum Atmen zu haben.

Wirecard scheidet auch aus dem TechDAX-Index aus, Nachfolger ist LPKF Laser & Electronics AG. Im MDAX rückt AIXTRON SE auf, neu im SDAX-Index ist HORNBACH-Baumarkt-AG.

Die Änderungen traten in der abgelaufenen Woche, 24. August 2020 in Kraft. Aber schon in der kommenden Woche am 03. September trifft sich der Ausschuss erneut, dann zu den planmäßigen Änderungen in der DAX-Familie.

Wir müssen leider feststellen, dass sich der Fortschritt in der DAX-Familie nur schwer durchsetzt. Oder warum haben wir mit SAP nur eine einzige IT-Firma im DAX30 vertreten? Den Neuzugang, die Essendispatcher aus der Hauptstadt als IT- Firma zu bezeichnen, fällt wohl den meisten schwer. Das
ganze Regelwerk für die DAX Indizes gehört auf den Prüfstand. Es stammt teilweise noch aus der Zeit der Deutschland AG. Die ist aber schon lange nicht mehr existent. Ein neues und für jeden Anleger nachvollziehbares Regelwerk könnte dem DAX30 und seiner Familie eine neue glaubwürdige Zusammensetzung bescheren.

Aber nicht nur der DAX hat rochiert, sondern auch im altehrwürdigen Dow Jones an der Wallstreet gab es einige bemerkenswerte Veränderungen.

Grund dafür ist die Aktie des Giganten Apple, die den Corona-Crash vom Februar/März längst hinter sich gelassen hat und seit Anfang Juni ein neues All-Time-High nach dem anderen markiert (wir haben darüber berichtet). Trotz des zwischenzeitlichen Rückschlags verbesserte sich unser NDAC – Depotwert allein in diesem Jahr um rund 70 Prozent und schraubte die Notierungen auf den Rekordwert von rund 500 Dollar. Vor dem Hintergrund dieser atemberaubenden Kursentwicklung wird Apple per 31. August den angekündigten Aktiensplit im Verhältnis von 4:1 vornehmen. Dabei erhalten Anleger für je eine per 24. August gehaltene Aktie drei zusätzliche Anteile, während sich der Aktienkurs entsprechend verbilligt und für Anleger optisch scheinbar attraktiver erscheint.

Das Ganze hat nun aber auch gravierende Auswirkungen auf den weltweit bekanntesten Aktienindex,
den Dow Jones. Denn beim US-Leitindex handelt es sich im Gegensatz zum DAX um einen preisgewichteten Index, wobei die Indexberechnung und die Gewichtungen von den nominalen Aktienkursen der einzelnen Indexmitglieder abhängig sind. Durch die infolge des Aktiensplits optische Verbilligung der Apple-Aktie verringert sich nun auch deren Indexgewicht, womit auch die wirtschaftlich bedeutende Technologiebranche im Dow Jones unterrepräsentiert wäre.

Um dem entgegen zu steuern, führt das für die Indexzusammensetzung verantwortliche Komitee zum
Monatsultimo auch einige Rochaden durch. So wird das Dow Jones-Urgestein ExxonMobil – ein Vertreter der „Old Economy“ – durch den auf Cloud-Computing spezialisierten SAP-Konkurrenten Salesforce ersetzt. Der Pharmariese Pfizer macht Platz für den Biotech-Titel Amgen und anstelle des Rüstungskonzerns Raytheon Technologies zieht der Mischkonzern Honeywell in den US-Leitindex ein.
Diese Umstellung soll laut des Indexanbieters S&P die amerikanische Wirtschaft besser repräsentieren und es werden gleichzeitig langfristige Depotbremser durch besser performende Aktien ausgetauscht. Sicher werden wir für unser Depot auch die eine andere oder Aktie beobachten, bewerten und ggf.
für unser Depot erwerben.

Aber es bleibt auch für den Dow Jones zu konstatieren, dass dessen Zusammensetzung weiterhin
von  intransparenten Entscheidungen eines Indexkomitees abhängen, das an keine klaren, qualitätsorientierten Regeln gebunden ist. So enthält der US-Leitindex weiterhin einerseits eine Reihe von Underperformern und sogar drei Titel (Cisco, Dow und Verizon), die heute immer noch unter dem Kursniveau von der Jahrtausendwende notieren. Andererseits kann ein Top-Unternehmen wie der weltgrößte Internethändler Amazon allein wegen des optisch hohen Aktienkurses von über 3.300 Dollar gar nicht in den preisgewichteten Dow Jones aufgenommen werden.

Jackson Hole, das geldpolitische Symposium der Kansas City Fed, brachte auch noch eine Rochade beim geldpolitischen Kurs der Notenbank hervor. Während die Fed ihr Beschäftigungsziel bis zum Ausbruch der Corona-Krise sehr gut erfüllt hat, hat sie ihr Inflationsziel in den vergangenen Jahren häufig verfehlt. Das führt zu dem sogenannten „Inflationsrätsel:
Warum steigt die Inflation selbst bei hoher Beschäftigung und hohem Wirtschaftswachstum kaum mehr? Die Lösung von Jay Powell:  D
ie Fed gibt ihr punktgenaues Inflationsziel auf und peilt nur ein durchschnittliches Ziel an. Das bedeutet, dass die Fed ihre Geldpolitik umso länger locker halten muss, je länger sie ihr Inflationsziel verfehlt. Denn um das Durchschnittsziel zu erreichen, müsste die Fed Phasen zu niedriger Inflation durch bisher ausbleibende Phasen höherer Inflation ausgleichen.

Das freut uns Anleger, denn es bedeutet im Moment, dass die Märkte weiter mit niedrigen Zinsen nahe Null gedopt werden!

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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