Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Börsenwissen für Neueinsteiger Teil 5

 

Immer wenn Anleger sich in Börsenchats bewegen, die TV–Börsensendungen schauen oder auch die vielen Börsentipps aus dem Internet betrachten, dann erfahren sie einen Haufen Zahlen für die geplante Aktieninvestition.

Und je mehr Zahlen sie erfahren, umso verunsicherter werden Anleger. Ist die Aktie nun zu teuer zum Einsteigen oder, auch das kann passieren, ist sie zu billig zum Verkaufen.

Privatanleger haben sehr oft nicht den gleichen Zugang zu Daten und Informationen wie institutionelle Investoren, was dazu führt, dass sie häufig zu falschen, sprich zu hohen, Preisen zum Zuge kommen. Mit ein paar wenigen kritischen Fragen können wir die Spreu vom Weizen trennen und den Informationsabstand zu den institutionellen Investoren verkleinern. 

Deshalb sollten Neueinsteiger sich immer vor einer Investition fragen: Was stellt das Unternehmen her, ist es nur ein Produkt oder sind es mehrere Produktlinien? Was könnte passieren, wenn der Markt dreht und die Nachfrage wegbricht? Hat das Unternehmen ein Ersatzprodukt oder kann es schnell eins entwickeln und flexibel produzieren. Wir haben es zum Beispiel in den Anfangszeiten der Pandemie gesehen, als plötzlich die Absatzmärkte nicht mehr funktionierten. Was haben einige Unternehmen gemacht? Sie haben schnell die Produktion umgestellt auf Hygieneartikel (Masken, Desinfektionsmittel etc.) und andere zur Behandlung von Covid 19 Patienten benötigte Produkte. Bestes Beispiel ist das Unternehmen Biontec; die hatten bekanntlich eigentlich die Krebsforschung im Fokus und sind jetzt führend mit ihrem Corona-Impfstoff.

Anleger sollten sich auch vor einer Investition die Bilanz eines Unternehmens vornehmen oder eine Kurzzusammenfassung auf seriösen Börsenseiten anschauen. Informieren sollten sich Anleger, ob die Dividendenzahlungen aus dem erwirtschafteten Gewinn stammen. Wie sieht es aus mit Dividendenhistorie, gab es Ausfälle in der Vergangenheit und stieg die Dividende stetig?


“Der Preis ist das, was Sie zahlen, Value ist das, was Sie bekommen”. Der Spruch ist nicht von mir, sondern von Altmeister Waren Buffet, mit dessen Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway wir große Gewinne in unserem NDAC-Clubfonds erreichen konnten. Value bedeutet der Wert einer Aktie.   

 
An Kennzahlen wie z.B. dem Kurs–Gewinn–Verhältnis (KGV) oder dem Kurs–Umsatz–Verhältnis (KUV) können sich alle Anleger orientieren, um die Werthaltigkeit des Unternehmens zu beurteilen.

Das KGV
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist für Anleger eine der wohl wichtigsten Kennzahlen, wenn es um die Analyse von Aktien geht. Sie stellt den Börsenkurs einer Aktie anderen ökonomischen Größen wie dem Gewinn pro Aktie, dem EBIT (aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit eines Unternehmens sich ergebender Gewinn ohne Berücksichtigung von Zinsen und Steuern = Finanzergebnis), der Dividende sowie dem Betriebsergebnis gegenüber. Die Berechnung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses ist dabei keine große Wissenschaft. In der Berechnung wird der aktuelle Aktien- bzw. Börsenkurs durch den Gewinn des Unternehmens pro Aktie dividiert. Der Gewinn des Unternehmens pro Aktie ergibt sich dabei aus dem Gewinn des Unternehmens, welcher durch die Gesamtanzahl der Aktien geteilt wird.

Schauen wir uns das Ganze an einem Beispiel an. Wenn wir annehmen, dass die Aktie eines Unternehmens A 80 Euro kostet und das Unternehmen A pro Aktie 4 Euro Gewinn macht, dann lautet die Berechnung für das Kurs-Gewinn-Verhältnis wie folgt: 80 geteilt durch 4 ist gleich 20.

So, jetzt haben wir ein KGV von 20 für unser Unternehmen. Doch wie ist dieses Ergebnis nun zu bewerten und was sagt es für uns als Anleger aus? Das Kurs-Gewinn-Verhältnis bezeichnet letztendlich die Anzahl der Jahre, in denen das Unternehmen bei konstanten Gewinnen seinen Börsenwert verdient hätte. Im Falle unseres Unternehmens A würde das investierte Kapital also in 20 Jahren erwirtschaftet werden. Des Weiteren kann das KGV als Anhaltspunkt dafür dienen, ob der Preis einer Aktie für uns als Anleger eher als teuer oder günstig zu bewerten ist. Die Finanzmarktprofis geben für die Interpretation des KGV einen Richtwert zwischen 12 und 15 an, mit welchem sich die errechneten Ergebnisse messen lassen. Liegt das Ergebnis unterhalb dieses Wertes, wird eine Aktie grundsätzlich eher als günstig bewertet, liegt das Ergebnis dagegen über 15, kann die Aktie tendenziell als teurer betrachtet werden. Also ist unser Unternehmen A zu hoch bewertet.

Wichtig ist, dass diese Zahlen nur Richtwerte darstellen. Das KGV stellt als Ist-Zahl nur die gegenwärtige Situation dar, er kann sich jederzeit in der Zukunft ändern. Wenn wir in unserem Beispiel einen Gewinn von 6 Euro hätten, dann wäre das KGV günstig, wir hätten ein Ergebnis von rund 14. Und auch der Kurs einer Aktie ändert sich laufend, es gibt also viele Möglichkeiten für ein Ergebnis. Das KGV ist nur eine mögliche Kennzahl zur Ermittlung, ob der Preis, den wir bezahlen, auch seinem Wert entspricht.

Und noch ein Tipp: Ein Vergleich des errechneten oder angegeben KGV`s mit anderen in der Vergangenheit liegenden Kennzahlen und mit Werten von branchengleichen Unternehmen ist wichtig, ob die Aktie tendenziell als günstiger oder teurer einzustufen ist.

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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