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Einige Anmerkungen zur Künstlichen Intelligenz Teil 2

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Wir schlossen mit der Bemerkung, dass die KI-Entwicklung um deutsche Softwareunternehmen einen Bogen macht und die Musik wo anders spielt. Die letzten Bundesregierungen hatten ja irgendwie immer die Digitalisierung auf dem Plan. Aber dabei blieb es meistens. Das alte Faxgerät tut es ja auch noch, haben wir zumindest in der Pandemie gesehen. Kein Wunder dass hochbegabte Softwareentwickler abwandern in die Länder, wo die KI bereits weit entwickelt ist.

Und auf dem Gebiet sind nun einmal die USA führend. Dass die USA auch sehr lange brauchten, um die KI-Prozesse zu entwickeln, zeigt übrigens, wann Deutschland hätte anfangen müssen, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Die Algorithmen, mit denen KI trainiert wird, wurden in der 1970ern entwickelt: Neuronale Netze führten damals Algorithmen unzählige Male durch, bis das Ergebnis näherungsweise korrekt war. Es wurden auf dieser Basis verschiedene Modelle entwickelt, auf deren Basis die KI “trainiert” wurde. Die Ergebnisse ließen erahnen, dass KI irgendwann einmal funktionieren werde, doch wirklich brauchbar war das Ganze noch nicht. Die CPUs wurden immer leistungsfähiger, doch die spürbare Leistungssteigerung wurde immer geringer. Immer das Gleiche zu tun, nur schneller, war also nicht die Lösung.

Und hier trat jetzt ein Pionier auf den Markt. Unser Depotwert Nvidia ging einen anderen Weg. Mit den Graphikchips war es möglich, eine Rechenaufgabe in verschiedene Schritte zu zerteilen und die Ergebnisse der verschiedenen Schritte anschließend wieder zusammenzuführen. So konnte ein Algorithmus plötzlich “parallel” abgearbeitet werden.

Gerade bei der Komplexität der KI war diese Entwicklung der entscheidende Quantensprung.

Je mehr Daten für das Trainieren der KI zur Verfügung stehen, desto besser das Ergebnis. Doch mit der Zunahme der Datenmenge wuchs logischerweise die erforderliche Zeit für das Training exponentiell. Erst die GPUs von Nvidia, die diese Prozesse parallel laufen lassen konnten, führten zu einem Stand, mit dem binnen weniger Jahre ein gutes KI-Modell ausreichend trainiert werden kann, um dann brauchbare Ergebnisse zu liefern. Ende 2022 wurde plötzlich ChatGPT der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und die Resonanz war überwältigend. Offensichtlich hatte man die für brauchbare KI-Ergebnisse kritische Masse an Daten in einer überschaubaren Zeit für das Training verwenden können.

Dank Nvidias GPUs, war, wie gesagt, dieser Quantensprung möglich.

Denn plötzlich konnte man berechnen, wie viele Daten wie intensiv für das Training verwendet werden müssen, um brauchbare KI-Ergebnisse zu erhalten. Nvidia stellte die H100 GPU vor, die Graphikkarte, mit der mit einer ausreichenden Datenmenge binnen neun Monaten eine brauchbare KI trainiert werden konnte.

Wer die ausrechende Menge an Daten hat, der kauft nun so viele H100-Graphikkarten von Nvidia, wie er kriegen kann. Darunter auch unsere anderen Depotwerte Meta, Amazon, Tesla, Alphabet, Microsoft, sowie Oracle und natürlich auch SAP, versucht auf den Zug aufzuspringen. KI-Angebote schießen aus dem Boden: Bildbearbeitung, Stimmenmodifikation, Entwicklertools etc.

Diese Welle ist erst am Anfang, viele versuchen jetzt noch auf den Zug mit aufzuspringen, da stellt Nvidia bereits die H200 vor, die Folgegeneration der GPUs mit dem Namen Blackwell. Die bislang neun Monate, die für das Trainieren einer KI bislang erforderlich sind, können mit der Blackwell-Technologie auf wenige Wochen verkürzt werden. Die H200 ist so leistungsstark, dass nun auch Videos in großen Mengen für das Training der KI verwendet werden können.

Übrigens, kein anderes Unternehmen sei so weit bei der Entwicklung des autonomen Fahrens wie Tesla, noch im laufenden Jahr werde man atemberaubende Ergebnisse von Tesla sehen. Diese Feststellung traf Jensen Huang, CEO von Nvidia, und der sollte es eigentlich wissen, schließlich entwickelt und liefert er die Chips dazu. Jensen Huang wird schon fast wie ein Prophet verehrt. Wenn er Tesla hervorhebt, dann sollten wir das Unternehmen im Auge und in unserem NDAC-Clubfonds behalten, auch wenn es in letzter Zeit in einige Turbulenzen geriet.

Aber Fakt ist, es gibt auch hier Skeptiker. Nvidia könne den Abstand zu seinen Verfolgern, insbesondere zu AMD, auch ein NDAC-Clubfonds, nicht halten. Außerdem wurden inzwischen alle großen Konzerne ihre eigenen KI-Chips entwickeln. Abgesehen davon, dass Konkurrenz das Geschäft belebt, gibt es dazu auch wieder einen Gegenmeinung.

Die Chips von AMD schließen nach einem Jahr maximal mit der Performance der Nvidia-Chips auf und kosten dann weniger. Doch gleichzeitig zeigen Studien, dass die Chips von AMD mehr Strom verbrauchen als die Chips von Nvidia. Die “total costs of ownership”, also die Vollkosten für die Entwicklung eines funktionstüchtigen KI-Modells sind bei den AMD-Chips noch immer deutlich höher als bei den Nvidia-Chips, wenn die Energiekosten mit einbezogen werden.

Einige Anmerkungen zur Künstlichen Intelligenz Teil 1

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

So ein bisschen mutet die aktuelle Entwicklung an wie ein missverstandenes olympisches Motto in der Digitalisierung: „Höher, schneller, weiter“ – buchstäblich oft zu jedem Preis. Und die Anlagen in Aktien der Künstliche Intelligenz (KI) erinnert ein wenig an die Zeiten des längst untergegangen Neuen Marktes. Unternehmen brauchen nur die KI als Baustein ihrer Technologie zu erwähnen und schon greifen die Anleger zu, egal wie hoch die Bewertung des betreffenden Wertes bereits in die Höhe geschossen ist. Nicht falsch verstehen, hinter den Werten des Neuen Marktes standen oftmals leere Versprechen, hinter den Unternehmen heute stehen in der Regel eine Substanz, die die hohe Bewertung teilweise rechtfertigt.

Anleger sollten aber wie bei jedem Hype genau hinschauen und sich nicht von der schönen neuen Welt der Daten blenden lassen. Tatsache ist, dass momentan vor allem die großen Tech-Unternehmen aus Übersee am Hype verdienen. Immer neue Tools und immer teurere Lizenzen öffnen immer mehr Unternehmen und ihren Mitarbeitern das Tor zur KI. Die Strategie dahinter? Nun ja, zunächst einmal lässt sich das Thema (intern, aber auch extern) natürlich gut verkaufen. Frei nach dem Motto: „Wir sind jetzt auch dabei.“ Dabei wird häufig komplett die Frage außer Acht gelassen, was man als Unternehmen eigentlich tatsächlich mit KI erreichen will – und kann.

Aufwand und Ertrag stehen im Ergebnis oftmals in keinem Verhältnis. Denn: Gern wird vergessen, dass KI nicht umsonst zu haben ist. Der Einsatz von KI bindet große Kontingente an Geld und Ressourcen, die dann woanders fehlen. Hinzu kommen die gesellschaftlichen Folgen. Da sind zum einen immense Folgen der CO2-Belastung durch exorbitante Rechnerleistungen (das kann börsennotierten Unternehmen die Einhaltung ESG-Kriterien verhageln und damit verbunden den Ausschluss aus so manchen Fonds). Und es entsteht jede Menge Müll, denn Rechner altern bekanntlich sehr schlecht und ob sie in jedem Fall für die Ressourcengewinnung abgegeben werden, darf man auch bezweifeln. Hinzu kommen die sozialen Folgekosten. Was macht ein Unternehmen und was machen wir als Gesellschaft denn mit den freigewordenen Personalkapazitäten? Das Märchen von den kreativen Freiräumen, die entstehen, wenn Menschen von „schnöden“ Arbeitsabläufen durch KI befreit werden, ist schlicht in der Realität kaum haltbar, speziell in Rezessionsphasen. Da wird aus kreativen Freiräumen ganz schnell ein Jobverlust, der, wenn er länger anhält, auch die erworbenen praktischen Kenntnisse aus der KI verdrängt. Zumal bei unserer deutschen Qualifizierungsromantik durch die Arbeitsagenturen.

Wenn jemand KI für sein Unternehmen nutzen möchte, muss klar sein, welchen Fokus man legt, welche Effekte erzielt werden sollen und wie man mit unterschiedlichen Folgen des Einsatzes sinnvoll umgehen kann. Am ehesten gelingt das noch in der Medizintechnik (OP-Roboter, Pflegeroboter, Tomografiegeräte etc.) Andere Gebiete werden aber trotzdem mit neuen Innovationen folgen.

Ohne starke und klare Prozesse geht es nicht. Keine noch so schlaue KI ersetzt diese, vielmehr offenbart und potenziert sie dann auch noch die Schwächen. Und: Kommt das Unternehmen zu dem Ergebnis, dass die eigenen Prozesse noch zu schwach, der Reifegrad der verfügbaren KI-Lösungen zu gering sind, dann ist keine KI-Strategie auch einmal die richtige Unternehmensstrategie. Es muss ja nicht für immer sein. Gänzlich falsch ist es, aus Angst etwas verpassen zu wollen, um buchstäblich jeden Preis auf den Zug aufzuspringen. Vergessen wir nicht: Maschinen, und etwas anderes ist auch die KI nicht, ersetzen keine Unternehmensstrategie. Der Einsatz von KI wird schließlich von Menschen entschieden.

Kommen wir jetzt nach den einleitenden (kritischen) Bemerkungen zu weiteren Aspekten der KI.

Die Deutschen und insgesamt die Europäer spielen im Konzert der KI-Entwickler und Profiteure wohl nur eine untergeordnete Rolle. Das liegt nicht an der fehlenden Intelligenz hierzulande, sondern an den fehlenden Ressourcen und Tempo. Wir sind schon froh, wenn eine Chipfabrik (Intel, TSMC etc.) in Deutschland ein Werk errichtet und subventionieren diese mit Milliardenbeträgen. Zumal es durchaus berechtigte Zweifel am Nutzen der Chips für Deutschland und Europa gibt. Wir haben darüber berichtet.

Besser wäre es vielleicht gewesen, das Geld für die Entwicklung von eigenen KI-Anwendungen auszugeben. Aber dazu bedarf es auch einer vorrausschauenden Politik im Bundesforschungsministerium. Ihr Autor möchte betonen, dass es nicht die Schuld der zurzeit zuständigen FDP-Ministerin ist, das wurde schon seit Jahrzehnten von den verschiedenen Politikern jedweder Color verschlafen. Es fehlt eine Gesamtstrategie, um den führenden Mächten auf dem Gebiet der KI etwas entgegenzusetzen.

So spielt die Musik eben für die Zukunft in den USA und in China und andern Ländern Asiens.

Sport und Börse

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Die Euro 2024 in Deutschland und danach die olympischen Spiele in unserem Nachbarland, besser geht es nicht für die vielen Sportbegeisterten. Das die Träume bei Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund vom Gewinn der jeweiligen Pokale im europäischen Maßstab platzten, naja das nehmen wir einmal als Warnung, die Erwartungen eines „Sommermärchens“ bei der EM im eignen Land nicht zu hoch zu schrauben.

Aber, wenn im Juni in München das Eröffnungsspiel der Europameisterschaft angepfiffen wird, wird Fußball für vier Wochen im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen.

Die Fans werden sich auch insofern auf beide Events freuen, als die jeweils letzten Ausgaben noch von Corona geprägt waren: Die Fußball-EM 2020, pandemiebedingt um ein Jahr auf 2021 verschoben, fand teilweise unter Einschränkungen wie Zuschauerzahlbeschränkungen und Maskenpflicht statt. Olympia 2020 in Tokio wurde ebenfalls ein Jahr später ausgetragen – hier waren sogar so gut wie gar keine Zuschauer zugelassen.

Das ist jetzt vorbei und die Euphorie kann steigen bis zum Siedepunkt, wenn die jeweilige Mannschaft einen Titel gewinnt.

Und das ist auch im Interesse der Wirtschaft, die Euphorie der Bevölkerung bei internationalen Sportveranstaltungen kann bekanntlich wirtschaftliche Auswirkungen haben.
Das merken die Geschäfte schon, wenn die Kunden die Nachfrage nach Trikots ihrer Lieblingsmannschaft, dem Matchball oder anderer Fanartikel, die mit den Ereignissen in Verbindung stehen, ankurbeln. Und natürlich freuen sich auch die dahinter stehenden Unternehmen, egal ob jetzt börsennotiert oder nicht.

Der börsennotierte Sportartikelkonzern Adidas generierte 2022 (Fußball-WM in Katar) immerhin einen Sonderumsatz in Höhe von 400 Millionen Euro und das trotz des Ausscheidens der deutschen Elf in der Vorrunde. Das führte zwar zu einem Umsatzeinbruch in Deutschland aber die Sportartikelhersteller sind international aufgestellt. Und so konnten sie die Verluste in Deutschland ausgleichen, zumal ja doch eine gewisse Vorsicht herrschte, denn 2018 (Fußball-WM in Russland) wurde ebenfalls in der Vorrunde „do svidanya“ gesagt.

Welch große Rolle das Thema Trikots spielen kann, erfuhr gerade der deutsche Ausrüster adidas in den vergangenen Wochen. Das Auswärtstrikot, das die Herzogenauracher Anfang März für die deutsche Elf vorstellten, ist erstmals pinkfarben – was einige Gemüter doch schon vor der EM in Wallung brachte. Die anschließende Debatte über Tradition und Innovation konnte adidas aber nur guttun, denn das Trikot ist mittlerweile ein Verkaufsschlager.

Wie hart der Kampf um die Ausrüsterposition der jeweiligen Mannschaft geführt wird, musste der langjährige Ausrüster des DFB erfahren. Ab dem Jahr 2027 wird der US-Erzrivalen Nike als Trikotausrüster der deutschen Nationalmannschaft adidas ablösen. Das kam einem Paukenschlag gleich – und unterstreicht Nikes Position als Weltmarktführer im Sportartikelsegment: Mit 137 Milliarden US-Dollar Börsenwert ist der Konzern aus Oregon mehr als dreimal so groß wie adidas (Marktkapitalisierung 36 Milliarden Euro). Puma, wie adidas in Herzogenaurach beheimatet, folgt ebenfalls mit großem Abstand auf Platz 3 (6,4 Milliarden Euro).

Doch auch beim Branchenprimus Nike ist nicht alles eitel Sonnenschein. Für die erste Hälfte des Geschäftsjahrs 2024/2025, die am 30. November endet, geht Nike von einem Umsatzrückgang aus. Das ist insofern bemerkenswert, als Adidas und Puma jeweils eine Steigerung ihrer Erlöse erwarten. Zwar sind die Gründe für Nikes vorübergehende Zurückhaltung in der individuellen Produktpolitik zu finden. Es zeigt aber, dass ein Mega-Sportjahr für Sportartikelproduzenten kein Selbstläufer sein muss.

Dafür ist die Branche vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen. Handelsexperte Hansjürgen Heinick, Senior Consultant beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IFH KÖLN, führt als Begründung das breite Spektrum dieser Industrie an: „Anders als etwa an den Fashionmärkten hat die Pandemie im Sportmarkt weniger zu Kaufzurückhaltung als zur Verlagerung von Käufen in andere Segmente innerhalb des Sportmarkts geführt. Mit Ausnahme einer leichten Delle im Jahr 2020 ist der Markt für Sportbekleidung, -schuhe und -geräte insgesamt nahezu anhaltend gewachsen.“ Seine Erklärung: „Die Verlagerungen haben in vielen Bereichen in Richtung Individualsportarten stattgefunden. So sind beispielsweise Aktivitäten im Trainings- und Fitnessbereich aus dem Studio in die eigenen vier Wände verlagert worden.“

Grundsätzlich sind die Aussichten für die Sportbranche aber besser als in anderen Segmenten. In Deutschland soll der Umsatz allein mit Sportbekleidung Statista zufolge in diesem Jahr bei 5,69 Milliarden Euro liegen. Nachdem die Erlöse im Jahr 2020 pandemiebedingt leicht zurückgegangen waren und sie sich in den beiden Folgejahren nur marginal über denen der Vor-Corona-Jahre behaupten konnten, gab es im Jahr 2023 ein deutliches Plus um gut 20 Prozent. Bis 2028 prognostiziert Statista einen kontinuierlichen Anstieg auf 6,47 Milliarden Euro. Für die nächsten Jahre bietet die Branche einige Potenziale. Stefan Mohr von EY sieht etwa neben Sports Intellectual Property (Eigentümerschaft an Sportveranstaltungen, Sportrechte), dem Frauenfußball und der Globalisierung von Inhalten neue aufstrebende Sportarten als Erfolgsfaktor: „Padél, Pickleball, Esports oder Volleyball bieten beachtliche Wachstumsmöglichkeiten und ziehen auch zum Teil ungewöhnliche Investoren an. Beispielsweise hat Andre Agassi 8 Millionen Dollar in Pickleball investiert.“

Auch die Demografie wird Auswirkungen auf die Sportbranche haben. „Die Herausforderung besteht vor allem darin, das Interesse am Sport und damit auch an Sportprodukten in einer langsam alternden Bevölkerung hochzuhalten. Dabei hat sicherlich ein wohl gleichermaßen zunehmendes Gesundheitsbewusstsein einen positiven Einfluss.“, ist sich Hansjürgen Heinick vom IFH Köln sicher.

Wir hoffen, dass die deutschen Teams bei den beiden Großereignissen gut abschneiden und natürlich alle Vorrunden erfolgreich überstehen.

Börsenwissen: Zusammenhang zwischen Schulden, Zinsniveau, Inflation und Börse Teil 2

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Die Geisterjäger der Zentralbanken sollen es wieder richten. Haben sie dazu überhaupt noch die Möglichkeiten? Erhöhung der Leitzinsen ist dann wieder der Weg, womit sich die Politik weitestgehend aus der Inflationsbekämpfung heraushält. Denn das könnte ja die Wähler verärgern.

In den USA finden wir immerhin Wachstum, so dass dort die Hoffnung besteht, aus den Problemen sozusagen “herauszuwachsen”. Doch die USA haben ihre Neuverschuldung in den vergangenen Jahren immer weiter erhöht, so dass höhere Zinsen über einen längeren Zeitraum auch in den USA nicht so einfach verkraftet werden können. Wir kennen die immer wieder höhere Neuverschuldung, die auch fast jedes Jahr den Streit zwischen Republikanern und Demokraten eskalieren lässt. Die ganz westliche Börsenwelt schaut dann jedes Mal ängstlich nach Washington und erlebt dann immer wieder vor dem großen Showdown eine Einigung zwischen den Streitparteien.

Die Staatsverschuldung der USA 2023 hat sich gegenüber dem Vorjahr um ca. 2,5 Billionen Dollar auf insgesamt rund 33,4 Billionen Dollar im Jahr 2023 erhöht. Für das Jahr 2024 wird die Staatsverschuldung der USA auf etwa 35,5 Billionen Dollar prognostiziert. 

Die Vereinigten Staaten weisen in absoluter Höhe die höchste Staatsverschuldung weltweit auf. Die Höhe der Staatsverschuldung übertrifft jedoch bereits die Wirtschaftsleistung. Das zeigt ein Blick auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA, das erreichte im Jahr 2023 rund 27,4 Billionen US-Dollar. Für das Jahr 2024 wird ein BIP von ca. 28,8 Billionen US-Dollar prognostiziert.
Dazu kommen noch die Schulden der privaten Haushalte, die im Mekka der Kreditkartenbesitzer weiter anwachsen und mittlerweile weit über 17 Billionen Dollar (2022) liegen dürfte (die meisten Amerikaner haben mehrere Karten und schieben die Schulden von einer Karte auf die andere).

In Europa sieht es zwar etwas besser aus was die Schuldenstände anbelangt, aber auch hier wachsen die Staatsschulden weiter.

Da sind Zinserhöhungen nicht unbedingt das Mittel, um die Inflation zu bekämpfen.

Die Lösung ist derzeit, dass die EZB oder auch die US-Notenbank Fed Staatsanleihen in großem Volumen aufkauft. Der Marktzins für die Staatsanleihen bleibt dadurch deutlich unter der Inflationsrate und natürlich auch deutlich unter der Rate, die der Markt ohne diese Intervention zu zahlen bereit wäre. So werden die Regierungen derzeit in ihrem Spendierwahn unterstützt. Und dabei spricht natürlich niemand davon, wir hatten es schon öfter erwähnt, das Schulden eigentlich zurückzuzahlen sind.

Schauen wir uns nun einmal an, welche Unternehmen von diesen Entwicklungen profitieren, und welche nicht. Wenn also die westlichen Notenbanken ihre Regierungen unterstützen müssen, damit die Zinslast nicht zu hoch wird, sie also den Zins drücken, dann verliert die eigene Währung auf dem Weltmarkt gegenüber anderen Währungen und gegenüber Rohstoffen an Wert. Damit sind das altbewährte sichere Gold und der neue nicht ganz so sichere Bitcoin erste Anlaufstationen, um uns gegen diesen Wertverfall abzusichern.

Da ja bekanntlich Gold und Bitcoin keine Renditen in Form von Zinsen oder Dividenden abwerfen und auch noch großen Schwankungen unterliegen, müssen sich Anleger, die erstens eine laufende Rendite erwirtschaften wollen und zweitens dem Bitcoin nicht immer über den Weg trauen, andere Anlagen für ihre Depots suchen. Wenn Anleger am Zinsmarkt nicht die Rendite bekommen, die sie sich inflationsbedingt eigentlich vorstellen, suchen sie nach Alternativen. Und die Dividendenaktien rücken in den Fokus.

Dabei sollte z. B. auf die Unternehmen geachtet werden, die ihr Geschäft mit Rohstoffen oder frühen Vorprodukten machen, denn diese Unternehmen können ihre Preise am ehesten anheben.

Green Deal oder ESG Kriterien hin oder her, Öl- und Gasförderer erwirtschaften in der heutigen Zeit sehr hohe Renditen. Und auch Kupferproduzenten, denn Kupfer ist ein Frühindikator für die Konjunktur, sind hier angesagt. Kupfer zur Lieferung in drei Monaten war am Pfingstmontag an der Londoner Metallbörse (LME) so teuer wie nie zuvor. Seit Jahresbeginn wurde Kupfer somit um rund 27 Prozent teurer. Übrigens, Kupfer wird recycelt, dazu muss Altkupfer auf dem Markt gekauft werden und der Preis von Altkupfer ist bereits ebenfalls gestiegen.

Stromversorger passen dazu, wie unsere Depotwert RWE und natürlich auch EON, die mit einer Dividendenrendite von 3,5 Prozent bzw. 4 Prozent, die Inflationsrate überbieten. Außerdem entwickeln beide Werte ja auch noch Kursphantasie. Beide Aktien wurden in den vergangenen Monaten kräftig runter geprügelt, weil Öl- und Gaspreise stark rückläufig waren. Ein steigender Energiepreis wird die Aktien wieder auf die ursprünglichen Kursniveaus heben. Und er wird schon wegen der CO2- Bepreisung kontinuierlich ansteigen.

Alternativ lohnt sich auch einen Blick auf europäische Versorger. Enel in Italien und Iberdrola in Spanien. Enel bietet sogar eine Dividendenrendite von sieben Prozent, bei Iberdrola sind es fünf Prozent. Enel ist sehr eine spekulative Aktie, denn das Unternehmen schüttet mehr aus als es verdient (Ausschüttungsquote der vergangenen fünf Jahre durchschnittlich 146 Prozent). Das ist allerdings auch kein Wunder, denn wenn wir uns die Aktionärsstruktur anschauen, stellen wir fest, der stets klamme italienische Staat ist mit 23,59 Prozent an Enel beteiligt und der braucht bekanntlich jeden Euro, um seine Staatschulden zu bedienen.

Börsenwissen: Zusammenhang zwischen Schulden, Zinsniveau, Inflation und Börse Teil 1

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Wenn wir von Schulden sprechen, dann meinen wir natürlich die Staatsschulden und beim Zinsniveau interessieren uns nur die Leitzinsen.

Einigen wird es vielleicht aufgefallen sein, aber der Goldpreis ist wieder einmal in die Höhe geschossen. Das liegt an der gestiegenen Nachfrage, sicher. Und es liegt an den autokratischen Staatssystemen, die versuchen, sich von den westlichen Währungen abzukoppeln. Eine neue Leitwährung braucht nun einmal Stabilität, um sie vertrauenswürdig erscheinen zu lassen und da ist Gold die richtige Basis und nicht wie immer wieder angenommen, eine Kryptowährung, egal welche.

Und während die Goldkäufe zunehmen, wachsen die Schuldenberge in den westlichen Ländern. Ok, mit der Ausnahme Deutschland, denn wir haben eine im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse, allerdings hier müssen wir konstatieren, noch! Denn es gibt immer wieder Äußerungen von Politikern die Schuldenbremse zu reformieren, was nichts anderes bedeutet als die Schuldenbremse als ein gut gemeintes aber schlecht gemachtes Instrument ganz abzuschaffen. Was das für Folgen nach sich zieht sehen wir bspw. in Japan.

Schauen wir also in das Land der aufgehenden Sonne. Hier sehen wir, wie schwer es ist, aus diesem Teufelskreis der ungebremsten Schuldenaufnahme auszubrechen. Seit den 90er Jahren läuft die Schuldenuhr in Japan immer schneller. Nach Rekord-Injektionen ins Geldsystem während der Corona-Pandemie versucht die Bank of Japan nun ganz zaghaft, die Zinswende einzuleiten. Doch mehr als ein symbolischer Schritt ist nicht drin, wie Zentralbanker vor wenigen Wochen durchblicken ließen. Die japanische Währung sinkt seitdem gen Süden.

Ein sinkender Yen ist gut für die Exportwirtschaft Japans. Doch Japan ist, ähnlich wie Deutschland, auf den Zukauf von Rohstoffen und Vorprodukten angewiesen. Sinkt der Yen zu stark, dann hilft auch der niedrige Yen dem Export nicht mehr: Teure Importe sorgen dafür, dass der Gewinn im Inland schmilzt. Ein Anheben des Zinsniveaus, um den Yen attraktiver zu machen, ist schwer möglich: Zu hoch ist der Schuldenberg, den das Land Japan inzwischen aufgebaut hat. Zwar liegt der Großteil der Schulden in der Bilanz der Bank of Japan sowie in den Pensionsfonds der japanischen Unternehmen, doch die Zinslast für die japanische Regierung wird schnell zu einem Problem anwachsen, wenn die Zinsen steigen. Gut ist, dass sich ausländische Banken größtenteils nicht an der enormen Verschuldung Japans beteiligt haben. Immerhin sprechen wir von einer Staatsverschuldung von umgerechnet ca. 7,9 Billionen Euro für 2023 (Deutschland 2,624 Billionen Euro für 2023).

Wenn nun die hohen Importpreise Unternehmensgewinne schmelzen lassen und folglich die Konjunktur belastet, steht der Bank of Japan bei einem Zinsniveau von aktuell +0,1 Prozent kein wirklich gutes Instrument mehr zur Verfügung, um die Konjunktur anzukurbeln. Höchstens Staatsinterventionen und diese wiederum finanziert durch die Bank of Japan. Insgesamt gesehen, kein schöner Ausblick für den auf den Prinzipien der Marktwirtschaft aufbauenden Westen.

Nun sind wir in Europa noch nicht ganz so weit wie in Japan. Die EZB hat die Zinswende radikaler und schneller umgesetzt als die BoJ. Aber Fakt ist auch, dass die Liquiditätsspritzen der vergangenen Jahre nicht zu neuem Wachstum geführt haben. Das war auch von vielen Ökonomen erwartet worden. Aber immerhin können wir noch etwas zur Ankurbelung der Konjunktur tun. Alles schaut wieder auf die Zinspolitik der EZB. Die soll es in Europa wieder einmal richten. Von Strukturreformen ist von den Regierungen nichts zu erwarten, denn irgendein europäisches Land wählt immer mal wieder, die politische Weltlage hat sich nun mal verändert, der Fachkräftemangel etc. Wir kennen all die Argumente gegen tiefgreifende Reformen und wir akzeptieren sie auch, es geht uns ja noch gut.

Aber mit den sehnlichst erwarteten Zinssenkungen holen wir uns das Gespenst der Inflation wieder ins europäische Haus. Obwohl, die Inflation war nie wirklich weg. Doch dieses Mal wird es nicht die eine oder zwei Zinssenkungen in diesem Jahr sein, die die Inflation wieder hochpeitschen wird, sondern wir importieren die Inflation durch die teuren Rohstoff- und Vorprodukteinfuhren. Wobei die Preise für Öl und Gas wahrscheinlich nicht die Preistreiber allein sein werden, sondern Rohstoffe wie bspw. Kupfer, Seltene Erden… Und Ihr Autor möchte auch noch auf die Agrarrohstoffe hinweisen, die geradezu explodieren und die Preise in nur eine Richtung treiben und die spüren dann die Verbraucher etwas zeitverschoben bei den täglichen Einkäufen.

Mhm und was hilft dann wieder gegen das Gespenst der Inflation? Wir ahnen es, die Geisterjäger der Zentralbanken, die sie mit steigenden Zinsen in Ermangelung von Alternativen bekämpfen müssen.

Der Blick über die Märkte: Rückversicherer

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Ohne Rückversicherer würden wir eine riesige Beitragslast bei den Erstversicherern vor uns herschieben. Deshalb sollten wir uns mit  der Branche der Rückversicherer näher beschäftigen. Und nicht zuletzt auch deshalb, weil unser Depotwert Munich Re wieder gute Zahlen abgeliefert hat, doch dazu später.

Die Rückversicherungsbranche hat natürlich viel mit dem Klimawandel zu tun. Auch wenn 2023 kein Rekordjahr war, der Trend zeigt dennoch klar nach oben. 250 Milliarden Dollar, so hoch fiel der finanzielle Schaden aus, der im zurückliegenden Jahr durch Naturkatastrophen verursacht wurde. Das sind rund 100 Milliarden Dollar weniger als dem Rekordjahr 2017, aber zugleich 100 Milliarden Dollar mehr als der Durchschnitt von zehn Jahren. Der Grund für den steigenden Trend ist in den Augen der meisten Experten offensichtlich: Weil sich das Klima erwärmt, nehmen die Unwetter weltweit zu. Starkregen, Hagel und Überschwemmungen. Was früher eine Ausnahme war, wird heute mehr und mehr zur traurigen Normalität. Dass 2023 dabei nicht ganz so schlimm ausfiel wie 2017, liegt vor allem an einem extremen Wetterereignis in Nordamerika; damals wüteten dort gleich drei Hurrikans. Sie führten unter dem Strich zur Rekordschadenssumme von über 350 Milliarden Dollar. Doch nur ein Teil der jährlichen Schadenssummen wird letztendlich durch Versicherungen bezahlt. Wir sehen schon daran, dass es bei der Rückversicherung nicht um Bagatellversicherungen geht. Ein Schaden im Hausrat, die immer wieder einmal passieren, zum Beispiel eine auslaufende Waschmaschine und die damit verbundenen Leistungen durch den Erstversicherer, wird wahrscheinlich keinen Vorstandschef ins Schwitzen bringen.

2023 beliefen sich die versicherten Schäden auf rund 95 Milliarden Dollar. Doch auch hier zeigt der Trend nach oben. Im Durchschnitt der zurückliegenden zehn Jahre belaufen sich die versicherten Schäden auf 90 Milliarden Dollar, im Durchschnitt der zurückliegenden fünf Jahre aber schon auf 105 Milliarden Dollar. Das finanzielle Risiko nimmt also für die Versicherungskonzerne zu. Und was machen die mit den Kosten? Richtig, sie legen diese auf die Versicherungskunden um. In Form von steigenden Beiträgen oder im Schlimmsten Fall die Verweigerung von Versicherungen in Hochrisikogebieten, zuletzt erlebt nach der Flutkatastrophe im Ahrtal.

Doch letztendlich bleibt ein hohes Risiko für die Versicherungsunternehmen weiter bestehen, wenn etwa Extremereignisse zu außerordentlichen Schäden führen. Das führt dazu, dass sich auch die Versicherer mehr und mehr versichern. In der Branche spricht man von der Rückversicherung, im besten Versicherungslatein auch Reassekuranz oder Zession genannt. Vorteil der Rückversicherung: Die Versicherungsunternehmen können zumindest einen Teil ihrer finanziellen Aufwendungen im Schadensfall über die Rückversicherer zurückholen. Dadurch mindern sie ihre Risiken. Die Rückversicherer wiederum agieren häufig in einem Verbund. An einem größeren Rückversicherungsvertrag sind in der Regel mehrere Rückversicherer beteiligt. Sie teilen sich die aus den Verträgen mit den Versicherungsunternehmen resultierenden Risiken untereinander auf. Rückversicherer wiederum diversifizieren diese Risiken geografisch und über mehrere Sparten hinweg. Das stabilisiert lokale Versicherungsmärkte und sichert die Zahlungsfähigkeit bei Großschäden. Ohne Rückversicherer wäre der globale Versicherungsmarkt deutlich instabiler, urteilen Experten. Der Staat müsste öfter mit Steuermitteln eingreifen, einzelnen Versicherungsunternehmen könnte im Extremfall in die Insolvenz rutschen.

Und natürlich lassen sich das die Rückversicherer gut bezahlen. Nach Daten des Ratinghauses AM Best und des Rückversicherungsspezialisten Guy Carpenter belief sich das Rückversicherungskapital 2023 auf 461 Milliarden Dollar. Das Rückversicherungskapital gilt als Indikator für die bereitgestellte Rückversicherungskapazität. Es ist sozusagen der große Topf, aus dem die Versicherer im Schadensfall bedient werden können. Diese Summe lag 2022 noch bei 431 Milliarden Dollar, konnte also gesteigert werden und wird wohl auch noch weiter gesteigert werden. Wie viele Kapazitäten bereitgestellt werden, hängt davon ab, ob Ertrag und Prämien für die Rückversicherer stimmen. Wie die Versicherungsunternehmen bei ihren Endkunden die Prämien bereits erhöht haben, so haben auch die Rückversicherer ihrerseits die Prämien für die Versicherer angehoben.

Die Gewinnmargen steigen also. Neue Tarifmodelle sehen eine Kostenübernahme erst ab einer bestimmten Schadenshöhe vor, also eine Art Selbstbehalt, den die Versicherungsgesellschaften tragen. 

Zu den weltweit größten Rückversicherer gehören unser Depotwert Münchener Rück und Hannover Rück aus Deutschland, Swiss Re aus der Schweiz, Canadian Life Re aus Kanada – diese Gesellschaft gehört zum Finanzdienstleistungskonzern Great- West Lifeco – und überraschenderweise auch unser Depotwert Berkshire Hathaway aus den USA.

Wie eingangs erwähnt, schauen wir auf die Zahlen von Munich Re und die haben überraschenderweise sehr viel verdient. Nach vorläufigen Zahlen verdiente der Münchner DAX-Konzern unter anderem dank geringer Großschäden und gute Finanzgeschäfte rund 2,1 Milliarden Euro. Das sind fast zwei Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Damit hat der Konzern bereits mehr als 40 Prozent des angepeilten Jahresgewinns von fünf Milliarden Euro erwirtschaftet. Dass Vorstandschef Wenning sein Gewinnziel trotz des starken Jahresstarts nicht anhebt, sollte Anleger kaum überraschen. Der Konzern wartet mit solchen Anpassungen meist bis zum Sommer oder gar bis zum Herbst. Denn Naturkatastrophen und andere Großschäden können Gewinne aus den ersten Quartalen schnell wieder aufzehren. Besser es passiert nichts, das ist gut für die immer betroffenen Menschen und für uns als Aktionäre. Ansonsten gilt der Slogan: besser rückversichert!

Börsenwissen: Aktienrückkäufe Teil 3

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Psychologie ist bekanntlich ein wesentlicher Einflussfaktor an der Börse. Und so werden sowohl durch Aktienrückkäufe als auch durch Ausschüttungen Botschaften kommuniziert: Das Unternehmen hat genügend Gewinn erwirtschaftet und ist finanziell gesund. Im Falle von Aktienrückkäufen darf man annehmen, dass der Vorstand steigende Gewinne und Kurse antizipiert.  All diese Signale können einen Einfluss auf den Aktienkurs haben. Das Problem ist nur, dass wir die vielen positiven von den wenigen negativen Aktienrückkäufen unterscheiden müssen. Den Unterschied erfahren wir aber nur, wenn wir uns mit den Bilanzen der Gesellschaften ein wenig genauer befassen. Denn wenn für Aktienrückkäufe und/oder Dividenden Fremdkapital aufgenommen werden muss, weil kein Gewinn erwirtschaftet wurde, dann sollten Anleger ihre Kaufabsicht oder Halteabsicht doch kritisch hinterfragen und ggf. die „Sell“-Taste drücken.

Denn wir dürfen auch nicht darüber hinwegsehen, dass ein Aktienrückkauf auch zu einer durchaus gefährlichen Investitionsblase führen kann. Dies gilt insbesondere dann, wenn der sogenannte „Leverage-Effekt“ (dies ist die Hebelwirkung des Fremdkapitals auf die Eigenkapitalrendite. Dabei erhöht sich die Eigenkapitalrendite durch die Verwendung von Fremdkapital) im Spiel ist und Unternehmen den Aktienrückkauf nicht mit Eigenkapital stemmen, sondern Kapital durch die Ausgabe von beispielsweise Unternehmensanleihen oder Bankkredite dafür aufnehmen. Ein solcher Aktienrückkauf ist für Aktionäre deshalb nicht immer unbedingt mit Vorteilen verbunden. Bleiben beispilsweise positive Kurseffekte aus, droht der Aktiengesellschaft eine Überschuldung, da sie das aufgenommene Kapital plus Zinsen ohne zusätzliche Gewinne zurückzahlen muss.

Aktienrückkäufe haben stets Vor- und Nachteile. Zum einen wird dem Unternehmen Cash entzogen, welches unter Umständen für sinnvollere Projekte (z. B. Investitionen, Forschung und Entwicklung) hätte genutzt werden können. Andererseits ist es aus Investorensicht durchaus von Vorteil, der Unternehmensführung möglichst die freien Mittel zu entziehen, damit effizient gehaushaltet wird. Oder anders ausgedrückt, damit kein Blödsinn (z. B. unsinnige Übernahmen) mit freien Mitteln geschieht (kommt leider auch öfters vor als man als Aktionär denkt!). 

Hat ein Unternehmen allerdings einen Liquiditätsüberschuss, kann dieser durch den Aufkauf eigener Aktien in eine Geldanlage umgewandelt werden.

Hier stellen wir nachstehend noch einmal einige Vor- und Nachteile von Aktienrückkäufen stichpunktartig zusammen.

Vorteile von Aktienrückkäufen: 

– Steuerlich vorteilhaft, denn der Gewinn wird nicht wie bei Dividenden realisiert.

– Ausdruck gesunder Finanzen und einer positiven Prognose seitens des Unternehmens.

– Signal, das einen positiven Einfluss auf den Aktienkurs haben kann.

– Verbesserung der Kapitalstruktur.

– Dem Management wird Cash entzogen.

Nachteile von Aktienrückkäufen:

– Fundamentale Kennzahlen werden verfälscht, z. B. der Gewinn pro Aktie.

– Wird oft als Ausdruck strategischer Ideenlosigkeit durch das Management gesehen.

– Unternehmen kann sich mit Aktienrückkauf auch verzocken, z. B. wenn anschließend der Kurs abfällt.

Wenn wir als Aktionäre wissen wollen, wie viele Aktien ein Unternehmen überhaupt ein Unternehmen ausgegeben hat, dann hält uns die Bilanz auf dem Laufenden. Der Bilanz können Aktionäre entnehmen, wie viele Aktien im Umlauf sind und welche Großaktionäre welchen Anteil an Aktien halten und wie viele Anteile im Streubesitz sich befinden bzw. welche Anzahl von Aktien überhaupt als freies Kapital an der Börse gehandelt werden und demzufolge auch zurückgekauft werden können.

Anleger können durchaus Rendite erwirtschaften, wenn sie auf eine Aktienrückkaufstrategie im Gegensatz zur Dividendenstrategie setzen. Da Aktienrückkäufe in einer Hauptversammlung erst beschlossen werden müssen, kommen sie nicht überraschend für die Anleger und sind dann auch befristet also in einer vorgegebenen Zeitspanne zu realisieren. Meistens geben die Gesellschaften vorher bekannt, wann und in welcher Höhe sie Aktien durch Rückkäufe vom Markt nehmen. Anleger können so von steigenden Kursen profitieren und wenn sie die Aktien schon länger als ein Jahr halten, dann können Aktienkursgewinne bei einem Verkauf der Papiere steuerfrei vereinnahmt werden. Und in Kombination mit der Ausschöpfung des Sparerfreibetrages von 1.000 Euro Ledige / 2.000 Euro Verheiratete, lassen sich hier ggf. auch noch ein paar mehr reale Gewinne aus dem Depot erwirtschaften.

Und was macht ein Unternehmen mit später nicht benötigten Anteilen aus Rückkäufen? Langfristig steht dem Unternehmen auch offen, seine nun wieder im eigenen Besitz befindlichen Anteile an den Markt zurückzugeben. Allerdings müssen die Gesellschaften in diesem Fall darauf achten, dass die ausgegebenen Aktienpakete nicht zu groß sind. Denn zu große Aktienpakete könnten sich negativ auf den Kurs auswirken. Andere Anleger würden diesen Kursrückgang ebenfalls als schlechtes Zeichen bewerten und ihre Anteile abstoßen. Die Folge wäre ein stark fallender Kurs.

Wir sehen also, dass Aktienrückkäufe auch mit Licht und Schatten verbunden sind und es ganz genau aufzupassen gilt. 

 

Börsenwissen: Dividenden Teil 4

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Es gibt natürlich auch Anleger, die aus Kosten- und sonstigen Gründen mehrere Depots führen. Falls Anleger mehrere Depots haben, brauchen sie auch mehrere Freistellungsaufträge. Dazu müssen die Inhaber mehrerer Depots ihren Sparerpauschbetrag aufteilen, und zwar entsprechend den Einnahmen, die sie in jedem Depot erwarten. Das Ziel besteht darin, möglichst den ganzen Sparerpauschbetrag schon auszuschöpfen, sodass nirgends ein Teil davon ungenutzt bleibt. Das erspart den Anlegern ggf. die Abgabe der Anlage KAP zur Steuererklärung. Andernfalls ist das die einzige Möglichkeit, zu viel gezahlte Abgeltungsteuer vom Finanzamt zurückzuholen.

Eine zweite Möglichkeit liegt in der nicht ganz so bekannten Nichtveranlagungsbescheinigung oder kurz NV-Bescheinigung. Damit können Anleger zum Beispiel die Depots ihrer Kinder und Enkelkinder ganz vom Steuerabzug freistellen lassen. Denn die Einkünfte von Kindern liegen in aller Regel unter dem Grundfreibetrag, also dem steuerfreien Existenzminimum von derzeit 11.604 Euro. Da bleiben dann auch Kapitaleinkünfte gänzlich steuerfrei. Eine NV-Bescheinigung lässt sich unkompliziert beim Finanzamt beantragen und gilt für drei Jahre, kann dann aber wieder neu beantragt werden, wenn sich die Bedingungen nicht geändert haben. Die NV-Bescheinigung erhält die depotführende Bank. Wenn Anleger also für ihre Kinder oder Enkel mit jeweils eigenen Depots Geld anlegen, sparen sie damit Steuern in erheblichem Umfang. So eine NV-Bescheinigung kann natürlich jeder beantragen, der das steuerfreie Existenzminimum nicht überschreitet. Da das steuerfreie Existenzminimum durch das Finanzamt erst nach Abzügen aller Freibeträge und sonstiger Kosten ermittelt wird, kann das tatsächliche Einkommen bspw. bei Rentnern durchaus höher ausfallen.  

Steuersparmodelle gibt es einige, die sich aber nur für höhere Beträge lohnen. Und dazu gibt es die Berufsparte Steuerberater, die Anleger für ihre steuerpflichtigen Anlagen dazu befragen sollten.

Dividenden erhalten Anleger bekanntlich nur dann, wenn sie die Aktie am Stichtag im Depot halten. Manche Anleger nutzen diese Stichtagregelung und erwerben Aktien vor dem Stichtag und verkaufen die Aktie dann wieder nach der Dividendenzahlung. Sie sollten aber damit warten bis der Dividendenabschlag im Kurs wieder ausgeglichen ist. Ob sich das für den einzelnen Anleger lohnt, hängt von der Höhe der Dividende und den Kosten des Brokers für den Kauf und Verkauf der Wertpapiere ab. Aber bei den Neobrokern können Anleger in dieser Angelegenheit durchaus fündig werden.

Viele Anleger kaufen nicht nur deutsche Aktien, sondern sind nebenbei international aktiv wie auch unser NDAC-Clubfonds. Und die schwimmen nicht am Finanzamt bei der Steuer vorbei. Natürlich interessiert sich neben dem heimischen auch der ausländische Fiskus für die Erträge aus den Aktienanlagen.

Wie bereits erwähnt, die Abgeltungssteuer in Deutschland beträgt 25 Prozent zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Abgeltungssteuer sowie ggf. 8-9 Prozent Kirchensteuer, so dass letztlich 26,375 Prozent / 27,995 Prozent einbehalten werden.

Und wenn Anleger im Ausland Erträge erzielen, dann hoffentlich in einem der 90 Länder mit denen Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen hat. Diese werden regelmäßig aktualisiert. Und keine Sorge, die DBA werden meistens mit Staaten abgeschlossen, die ähnliche Vorstellungen hinsichtlich der Besteuerung wie Deutschland haben und sind im Wortlaut auch auf der Webseite des BMF ersichtlich.

Gemäß DBA mit den meisten Ländern stehen 15 Prozent Quellensteuer dem jeweiligen Land zu, die vom Dividendenempfänger in seiner Steuererklärung angerechnet werden können. Der darüber hinaus gehende Betrag, bei uns also 11,375 Prozent kann zurück gefordert werden.

Dazu einige Beispiele:

In der Schweiz heißt die Quellensteuer Verrechnungssteuer und beträgt 35 Prozent. Anleger können dort also 20 Prozent zurückfordern. Dazu müssen sie sich im Schweizer Steuerportal registrieren und können anschließend im eingeloggten Zustand die Erstattung über das Formular F85 beantragen. Die Schweizer Steuerverwaltung stellt sogar eine eF85 – Benutzer- Anleitung zur Verfügung.

In Österreich heißt die Quellensteuer Abzugssteuer und betragt 27,5 Prozent. Anleger können also 12,5 Prozent zurück fordern. Wichtig ist, die Rückforderung muss in Österreich vor der Dividendenzahlung beantragt werden, daher sollten Anleger die Formulare sofort ausfüllen.

In den USA beträgt die Quellensteuer auf Dividenden 30 Prozent, Anleger können also 15 Prozent zurückfordern. Dazu müssen sie das Formular W-8BEN ausfüllen. Erläuterungen auf Englisch werden auf der Webseite IRS der US-Regierung zur Verfügung gestellt. Die Onvista-Bank stellt übrigens eine recht gute Ausfüllanleitung in deutscher Sprache zur Verfügung.

Dass es auch ohne große Formulare geht, beweist ungewollt bspw. Japan. Im Land der aufgehenden Sonne beträgt die Quellensteuer 15 Prozent. Diese kann vollständig auf die deutsche Abgeltungssteuer angerechnet werden. Damit ist dort keine Erstattung erforderlich.

Klingt alles kompliziert? Vielleicht deshalb verzichten Kleinanleger vielfach auf die Erstattung der Quellensteuern, denn ein Steuerberater hat meistens höhere Stundensätze als was die Steuererstattung einbringt. Kleinanleger können es, wie wir sehen, selbst versuchen. Übrigens, auch manche Banken bieten die Bearbeitung gegen Honorar an.

Börsenwissen: Dividenden Teil 3

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Aber nicht nur Dividendenfonds sind im Angebot, sondern auch Zertifikate, die mitunter auch Dividenden ausschütten. Die Investition in ein Zertifikat bedeutet für Anleger aber auch, dass sie durch dessen Kauf dem Herausgeber der Schuldverschreibung Geld leihen. Zertifikate unterliegen dem Bonitätsrisiko, also dem Risiko der zukünftigen Zahlungsfähigkeit eines Emittenten. Das bedeutet, dass Anleger bei einer Insolvenz des Emittenten ihr investiertes Kapital verlieren können. Das kann bei Aktien und bei Fonds nicht passieren, da diese Vermögenswerte als Sondervermögen des Eigentümers geschützt sind.

Im Bereich der Zertifikate gibt es bekanntlich ganz unterschiedliche Konstruktionen und Angebote. So kann man zwar bei nur wenigen Zertifikaten auch von den Dividenden profitieren, die von den Aktiengesellschaften ausgeschüttet werden, aber einige Zertifikate gibt es dennoch, wo dieses möglich ist. So gibt es beispielsweise einige Zertifikate, die einen Aktienindex als Grundlage haben, der in erster Linie Aktien mit einer hohen Dividendenrendite beinhaltet. Schüttet nun die jeweilige AG ihre Dividende aus, kommt dieses dem Emittenten des Zertifikats zu Gute, der die Aktien besitzt. Dieser lässt dann in der Regel die Dividenden in die Zertifikate einfließen. Eine Besonderheit im Bereich Zertifikate stellen die so genannten Alpha-Zertifikate dar. Mit diesen kann man mitunter ganz bewusst in Aktien mit einer hohen Dividendenrendite investieren. Diese Zertifikate funktionieren so, dass der Basisindex ein Index ist, der nur Aktien mit einer überdurchschnittlich hohen Dividendenrendite beinhaltet. Ein solcher Index ist zum Beispiel der Eurostoxx-Select-Dividend-30-Index. Beim Alpha-Zertifikat ist es nun so, dass man daran verdient, dass sich dieser genannte Index zum Beispiel besser entwickelt, als der “normale” Eurostoxx 50 Index. Somit ist man durch das Investment in dieses Zertifikat also im Grunde unabhängig von Aktienkursen, sondern man erzielt seinen Ertrag ausschließlich aus der Differenz der Wertentwicklung des “Dividenden-Index” zum “normalen Index”. Solche Konstruktionen sind allerdings nur ein Bruchteil des gesamten Spektrums an Zertifikaten. Bei den meisten Zertifikaten ist es so, dass man nicht von Dividenden profitiert, denn die ausgeschüttete Dividende erzeugt bei den Aktien einen Kursabschlag (exDiv), wodurch auch der dem Zertifikat zugrunde liegende Index (rein theoretisch, bei ansonsten keiner Kursänderungen aller Aktien) am Tag des Dividendenabschlags an Wert verlieren müsste. Da man als Inhaber des Zertifikats aber im Gegensatz zum Aktionär keine Dividende erhält, profitiert man in der Regel auch nicht von der Ausschüttung einer solchen. 

Nach dem kurzen Ausflug in die Welt der Zertifikate kommen wir zu unseren normalen Aktiendividenden zurück. Denn wir müssen zum Schluss noch beachten, dass die Dividende ein Einkommen aus Kapitalvermögen darstellt. Und wer hält da immer die Hand auf? Richtig, der Fiskus!

Dividenden bringen dem Anleger in der Regel laufende Einnahmen. Da er „gefühlt“ trotz der Rekordsteuereinnahmen in letzter Zeit ohnehin chronisch zu wenig Geld hat, bittet er Privatinvestoren besonders gern zur Kasse. Auch wenn auf Aktiengewinne „nur“ die Abgeltungsteuer (25 Prozent plus 5,5 Prozent Soli und ggf. Kirchensteuer) fällig wird, so gilt doch: Gerade in Sachen Dividenden gibt es ein paar unerfreuliche Detailregelungen.

Normalerweise gilt im deutschen Steuerrecht: Einnahmen, die in einer bestimmten Einkunftsart generiert werden, lassen sich verrechnen mit den Ausgaben aus dem betreffenden Jahr. So können Arbeitnehmer beispielsweise ihr steuerpflichtiges Gehalt verringern durch die so genannten Werbungskosten, etwa für Fahrten zur Arbeit, selbst bezahlte Fortbildungen oder Fachliteratur. Auch bei Vermietern gibt es Werbungskosten. Sie reichen von den Aufwendungen für die Hausverwaltung bis zu den Instandhaltungskosten für Mietobjekte. Gleiches gilt für Personenunternehmen und Freiberufler, die Betriebsausgaben absetzen können.

Aber bei den Gewinnen aus Wertpapieren (im Fachjargon „Einkünfte aus Kapitalvermögen“) ist das anders. Hier hat der Gesetzgeber Hindernisse bei der Verlustverrechnung eingebaut. So zum Beispiel bei den Dividenden. Diese sind als positive Einkünfte aus Aktien nicht verrechenbar mit den Kursverlusten, die Anleger erzielen, wenn sie Aktien unter Einstandswert verkaufen. Verrechnen können sie diese Verluste nur mit realisierten Kursgewinnen. Wir hatten darüber schon berichtet.

Diese fragwürdige Praxis des Fiskus wird jetzt durch das Bundesverfassungsgericht geprüft. Die Steuern auf Kapitalerträge werden derzeit nur vorläufig festgesetzt.

Bis zu einer endgültigen Entscheidung der Roten Roben in Karlsruhe sollten Anleger allerdings selbst dafür sorgen, dass sie möglichst wenig Abgeltungsteuer auf ihre Dividenden (und überhaupt auf alle Gewinne aus ihrer Geldanlage) zahlen. Zwei wichtige Maßnahmen bieten sich in diesem Zusammenhang an:

Der Freistellungsauftrag an die depotführende Bank ist eine Maßnahme. Denn: Bis zu 1.000 Euro pro Jahr können Anleger steuerfrei einnehmen. Dieser sogenannte Sparerpauschbetrag wurde 2023 erhöht und betrug vorher 801 Euro. Zusammen veranlagte Ehepaare können 2.000 Euro in Anspruch nehmen. Mit einem Freistellungsauftrag sorgen Anleger dafür, dass die Bank von ihren Gewinnen bis zu dieser Höhe erst gar nichts ans Finanzamt abführt.

Börsenwissen: Dividenden Teil 2

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Vorzugsaktien repräsentieren den gleichen Anteil am Unternehmen wie Stammaktien. Allerdings sind sie nicht mit einem Stimmrecht ausgestattet. Das heißt: Wer Vorzugsaktien besitzt, darf zwar zur Hauptversammlung gehen. Aber er darf bei anstehenden Entscheidungen nicht mitstimmen. Diesen Nachteil gleichen die Aktiengesellschaften mit einer höheren Dividende aus. Oder anders ausgedrückt, Anlegern mit Vorzugsaktien wird das Stimmrecht abgekauft.

Wer über Vorzugsaktien im Depot verfügt, darf natürlich zur Hauptversammlung gehen, aber eben halt ohne Stimmrecht bei den Entscheidungen über die Geschicke „seines“ Unternehmens.

Aber seien wir einmal ehrlich, für Privatanleger sieht die Rechnung eigentlich so aus: In der Regel ist ihre Stimme sowieso vernachlässigbar, ganz einfach, weil sie nur einen äußerst geringen Anteil am Grundkapital einer Aktiengesellschaft repräsentiert. Deshalb kann es sinnvoll sein, statt der Stammaktien („Stämme“) gleich auf Vorzugsaktien („Vorzüge“) zu setzen.

Wie aber sieht die Kursentwicklung im Vergleich aus?

Auch wenn Stamm- und Vorzugsaktien den gleichen Unternehmensanteil repräsentieren, kann sich ihr Kursverlauf an der Börse stark unterscheiden. Denn maßgeblich für die Kursentwicklung sind schlichtweg Angebot und Nachfrage. Um abzuschätzen, wann welche Aktiengattung wohl eher gefragt sein wird, sollten Anleger daher die Situation berücksichtigen, in der sich das jeweilige Unternehmen befindet.

Stammaktien sind beispielsweise dann oft die gefragtere Aktiengattung, wenn das emittierende Unternehmen Ziel einer Übernahme ist oder sein könnte. Wer ein Unternehmen kaufen will, strebt eine Stimmenmehrheit an, und eine solche lässt sich nun einmal nur mit Stämmen erzielen, nicht mit Vorzügen. Im Umkehrschluss heißt das aber, steht keine Übernahme an und auch sonst kein Ereignis, auf das Aktionäre mithilfe ihres Stimmrechts einen Einfluss ausüben könnten, locken die Vorzüge natürlich mit ihren höheren Dividenden, worauf es bei Kleinanlegern speziell ankommt.

Dazu kommt noch ein anderer nicht zu unterschätzender Fakt. Auf lange Sicht ist damit zu rechnen, dass sich die Vorzüge den Stammaktien angleichen. Nach einer Übernahme etwa, wenn der Käufer des Unternehmens sich längst seine Stimmenmehrheit gesichert hat, sehen Anleger das oft. Die Vorzüge, die zunächst kaum Kurszuwächse verzeichnet haben, holen plötzlich auf und gleichen sich den Stämmen weitgehend an. Es kann durchaus auch passieren, dass die Vorzüge die Stämme überholen. Das kommt immer auf die jeweilige Marktsituation an.

Wir wollen im Zusammenhang mit der Auswahl richtigen Dividendenaktien nicht verschweigen, dass es durchaus Zeitaufwand benötigt, um die richtigen Papiere zu finden. Für solche Anleger wurden die Dividendenfonds kreiert. Genauer gesagt gibt es sogar zwei Kategorien: Aktiv gemanagte Investmentfonds und daneben noch ETFs, die einen Dividenden-Index abbilden, zum Beispiel den DivDax oder den S&P US Dividend Aristocrats. Aber ist das wirklich die optimale Lösung?

Wer einen solchen Fonds kauft, kann darauf vertrauen, dass im Portfolio dividendenstarke Aktien liegen, auch wenn die Auswahlkriterien sich nicht immer gleichen. Eine Sache sollten Anleger jedoch beachten, wenn sie Dividendenfonds kaufen: Die wahre Performance ist meistens etwas schlechter als die ausgewiesene. Und das hat einen bestimmten Grund.

Wie bei Einzelaktien oder Aktienfonds sind Anleger stets gefordert die Renditen zu vergleichen.

Wenn Kleinanleger mehrere Fonds in Sachen Wertentwicklung über die Jahre vergleichen möchten, ist das ohne Weiteres möglich. Jede Fondsgesellschaft wird ihren Anlegern die Performance über verschiedenste zurückliegende Zeiträume ausweisen. Auch bei Rating-Agenturen wie beispielsweise Morningstar können Sie diese abrufen. Ob ein Jahr, drei Jahre, fünf Jahre oder auch zehn Jahre und länger, sind die gewünschten Zahlen einfach zu finden. Allerdings, leicht zu interpretieren sind sie leider nicht.

Denn würde man die Wertentwicklung eines ausschüttenden Fonds vergleichen mit einem thesaurierenden Fonds, dann stünde der ausschüttende schlechter da. Zur Erinnerung: Ein ausschüttender Fonds überweist die erhaltenen Dividenden (oder bei Mischfonds auch die Zinsen) laufend an seine Anteilseigner. Das macht ein thesaurierender Fonds nicht. Er führt diese Einnahmen dem Fondsvermögen zu und investiert sie weiter.

Das bedeutet aber, wenn nicht ausgeschüttetes Geld im Fonds verbleibt, dann werden die einzelnen Fondsanteile naturgemäß wertvoller. Was also macht die Fondsindustrie, um beide Fondsarten vergleichbar zu machen? Sie tut bei allen Fonds – auch den ausschüttenden – so, als würden die Erträge einbehalten. Deshalb weisen ausschüttende Fonds eine bessere Entwicklung aus, als sie in Wirklichkeit erzielt haben.

Dividendenfonds sind fast immer ausschüttend. Kaum einer dieser Fonds thesauriert die laufenden Erträge. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn schließlich zeigen die Anleger mit dem Kauf ihr Interesse an Ausschüttungen. Das ist Sinn und Zweck des Fonds und als Marketinginstrument genutzt. Ein Investor freut sich naturgemäß über die laufende Aufbesserung seines Gehalts oder seiner Rente durch die regelmäßigen Gutschriften auf seinem Verrechnungskonto. Und wenn er es nicht benötigt, kann er entscheiden, ob es weiter angelegt wird.