Der Ausblick für 2019

Der Ausblick für 2019

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Diese Erkenntnis wird unter anderem so bedeutenden Menschen wie Karl Valentin, Mark Twain, Winston Churchill, Niels Bohr und Kurt Tucholsky zugeschrieben. Insbesondere im Fach Wirtschaftsgeschichte, hier speziell in der Abteilung Marktprognosen, füllen sich ungezählte Bände mit Vorhersagen aller Art, die nicht eingetroffen sind.Den stets abgefragten Prognosen von Börsenexperten oder selbst ernannten Experten zum kommenden Jahr möchten wir daher keine neue hinzufügen. In der Regel betreffen diese Voraussagen einen Punktestand beim DAX, beim Dow Jones, aber auch für den Euro und sogar den Ölpreis sowie den Goldpreis und vielleicht auch neu den Bitcoin. Die Methoden, wie die Börsenpropheten zu ihrem Glaskugelwissen gelangen, muten allerdings allesamt fragwürdig an.

Deshalb werden wir im Folgenden nur einige gesicherte Erkenntnisse für die Marktentwicklung 2019 bringen:

Zinsen und weitere Aussichten

Die EZB wird auch im Jahr 2019 die Zinsen nicht nennenswert anheben, sodass Aktien und Aktienfonds mittel- und langfristig die bessere Alterative zu den heiß geliebten deutschen Sparformen (Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld) bleiben.

Die amerikanische Fed hat die geplanten Zinsanhebungen aktuell für 2019 von drei auf zwei Schritte gesenkt.

Wenn die politischen Belastungen zurückgehen und keine neuen Schwierigkeiten am Horizont erscheinen, dann werden die Märkte auch wieder steigen.

Technologie als größter Sektor weltweit bleibt entscheidend für die Marktentwicklung, aber wir sollten uns auch konservative Titel wie beispielsweise aus der Konsumbranche in die Depots nehmen. Der richtige Mix wird es bringen.

Bei mittel- bis langfristigen Kapitalanlagen wie zum Beispiel unserem NDAC-Aktienfonds ist es ratsam, über tägliche Schwankungen und kurzfristige Unruhen an den Kapitalmärkten hinwegzusehen. Wir wissen, dass das Nerven kostet, aber es wird sich auszahlen.

Europäische Aktien sind insgesamt zwar günstiger, dafür herrscht hier jedoch mehr Unsicherheit beim erwarteten Gewinnwachstum als in den USA. Und schauen wir ruhig auch einmal in die Schwellenländer. Dort gibt es jede Menge Perlen zu entdecken:

Unternehmen, die Geld verdienen und das seit vielen Jahrzehnten bei wechselndem Umfeld, unterschiedlichen politischen Bedingungen und teils sogar erheblichen Währungskrisen schaffen und beherrschen ihren Markt. Diese Unternehmen werden auf absehbare Zeit weiter Geld erwirtschaften. Sie werden Dividenden ausschütten, die sich gut berechnen lassen, und irgendwann wird der Markt dies belohnen.

Gemanagte Fonds werden auch 2019 die bessere Alternative für Anleger sein als Einzelinvestments oder ETFs.

Es ist auch gut, nicht immer investiert zu sein, halten Sie also Kapital flüssig für günstige Kaufgelegenheiten.Wir haben den Ausblick für 2019 mit einem Zitat begonnen und beenden unsere Vorschau mit John Maynard Keynes (britischer Ökonom): „Wenn sich meine Informationen ändern, ändere ich meine Meinung.“

Deshalb begleiten wir unsere Anleger auch weiterhin in diesen schwierigen Börsenzeiten 2019.weitere Nachrichten

Das Jahr 2018 – Sinnlos verschwendete Zeit an den Börsen

Das Jahr 2018 – Sinnlos verschwendete Zeit an den Börsen

Einige Gedanken zum Jahreswechsel für unsere Anleger.

Die Zeit zwischen den Jahren ist auch die Zeit, um Rückschau zu halten auf das vergangene Börsenjahr und sich Gedanken über Prognosen für das kommende Jahr zu machen.Wie immer, wenn Zeit geradezu vergeudet wird, also Stillstand und Rückgang an den Märkten herrscht, so ist auch in diesem Jahr die Politik wieder der Auslöser gewesen.

Die Börse im Blick zur Politik in Deutschland

Beginnen wir in Deutschland: Die Bundestagswahl war zwar schon im Jahr zuvor, aber eine neue Regierung hatten wir erst im März 2018. Solange brauchten die Damen und Herren Politiker, um sich quasi gezwungenermaßen zu einer Regierung zusammenzuraufen – für deutsche Verhältnisse fast schon belgische Zustände. Aber o. k., nachdem sich die Wirtschaftspartei FDP nach zeitraubenden Verhandlungen aus der Verantwortung gestohlen hatte, ging es dann doch relativ schnell mit der neuen GroKo.

In der Zeit des Stillstands – die alte Regierung war nur noch geschäftsführend im Amt – startete der DAX mit Zugewinnen ins neue Jahr. Die Börsen lieben solche Zeiten; große Entscheidungen gegen die Märkte wurden nicht getroffen. Auch als der Koalitionsvertrag endlich unterschrieben war und die alte Regierung bis auf ein paar personelle Änderungen quasi auch die neue war, blieben die Märkte gelassen. O. k., der Streit um die Asylpolitik und die Ankerzentren hätte nicht sein brauchen. Aber wenn alte Männer mit Ängsten vor dem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit durchdrehen, dann kann eben nichts anderes dabei herauskommen.

Dabei hätte man von deutscher Seite aus die Zeit lieber dazu verwenden sollen, sich im Handelskrieg zwischen den USA und China stärker zu positionieren.

Und dann war und ist da noch „Dieselgate“, der den Verkehrsminister und die deutschen Umweltpolitiker monatelang bis heute beschäftigte – kostbare Zeit, denn jetzt drohen Fahrverbote, und eine Lösung ist weiterhin nicht in Sicht. Der sinnlose Versuch Deutschlands, die Grenzwerte für umweltschädliche Stickoxide auszuweiten, machte es auch nicht besser. Denn europäisches Recht geht vor nationalem Recht. Das wussten auch die verantwortlichen Politiker. In dieselbe Richtung zielt auch das Bemühen, der klagenden und meistens obsiegenden Deutschen Umwelthilfe die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Dann wird es allerdings andere Verbände geben, die die Klagen übernehmen. Zeitverschwendung pur zulasten der Märkte …

Die Automobilindustrie hat den Trend hin zur Elektromobilität schlicht verschlafen und weiterhin auf die alten Technologien gesetzt. Besser wäre es gewesen, wenn Politik und Manager die Zeit genutzt hätten, sich an einen Tisch zu setzen, um die Infrastruktur für E-Autos flächendeckend auszubauen. Länder wie China, Norwegen etc. machen es vor. Wer zu spät kommt, …

Aber nicht nur national wurde viel Zeit verschwendet, auch international beobachten wir das gleiche Phänomen.

Auswirkung der der USA Politik auf die Märkte

Beginnen wir beim aktuellen Zeitproblem: US-Präsident Trump und die demokratische Mehrheit im Parlament haben, wie von uns und vielen Beobachtern vorausgesehen, Streit um den Haushalt. Eine automatische Haushaltssperre trat kurz vor Weihnachten in Kraft wegen vergleichsweise lächerlicher 5 Milliarden Dollar für den Bau des Trump?schen Monumentalbaus, sprich der Grenzmauer zu Mexiko. Nun sind 5 Milliarden Dollar auch keine Kleinigkeit, aber angesichts der billionenschweren Verschuldung der USA ein doch geringer Betrag. Die Börsen reagierten mit Abschlägen weltweit auf das Geschehen. Doch man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass sich auch dieser Streit nach einiger Zeit wieder in (Kompromiss-)Luft auflösen wird.

Dabei hätte das Weiße Haus wirklich andere Probleme anzupacken, zum Beispiel den Handelsstreit mit China. Denn hier warten die Märkte auf eine gesichtswahrende, schnelle und dauerhafte Lösung im Interesse der internationalen Gemeinschaft. Es war ja immer wieder einmal von Zeichen der Annäherung die Rede, es braucht nur wieder Zeit. Stellt sich nur die Frage, wozu die Staaten dann die WTO als oberste Rechtsinstanz in Handelsstreitigkeiten geschaffen haben.

Sanktionen gegenüber Russland, dem Iran und anderen Staaten vonseiten der USA und der EU haben auch 2018 wenig gebracht. Die Konflikte bestehen weiter, die Staaten finden immer wieder Wege, sie mithilfe anderer Staaten zu umgehen (Iran) oder werden autark (Russland, China). Es wird also lange Zeit brauchen, um die Wirtschaftsbeziehungen und Lieferabkommen wieder zu beleben – falls die sanktionierten Güter dann überhaupt noch in den Ländern benötigt werden.

Deutsche Wirtschaft leidet

Und zwischen allen Fronten sitzt das exportabhängige Deutschland. Unsere Wirtschaft ist gleich mehrfach gestraft, total verunsichert und aufgerieben. Einerseits führen wir Exportgeschäfte aus den USA nach China und umgekehrt und andererseits befürchten unsere Unternehmen, dass der Bannstrahl aus dem Weißen Haus auch die Europäer trifft, trotz des Deals zwischen Trump und Juncker. Tausende Unternehmen, die Pläne für neue Werke im In- und Ausland in den Schubladen haben, verschieben diese deshalb immer wieder. Die Panik bei der Hortung von Ersatzteilen und anderen notwendigen Materialien sorgt für nicht planbare Kostensteigerungen. Das Ergebnis werden wir in den Bilanzen nächstes Jahr sehen. Die Flut von Gewinnwarnungen und ein nahezu ausgebombter DAX zum Jahresende geben einen Vorgeschmack.

Auch die EU tat nichts für eine positive Entwicklung

Die EU erwies sich im letzten Jahr als eine Gemeinschaft der Kompromisse, des kleinsten gemeinsamen Nenners. Die beklagenswerte Flüchtlingspolitik wollen wir dabei hier nicht betrachten; sie hatte keine Auswirkungen auf die Börsen.

Dafür hielt der Brexit die Märkte in Atem. Wir wissen zwar nicht, wie die Inselbewohner das noch geordnet bis Ende März 2019 hinbekommen wollen – alle Unternehmen auf beiden Seiten haben schon Notfallpläne ausgearbeitet –, aber letztlich hoffen auch alle darauf, dass sie nie zur Anwendung kommen mögen. Die vergeudete Zeit am Anfang der zweijährigen Austrittsverhandlungen fehlt jetzt am Ende. Das Problem wird uns also noch länger begleiten.

Auch die italienische Mitte-Rechts-Regierung versuchte lange Zeit, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen. Und wo endete das alles? Richtig, bei einem Kompromiss zwischen Brüssel und Rom. Die Märkte, speziell die Anleihemärkte, brachten die Römer zur Vernunft, oder auch nicht.

Und nun also zum Jahresende auch noch Frankreich: Eine Gelbe-Westen-Bewegung zerrte an den Nerven von Präsident Macron. Lange Zeit sah es so aus, als wenn die französische Regierung hart bleiben würde, immer das schon zu hohe Haushaltsdefizit vor Augen. Aber auch das ist nun nicht mehr wichtig, und so werden weitere Milliarden an Schulden aufgenommen. Kein Wunder, dass Macron eine Vergemeinschaftung der Schulden mit einem europäischen Finanzminister anstrebt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Bei dem scheidenden EU-Ratspräsidenten Jean-Claude Juncker rennt er damit offene Türen ein, und seit sie bekannt gab, dass sie auch nicht mehr lange im Amt sein wird, auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel. Da bleibt nur noch die Hoffnung, dass zumindest die wenigen vernünftigen Staaten Europas mit gesunden Haushalten ihr Veto gegen diesen Unsinn einlegen werden.Wir sehen also an diesen Beispielen: Das Jahr 2018 war ein Jahr der Zeitvergeudung für die Börsenplätze. Die deutschen Aktienindizes haben es entsprechend quittiert, wie jeder an den Indexständen zum Jahresende ablesen kann.weitere Nachrichten

Die Leitzinsen – Gefahr für die Aktienmärkte?

Die Leitzinsen – Gefahr für die Aktienmärkte?

Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed, hat während seiner kurzen Amtszeit die Leitzinsen schon drei Mal erhöht. Sie stehen aktuell in einem Korridor von 2 bis 2,25 Prozent und werden, so die überwiegende Meinung der Finanzmarktexperten, im Dezember weiter steigen. Auch für 2019 sind Zinsschritte angekündigt. Doch egal, wie viele es am Ende werden, ob 2, 3 oder 4, die Zinssteigerungen bringen die Finanzmärkte in Schwierigkeiten.Der US-Präsident tobt und jammert, die Fed sei verrückt geworden und beschädige alles, was er geschaffen habe.

Ein Geheimtreffen am 12.10.2018 auf der indonesischen Ferieninsel Bali, die Early Warning Exercise, eine Art Frühwarnsystem des Internationalen Währungsfonds, stand dazu an – ein informelles Treffen der wichtigsten Notenbankchefs und Politiker, bei dem alle ihre Sorgen über bestehende und sich abzeichnende Krisen und deren Folgen auf den Tisch legen.

Welche Folgen haben steigende Zinsen in den USA?

Die erste Folge ist, die Kredite werden teurer, und das betrifft nicht nur die Privatkredite, sondern auch die Firmenkredite und ebenso die Staatsverschuldung der USA. In den USA ist das Plastikgeld viel stärker verbreitet als zum Beispiel in Deutschland. Dort gehört es zum guten Ton, alles mit der Karte zu zahlen, und wenn das Limit der Karte erreicht ist, dann zieht der Schulden gewohnte US-Bürger eben die nächste Karte aus der Tasche.

Die private Verschuldung ist nach Angaben der Federal Reserve Bank im letzten Quartal des Jahres 2017 auf 13,2 Billionen Dollar geklettert, fast 200 Milliarden mehr als im Quartal zuvor. Das ist eine Rekordsumme. Hypotheken stehen mit fast 9 Billionen an erster Stelle, gefolgt von Kreditkartenschulden von mehr als 800 Milliarden US-Dollar. Auch die Auto- und Studienkredite nehmen weiter zu. Die stetig steigenden Privatschulden sind jetzt schon das fünfte Jahr in Folge zu beobachten.

Doch wenn der private Verbraucher auf die Regierung in Washington schaut, dann sieht er nichts anderes. So betrug die Staatsverschuldung der USA Ende 2017 20,9 Billionen Dollar, und auch in diesem Jahr wird wieder eine Schippe draufgelegt, geschätzte 22,05 Billionen Dollar sollen es am Ende sein.

Zinsen werden gezahlt, von einer Tilgung des Schuldenberges ist keine Rede. Im Gegenteil, er wird durch die Steuerreform der Trump-Regierung immer höher. Die Folgen wird der nächste Präsident dann auszubaden haben (siehe dazu auch unseren Beitrag: Erinnerungen werden wach).

Wenn die Zinsen jetzt weiter steigen, bekommen die US-Bürger ein Problem, denn schließlich müssen sie neben der Tilgung die erhöhten Zinsen zahlen. Und das bedeutet weniger Konsum, weniger Produktion, weniger Arbeitskräftebedarf, weniger Steuereinnahmen – kurzum: Die Konjunktur wird in einen Abwärtsstrudel geraten.

Doch nicht nur der Verbraucher ist von den steigenden Zinsen betroffen, sondern auch die Wirtschaft, die sich in der Niedrigzinsphase verschuldete. Der kleine Mittelständler, der einen Kredit für eine Investition abzustottern hat, dürfte bei nachlassender Konjunktur in arge Bedrängnis geraten. Aber auch viele große Konzerne haben die Zinsflaute genutzt und sich bis unter das Dach für Übernahmen und Aktienrückkäufe verschuldet. Sie sind an steigenden Zinsen nicht interessiert und finden dabei ein offenes Ohr in Washington, das die Zinsen allerdings nicht beeinflussen kann.

Zumindest scheint der Fed-Chef nicht mehr wie ein Autist die geplanten Zinsschritte im nächsten Jahr auf dem Radar zu haben. Er werde sich jetzt die wirtschaftliche Gesamtsituation anschauen und bei den Entscheidungen berücksichtigen, ließ er verlauten. Und diese Situation ist wahrlich nicht dazu geeignet, die Zinsen über Gebühr anzuheben. Die USA befinden sich wie viele andere Länder auch gerade in einer Phase nachlassender Konjunktur.

Und die internationalen Auswirkungen?

Speziell die Länder der Dritten Welt haben Dollar-Kredite für verschiedene Projekte aufgenommen, aber auch für die notwendige Umschuldung. Zwei Drittel des globalen Wachstums werden durch diese Staatengruppe getragen. Seit 2017 hat sich die Gesamtverschuldung der Länder von 21 000 Milliarden Dollar auf rund 63 000 Milliarden Dollar erhöht. Sie stieg damit von 145 auf 210 Prozent der jeweiligen Bruttoinlandsproduktion. Doch auch wenn die meisten Kredite in lokalen Währungen notieren, laufen bis 2025 2700 Milliarden Dollar auf. Ob sich die Rückzahlung problemlos gestaltet, werden wir im kommenden Jahr sehen, wenn die Rückzahlung von 500 Milliarden US-Dollar ansteht. Aber schon jetzt haben die bisherigen Zinsänderungen für schwerwiegende Turbulenzen in Argentinien und der Türkei gesorgt.

Fazit

Die Märkte haben die künftigen Zinserhöhungen der Fed in die Aktienkurse längst eingepreist.Natürlich zieht der Zinsunterschied von circa 2,5 Prozent sehr viel Kapital aus Europa in die USA ab. Fakt ist, dass vorsichtige Anleger bei über 3 Prozent Rendite auf eine 10-jährige US-Anleihe oder bei 7-jährigen US-Industrieanleihen mit erstklassiger Bonität sogar bei 4 Prozent pro Jahr schon ins Grübeln kommen, ob die Risiken des Aktienmarktes noch gerechtfertigt sind. Allerdings müssen wir hier darauf hinweisen, dass sie sich einem Währungsrisiko bei Turbulenzen des Dollars aussetzen. Und auch die Gefahr der Inflation ist in den USA nicht zu unterschätzen. Da bleiben doch Aktien der bessere Weg.weitere Nachrichten

Leitzins wird steigen – Wie gut sind wir Anleger vorbereitet?

Leitzins wird steigen – Wie gut sind wir Anleger vorbereitet?

Seit der weltweiten Finanzkrise, die mit dem Zusammenbruch des Bankhauses Lehman Brothers im Jahr 2008 begann, sind die Zinsen nicht der Rede wert. Eine ganze Generation von Anlegern kennt es also nicht anders, als dass die Zinsen niedrig sind und das Geld praktisch durch die Zentralbanken hinterhergeworfen wird. Staatsanleihen wurden von der EZB aufgekauft, die damit gegen die Regel ihres Statuts verstoßen hat, keine Staatsfinanzierung zu betreiben. Ok, ob das geholfen hat, die international verflochtenen europäischen Volkswirtschaften wirklich zu retten, oder ob das der Keim für den Ausbruch einer neuen Finanzkrise ist, wird die Zukunft zeigen. Wirtschafts- und Finanzhistoriker werden dazu bestimmt bald dicke Bücher schreiben und wie üblich verschiedene Meinungen dazu vertreten.

Die ersten Schritte sind eingeleitet

Die amerikanische Notenbank hat die Wende eingeleitet, und die ersten Zinsschritte führten den Leitzins mittlerweile über mehrere Etappen in einen Korridor von 1,75 bis 2,0 Prozentpunkte.

Die EZB ließ verlauten, dass sie die umstrittenen Anleihekäufe im September 2018 einstellen wird, und den ersten vorsichtigen Wandel auf dem Zinsmarkt wird es voraussichtlich Mitte 2019 geben.

Das alles hat jedoch noch nicht so sehr auf die Aktienmärkte durchgeschlagen. Die Umfragen in der Wirtschaft und die daraus berechneten Indizes sind immer noch sehr gut, zeigen aber doch auch sorgenvolle Blicke in die Zukunft. Stichworte dabei sind hier die Handelsstreitigkeiten auf den globalen Märkten, der Brexit, die heraufziehenden Wolken in der chinesischen Kreditwirtschaft, der Iran-Deal und verschiedene andere Konfliktherde in der Welt.

Der Volatilitätsindex (VIX)

Für lang- und mittelfristige Anleger ist nicht so sehr interessant, wie der DAX oder der Dow Jones heute oder morgen steht. Wichtig ist vielmehr, wie stark die Aktien schwanken. Die diesbezügliche Angst der Anleger wird in einem Index gemessen, dem VIX.

Ein Volatilitätsindex (VIX) misst laut Definition die implizite Volatilität (d. h. die zukünftig zu erwartende Volatilität, im Unterschied zur historischen Volatilität) eines Börsenindex, also dessen aktuell von den Marktteilnehmern für einen gewissen Zeitraum in der Zukunft erwartete Schwankungsintensität. Ein hoher Indexstand weist auf einen unruhigen Markt hin, niedrige Werte lassen eine Entwicklung ohne starke Kursschwankungen erwarten. Über die Richtung der Änderung, also ob die Kurse steigen oder sinken, gibt der Indexstand grundsätzlich zwar keinen Aufschluss, allerdings traten die historisch höchsten Indexstände (Schwankungen) auf den Höhepunkten von Finanzkrisen auf.

Die Gefahren für Anleger

Bisher gingen die Kurse stets nach oben, aber keiner weiß, wie Anleger weltweit reagieren, wenn die Kurse stark schwanken und auch einmal länger anhaltend im roten Bereich verharren. Und nebenbei bemerkt sind davon nicht nur Kleinanleger betroffen, sondern auch die Jungmanager der Fonds, in den Banken und Versicherungen etc., die die Märkte so nicht kennen. Für sie gab es bisher auch immer nur ein fast schwankungsfreies Bergauf in den von ihnen betreuten Wertpapieren.

Hinzu kommt die zunehmende Digitalisierung des Börsenhandels. Ist die Software auf das Worst-Case-Szenario schon entsprechend gerüstet, oder verkaufen die Computer alles, was im roten Bereich eine gewisse Schwelle unterschreitet? Und sind die Vernetzungen so gut geschaltet, dass es nicht zu einer Kettenreaktion kommt? In der Vergangenheit haben wir schon ein paarmal kurzeitig erlebt, dass nur ein kleiner Fehler eine solche Panikreaktion auslöste. Allerdings hatte das nur technische und menschliche Ursachen (nicht erkannte Eingabefehler, falsch gesetzte Limits etc.), die zu einem zeitlich eng begrenzten Ausverkauf führten.

Welche Reaktionen sind auf eine mögliche Rezession zu erwarten? Eine zu schnell einsetzende und anhaltende Rezession bleibt das größte Risiko, weil wir nicht wissen, wie die Notenbanken in Zeiten noch moderater Zinsen und üppiger Liquiditätsversorgung darauf reagieren werden oder können.

Wie verhalten sich unsere Kleinanleger?

Fakt ist jedenfalls eins: Den Höhepunkt des Wirtschaftswachstums haben wir hinter uns. Tatsächlich müssen wir uns nun der Erkenntnis stellen, dass die Wachstumsperspektiven nicht mehr so rosig ausfallen werden wie bisher. Das fällt zusammen mit der Normalisierung der Geldpolitik. Wir werden also auf ein schwierigeres und nervöses Marktumfeld treffen, das kurzfristig durch die politischen Querschüsse noch mehr beeinträchtigt wird.

Kleinanleger mit Fonds oder Einzelanlagen sollten sich demnach auf turbulentere und rauere Zeiten einstellen. Die Renditen der Aktien werden nicht mehr durchschnittlich 8 bis 10 Prozent erreichen, sondern einige Etagen tiefer ausfallen. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass Aktien dann nur noch im Durchschnitt um die 5 oder 6 Prozent Rendite abwerfen werden.

Fazit

All das bedeutet allerdings auch, dass ein gutes und aktives Fondsmanagement besser darauf reagieren wird. Ein passiver ETF wird immer nur die Bewegung der zugrunde liegenden Indizes nachvollziehen. Für Fondsmanager aber bieten sich immer noch sehr gute Optionen, das zu erwartende schwächere Wirtschaftswachstum abzufedern, denn noch nie wurde eine Zinserhöhung so langfristig vorbereitet wie gegenwärtig.weitere Nachrichten

Die Europäische Zentralbank wurde 20 Jahre alt

Die Europäische Zentralbank wurde 20 Jahre alt und keiner hat es gemerkt

Mag sein, dass die Europäische Zentralbank (EZB) hierzulande nicht gerade in einem positiven Licht gesehen wird und deshalb der 20. Jahrestag ihrer Gründung in den Medien nicht groß erwähnt wurde. Aber es gibt ja auch wenig Grund zum Jubel für die Millionen deutschen konservativen Sparer, deren Spargroschen aufgrund der Nullzinspolitik der EZB zerfließen wie Butter in der Sonne.

Ein Blick in die Geschichte der EZB

Die Europäische Zentralbank (Englisch: European Central Bank, ECB; Französisch: Banque Centrale Européenne, BCE) mit Sitz in Frankfurt am Main ist ein Organ der Europäischen Union. Sie wurde am 1.6.1998 gegründet als gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion und bildet mit den nationalen Zentralbanken (NZB) der EU-Staaten das Europäische System der Zentralbanken (ESZB).

Grundlage für die Arbeit der EZB ist der berühmte Vertag von Maastricht aus dem Jahr 1992. Seit 2007 besitzt die EZB formal den Status als Organ der Europäischen Union (EU), auch wenn nicht alle 28 Mitgliedsländer der EU den Euro als gemeinsame Währungseinheit führen. Derzeit können die Bürger von 19 Ländern grenzübergreifend mit Euro und Cent bezahlen.

Der erste und damit Gründungspräsident war der Niederländer Wim Duisenberg, der die Zentralbank bis 2003 führte. Ihm folgte der Franzose Jean-Claude Trichet. Und seit 2011 ist der Italiener Mario Draghi für die Euro-Währung zuständig.

Aufgaben und Ziele der EZB

Das Hauptziel der EZB ist die Sicherung der Preisniveaustabilität. Dabei gilt es, große Schwankungen des Geldwertes zu vermeiden. Die Zielgröße ist die Inflation, deren Rate laut Maastrichter Vertrag auf unter, aber nahe 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr festgelegt ist.

Weiteres Ziel der EZB ist die Unterstützung der Wirtschaftspolitik in der Europäischen Gemeinschaft zur Erreichung eines hohen Beschäftigungsniveaus und dauerhaften Wachstums, aber ohne Gefährdung der Preisniveaustabilität.

Die Hauptaufgaben der EZB sind unter anderem die Festlegung und Durchführung der Geldpolitik – hier ist das Hauptinstrument der Leitzins (aktuell null Prozent) sowie die Durchführung von Devisengeschäften –, die Verwaltung der offiziellen Währungsreserven der Mitgliedstaaten (Portfolio-Management) und die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld, insbesondere aber die Förderung eines reibungslosen Zahlungsverkehrs. Dazu gehört die Genehmigung der Ausgabe des Euro-Papiergeldes – die Ausgabe selbst erfolgt durch die nationalen Zentralbanken.

Aber auch die Aufsicht über Kreditinstitute und die Stabilität der Finanzmärkte, die Beratung der Gemeinschaft und nationaler Behörden, die Zusammenarbeit mit anderen internationalen und europäischen Organen, die Sammlung der für die Erfüllung ihrer Aufgaben notwendigen statistischen Daten und natürlich auch die Erstellung einer Zentralbankbilanz gehören zum umfangreichen Tätigkeitsbereich der EZB.

Die Probleme der EZB

Beginnen möchten wir mit einem Lob an die EZB: Bei Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 hat sie sich als einzige funktions- und handlungsfähige Institution in Europa erwiesen und damit das totale Politikversagen in den einzelnen Staaten kaschiert. Das schuf ein gewisses Vertrauen in die Maßnahmen der EZB, von dem sie heute noch zehrt.

Allerdings hat sie mit ihrer nun schon 10 Jahre andauernden ultralockeren Geldpolitik eine Enteignung von Millionen Sparern, die mit konservativen Anlagen für ihr Alter vorsorgen wollten, eingeleitet. Für 2019 hat sie aktuell einen vorsichtigen Ausblick auf eine minimale Zinserhöhung angedeutet, wenn es die Situation erlaubt.

Mit den Aufkäufen von Staatsanleihen, die nach dem Maastrichter Vertrag verboten sind, hat die EZB eine unerlaubte Staatsfinanzierung betrieben. Die Anleihekäufe wurden nach mehr als 10 Jahren aber jetzt endlich zurückgefahren und werden nun eingestellt.

Mit dem im Juni 2016 aufgelegten Programm zum Ankauf von Unternehmensanleihen (Corporate Sector Purchase Programme – CSPP) reduzierte die EZB die ohnehin schon geringe Liquidität auf dem Markt für Unternehmensanleihen weiter, was dazu führte, dass kleine und mittlere Unternehmen ohne Direktzugang zum Kapitalmarkt benachteiligt wurden.

Wir könnten die kritikwürdigen Punkte an der EZB noch weiterführen, müssen aber auch gleichzeitig sagen, dass die historisch junge EZB sich bisher allen Spekulationen gegen den Euro erfolgreich in den Weg gestellt hat und alle Angriffe auf unsere Gemeinschaftswährung abwehren konnte. Dafür gebührt ihr berechtigt Dank und Anerkennung.

Fazit

Die EZB bleibt weiter im Auge des Sturms. Die nächste Finanzkrise kommt bestimmt, zu groß sind die Schulden der Staaten im Euro-Raum, aber auch in anderen Währungsräumen. Dazu gesellen sich noch die Probleme, wenn die Konjunktur schwächelt. Auch die Politik muss notwendige Reformen anpacken und umsetzen. Ob die geschaffenen Instrumente (Europäischer Stabilitätsmechanismus etc.) ausreichend sind, werden wir dann spätestens in der nächsten Krisensituation sehen.

Eins hat die EZB aber geschafft: Sie hat den Kauf von Aktien und Aktienfonds als einzige vernünftige Alternative zu den konservativen Sparformen aufgezeigt. Auch unser NDAC-Fonds konnte davon profitieren, das ist uns ein Prosit auf das 20-Jährige wert!!!weitere Nachrichten

Update zu den aktuellen Entwicklungen an den Börsen

Update zu den aktuellen Entwicklungen an den Börsen

Nun ist er also da, der weltweite Handelskrieg mit den USA – nicht überraschend für die EU. Überrascht sind die Experten nur darüber, dass die USA gleich einen Vierfrontenkrieg eröffnen gegenüber drei starken Wirtschaftsmächten: zum einen gegen die Nachbarn Kanada und Mexiko, zum anderen gegen die EU und fast zeitgleich gegen China. Nur die größten Optimisten hatten wohl gehofft, dass der Kelch mit Strafzöllen an der Weltwirtschaft vorübergehen würde.

Aber auch auf anderen Feldern beherrschen die aktuellen Ereignisse die Börsen, sodass wir nicht darüber hinwegsehen können. Augenblicklich sind die Zeiten vorbei, als wir uns bei der Bewertung unserer Werte an die Analyse der Geschäftsberichte halten und nach den erreichten Kennziffern Umsatz, Gewinn, KGV, Kosten etc. über Kaufen, Halten oder Verkaufen entscheiden konnten. Heute dominiert leider das politische Tagesgeschäft die Aktienmarktentwicklung, und die alte Regel, nach der politische Börsen kurze Beine haben, scheint im Moment nicht mehr zu gelten.

USA vs. EU

Der Streit zwischen der EU, speziell Deutschland und den USA wird höchstwahrscheinlich die Autoindustrie sehr hart treffen. Denn der US-amerikanische Markt ist nun wirklich nicht zu unterschätzen. Nach Dieselskandal, Milliardenstrafen, verschlafener Entwicklungen auf dem Automarkt (E-Mobilität, Carsharing etc.) ist das ein neuer schwerer Schlag, dieses Mal aber nicht von der Autoindustrie verschuldet. Dazu müssen wir wissen, dass es eine erhebliche Differenz im Bereich der automotive products zwischen der EU und der USA gibt. So werden Autos und Autoteile im Wert von 9,7 Milliarden Euro von den USA in die EU importiert, aber 47,4 Milliarden Euro im Gegenzug in die USA exportiert, macht summa summarum 37,7 Milliarden Handelsbilanzüberschuss allein im Automobilsektor. Kein Wunder, dass die USA jetzt im Rahmen der „America-first-Politik“ Strafzölle einführen, um die Überschüsse abzubauen. Ferner müssen wir sehen, dass die Autos, die aus den USA in die EU importiert werden, mit 10 Prozent Zöllen belegt werden, die USA verlangen im Gegenzug für importierte Autos aus der EU jedoch nur 2,5 Prozent Einfuhrsteuer. Und Präsident Trump hat den BMW-Konzern ausdrücklich vor dem Bau eines Werkes in Mexiko gewarnt; BMW hat es trotzdem gebaut. Ehe das alles wieder neu verhandelt wird, werden wir einige Zeit in dieser angespannten Situation leben müssen.

USA vs. China

Der Handelsstreit zwischen China und den USA geht in die nächste Runde, auch wenn China einige Zugeständnisse in Bezug auf die Beseitigung der Handelsüberschüsse angekündigt hat. Auf die Sanktionen der USA folgten Gegensanktionen aus Peking. Die Aktienmärkte schwer in Turbulenzen stürzen dürfte eine zu erwartende Maßnahme des größten Dealmakers aller Zeiten, durch die es chinesischen Firmen verboten wird, amerikanische Unternehmen zu übernehmen. Angekündigt hat Trump das schon. Nicht umsonst hat sich Trump das Wohlwollen der einheimischen Konzerne durch die Unternehmenssteuerreform, die ihnen hohe Zusatzgewinne in die Kassen spülte, gesichert.

„Super Mario“ und die Beruhigung der Märkte in Europa

Während die US-amerikanische FED ihre Leitzinsen weiter der Normalität anpasst und entsprechend erhöht, bleibt im EU-Raum alles beim Alten. Die Zinsen verharren nach wie vor bei null Prozentpunkten. Trotzdem gelang EZB-Präsident die Beruhigung der nervösen Märkte.

Eine erste Zinserhöhung wurde für frühestens Sommer 2019 angekündigt, das war bisher nichts Neues. Nicht neu ist auch der in drei Monaten endende Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB.

Der eigentliche Punkt kam dann in Form des Konjunkturausblicks der EZB. Die derzeit guten Konjunkturindikatoren wurden als temporär bezeichnet, die Inflation, die im vergangenen Monat von 1,2 Prozent auf 1,9 Prozent angesprungen ist, wurde auf höhere Energie-, Dienstleistungs- und Nahrungsmittelpreise zurückgeführt. Die Energiepreise seien stark gestiegen und werden im kommenden Jahr eher eine bremsende Wirkung entfalten. Das bedeutet, die 2 Prozent Inflationszielmarke der EZB sind fast erreicht, aber das ist alles nur einem Sondereffekt geschuldet. Die Wachstumsprognose für die Wirtschaft für das laufende Jahr hat die EZB bereits reduziert.

So hat Tricky-Mario mit einem Blick in die Glaskugel die für den Sommer 2019 in Aussicht gestellte erste Zinserhöhung schon wieder infrage gestellt, denn bis dahin werde die Inflation wieder zurückgehen, und auch die Konjunktur entwickele sich schwächer als bislang. Es ist klar, dass bei solchen Aussichten der Aktienmarkt hierzulande nach einer kurzen Schwächephase wieder angesprungen ist. Die Zinsen für Investitionen bleiben für die Unternehmen zukünftig niedrig, aber auch im privaten Bereich wird sich zinsmäßig nichts ändern.

Für die Sparer im Euroland bedeutet das weiterhin, dass ihr Vermögen vernichtet wird – es sei denn, sie wachen endlich auf und schichten trotz aller Risiken ihre Anlagen in Aktien oder Aktienfonds um.weiteres zum Thema

Die Wahlen in den USA – Gut für die Märkte

Die Wahlen in den USA – Gut für die Märkte

Es kam, wie es vorausgesagt wurde. Die Demoskopen haben sich dieses Mal also nicht so sehr getäuscht wie bei der US-Präsidentenwahl 2016. Im Repräsentantenhaus haben die oppositionellen Demokraten die Mehrheit, und im Senat verteidigten die Trump’schen Republikaner ihre Mehrheit.

Was wird sich ändern?

Dass Präsident Donald Trump seine politische Agenda ändert, dürfte wohl mit Recht in das Reich der Fake News verwiesen werden. Die Demokraten werden also weiter versuchen, ihn daran zu hindern, die USA noch mehr in die Isolation zu treiben. Bald werden die Abgeordneten auch wieder vor der Frage stehen, wie lange die Mittel im Haushalt noch ausreichen werden. Die Neuverschuldung muss bald wieder angehoben werden, und das geht nur mit der Zustimmung der Demokraten. Und dann haben wir es erneut mit dem üblichen Mikado-Spiel zu tun. Die Redenschreiber des Präsidenten lassen ihn zumindest sagen, dass er auf eine Zusammenarbeit mit der erstarkten Opposition setzt. Ob die Demokraten aber darauf eingehen werden, ist nicht die Frage, sondern was sie für ihre Zustimmung an eigenen Vorstellungen aushandeln können. Damit steht US-Präsident Donald Trump nun der Situation gegenüber, die so ziemlich jeder US-Präsident nach zwei Jahren Amtszeit durchmacht: Gridlock gleich Stillstand, da jegliche Gesetzesinitiativen von der Opposition im Repräsentantenhaus blockiert werden können.

Das betrifft dann auch solche Projekte wie die Migrationsfrage, weitere Steuerreformen etc. Die Mauer zwischen den USA und Mexiko dürfte sich dann auch in Schall und Rauch auflösen.

Dass sie Präsident Trump mithilfe eines Impeachment-Verfahrens aus dem Amt kegeln, dürfte wohl auch nach der Wahl schwierig werden. So werden wir uns also weiter mit den präsidialen Dekreten aus dem Weißen Haus beschäftigen (müssen).

Beide Parteien konnten ihre Anhänger mobilisieren, und wenn wir dachten, die Demokraten wären aktiver gewesen, so täuschte das wieder einmal nur darüber hinweg, wie gespalten das Land ist. Auch die Republikaner haben ihre Anhängerschaft massenweise erfolgreich an die Wahlurnen gerufen. So ist es nicht verwunderlich, dass der amtierende Präsident eine nächste Amtszeit anstrebt. Die Welt sollte sich folglich weiter auf den selbst ernannten „Gröpaz“ Donald Trump einstellen.

Was bedeutet der Wahlausgang für die Börse?

Gridlock, also Stillstand im politischen Leben, ist gut für die Börsen, denn nichts hassen Anleger mehr als einen unberechenbaren Politikstil in Washington. Trump hat mit seinen brachialen Initiativen zwei Jahre lang für Chaos in Washington gesorgt. Von nun an wird das Chaos jedoch verwaltet, und neue Baustellen dürften seltener werden, sind aber auch nicht auszuschließen.

Allerdings löst sich damit auch das versprochene und für die Wirtschaft wichtige Infrastrukturprojekt im Umfang von 1 Billion Dollar in Wohlgefallen auf – es sei denn, der Dealmaker im Weißen Haus kann die Abgeordneten und Senatoren später davon überzeugen, dass damit in einer Krise am Arbeitsmarkt die erforderlichen Arbeitsplätze geschaffen werden. Von einer Beschäftigungskrise sind die USA derzeit jedoch weit entfernt.

Völlig unbeeinflusst vom Wahlausgang sind die anderen Krisenherde, die sich auf die Märkte auswirken: vier weitere Zinserhöhungen durch die US-Notenbank, der drohende ungeregelte Brexit und Italiens Finanzmarktstabilität.

Die Konjunkturentwicklung wird durch den Wahlausgang ebenfalls nicht beeinflusst. Der Wachstumsimpuls durch die US-Unternehmenssteuerreform von Ende 2017 feiert ihren ersten Jahrestag und verliert damit an Bedeutung, denn die Vergleichsbasis der künftigen Konjunkturdaten wird diesen Effekt bereits widerspiegeln. Eine neue Reform dürften sich die Demokraten nur mit erheblichen Zugeständnissen im sozialen Bereich (zum Beispiel eine Form von Obama-Care) abhandeln lassen.

Das zyklische Wirtschaftswachstum hat den Zenit überschritten: Sowohl in den USA als auch in Europa werden die Prognosen derzeit gesenkt. Anleger werden sich also demzufolge den nicht zyklischen Aktien zuwenden.

Die nun festgeschriebene Wachstumsverlangsamung wird Anleger verstärkt dazu veranlassen, nach bekannten Unternehmen zu schauen, die unabhängig von der Konjunktur wachsen. Und da landen wir wieder bei den Technologieaktien, die wir schon teilweise für unseren NDAC-Fonds erworben haben.

Facebook, Amazon, Netflix und Google (FANG) sind die Profiteure, aber auch Cloud-Aktien wie Adobe, Salesforce, ServiceNow, Workday und Splunk gehören dazu sowie Cybersecurity aus dem Bereich der Internetsicherheit, FireEye und Palo Alto Networks oder Hardwarespezialisten wie Nvidia, Skyworks und Broadcom (5G-Standard). Biotech- und Pharmaaktien werden übrigens von Republikanern und Demokraten gleichermaßen geliebt und gefördert. Hier sind wir mit unserem Wert BB Biotech sehr gut und politisch unabhängig aufgestellt.

Einzelhandelskonzerne wie zum Beispiel Amazon dürften speziell zum Jahresendgeschäft vom praktisch leergefegten amerikanischen und deutschen Arbeitsmarkt profitieren.

Fazit

Wir müssen wohl den amerikanischen Präsidenten und seine Politik für die nächsten Jahre weiter akzeptieren. Aber für die Märkte und die Anleger ist er trotz seiner Art und Weise Politik zu machen, nicht unbedingt der schlechteste Präsident, wie an den Börsen abzulesen ist.weitere Nachrichten

Das Ende einer Ära, Weltspartag und 10 Jahre Bitcoin

Das Ende einer Ära, Weltspartag und 10 Jahre Bitcoin

Sehr viel geschah Ende Oktober.

Das Ende der Ära Merkel

Die Börsen jubelten über einen Rücktritt – das Ende einer Ära, deren letzte Phase vielleicht einmal als die „Bleierne Zeit“ in die Geschichtsbücher eingehen wird. Angela Merkel zog die Konsequenzen aus den Wahldesastern der Vergangenheit und trat zurück. Na schön, so ganz noch nicht … erst einmal nur vom Parteivorsitz der Regierungspartei CDU, aber sie wird auch nicht mehr um das Kanzleramt bei den Wahlen 2021 kandidieren. Begeistert zeigten sich die Börsen, dass der ausgewiesene Finanzfachmann und Jurist Friedrich Merz, der derzeit beim weltgrößten Vermögensverwalter Black Rock in einer Spitzenposition tätig ist, sein Comeback versucht und sich für den CDU-Vorsitz zur Wahl stellt. Wenn er es wird, dauert es nicht mehr lange, und es gibt auch einen Kanzler Merz, vielleicht schon ein Jahr später – Neuwahlen hin oder her.

Das würde die Wirtschaft euphorisieren, wenn nach Ludwig Erhard und Helmut Schmidt jemand mit wirtschaftlichem Sachverstand die politische Führung übernähme. Die für den Bürger viel zu teure Energiewende mit dem Atomausstieg, ob sinnvoll oder nicht, wäre dann so ein Problem, dass ad hoc neu entschieden werden müsste. Die Unsicherheit über die Zukunft der Energieversorgung nagt seit Jahren an den Kursen und Renditen der Aktien von EON, RWE und & Co.

Die Finanzkrise ist zudem immer noch nicht ausgestanden, nur mit viel Geld, vor allem deutschem Steuergeld und Bürgschaften, zugeschüttet worden. Und die nächste Finanzkrise schleicht sich über Italien schon wieder an. Um diese zu lösen, bedarf es jedoch auch mal eines konsequenten „Neins“ von deutscher Seite zu weiteren Zahlungen und Bürgschaften. Das Credo „Stirbt der Euro, stirbt Europa (EU)“ muss ergänzt werden um: aber Deutschland mit der Deutschen Mark wird dann befreiter leben.

Auch das Problem Brexit ist noch nicht vom Tisch und sollte auf gar keinen Fall mit mehr deutschen Steuergeldern für die EU-Kassen gelöst werden. Stattdessen sollte die EU auf Sparsamkeit und Effizienz getrimmt werden. Wir haben selbst genügend bekannte Probleme im Land, die es anzugehen gilt – Infrastruktur, marode Schulen, flächendeckendes schnelles Internet etc.

Konjunkturprobleme, freier Welthandel, Sanktionsdrohungen, Bürokratieabbau (ja auch die bierdeckelgroße Steuererklärung) sind nur einige wenige Dinge, die auf den neuen CDU-Chef warten und einer sofortigen und nachhaltigen Lösung bedürfen.

Der Weltspartag

Der Weltspartag findet alljährlich in der letzten Oktoberwoche statt. Er geht auf den 1. Internationalen Sparkassenkongress (First International Thrift Congress) im Oktober 1924 zurück.

Die Deutschen gelten als Weltmeister des Sparens, und trotz extrem niedriger Zinsen ist die Sparquote zuletzt zum 4. Mal in Folge gestiegen. Alarmierend dabei ist allerdings, dass deutsche Privathaushalte ein Viertel ihres Geldvermögens als Bargeld oder auf extrem niedrig verzinsten Bankkonten vorhalten. Damit ist auch der Geldanlagestau weiter gewachsen.

Und anstatt für lukrativere Anlagen wie Aktien und Aktienfonds schon bei den Jüngsten zu werben, werden weiter Sparschweine als Marketing-Gags verteilt. Dabei lässt sich auch die Performance von Aktienfonds kindgerecht, bunt und beweglich in unserer digitalisierten Welt darstellen. Dazu braucht es aber eine andere Marketingstrategie und natürlich auch Ideen. Wenn die Großeltern mit dem Sparbuch kommen und die Eltern nichts anderes kennen, warum sollte die folgende Generation also etwas anderes tun? Es kommt aber darauf an, die vorhandenen Kapitalströme zu einem renditeträchtigen Investment werden zu lassen und nicht auf einem Buch oder einer Karte zu vernichten. Aber bis zu dieser Änderung im Bewusstsein werden wohl noch einige Jahrgänge die niedlichen bunten Sparschweine mit dem Logo der Banken erhalten.

10 Jahre Bitcoin – Sekt oder Selters?

Immerhin hat es der Bitcoin in den Duden geschafft: „eine Form von elektronischem Geld, das dezentral auf der Basis eines Computernetzwerks erzeugt wird. Es verbindet Eigenschaften von Bargeld mit solchen von internationalen elektronischen Überweisungen.“ So wird er im „Neuen Wörterbuch der Szenesprachen“ erklärt.

Der Grundstein für den Bitcoin wurde vor 10 Jahren von einer bis heute unbekannten Person gelegt, die unter dem Namen Satoshi Nakamoto ein Papier veröffentlichte, das die Prinzipien für autonomes digitales Geld beschrieb. Die revolutionäre Idee dahinter: keine Kontrolle durch eine Zentralbank und keine nationalen Grenzen.

Die Blockchain-Technologie sollte dafür sorgen, dass alle Transaktionen nacheinander registriert werden. Wenn jemand versucht, die Kette von Datenblöcken zu verändern, fällt das sofort auf, weil es viele Kopien gibt. Dass es schon ein paarmal passiert ist, dass Geld in Millionenhöhe verschwunden ist, mag zwar aufgefallen sein, hilft den Betroffenen aber nicht unbedingt.

Anfang 2017 kostete ein Bitcoin rund 1000 Dollar. Im Dezember 2017 waren es schon knapp 20 000 Dollar. Der Preis hatte sich also innerhalb von weniger als 12 Monaten fast verzwanzigfacht. Das sind beinahe 1900 Prozent Steigerung – Champagner war fällig!In der Folge rutschte der Bitcoin allerdings wieder auf rund 6000 US-Dollar ab. Wer im Dezember 2017 bei knapp 20 000 US-Dollar eingestiegen ist, sitzt aktuell auf einem Verlust von bis zu 70 Prozent. Also doch wieder Selters.

Es gibt wirklich bessere Alternativen für Anleger!weitere Nachrichten

Die deutsche Bankenlandschaft im Wandel

Die deutsche Bankenlandschaft im Wandel – Eine Betrachtung

Die Blauen, die Gelben und die Grünen, dazu noch die Roten und ein paar kleinere, und alles war in Ordnung in der Vergangenheit. Nein, das sind nicht die Farben des Parteienspektrums in Deutschland. Wir sprechen hier über die vor Jahren festgefügte Bankenlandschaft in Deutschland und ihren Wandel. Anlass dazu gibt der Abstieg der Commerzbank aus dem DAX und der der Deutschen Bank aus dem EuroStoxx 50  – beide Ereignisse für Branchenkenner keine Überraschung.

Ein kleiner (nicht repräsentativer) Praxistest

Ein Bekannter lebt in einer kleinen (Noch-)Kreisstadt mit circa 21 000 Einwohnern. Vor ein paar Tagen stattete er seiner Hausbank mal wieder einen persönlichen Besuch ab. Gähnende Leere empfing ihn. Die drei Schalterangestellten waren die einzigen, die mit ihm im Raum standen. Sein Anliegen war schnell behoben – das falsche Formular wurde ausgetauscht, und er verließ die Bank. Da er vergessen hatte, noch Bargeld zu ziehen, ging er ein paar Schritte weiter zur nächsten Bank aus dem Verbund, keine 150 Meter entfernt, auch hier sah es nicht anders aus. Eine ältere Nachbarin hatte ihn außerdem gebeten, einen Beleg für sie in der Sparkasse abzugeben. Und auch dort das gleiche Bild, mehr Angestellte als Kunden.

Wir denken, in den drei anderen ortsansässigen Banken wird es nicht anders sein. Wie gesagt, das Erlebnis ist nicht repräsentativ, aber es zeigt sehr deutlich, in welchem Ausmaß Deutschland „overbanked“ ist.

Unsere Kreditinstitute haben den Trend der Zeit verschlafen

Als die ersten Direktbanken an den Start gingen, waren die Kreditinstitute nicht noch nicht bereit, große Summen in den Aufbau eines Direktbankensystems zu investieren. Dabei begann die Geschichte der Direktbanken schon im Oktober 1965 mit der Bank für Spareinlagen und Vermögensbildung in Frankfurt, die später in Allgemeine Deutsche Direktbank AG umfirmierte und das Vorläuferinstitut der bekannten Direktbank ING-DiBa ist. Allerdings gab es damals noch kein Onlinebanking, korrespondiert wurde per Brief. Eine ganze Generation später, im April 1999, ging mit der Netbank die erste reine Internet-Bank Deutschlands und Europas an den Start. Um eine Kontoeröffnung schnell und unabhängig durchführen zu können, wurde im Oktober 1996 das Postident-Verfahren eingeführt, sodass der neue Kunde nicht mehr persönlich in der Bank erscheinen musste. Damit war auch die letzte persönliche Kontakterfordernis entfallen. Einige Direktbanken vereinfachen die Kontoeröffnung inzwischen sogar durch das Videoident-Verfahren, der Identitätsprüfung online.

Statt jedoch die Chancen und die betriebswirtschaftlichen Vorteile des Direktbanking zu nutzen, halten die meisten Kreditinstitute noch eine personal- und kostenintensive Filialnetzstruktur vor. Aber okay, die Filialen sind ausgedünnt worden. Die Kunden, auch die älteren, gehören immer mehr zur Generation Internet. Und alle Filialen müssen ja auch nicht geschlossen werden.

Seit dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2008 war es mit dem profitablen Zinsgeschäft der Banken vorbei, die Nullzinspolitik der EZB bescherte ihnen einen Einbruch im klassischen Geschäft (Geld der Sparer für niedrige Sparzinsen annehmen und zu teuren Kreditzinsen verleihen). Eine kurze Phase hätten sie sicher problemlos weggesteckt, aber 10 Jahre sind mindestens 9 Jahre zu viel. Also drehten sie mehr und mehr an der Gebührenschraube. Aber hier durften sie auch nicht überdrehen, denn in der Zukunft möchten die Banken ja wieder etwas mit ihren verbliebenen Kunden verdienen, wenn die dann wieder Geld anlegen wollten.

Einen weiteren Konkurrenten bekommen die Geldhäuser aktuell in Form von Start-ups aus der FinTech-Szene. Diese innovativen FinTechs bieten Kredite zu niedrigeren Zinsen als die großen Institute und schnellere Bearbeitungszeiten aufgrund des Einsatzes neuer Technologien im Bankenwesen. Die Anlageberatung wird durch sogenannte Robo-Advisors getätigt und die Anlage auf Wunsch des Kunden auch durchgeführt.

Und die Zugänge zu den Börsen sind für Anleger heutzutage so online geschaltet, dass sie beinahe in Echtzeit handeln können, ohne zusätzliche Kosten der Banken fürchten zu müssen.

Wo liegt der Ausweg für die „alten“ Banken?

Den Ausweg wird es nicht geben. Jede Bank wird individuell prüfen, was sie sich kostenmäßig noch leisten kann. Personalabbau wird weiterhin die große Linie sein. Die Zeiten, in denen Bankangestellter ein sicherer Lebensjob war, sind längst vorbei. Bankfilialen werden sicherlich nicht mehr lange in dieser geballten Form existieren. Fusionen, bankübergreifende Kooperationen und neue Denkweisen sind auch bei den Kreditinstituten immer wieder neu angesagt. Die Betreuung der Kunden vor Ort wird sich vielleicht nur noch über Videochat rechnen. Das Marketing wird neue Wege gehen, um die Bankkunden noch für den Kauf von Bankprodukten zu gewinnen.

Und was wird aus den großen Banken?

Deutschland braucht als führende Exportnation eine weltweit agierende Universalbank, die internationale Fusionen und Übernahmen (M & A) und das Investmentbanking erfolgreich stemmen kann. Dieses Geschäftsfeld wird jetzt mehr und mehr von den US-Banken übernommen.Die Deutsche Bank und Commerzbank werden in der aktuellen Lage fast in der Bedeutungslosigkeit versinken. Ein Weg aus der Misere wäre eventuell ein Zusammengehen mit einem starken kapitalkräftigen Partner an der Seite. Der muss nicht unbedingt aus Europa kommen. Vielleicht sollte sich aber auch die deutsche Bankenwelt mit der Wirtschaft zusammensetzen und eine neue kapitalkräftige deutsche Universalbank aus den wertvollen Resten des alten Bankenbestandes gründen, die den Anforderungen der heutigen Zeit entspricht. Nur so eine Idee …weitere Nachrichten

Strafzölle, Italien, die Deutsche Bank – Ein Update

Strafzölle, Italien, die Deutsche Bank – Ein Update

Alles, was uns in der letzten Zeit beschäftigte, wird uns auch noch im Sommer und vielleicht sogar noch länger beschäftigen. Darum ein Update.

Strafzölle in Kraft

US- Präsident Donald Trump hat die Frist für das Aussetzen der Strafzölle gegen die EU nicht verlängert. Die um einen Monat verlängerte Verhandlungsfrist hätten wir uns eigentlich sparen können. Und wieder einmal zeigt sich, wie wenig flexibel und schwerfällig die EU ist. Obwohl schon lange absehbar war, dass die Strafzölle in Kraft treten werden, gibt es aktuell nur Listen mit Gegenmaßnahmen. Die daraus sich ergebenden Sanktionen werden irgendwann im Juni beschlossen werden und dann auch irgendwann in Kraft gesetzt werden. Theoretisch hätten die Gegensanktionen schon an dem darauffolgenden Tag in Kraft werden müssen. Aber ob wir überhaupt eine überzeugende Mehrheit dafür sehen werden? Hier beschleichen ihren Autor leichte Zweifel. In Polen und im Baltikum stehen US Truppen zum Schutz gegen eine vermeintlich drohende Invasion der Roten Armee, sorry ich meine russischen Armee. Ein Abzug würde die Staaten dort sich nicht mehr sicher fühlen lassen. Auch Ungarn, Italien, die Slowakei und die Tschechische Republik stehen politisch Trump näher. Also warten wir es ab.

Die wichtigste Frage an US- Handelsminister Wilbur Ross in einem kürzlich veröffentlichten Interview war übrigens, ob die gegen die EU, Kanada und Mexiko verhängten Zölle gegen die EU gerichtet seien oder ob sie eine Antwort auf die weltweite Überproduktion in diesem Marktsegment seien. Seine Antwort: Überproduktion.

Und nun wissen wir ja auch woher die Überproduktion kommt, aus China. China selbst hat das Problem, zu viel des minderwertigen, aber staatlich subventionierten, Stahls zu produzieren und überflutet deshalb die Weltmärkte. Der chinesische Stahl wird nicht nur in die USA exportiert, sondern auch nach Mexiko, wo BMW und Mercedes Autos daraus bauen und diese mit billigem, chinesischem Stahl gebauten Autos dann auf dem amerikanischen Kontinent günstig verkaufen. China liefert Stahl auch nach Kanada, Kanada selbst ist der größte Stahl-Lieferant für die USA. Mit dem Weg über Kanada umgehen die Chinesen die US-Importzölle. Und China liefert auch viel Stahl in die EU, wo ebenfalls Autos und andere Maschinen für den internationalen Markt gebaut werden. Seit 2011 wurden Strafzölle in Höhe von 48,3 bis 71,9% auf ausgewählte chinesische Stahlerzeugnisse durch die EU erlassen(!) In diesem Zusammenhang sind dann wohl auch die, von den USA in bereits in Aussicht gestellten, Strafzölle auf deutsche Autos zu sehen. Über die Autozölle hat Handelsminister Wilbur Ross gesagt, die befänden sich in Prüfung, Ende Juni rechne man mit einem Ergebnis.

Das lässt dann eine interessante und im Ausgang völlig offene Auseinandersetzung vor der Welthandelsorganisation WTO erwarten. Es werden dort sehr viele Punkte der Entscheidungen bei allen beteiligten Seiten zur Sprache kommen.

Italien

Hurra, Italien hat wieder eine neue Regierung! Der umstrittene Eurokritiker Savona ist abermals dabei und übernimmt, welch Überraschung, das Europaministerium. Auch wenn die Regierung Conte zuletzt versöhnliche Töne in Richtung der Märkte und der EU aussandte, sollten wir mit Aktien und Anleihekäufen doch zurückhaltend sein. An ihren Taten wollen wir auch die neue Regierung messen. Allerdings bezweifeln wir, dass die Regierung die üblichen hundert Tage ohne Kritik überstehen wird. Dazu sind die dargelegten  Probleme des Landes zu riesig. Eher schätzen wir, wird die Regierung vorzeitig zerbrechen.

Deutsche Bank

Gerade erst ist die Hauptversammlung bei den „Blauen“ zu Ende gegangen, und die paar Cent Dividende wurden ausgezahlt, da rauscht der Kurs auf ein neues Allzeittief.

Der Hauptgrund für die Panik liegt in den USA. Denn die US-Finanzaufsicht FDIC hat die Lage der US-Tochter der Deutschen Bank als „troubled condition“ eingestuft – übersetzt: besorgniserregende Verfassung.

Das Kuriose bei dieser Meldung ist, sie ist bereits ein Jahr alt. Damals hatte die Deutsche Bank noch eine ganze Reihe von Verfahren in den USA am Laufen, die für sie gefährlich hätten werden können. Unter dem geschassten CEO John Cryan wurden sie jedoch nahezu geräuschlos abgewickelt. Das Kreditinstitut bekam einige Milliardenstrafen als Wiedergutmachung aufgebrummt. Der Kurs der Aktie hat sich, wie wir wissen, seither fast halbiert. Doch auch die Abstufung auf BBB+ im Rating, das mit höheren Finanzkosten am Markt verbunden ist, stellt keinen Grund dar, in Panik zu verfallen. Die EZB verleiht bekanntlich Geld zu Nullzinsen.

Anleger, die es ähnlich sehen, sollten nicht mehr verkaufen, sondern auf eine Gegenbewegung setzen. Und vielleicht wird auch Vorstandschef Sewing bald einmal eine belastbare Strategie präsentieren, wie die Bank aus ihrer Krise geholt werden kann.

Die beste Lösung

Die Stimmen in Großbritannien mehren sich, eine neue Abstimmung über den Verbleib in der EU durchzuführen. Eine solche Abstimmung würde dann vor allem die jüngeren Menschen, die von der Freizügigkeit in Europa profitieren, an die Wahlurnen treiben. Sollte dabei der Brexit keine Zustimmung mehr finden, wäre das die beste Lösung – vor allem für die Briten.

Allerdings stellt ein Wiedereintritt in die EU auch später kein Problem dar. Der von der ehemaligen Premierministerin Margaret Thatcher ausgehandelte Britenrabatt dürfte dann jedoch entfallen. Das ist dann der Preis für die nervenaufreibenden zwei Jahre Verhandlungen und deren Folgen.Dies könnte Sie auch interessieren