Eine Personalie und eine gescheiterte Fusion

Eine Personalie und eine gescheiterte Fusion

Die Hauptversammlung des Bayer-Konzerns endete mit einer historisch zu nennenden Niederlage für Werner Baumann, Vorstandschef des Leverkusener Chemieriesen. Denn ihm wurde die Entlastung für das Jahr 2018 verweigert. Historisch deswegen, weil Baumann der erste amtierende Vorstandschef eines DAX-Konzerns ist, dem die Aktionäre die Entlastung verweigerten und damit auch das Vertrauen entzogen. Und auch der Aufsichtsrat besitzt nicht mehr das volle Vertrauen der Aktionäre. Lediglich magere 66,4 Prozent stimmten für die Entlastung des Aufsichtsrats. In der Regel werden Vorstand und Aufsichtsrat mit Zustimmungsraten von weit über 90 Prozent für ihre Arbeit entlastet. Auch bei Bayer war das in der Vergangenheit der Fall.

Und was ist nun das Ergebnis einer Nichtentlastung?

Das Aktiengesetz sagt, der Aufsichtsrat entscheidet über die Berufung bzw. Abberufung des Vorstandes. Das Kontrollgremium steht jedoch auch nach der Schlappe hinter Baumann & Co. Also bleibt Baumann trotzdem weiter im Amt.

Allerdings ist es schon merkwürdig, dass ein Vorstand derart angeschlagen weiterarbeiten darf. Denn es sind ja nicht nur Kleinaktionäre, die in der Hauptversammlung abgestimmt haben. Mit deren Stimmen hätte es bei Weitem nicht gereicht, den Konzern in das schwierige (Personal-)Fahrwasser zu manövrieren.

Wenn wir uns die Verlautbarungen des Kontrollgremiums dazu anschauen, steht der Aufsichtsrat hinter den kritisierten Entscheidungen des Vorstands und ist damit gegen den Vertrauensentzug durch die eigentlichen Eigentümer. In diesem bisher noch nicht dagewesenen Interessenskonflikt muss man ganz klar feststellen: Gesetzgeber übernehmen Sie! Da so etwas immer wieder passieren kann, ist wohl eine Änderung im Aktiengesetz angezeigt. Es wäre sicher auch für die Aktienkultur in Deutschland das Beste, wenn die Rolle der Eigentümer gestärkt würde und sie auf den Hauptversammlungen wirklich etwas zu bestimmen hätten.

Nicht unerwähnt sollte aber bleiben, dass Baumann und Kollegen sehr gute Zahlen vorgelegt haben. So spülte die Monsanto-Übernahme zunächst viel Geld in die Kassen von Bayer. Doch die Risiken wurden dabei unterschätzt, denn die Klagewelle in den USA ist inzwischen angelaufen. Bis Ende Januar wurden Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 11 200 Klägern zugestellt, und täglich schwillt die Welle weiter an.

Da fragen sich nicht nur Anleger und Analysten, ob der Konzern die Probleme, die der rund 63 Milliarden Dollar teure Monsanto-Kauf nach sich ziehen würde, wirklich unterschätzt hat. – Doch ob nun mit oder ohne Werner Baumann an der Spitze, da muss Bayer jetzt durch.

Die Fusion ist abgesagt

Blau und Gelb fusionieren nicht. Die Deutsche Bank und die Commerzbank gehen nicht zusammen, und unser Finanzminister und sein umtriebiger Finanzstaatssekretär stehen als Blamierte im Regen, obwohl sie das wohl niemals zugeben würden. Das ist nun also das Resultat der ergebnislosen Fusionsverhandlungen zwischen beiden Privatgeldhäusern.

Viele zweifelten ohnehin am wirklichen Willen beider Seiten, aber auch an einer erfolgreichen Fusion selbst. Eine Fusion kann dann erfolgreich werden, wenn beide Partner auf gleichem Niveau sind oder zumindest ein schwacher Partner von einem starken Partner übernommen wird. Aber dass zwei geschwächte Partnerbanken eine leistungsstarke Universalbank bilden sollen, können wir getrost in das Reich der Märchen verweisen. Das ist sicher auch in den Köpfen der Politiker in Berlin angekommen; dauerte eben wie alles in der Politik ein wenig länger.

Und wie geht es nun weiter? Die Gewerkschaften und die Politik glaubten und glauben vielleicht immer noch, den Arbeitsplatzverlust in beiden Geldhäusern aufhalten zu können. Aber auch ohne Fusion sind wohl tausende Arbeitsplätze gefährdet, übrigens überall im Bankensektor.

Die Commerzbank wurde während der Verhandlungen von der italienischen Unicredit und der niederländischen ING Bank als Fusionspartner ins Kalkül gezogen. Warten wir ab, wie das endet …

Es ist schon bemerkenswert, dass niemand die Deutsche Bank haben will, gehörte sie doch einst zu den weltweit führenden Banken. Das ist allerdings leider Vergangenheit. Also bleibt für die Deutsche Bank nun die Hauptaufgabe, ihre Probleme schneller zu lösen als bisher und sich wieder auf ihre Stärke zu besinnen.

Das Privatkundengeschäft in der Postbank zu konzentrieren und das Investmentbanking in einer neuen Deutschen Bank zu intensivieren, wäre eine Strategie. Dann wären die hohen Boni für die Investmentsparte, die die Banker an einem Wechsel zur Konkurrenz hindern sollten, doch nicht ganz umsonst gewesen. Mit dem Privatkundengeschäft ist gegenwärtig wegen der EZB-Zinspolitik leider kein Geld mehr zu verdienen. Und auch wenn die Eigenkapitalrendite von 25 Prozent, die der frühere CEO Joe Ackermann in seiner nicht ganz unumstrittenen Amtszeit als Zielvorgabe ausgegeben hatte, heute nicht mehr aktuell ist, ein wenig mehr als die ausgegebenen 4 Prozent für 2019 dürfen es schon sein!

Große Probleme bei Bayer und der Bankenszene in Deutschland, die einer komplexen Lösung bedürfen.

Mischfonds – Ein gigantisches Geschäft, nur für wen

Mischfonds – Ein gigantisches Geschäft, nur für wen

Wir befinden uns im Herbst eines Jahrzehnts des stetigen Wirtschaftsaufschwungs an den Märkten. Demnach müssten also eigentlich alle Fondsarten davon profitieren. Okay, die Geldmarktfonds sind einmal ausgenommen von der Rallye – die Niedrig- und Nullzinsen der Zentralbanken lassen grüßen.

Aber noch eine Fondsart ist auch davon betroffen, von der man eigentlich gar nicht annimmt, dass sie nur eine niedrige bis gar keine Rendite für ihre Anleger erwirtschaftet – die Mischfonds.

Was ist ein Mischfonds?

Ein Mischfonds ist ein Investmentfonds, der in mehrere Anlageklassen wie Aktien, Rentenpapiere, Geldmarkttitel, Rohstoffe, Edelmetalle und Immobilien gleichzeitig anlegen kann. Er kombiniert dabei Wachstumschancen von riskanteren Anlagen wie Aktien mit Erträgen aus risikoärmeren Anlagen wie Anleihen. Dies gibt dem Fondsmanager einen größeren Anlagespielraum. Das Mischungsverhältnis der verschiedenen Anlageklassen ist durch die Ausrichtung des Mischfonds zwar in gewissen Grenzen festgelegt, die aber im Verkaufsprospekt ausgewiesen werden.

Wir unterscheiden konservative, ausgewogene und progressive Mischfonds.

Konservative Fonds besitzen einen höheren Renten- oder Geldmarktanteil. Dadurch haben sie geringere Risiken, aber auch niedrigere Gewinnchancen und eignen sich deshalb vor allem für Sparer, die lediglich etwas mehr für ihr angelegtes Kapital als die Null- oder Minizinsen auf Tages- und Festgeldkonten haben möchten.

Progressive Fonds legen einen größeren Teil in Aktien oder Edelmetallen (z. B. Gold) an. Den erhöhten Gewinnchancen steht aber auch ein erhöhtes Verlustrisiko gegenüber. Hier finden wir Sparer, die sich dem etwas größeren Risiko für eine höhere Rendite bewusst sind, aber trotzdem noch ein Sicherheitsnetz bei einem Drehen der Märkte haben wollen.

Zwischen konservativem und progressivem Fonds liegt der ausgewogene Mischfonds. Hier werden die Risiken gleichmäßig aufgeteilt.

Den Fondsgesellschaften ist es erlaubt, die Verteilung der angelegten Gelder je nach Marktlage in gewissem Rahmen zu variieren. Bei stagnierenden oder fallenden Aktienkursen kann der Fondsmanager also zum Beispiel zu verzinslichen Wertpapieren (z. B. Anleihen) wechseln; bei positiver Tendenz am Aktienmarkt kann er den Schwerpunkt wieder auf die Aktienanlage verlagern.

Eine spezielle Form stellen Targetfonds dar. Sie besitzen eine feste Laufzeit und richten ihre Anlage auf das Ergebnis zum Laufzeitende aus. Zu Beginn der Laufzeit legen diese Fonds ihr Kapital überwiegend in risikoreiche Wertpapiere wie zum Beispiel Aktien an. Je näher das Laufzeitende der Fonds rückt, desto mehr schichten diese Fonds dann in risikoarme Anlageformen wie Renten und Geldmarktanlagen um, um das erwirtschaftete Kapital zu sichern. Die Laufzeiten sind dabei im Rahmen der Angebote bei den Fondsgesellschaften frei wählbar.

So weit die Theorie. Die Praxis sieht leider nicht so gut aus.

Wie haben sich die Mischfonds geschlagen?

Vertriebe hatten leichtes Spiel, die Leute vom Kauf einer Mischfondsart dank der EZB-Nullzinspolitik und den damit verbundenen Kaufkraftverlusten zu überzeugen. So wurden in den vergangenen fünf Jahren Mischfonds im Wert von rund 125 Milliarden Euro verkauft; das sind zwei Drittel aller abgesetzten Publikumsfonds. Und weil noch kein Ende der Nullzinsen absehbar ist, wurde der Anteil am Gesamtabsatz auf 99 Prozent aller verkauften Publikumsfonds erhöht. Wow, das erinnert uns an die Wahlergebnisse in Nordkorea …

Angesichts dieses Zustroms in Mischfonds stellt sich die Frage, ob die Anleger wenigstens eine ordentliche Rendite eingefahren haben. Schließlich sind die Aktienmärkte ja immer noch intakt. Wenn wir uns dazu aber die großen Fonds (mindestens eine Milliarde Euro Absatzvolumen und mindestens fünf Jahre am Markt) anschauen, dann betrug die durchschnittliche Jahresrendite laut Studien 1,8 Prozent/Jahr. Defensive Mischfonds haben mit 1,6 Prozent sogar noch schlechter abgeschlossen.

Ein katastrophales Ergebnis, wenn wir die Renditen von Aktien und Anleihen in den letzten fünf Jahren dagegensetzen. Europäische Aktien brachten im Schnitt 6 Prozent im Jahr und globale Aktien sogar 11 Prozent. Und selbst rein europäische Anleihen liegen mit 3 Prozent noch über den mickrigen Durchschnittsergebnissen der Mischfondsmanager.

Schuld daran sind die hohen Gebühren. Die Gesamtkosten betragen in der Regel nämlich 2 Prozent. Dazu kommen meist noch erfolgsabhängige Kosten, wobei wir uns fragen, welche Erfolgsmaßstäbe die Manager angesichts der erzielten Renditen hier zugrunde legen.

Wenn wir die Inflationsrate von zuletzt 1,8 Prozent noch abziehen, dann überlegen sich sicher die meisten Mischfondsbesitzer, wo eigentlich der Mehrwert ihrer Investition liegt.

Und es wird noch schlimmer kommen, wenn die rauen Gegenwinde an den Märkten in Zukunft stärker wehen.

Fazit

Anleger sollten sich ihre Abrechnungen anschauen und kritisch prüfen, ob sie einen Mischfonds im Depot haben, der unter Einrechnung der Inflation keinen Mehrwert gebracht hat. Die richtige Schlussfolgerung muss dann lauten, verkaufen und auf einen international streuenden Aktienfonds setzen. Hier finden Anleger zudem die notwendigen Sicherheiten für ihr Kapital. Mixen, mischen oder besser gesagt diversifizieren, können Anleger meistens besser als die Profis von Mischfonds.

Wirecard – Der DAX-Neuling in Turbulenzen

Wirecard – Der DAX-Neuling in Turbulenzen

Die Kursschwankungen der Wirecard-Aktie nehmen kein Ende. Nach teils panikartigen Verkäufen in den letzten Tagen schlug das Pendel in dieser Woche nun wieder deutlich in den grünen Bereich aus. Der Anfang einer Erholungsrallye oder eine Bullenfalle? – Das fragen sich viele Anleger mit Blick auf die aktuell günstige Bewertung des Papiers.

Das Unternehmen

Das Unternehmen Wirecard wurde 1999 gegründet. Allerdings firmierte es bis zum 13.3.2005 noch unter dem Namen InfoGenie. Wirecard ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Aschheim bei München.

Wirecard beschäftigt sich mit Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr, das Risikomanagement sowie die Herausgabe und Akzeptanz von Kreditkarten (z. B. VISA, Mastercard, American Express, Discover/Diners, JCB, Alipay, Apple Pay sowie China UnionPay). Zum Konzern gehört auch die Tochtergesellschaft Wirecard Bank AG, die über eine deutsche Banklizenz verfügt.

Wirecard bietet Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen Mobiles Bezahlen, E-Commerce, Digitalisierung und Finanztechnologie an. All das umfasst klassischerweise auch die Einbindung von Zahlungsmethoden sowie die Abwicklung von Zahlungen im E-Commerce sowie an der stationären Kasse (PoS). Hier arbeitet Wirecard derzeit mit insgesamt 250 000 Unternehmen zusammen (Stand: Juni 2018), darunter unter anderem Orange Bank, KLM, Rakuten oder Telefónica sowie die dazugehörige Telefónica Deutschland Holding. Darüber hinaus gibt das Unternehmen Kredit- und Geschenkkarten heraus, auch virtuelle.

Dem Quartalsbericht für das 3. Quartal 2018 entnehmen wir, dass der Konzernumsatz um 41 Prozent auf 1,447 Milliarden Euro gestiegen ist. Der Gewinn pro Aktie erhöhte sich auf 2,02 Euro. Das international aufgestellte Unternehmen beschäftigt derzeit über 5000 Mitarbeiter, die unter der Führung von CEO Markus Braun und dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates Wulf Matthias für ein unglaubliches Wachstum sorgen. Die Aufnahme des Finanzdienstleisters in den DAX im September 2018, das dort die Commerzbank ersetzte, war also kein Wunder.

Der Absturz der Wirecard-Aktie

Über kein deutsches Wertpapier wird aktuell so gern diskutiert. Der Kursverlauf der Aktie erweist sich seit Monaten als hochvolatil. Ausgehend von ihrem Rekordhoch im August des vergangenen Jahres von rund 196 Euro hatte die Aktie mit ca. 96 Euro Mitte Februar über 50 Prozent an Wert verloren. Grund dafür sind Vorwürfe in der Financial Times, nach denen im Zusammenhang mit einem Bericht der Singapurer Kanzlei Rajah & Tann ein zweites Mal kriminelle Machenschaften bei dem deutschen Bezahldienstleister aufgetreten sein sollen. Vorher wurden schon Vorwürfe über Bilanzmanipulationen durch das gleiche Medium laut.

Ganz offensichtlich konnte CEO Braun die Beschuldigungen über gefälschte Buchführung, Betrug, Korruption und Geldwäsche in einem Statement entkräften, denn der Kurs der Aktie sprang wieder an. Aber die Financial Times legte erneut nach, doch Braun dementierte wieder. So erklärt sich das extreme Auf und Ab der Notierungen.

Was soll das Ganze?

Es wird vielleicht so volatil weitergehen, und irgendwann am Ende wird sich die Wahrheit herausstellen. Wir sollten dabei allerdings auch die zunehmende Spekulation gegen die Wirecard-Aktie berücksichtigen. Dem Finanzdatenanbieter Markit zufolge ist der Wert der Leerverkäufe mit Blick auf das Wirecard-Papier innerhalb eines halben Jahres nämlich von 70 auf 566 Millionen Euro angestiegen, was rund 3,5 Prozent der frei handelbaren Aktien entspricht. Allein der britische Hedgefonds Odey Asset Management wettet mit knapp 132 Millionen Dollar gegen die Aschheimer. Und woher stammt die Financial Times gleich noch mal, war das nicht eine britische Zeitung???

Okay, egal, wie die Sache ausgeht, die Vorwürfe gehören entkräftet für die Aktionäre, aber auch für den Finanzplatz Frankfurt. Bis dahin gleicht es einer Lotterie, sich als Anleger durch kurzfristiges Handeln an den Spekulationen zu beteiligen. Das Spiel mit Call- und Put-Optionen auf den Wert verführt. Die Chance auf schnelle und via Hebel oft große Gewinne ist hoch, ebenso aber auch das Risiko von Verlusten nahe oder über der Schmerzgrenze.

Deshalb hat die deutsche Finanzdienstleistungsaufsicht Leerverkäufe auf Wirecard-Aktien für vier Wochen verboten, um weiteren Schaden abzuwenden. Damit dürfte das Spiel gegen die Wirecard-Aktie der britischen Leerverkäufer, sofern es ein Spiel war, ausgespielt sein. Viele Leerverkäufer bleiben deshalb jetzt auf ihren Positionen sitzen, wenn nicht irgendetwas Neues und fundamental Belastendes geschieht. Aber seltsamerweise ist auch in der Financial Times nichts mehr dazu zu lesen.

Die meisten Analysten sind jedenfalls positiv gestimmt und setzen das Papier auf „Kaufen“, mit einem Höchstkursziel von 225 Euro (Kepler Cheuvreux).

Fazit

Fakt ist eins: Als neuer Wert im DAX hat Wirecard noch nicht die Durchschlagskraft, um den DAX 30 Chart nachhaltig zu beeinflussen.

Das Problem mit seiner Öffentlichkeitsarbeit und den Compliance-Regeln hat Wirecard sicher erkannt. Schnelles Wachstum birgt auch immer die Gefahr in sich, dass die Strukturen im Konzern nicht mitwachsen, und es so zu Fehlern und daraus folgend Gerüchten kommt. Wir haben Wirecard noch nicht in unserem Portfolio, aber das Unternehmen steht als Wachstumswert unter Beobachtung.

Airbus A380 – Wie ein Jumbo und mit ihm die Anleger in Turbulenzen kommen

Airbus A380 – Wie ein Jumbo und mit ihm die Anleger in Turbulenzen kommen

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, sang einst Reinhard Mey. Die steigenden Zahlen der Touristen, Geschäfts- und Privatreisenden, die mit den Fluggesellschaften auch im letzten Jahr wieder unterwegs waren, zeigen den wachsenden Bedarf an Flugkapazitäten. Speziell an großen Jumbojets mit individuellen Einrichtungsstandards (Sitzanordnung, zwei Etagen etc.) haben die Fluggesellschaften besonderes Interesse.

Der Airbus 380

Die Entwicklung des A380 war die Antwort von Airbus darauf. Der Erstflug des Jumbos fand am 27.4.2005 vor Tausenden von Zuschauern statt. Am 15.10.2007 wurde schließlich die erste Maschine des Typs an Singapore Airlines übergeben. Die Starts und Landungen des neuen Airbus lockten Massen von Flugzeugbeobachtern, sogenannte „Plane Spotter“, an, und auch in den Medien wurde darüber sehr werbewirksam berichtet.

Der Airbus 380 ist ein vierstrahliges Großraumflugzeug mit zwei durchgehenden Passagierdecks. Es fasst bis zu 853 Passagiere und ist damit das größte in Serienfertigung produzierte zivile Verkehrsflugzeug in der Luftfahrtgeschichte. Die Reichweite des Riesenvogels beträgt 15 200 km, die Reisegeschwindigkeit etwa 900 km/h.

Seit 2005 wird der A380 in Serienfertigung hergestellt. Bis zum 10.3.2018 wurden 331 Maschinen bestellt. Davon wurden bis Dezember 2018 immerhin 245 Maschinen produziert und bis Ende letzten Jahres 233 Stück ausgeliefert.

 Geschlossene Fonds als Finanzierungsmethode

Mit 437 Millionen Dollar Listenpreis ist der A380 nun wirklich nicht aus der Portokasse der Lufthansa und Co. zu bezahlen. Darum gab es auch Angebote für Kapitalanleger. Mithilfe von geschlossenen Fonds konnten Anleger in einen A380 investieren und mit der langfristigen Vermietung des Fliegers auf attraktive Erträge hoffen und dabei auch noch Steuern sparen.

Geschlossene Fonds sind wie wir wissen Investmentfonds, bei denen eine feststehende Zahl von Anteilen oder eine feststehende Kapitalsumme eingeworben wird, ohne dass Anteile an den Fonds selbst zurückgegeben werden können. Das bedeutet, das Kapital der Zeichner des Fonds liegt für lange Zeit fest (Fristbindung), ohne dass diese Einfluss auf die Entwicklung des zu finanzierenden Objektes nehmen können.

Wir kennen das Prinzip von Schiffsfonds. Allerdings geht es bei einzelnen Flugzeugfonds um erheblich mehr Geld. In einem Fonds für einen A380 stecken beispielsweise knapp 400 Millionen US-Dollar. Etwa die Hälfte dieses Geldes ist typischerweise Eigenkapital von Privatanlegern. Für den Rest nehmen die Fonds meist Kredite von Banken auf. Das mit dem Anlegergeld und dem Kredit erworbene Flugzeug wird dann an eine Airline verliehen, die dafür Leasingraten zahlt und auch Betrieb und Wartung übernimmt.

Als Sicherheit wird in den Prospekten meist auf die Flugzeuge verwiesen. Und natürlich wird den Anlegern auch die zu erzielende Rendite von bis zu 6 Prozent im Jahr schmackhaft gemacht. Aber diese Sicherheiten sind trügerisch, gerade bei Flugzeugen. Denn zum einen haben sich die Banken als Sicherheit für ihre Kredite in der Regel ein Pfandrecht an den Flugzeugen im Luftfahrzeugregister eintragen lassen, und zum anderen sind gebrauchte Flugzeuge aufgrund des Überangebotes an Flugzeugen nicht oder nur mit erheblichen Abschlägen veräußerbar.

Der A380 und seine Flugzeugfonds in schweren Turbulenzen

Triebwerksprobleme, dünne Risse in den Flügeln, Probleme mit dem Kabineninnendruck etc. sorgten in der Vergangenheit für Rückrufaktionen bei den A380 und die Umkehr bereits gestarteter Maschinen. Der Flieger ist zu schwer, weil seine Tragflächen für die nie gebaute Langversion ausgelegt sind. Dadurch verbrauche die Maschine mit ihren vier Triebwerken zu viel Treibstoff, sagen die Experten von Qatar Airlines.

Auftragsstornierungen der Kunden waren die Folge. Erste Bedenken am A380 kamen bereits 2014 auf, inzwischen zweifelt die ganz Branche an dem Riesenvogel. So ist es nicht verwunderlich, dass die Nachfrage nach dem hochgejubelten Jumbo von Brancheninsidern als schleppend bezeichnet wird.

Die neuste Hiobsbotschaft diesbezüglich kam Anfang Februar 2019 von Qantas:

Die australische Fluggesellschaft hat die Bestellung von acht A380-Passagiermaschinen zurückgezogen. Die Bestellung stammt noch aus dem Jahr 2006.

In den vergangenen Jahren gab es zudem kaum neue Orders für den A380. Airbus fuhr die Jahresproduktion daher von zeitweise bis zu 30 Maschinen auf nur noch 6 Exemplare zurück.

Nun droht den Investoren von geschlossenen Flugzeugfonds auf den A380 ein Investitionsgrab.

Wenn die Kunden des A380 von ihrem vertraglich vereinbarten Rückgaberecht Gebrauch machen und sich keine Neuabnehmer dafür finden, dann wird es brisant. Dann werden die Maschinen nämlich in ihre Einzelteile zerlegt und als Ersatzteillager genutzt. Der Markt wiederum wäre dann bei Weitem auch nicht mehr so lukrativ, weil einerseits das Angebot größer und andererseits die Nachfrage bei bestehenden Maschinen geringer werden würde. Beides ist mit erheblichen Einschränkungen bei der zu erwartenden Rendite verbunden. Auch wenn jetzt der neue, hoffentlich bessere Superjet der amerikanischen Konkurrenz Boeing auf den Markt kommt, geht das zu Lasten des A380.

Es ist bedauerlich, dass die meisten privaten Investoren den Markt wie bei vielen Beteiligungen dieser Form gar nicht kennen. Umso überraschender wird die neue negative Entwicklung für die Anleger sein.

Fazit

Geschlossene Fonds können sich für ihre Zeichner zu einem Finanzdesaster entwickeln, ohne dass sie Einfluss darauf nehmen können. Zwar gibt es einen Sekundärmarkt für derartige Fonds, aber dort sind erhebliche Einbußen beim Verkauf zu verzeichnen.

Ein offener Aktienfonds wie unser NDAC-Fonds ist daher empfehlenswerter, da die breite Streuung auf verschiedene Branchen und Aktien sowie ständige Kauf- und Verkaufsmöglichkeiten des Fonds ein Desaster dieser Größenordnung verhindert.

Die Patriarchen treten ab – Die Autobranche im Wandel

Die Patriarchen treten ab – Die Autobranche im Wandel

Seinen Abgang hatte sich Carlos Ghosn sicher auch anders vorgestellt, zeitlich und auch unter anderen Umständen. Der CEO des Renault- Nissan Konzern wurde Ende November vergangenen Jahres in Japan verhaftet, als er an Bord seines Privatflugzeuges in Tokio landete. Die Vorwürfe, die Verschleierung von Bezügen und damit auch die Verletzung von Börsenpflichten, mögen banal sein, aber es führte in der Folge auch zum Verlust seines als Postens als Managers des weltgrößten Konglomerats der Automobilbranche. Aus einer Gefängniszelle kann man nun mal keinen Weltkonzern führen.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row container=“1″][vc_column][vc_column_text]

Ende einer Ära

Der Abtritt von Ghosn bedeutet wohl auch das Ende einer Ära in der klassischen Automobilindustrie. Die Patriarchen, die alte Garde der Automanager, treten ab. Und damit der alles bestimmende Traum von Quantität und Größe in der Branche der Automobilindustrie. Männer, wie Sergio Marchionne von Fiat Chrysler, Ferdinand Piech und sein Nachfolger Martin Winterkorn von Volkswagen, Dieter Zetsche von Daimler etc. verließen die Führungsetagen der großen Automobilkonzerne, teils unfreiwillig, wie die Beispiele Ghosn und Winterkorn zeigen.

Die Idee der Größe an sich war überzeugend, die Globalisierung machte vor der Automobilwelt nicht halt und nahm immer mehr Fahrt auf. China entwickelte sich dank seiner wachsenden und gut verdienenden Mittelschicht zum größten Absatzmarkt der Welt, Andere Schwellenländer wie zum Beispiel Indien zogen nach. Auch das westliche Lebensmodell mit dem eigenen Privatwagen vor der Haustür schien international in Stein gemeißelt.

Natürlich kostete so eine Eroberung der Weltmärkte Geld, sehr viel Geld. Die Investitionen in Technik und Produktionssystematik fraßen immer größere Löcher in die Budgets der Konzerne. Die einzige, scheinbar logische, Schlussfolgerung daraus war, die Verteilung der Kosten auf möglichst viele Fahrzeuge unterschiedlicher Marken sowie auf alle Kontinente zu verteilen. Nur damit ist der Markt auf Dauer zu beherrschen und jeder versuchte mit Fusionen und Übernahmen einen größeren Anteil vom Kuchen zu bekommen.

Und sie waren überzeugt von ihrem Weg. Sergio Marchionne von Fiat Chrysler schaute in die Zukunft und prophezeite vor etwa einem Jahrzehnt, nur 6 Autobauer werden überleben und wer nicht mindestens 6 Millionen Fahrzeuge im Jahr verkauft, kann zumachen. Diesem Schlachtruf folgten die anderen CEO`s.

Irgendwann war absehbar, dass der Automarkt an seine Grenzen stoßen würde. Es zeichnete sich schon damals ab, das die Anhänger des, nennen wir es ruhig, Größenwahns dessen Komplexität nicht mehr beherrschten. Statt kostengünstiger wurde es meistens komplizierter, wenn die Manager die Technik skalieren wollten. Als Beispiel mag hier der modulare Querbaukasten von VW gelten, der bei den Massenmodellen der verschiedenen zusammengekauften Marken des Konzerns das gesetzte Ziel von Einsparungen über 25 Prozent nur in Bruchteilen erreichte.

Dazu kamen die bekannten Skandale, die verschlafenen Trends der alternativen Technologien, das geänderte Kundenverhalten und neue, höhere Umweltauflagen.

Die neuen Manager

Sämtliche Wettbewerber – und es sind doch noch mehr als sechs übrig geblieben – haben sich von dem Weltherrschaftsmantra verabschiedet. Die neuen Manager sind nüchterner, in die Hierarchien stärker eingebunden und sind rentabilitätsorienterter.

So z.B. verkaufte Mary Barra als neue CEO von General Motors als erstes die deutsche Tochter Opel, stutzte das Kerngeschäft und setzte damit Investitionen in Digitales frei. Ihr Ziel ist neben der Digitalisierung nur noch die Rentabilität. Der Verkauf von Opel war dabei nicht die einzige Maßnahme. Sie gab das Geschäft in Russland und Australien auf und Teile des Asiengeschäftes. Dafür investierte sie in das Car sharing Unternehmen Lyft, ein Konkurrent von Uher. Auch die Investition in das Startup Unternehmen Cruise, dass sich mit Technologien für das autonome Fahren beschäftigt, sollen GM in Zukunft neue Möglichkeiten eröffnen und Rendite erwirtschaften.

Heutzutage kämpfen nicht mehr die Konzerne gegeneinander um den Platz an der Sonne, sondern die alte Automobilwelt um die neue Mobilität und natürlich auch gegen die Konkurrenz, die in diesen Technologien schon längst einen oder mehrere Schritte voraus sind schon. Denken wir in diesem Zusammenhang an Tesla, Google mit seinen selbstfahrenden Automobilen, Batterieproduzenten LG Chen aus Südkorea, aber auch Fahrdienste wie Uher und nicht zu vergessen die chinesischen Konzerne, die verstärkt und kostengünstig auf den Markt drängen.

Fazit

Die Wende ist eingeleitet. Die Patriarchen wurden gerade noch rechtzeitig mehr oder weniger sanft abgelöst. Der Überlebenswille der Konzerne ist also groß genug, sie haben die Wende eingeleitet. Spät, aber nicht zu spät.[/vc_column_text][vc_row_inner][vc_column_inner width=“2/3″][vc_column_text]Die neuen Manager müssen jetzt beweisen, wie sie die alten Modelle langsam aber mit Maximalprofit herunterfahren und gleichzeitig Platz machen für neues. Das wird nicht einfach, aber das ist bei Revolutionen immer so.

Der Ausblick für 2019

Bild mit Wecker und Geldmünzen

Der Ausblick für 2019

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Diese Erkenntnis wird unter anderem so bedeutenden Menschen wie Karl Valentin, Mark Twain, Winston Churchill, Niels Bohr und Kurt Tucholsky zugeschrieben. Insbesondere im Fach Wirtschaftsgeschichte, hier speziell in der Abteilung Marktprognosen, füllen sich ungezählte Bände mit Vorhersagen aller Art, die nicht eingetroffen sind.Den stets abgefragten Prognosen von Börsenexperten oder selbst ernannten Experten zum kommenden Jahr möchten wir daher keine neue hinzufügen. In der Regel betreffen diese Voraussagen einen Punktestand beim DAX, beim Dow Jones, aber auch für den Euro und sogar den Ölpreis sowie den Goldpreis und vielleicht auch neu den Bitcoin. Die Methoden, wie die Börsenpropheten zu ihrem Glaskugelwissen gelangen, muten allerdings allesamt fragwürdig an.

Deshalb werden wir im Folgenden nur einige gesicherte Erkenntnisse für die Marktentwicklung 2019 bringen:

Zinsen und weitere Aussichten

Die EZB wird auch im Jahr 2019 die Zinsen nicht nennenswert anheben, sodass Aktien und Aktienfonds mittel- und langfristig die bessere Alterative zu den heiß geliebten deutschen Sparformen (Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld) bleiben.

Die amerikanische Fed hat die geplanten Zinsanhebungen aktuell für 2019 von drei auf zwei Schritte gesenkt.

Wenn die politischen Belastungen zurückgehen und keine neuen Schwierigkeiten am Horizont erscheinen, dann werden die Märkte auch wieder steigen.

Technologie als größter Sektor weltweit bleibt entscheidend für die Marktentwicklung, aber wir sollten uns auch konservative Titel wie beispielsweise aus der Konsumbranche in die Depots nehmen. Der richtige Mix wird es bringen.

Bei mittel- bis langfristigen Kapitalanlagen wie zum Beispiel unserem NDAC-Aktienfonds ist es ratsam, über tägliche Schwankungen und kurzfristige Unruhen an den Kapitalmärkten hinwegzusehen. Wir wissen, dass das Nerven kostet, aber es wird sich auszahlen.

Europäische Aktien sind insgesamt zwar günstiger, dafür herrscht hier jedoch mehr Unsicherheit beim erwarteten Gewinnwachstum als in den USA. Und schauen wir ruhig auch einmal in die Schwellenländer. Dort gibt es jede Menge Perlen zu entdecken:

Unternehmen, die Geld verdienen und das seit vielen Jahrzehnten bei wechselndem Umfeld, unterschiedlichen politischen Bedingungen und teils sogar erheblichen Währungskrisen schaffen und beherrschen ihren Markt. Diese Unternehmen werden auf absehbare Zeit weiter Geld erwirtschaften. Sie werden Dividenden ausschütten, die sich gut berechnen lassen, und irgendwann wird der Markt dies belohnen.

Gemanagte Fonds werden auch 2019 die bessere Alternative für Anleger sein als Einzelinvestments oder ETFs.

Es ist auch gut, nicht immer investiert zu sein, halten Sie also Kapital flüssig für günstige Kaufgelegenheiten.Wir haben den Ausblick für 2019 mit einem Zitat begonnen und beenden unsere Vorschau mit John Maynard Keynes (britischer Ökonom): „Wenn sich meine Informationen ändern, ändere ich meine Meinung.“

Deshalb begleiten wir unsere Anleger auch weiterhin in diesen schwierigen Börsenzeiten 2019.weitere Nachrichten

Das Jahr 2018 – Sinnlos verschwendete Zeit an den Börsen

Das Jahr 2018 – Sinnlos verschwendete Zeit an den Börsen

Einige Gedanken zum Jahreswechsel für unsere Anleger.

Die Zeit zwischen den Jahren ist auch die Zeit, um Rückschau zu halten auf das vergangene Börsenjahr und sich Gedanken über Prognosen für das kommende Jahr zu machen.Wie immer, wenn Zeit geradezu vergeudet wird, also Stillstand und Rückgang an den Märkten herrscht, so ist auch in diesem Jahr die Politik wieder der Auslöser gewesen.

Die Börse im Blick zur Politik in Deutschland

Beginnen wir in Deutschland: Die Bundestagswahl war zwar schon im Jahr zuvor, aber eine neue Regierung hatten wir erst im März 2018. Solange brauchten die Damen und Herren Politiker, um sich quasi gezwungenermaßen zu einer Regierung zusammenzuraufen – für deutsche Verhältnisse fast schon belgische Zustände. Aber o. k., nachdem sich die Wirtschaftspartei FDP nach zeitraubenden Verhandlungen aus der Verantwortung gestohlen hatte, ging es dann doch relativ schnell mit der neuen GroKo.

In der Zeit des Stillstands – die alte Regierung war nur noch geschäftsführend im Amt – startete der DAX mit Zugewinnen ins neue Jahr. Die Börsen lieben solche Zeiten; große Entscheidungen gegen die Märkte wurden nicht getroffen. Auch als der Koalitionsvertrag endlich unterschrieben war und die alte Regierung bis auf ein paar personelle Änderungen quasi auch die neue war, blieben die Märkte gelassen. O. k., der Streit um die Asylpolitik und die Ankerzentren hätte nicht sein brauchen. Aber wenn alte Männer mit Ängsten vor dem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit durchdrehen, dann kann eben nichts anderes dabei herauskommen.

Dabei hätte man von deutscher Seite aus die Zeit lieber dazu verwenden sollen, sich im Handelskrieg zwischen den USA und China stärker zu positionieren.

Und dann war und ist da noch „Dieselgate“, der den Verkehrsminister und die deutschen Umweltpolitiker monatelang bis heute beschäftigte – kostbare Zeit, denn jetzt drohen Fahrverbote, und eine Lösung ist weiterhin nicht in Sicht. Der sinnlose Versuch Deutschlands, die Grenzwerte für umweltschädliche Stickoxide auszuweiten, machte es auch nicht besser. Denn europäisches Recht geht vor nationalem Recht. Das wussten auch die verantwortlichen Politiker. In dieselbe Richtung zielt auch das Bemühen, der klagenden und meistens obsiegenden Deutschen Umwelthilfe die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Dann wird es allerdings andere Verbände geben, die die Klagen übernehmen. Zeitverschwendung pur zulasten der Märkte …

Die Automobilindustrie hat den Trend hin zur Elektromobilität schlicht verschlafen und weiterhin auf die alten Technologien gesetzt. Besser wäre es gewesen, wenn Politik und Manager die Zeit genutzt hätten, sich an einen Tisch zu setzen, um die Infrastruktur für E-Autos flächendeckend auszubauen. Länder wie China, Norwegen etc. machen es vor. Wer zu spät kommt, …

Aber nicht nur national wurde viel Zeit verschwendet, auch international beobachten wir das gleiche Phänomen.

Auswirkung der der USA Politik auf die Märkte

Beginnen wir beim aktuellen Zeitproblem: US-Präsident Trump und die demokratische Mehrheit im Parlament haben, wie von uns und vielen Beobachtern vorausgesehen, Streit um den Haushalt. Eine automatische Haushaltssperre trat kurz vor Weihnachten in Kraft wegen vergleichsweise lächerlicher 5 Milliarden Dollar für den Bau des Trump?schen Monumentalbaus, sprich der Grenzmauer zu Mexiko. Nun sind 5 Milliarden Dollar auch keine Kleinigkeit, aber angesichts der billionenschweren Verschuldung der USA ein doch geringer Betrag. Die Börsen reagierten mit Abschlägen weltweit auf das Geschehen. Doch man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass sich auch dieser Streit nach einiger Zeit wieder in (Kompromiss-)Luft auflösen wird.

Dabei hätte das Weiße Haus wirklich andere Probleme anzupacken, zum Beispiel den Handelsstreit mit China. Denn hier warten die Märkte auf eine gesichtswahrende, schnelle und dauerhafte Lösung im Interesse der internationalen Gemeinschaft. Es war ja immer wieder einmal von Zeichen der Annäherung die Rede, es braucht nur wieder Zeit. Stellt sich nur die Frage, wozu die Staaten dann die WTO als oberste Rechtsinstanz in Handelsstreitigkeiten geschaffen haben.

Sanktionen gegenüber Russland, dem Iran und anderen Staaten vonseiten der USA und der EU haben auch 2018 wenig gebracht. Die Konflikte bestehen weiter, die Staaten finden immer wieder Wege, sie mithilfe anderer Staaten zu umgehen (Iran) oder werden autark (Russland, China). Es wird also lange Zeit brauchen, um die Wirtschaftsbeziehungen und Lieferabkommen wieder zu beleben – falls die sanktionierten Güter dann überhaupt noch in den Ländern benötigt werden.

Deutsche Wirtschaft leidet

Und zwischen allen Fronten sitzt das exportabhängige Deutschland. Unsere Wirtschaft ist gleich mehrfach gestraft, total verunsichert und aufgerieben. Einerseits führen wir Exportgeschäfte aus den USA nach China und umgekehrt und andererseits befürchten unsere Unternehmen, dass der Bannstrahl aus dem Weißen Haus auch die Europäer trifft, trotz des Deals zwischen Trump und Juncker. Tausende Unternehmen, die Pläne für neue Werke im In- und Ausland in den Schubladen haben, verschieben diese deshalb immer wieder. Die Panik bei der Hortung von Ersatzteilen und anderen notwendigen Materialien sorgt für nicht planbare Kostensteigerungen. Das Ergebnis werden wir in den Bilanzen nächstes Jahr sehen. Die Flut von Gewinnwarnungen und ein nahezu ausgebombter DAX zum Jahresende geben einen Vorgeschmack.

Auch die EU tat nichts für eine positive Entwicklung

Die EU erwies sich im letzten Jahr als eine Gemeinschaft der Kompromisse, des kleinsten gemeinsamen Nenners. Die beklagenswerte Flüchtlingspolitik wollen wir dabei hier nicht betrachten; sie hatte keine Auswirkungen auf die Börsen.

Dafür hielt der Brexit die Märkte in Atem. Wir wissen zwar nicht, wie die Inselbewohner das noch geordnet bis Ende März 2019 hinbekommen wollen – alle Unternehmen auf beiden Seiten haben schon Notfallpläne ausgearbeitet –, aber letztlich hoffen auch alle darauf, dass sie nie zur Anwendung kommen mögen. Die vergeudete Zeit am Anfang der zweijährigen Austrittsverhandlungen fehlt jetzt am Ende. Das Problem wird uns also noch länger begleiten.

Auch die italienische Mitte-Rechts-Regierung versuchte lange Zeit, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen. Und wo endete das alles? Richtig, bei einem Kompromiss zwischen Brüssel und Rom. Die Märkte, speziell die Anleihemärkte, brachten die Römer zur Vernunft, oder auch nicht.

Und nun also zum Jahresende auch noch Frankreich: Eine Gelbe-Westen-Bewegung zerrte an den Nerven von Präsident Macron. Lange Zeit sah es so aus, als wenn die französische Regierung hart bleiben würde, immer das schon zu hohe Haushaltsdefizit vor Augen. Aber auch das ist nun nicht mehr wichtig, und so werden weitere Milliarden an Schulden aufgenommen. Kein Wunder, dass Macron eine Vergemeinschaftung der Schulden mit einem europäischen Finanzminister anstrebt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Bei dem scheidenden EU-Ratspräsidenten Jean-Claude Juncker rennt er damit offene Türen ein, und seit sie bekannt gab, dass sie auch nicht mehr lange im Amt sein wird, auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel. Da bleibt nur noch die Hoffnung, dass zumindest die wenigen vernünftigen Staaten Europas mit gesunden Haushalten ihr Veto gegen diesen Unsinn einlegen werden.Wir sehen also an diesen Beispielen: Das Jahr 2018 war ein Jahr der Zeitvergeudung für die Börsenplätze. Die deutschen Aktienindizes haben es entsprechend quittiert, wie jeder an den Indexständen zum Jahresende ablesen kann.weitere Nachrichten

Die Leitzinsen – Gefahr für die Aktienmärkte?

Die Leitzinsen – Gefahr für die Aktienmärkte?

Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed, hat während seiner kurzen Amtszeit die Leitzinsen schon drei Mal erhöht. Sie stehen aktuell in einem Korridor von 2 bis 2,25 Prozent und werden, so die überwiegende Meinung der Finanzmarktexperten, im Dezember weiter steigen. Auch für 2019 sind Zinsschritte angekündigt. Doch egal, wie viele es am Ende werden, ob 2, 3 oder 4, die Zinssteigerungen bringen die Finanzmärkte in Schwierigkeiten.Der US-Präsident tobt und jammert, die Fed sei verrückt geworden und beschädige alles, was er geschaffen habe.

Ein Geheimtreffen am 12.10.2018 auf der indonesischen Ferieninsel Bali, die Early Warning Exercise, eine Art Frühwarnsystem des Internationalen Währungsfonds, stand dazu an – ein informelles Treffen der wichtigsten Notenbankchefs und Politiker, bei dem alle ihre Sorgen über bestehende und sich abzeichnende Krisen und deren Folgen auf den Tisch legen.

Welche Folgen haben steigende Zinsen in den USA?

Die erste Folge ist, die Kredite werden teurer, und das betrifft nicht nur die Privatkredite, sondern auch die Firmenkredite und ebenso die Staatsverschuldung der USA. In den USA ist das Plastikgeld viel stärker verbreitet als zum Beispiel in Deutschland. Dort gehört es zum guten Ton, alles mit der Karte zu zahlen, und wenn das Limit der Karte erreicht ist, dann zieht der Schulden gewohnte US-Bürger eben die nächste Karte aus der Tasche.

Die private Verschuldung ist nach Angaben der Federal Reserve Bank im letzten Quartal des Jahres 2017 auf 13,2 Billionen Dollar geklettert, fast 200 Milliarden mehr als im Quartal zuvor. Das ist eine Rekordsumme. Hypotheken stehen mit fast 9 Billionen an erster Stelle, gefolgt von Kreditkartenschulden von mehr als 800 Milliarden US-Dollar. Auch die Auto- und Studienkredite nehmen weiter zu. Die stetig steigenden Privatschulden sind jetzt schon das fünfte Jahr in Folge zu beobachten.

Doch wenn der private Verbraucher auf die Regierung in Washington schaut, dann sieht er nichts anderes. So betrug die Staatsverschuldung der USA Ende 2017 20,9 Billionen Dollar, und auch in diesem Jahr wird wieder eine Schippe draufgelegt, geschätzte 22,05 Billionen Dollar sollen es am Ende sein.

Zinsen werden gezahlt, von einer Tilgung des Schuldenberges ist keine Rede. Im Gegenteil, er wird durch die Steuerreform der Trump-Regierung immer höher. Die Folgen wird der nächste Präsident dann auszubaden haben (siehe dazu auch unseren Beitrag: Erinnerungen werden wach).

Wenn die Zinsen jetzt weiter steigen, bekommen die US-Bürger ein Problem, denn schließlich müssen sie neben der Tilgung die erhöhten Zinsen zahlen. Und das bedeutet weniger Konsum, weniger Produktion, weniger Arbeitskräftebedarf, weniger Steuereinnahmen – kurzum: Die Konjunktur wird in einen Abwärtsstrudel geraten.

Doch nicht nur der Verbraucher ist von den steigenden Zinsen betroffen, sondern auch die Wirtschaft, die sich in der Niedrigzinsphase verschuldete. Der kleine Mittelständler, der einen Kredit für eine Investition abzustottern hat, dürfte bei nachlassender Konjunktur in arge Bedrängnis geraten. Aber auch viele große Konzerne haben die Zinsflaute genutzt und sich bis unter das Dach für Übernahmen und Aktienrückkäufe verschuldet. Sie sind an steigenden Zinsen nicht interessiert und finden dabei ein offenes Ohr in Washington, das die Zinsen allerdings nicht beeinflussen kann.

Zumindest scheint der Fed-Chef nicht mehr wie ein Autist die geplanten Zinsschritte im nächsten Jahr auf dem Radar zu haben. Er werde sich jetzt die wirtschaftliche Gesamtsituation anschauen und bei den Entscheidungen berücksichtigen, ließ er verlauten. Und diese Situation ist wahrlich nicht dazu geeignet, die Zinsen über Gebühr anzuheben. Die USA befinden sich wie viele andere Länder auch gerade in einer Phase nachlassender Konjunktur.

Und die internationalen Auswirkungen?

Speziell die Länder der Dritten Welt haben Dollar-Kredite für verschiedene Projekte aufgenommen, aber auch für die notwendige Umschuldung. Zwei Drittel des globalen Wachstums werden durch diese Staatengruppe getragen. Seit 2017 hat sich die Gesamtverschuldung der Länder von 21 000 Milliarden Dollar auf rund 63 000 Milliarden Dollar erhöht. Sie stieg damit von 145 auf 210 Prozent der jeweiligen Bruttoinlandsproduktion. Doch auch wenn die meisten Kredite in lokalen Währungen notieren, laufen bis 2025 2700 Milliarden Dollar auf. Ob sich die Rückzahlung problemlos gestaltet, werden wir im kommenden Jahr sehen, wenn die Rückzahlung von 500 Milliarden US-Dollar ansteht. Aber schon jetzt haben die bisherigen Zinsänderungen für schwerwiegende Turbulenzen in Argentinien und der Türkei gesorgt.

Fazit

Die Märkte haben die künftigen Zinserhöhungen der Fed in die Aktienkurse längst eingepreist.Natürlich zieht der Zinsunterschied von circa 2,5 Prozent sehr viel Kapital aus Europa in die USA ab. Fakt ist, dass vorsichtige Anleger bei über 3 Prozent Rendite auf eine 10-jährige US-Anleihe oder bei 7-jährigen US-Industrieanleihen mit erstklassiger Bonität sogar bei 4 Prozent pro Jahr schon ins Grübeln kommen, ob die Risiken des Aktienmarktes noch gerechtfertigt sind. Allerdings müssen wir hier darauf hinweisen, dass sie sich einem Währungsrisiko bei Turbulenzen des Dollars aussetzen. Und auch die Gefahr der Inflation ist in den USA nicht zu unterschätzen. Da bleiben doch Aktien der bessere Weg.weitere Nachrichten

Leitzins wird steigen – Wie gut sind wir Anleger vorbereitet?

Leitzins wird steigen – Wie gut sind wir Anleger vorbereitet?

Seit der weltweiten Finanzkrise, die mit dem Zusammenbruch des Bankhauses Lehman Brothers im Jahr 2008 begann, sind die Zinsen nicht der Rede wert. Eine ganze Generation von Anlegern kennt es also nicht anders, als dass die Zinsen niedrig sind und das Geld praktisch durch die Zentralbanken hinterhergeworfen wird. Staatsanleihen wurden von der EZB aufgekauft, die damit gegen die Regel ihres Statuts verstoßen hat, keine Staatsfinanzierung zu betreiben. Ok, ob das geholfen hat, die international verflochtenen europäischen Volkswirtschaften wirklich zu retten, oder ob das der Keim für den Ausbruch einer neuen Finanzkrise ist, wird die Zukunft zeigen. Wirtschafts- und Finanzhistoriker werden dazu bestimmt bald dicke Bücher schreiben und wie üblich verschiedene Meinungen dazu vertreten.

Die ersten Schritte sind eingeleitet

Die amerikanische Notenbank hat die Wende eingeleitet, und die ersten Zinsschritte führten den Leitzins mittlerweile über mehrere Etappen in einen Korridor von 1,75 bis 2,0 Prozentpunkte.

Die EZB ließ verlauten, dass sie die umstrittenen Anleihekäufe im September 2018 einstellen wird, und den ersten vorsichtigen Wandel auf dem Zinsmarkt wird es voraussichtlich Mitte 2019 geben.

Das alles hat jedoch noch nicht so sehr auf die Aktienmärkte durchgeschlagen. Die Umfragen in der Wirtschaft und die daraus berechneten Indizes sind immer noch sehr gut, zeigen aber doch auch sorgenvolle Blicke in die Zukunft. Stichworte dabei sind hier die Handelsstreitigkeiten auf den globalen Märkten, der Brexit, die heraufziehenden Wolken in der chinesischen Kreditwirtschaft, der Iran-Deal und verschiedene andere Konfliktherde in der Welt.

Der Volatilitätsindex (VIX)

Für lang- und mittelfristige Anleger ist nicht so sehr interessant, wie der DAX oder der Dow Jones heute oder morgen steht. Wichtig ist vielmehr, wie stark die Aktien schwanken. Die diesbezügliche Angst der Anleger wird in einem Index gemessen, dem VIX.

Ein Volatilitätsindex (VIX) misst laut Definition die implizite Volatilität (d. h. die zukünftig zu erwartende Volatilität, im Unterschied zur historischen Volatilität) eines Börsenindex, also dessen aktuell von den Marktteilnehmern für einen gewissen Zeitraum in der Zukunft erwartete Schwankungsintensität. Ein hoher Indexstand weist auf einen unruhigen Markt hin, niedrige Werte lassen eine Entwicklung ohne starke Kursschwankungen erwarten. Über die Richtung der Änderung, also ob die Kurse steigen oder sinken, gibt der Indexstand grundsätzlich zwar keinen Aufschluss, allerdings traten die historisch höchsten Indexstände (Schwankungen) auf den Höhepunkten von Finanzkrisen auf.

Die Gefahren für Anleger

Bisher gingen die Kurse stets nach oben, aber keiner weiß, wie Anleger weltweit reagieren, wenn die Kurse stark schwanken und auch einmal länger anhaltend im roten Bereich verharren. Und nebenbei bemerkt sind davon nicht nur Kleinanleger betroffen, sondern auch die Jungmanager der Fonds, in den Banken und Versicherungen etc., die die Märkte so nicht kennen. Für sie gab es bisher auch immer nur ein fast schwankungsfreies Bergauf in den von ihnen betreuten Wertpapieren.

Hinzu kommt die zunehmende Digitalisierung des Börsenhandels. Ist die Software auf das Worst-Case-Szenario schon entsprechend gerüstet, oder verkaufen die Computer alles, was im roten Bereich eine gewisse Schwelle unterschreitet? Und sind die Vernetzungen so gut geschaltet, dass es nicht zu einer Kettenreaktion kommt? In der Vergangenheit haben wir schon ein paarmal kurzeitig erlebt, dass nur ein kleiner Fehler eine solche Panikreaktion auslöste. Allerdings hatte das nur technische und menschliche Ursachen (nicht erkannte Eingabefehler, falsch gesetzte Limits etc.), die zu einem zeitlich eng begrenzten Ausverkauf führten.

Welche Reaktionen sind auf eine mögliche Rezession zu erwarten? Eine zu schnell einsetzende und anhaltende Rezession bleibt das größte Risiko, weil wir nicht wissen, wie die Notenbanken in Zeiten noch moderater Zinsen und üppiger Liquiditätsversorgung darauf reagieren werden oder können.

Wie verhalten sich unsere Kleinanleger?

Fakt ist jedenfalls eins: Den Höhepunkt des Wirtschaftswachstums haben wir hinter uns. Tatsächlich müssen wir uns nun der Erkenntnis stellen, dass die Wachstumsperspektiven nicht mehr so rosig ausfallen werden wie bisher. Das fällt zusammen mit der Normalisierung der Geldpolitik. Wir werden also auf ein schwierigeres und nervöses Marktumfeld treffen, das kurzfristig durch die politischen Querschüsse noch mehr beeinträchtigt wird.

Kleinanleger mit Fonds oder Einzelanlagen sollten sich demnach auf turbulentere und rauere Zeiten einstellen. Die Renditen der Aktien werden nicht mehr durchschnittlich 8 bis 10 Prozent erreichen, sondern einige Etagen tiefer ausfallen. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass Aktien dann nur noch im Durchschnitt um die 5 oder 6 Prozent Rendite abwerfen werden.

Fazit

All das bedeutet allerdings auch, dass ein gutes und aktives Fondsmanagement besser darauf reagieren wird. Ein passiver ETF wird immer nur die Bewegung der zugrunde liegenden Indizes nachvollziehen. Für Fondsmanager aber bieten sich immer noch sehr gute Optionen, das zu erwartende schwächere Wirtschaftswachstum abzufedern, denn noch nie wurde eine Zinserhöhung so langfristig vorbereitet wie gegenwärtig.weitere Nachrichten

Die Europäische Zentralbank wurde 20 Jahre alt

Die Europäische Zentralbank wurde 20 Jahre alt und keiner hat es gemerkt

Mag sein, dass die Europäische Zentralbank (EZB) hierzulande nicht gerade in einem positiven Licht gesehen wird und deshalb der 20. Jahrestag ihrer Gründung in den Medien nicht groß erwähnt wurde. Aber es gibt ja auch wenig Grund zum Jubel für die Millionen deutschen konservativen Sparer, deren Spargroschen aufgrund der Nullzinspolitik der EZB zerfließen wie Butter in der Sonne.

Ein Blick in die Geschichte der EZB

Die Europäische Zentralbank (Englisch: European Central Bank, ECB; Französisch: Banque Centrale Européenne, BCE) mit Sitz in Frankfurt am Main ist ein Organ der Europäischen Union. Sie wurde am 1.6.1998 gegründet als gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion und bildet mit den nationalen Zentralbanken (NZB) der EU-Staaten das Europäische System der Zentralbanken (ESZB).

Grundlage für die Arbeit der EZB ist der berühmte Vertag von Maastricht aus dem Jahr 1992. Seit 2007 besitzt die EZB formal den Status als Organ der Europäischen Union (EU), auch wenn nicht alle 28 Mitgliedsländer der EU den Euro als gemeinsame Währungseinheit führen. Derzeit können die Bürger von 19 Ländern grenzübergreifend mit Euro und Cent bezahlen.

Der erste und damit Gründungspräsident war der Niederländer Wim Duisenberg, der die Zentralbank bis 2003 führte. Ihm folgte der Franzose Jean-Claude Trichet. Und seit 2011 ist der Italiener Mario Draghi für die Euro-Währung zuständig.

Aufgaben und Ziele der EZB

Das Hauptziel der EZB ist die Sicherung der Preisniveaustabilität. Dabei gilt es, große Schwankungen des Geldwertes zu vermeiden. Die Zielgröße ist die Inflation, deren Rate laut Maastrichter Vertrag auf unter, aber nahe 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr festgelegt ist.

Weiteres Ziel der EZB ist die Unterstützung der Wirtschaftspolitik in der Europäischen Gemeinschaft zur Erreichung eines hohen Beschäftigungsniveaus und dauerhaften Wachstums, aber ohne Gefährdung der Preisniveaustabilität.

Die Hauptaufgaben der EZB sind unter anderem die Festlegung und Durchführung der Geldpolitik – hier ist das Hauptinstrument der Leitzins (aktuell null Prozent) sowie die Durchführung von Devisengeschäften –, die Verwaltung der offiziellen Währungsreserven der Mitgliedstaaten (Portfolio-Management) und die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld, insbesondere aber die Förderung eines reibungslosen Zahlungsverkehrs. Dazu gehört die Genehmigung der Ausgabe des Euro-Papiergeldes – die Ausgabe selbst erfolgt durch die nationalen Zentralbanken.

Aber auch die Aufsicht über Kreditinstitute und die Stabilität der Finanzmärkte, die Beratung der Gemeinschaft und nationaler Behörden, die Zusammenarbeit mit anderen internationalen und europäischen Organen, die Sammlung der für die Erfüllung ihrer Aufgaben notwendigen statistischen Daten und natürlich auch die Erstellung einer Zentralbankbilanz gehören zum umfangreichen Tätigkeitsbereich der EZB.

Die Probleme der EZB

Beginnen möchten wir mit einem Lob an die EZB: Bei Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 hat sie sich als einzige funktions- und handlungsfähige Institution in Europa erwiesen und damit das totale Politikversagen in den einzelnen Staaten kaschiert. Das schuf ein gewisses Vertrauen in die Maßnahmen der EZB, von dem sie heute noch zehrt.

Allerdings hat sie mit ihrer nun schon 10 Jahre andauernden ultralockeren Geldpolitik eine Enteignung von Millionen Sparern, die mit konservativen Anlagen für ihr Alter vorsorgen wollten, eingeleitet. Für 2019 hat sie aktuell einen vorsichtigen Ausblick auf eine minimale Zinserhöhung angedeutet, wenn es die Situation erlaubt.

Mit den Aufkäufen von Staatsanleihen, die nach dem Maastrichter Vertrag verboten sind, hat die EZB eine unerlaubte Staatsfinanzierung betrieben. Die Anleihekäufe wurden nach mehr als 10 Jahren aber jetzt endlich zurückgefahren und werden nun eingestellt.

Mit dem im Juni 2016 aufgelegten Programm zum Ankauf von Unternehmensanleihen (Corporate Sector Purchase Programme – CSPP) reduzierte die EZB die ohnehin schon geringe Liquidität auf dem Markt für Unternehmensanleihen weiter, was dazu führte, dass kleine und mittlere Unternehmen ohne Direktzugang zum Kapitalmarkt benachteiligt wurden.

Wir könnten die kritikwürdigen Punkte an der EZB noch weiterführen, müssen aber auch gleichzeitig sagen, dass die historisch junge EZB sich bisher allen Spekulationen gegen den Euro erfolgreich in den Weg gestellt hat und alle Angriffe auf unsere Gemeinschaftswährung abwehren konnte. Dafür gebührt ihr berechtigt Dank und Anerkennung.

Fazit

Die EZB bleibt weiter im Auge des Sturms. Die nächste Finanzkrise kommt bestimmt, zu groß sind die Schulden der Staaten im Euro-Raum, aber auch in anderen Währungsräumen. Dazu gesellen sich noch die Probleme, wenn die Konjunktur schwächelt. Auch die Politik muss notwendige Reformen anpacken und umsetzen. Ob die geschaffenen Instrumente (Europäischer Stabilitätsmechanismus etc.) ausreichend sind, werden wir dann spätestens in der nächsten Krisensituation sehen.

Eins hat die EZB aber geschafft: Sie hat den Kauf von Aktien und Aktienfonds als einzige vernünftige Alternative zu den konservativen Sparformen aufgezeigt. Auch unser NDAC-Fonds konnte davon profitieren, das ist uns ein Prosit auf das 20-Jährige wert!!!weitere Nachrichten