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Kutzers Zwischenruf: Langfristige Anleger bleiben der Aktie treu

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

„Anleger sollten auch von 2023 nicht viel erwarten“ – meine letzte Headline, die ich heute relativieren möchte. Trotz eines erneuten Kurseinbruchs. Mag sein, dass auch das kommende Jahr enttäuschend verlaufen wird. Doch in einer multimorbiden Welt sind einigermaßen zuverlässige Prognosen schlicht unmöglich. Außerdem können Sie, geschätzte Anleger, auch in einer beispiellosen Zeit des Zusammentreffens schwerer Krisen darauf bauen, mit Ihrem Portfolio gut über die Runden zu kommen, wenn Sie die richtige Auswahl treffen und vor allem genug Zeit investieren.

Die negative Volatilität an den globalen Aktienmärkten macht momentan den Anlegern weiterhin zu schaffen. Experten führen verschiedene Argumente an, warum in naher Zukunft noch mehr Ungemach zu erwarten sei – steigende Zinsen, Maßnahmen der Fed, die Energiekrise in Europa, schwächere Gewinnschätzungen und vieles mehr. Hinter dieser Argumentation steckt jedoch häufig die Annahme, dass die Mehrheit der Anleger bisher nicht fähig war, diese Problemstellungen zu berücksichtigen. Somit wird  ihre Kapitulation und eine wahre Massenflucht aus den Aktienmärkten nicht ausgeschlossen.

„Grundsätzlich ist ein derartiges Bewegungsmuster war typisch, aber wir halten es für übertrieben zu behaupten, dass eine Kapitulationsbewegung die Voraussetzung für eine Erholung darstellt. Die Tatsache, dass die Anleger in der Vergangenheit oft in der Nähe von Markttiefs kapituliert haben, bedeutet nicht, dass sie dies immer tun müssen. Und wir sehen einen wichtigen Grund, warum eine Massenflucht aus Aktien diesmal unwahrscheinlich ist“, sagt Thomas Grüner, Gründer und Vice Chairman von Grüner Fisher Investments.

Dessen Ansicht, der ich mich grundsätzlich anschließe, ist ein langfristiges Plädoyer für die Aktie, das keinen zeitlichen Rahmen beschreibt, sondern die Frage nach der Alternative behandelt, wenn man den Aktienmarkt verlässt. Bargeld ist angesichts der hohen Inflation ein offensichtliches Verlustgeschäft. Gold hat als vermeintlicher Inflationsschutz einmal mehr nicht (noch nicht) funktioniert. Auch Rohstoffe sind im Allgemeinen rückläufig, nachdem sich die Befürchtungen, der Krieg in der Ukraine könnte zu großen Engpässen führen, als übertrieben erwiesen haben. Abstürzende Kryptowährungen sind weit davon entfernt, einen „sicheren Hafen“ darzustellen, der die Probleme ängstlicher Aktienanleger löst. Selbst Anleihen als die traditionellste „sichere” Alternative, Anleihen, sind seit ihrem Höchststand Anfang Januar 2021 zweistellig gefallen.

„Wir sagen nicht, dass sich diese Vermögenswerte nicht erholen werden, und wir sind der Meinung, dass der Rückgang der Anleihen auf die Stimmung zurückzuführen ist und nicht mit den längerfristigen Angebots- und Nachfragegrundlagen des Anleihenmarktes übereinstimmt. Aber es ist wohl so, dass dort die Angst regiert, was den Markt zu einem unattraktiven Ziel für Menschen macht, die versucht sind, emotional auf den Rückgang der Aktienmärkte zu reagieren“, so Grüner.

Die Daten für den US-Markt zeigten, dass Anleger in diesem Jahr viel mehr Geld aus Anleihen abgezogen haben als aus Aktien. Tendenziell gilt die die erzielte Rendite als ein guter Indikator, wie sich Zu- und Abflüsse in der nächsten Zeit verhalten. Was dem Anleihemarkt somit hohe Abflüsse beschert hat, ist der stetige Abwärtstrend über einen langen Zeitraum hinweg – weniger die absolute Höhe der Kursverluste selbst.

Im US-Aktienmarkt hingegen sind zwar ebenfalls kurze Ausbrüche mit hohen Abflüssen zu beobachten, im Rahmen dynamischer Zwischenerholungen wurden diese Effekte allerdings immer wieder abgemildert. Im Vergleich zu früheren Stresssituationen – wie beispielsweise der Covid-Crash im März 2020 – sind die Abflüsse bei Anleihen weitaus dramatischer und bei Aktien moderater. Und das liegt laut Grüners Beobachtung eben nicht daran, dass alle Anleger blind sind, sondern dass die naheliegenden Alternativen teilweise ein noch schlechteres Bild abgegeben haben.

Fazit des Vermögensverwalters: Moderate Mittelabflüsse aus Aktien in einer schwierigen Marktphase deuteten nicht zwangsläufig darauf hin, dass der „große Knall“ im Rahmen einer Massenflucht unmittelbar bevorsteht. „Die Zurückhaltung vieler Aktienanleger beruht viel eher auf einer gewissen Alternativlosigkeit, die sich im Rahmen einer dynamischen Markterholung als wertvolle Eigenschaft entpuppen kann“, bilanziert Grüner.

Dazu greife ich ergänzend (und zum wiederholten Mal) auf das „TINA“-Prinzip zurück, denn „There Is No Alternative“ gilt weiterhin für Aktienanleger, die über längere Zeiträume als nur ein bis zwei Jahre investieren. Die Beteiligung am Produktivkapital der Wirtschaft darf und wird ihre Attraktivität in Form der Aktie langfristig nicht verlieren!