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Terror, Sanktionen und Rezession – eine unsichere Gemengelage

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Die Ostsee ist mit Gas verseucht. Mit Erdgas, das aus den vier Lecks der Nordstream I und II Pipelines austritt. Bei dem mutmaßlichen Terroranschlag fragt man sich warum. Russland hat nichts mehr durch Nordstream I geschickt und Deutschland hat bekanntlich Nordstream II gar nicht erst zugelassen. Es wird sicher noch eine Weile dauern, bis die Ermittler genaueres wissen. Aber Fakt ist, solche Ereignisse zeigen einmal mehr, wie anfällig die kritische Infrastruktur überall ist. Das betrifft nicht nur die Offshore-Infrastruktur.

Die EU-Kommission hat einen Vorschlag für ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland wegen der Invasion in die Ukraine vorgelegt. Das Paket enthalte unter anderem die Rechtsgrundlage für einen Preisdeckel für Ölimporte aus Russland sowie weitere Importbeschränkungen im Wert von sieben Milliarden Euro, gab Kommissionschefin Ursula von der Leyen in Brüssel bekannt. Nun müssen die EU-Staaten über den Vorschlag verhandeln und einstimmig darüber entscheiden. Und da liegt der Hase im Pfeffer, denn wir können uns sicher vorstellen, wie die Regierungen in Ungarn, Schweden und Italien darauf reagieren werden. Es wird entweder ein Handel wie auf dem orientalischen Basar geben oder das Ganze wird höchstwahrscheinlich wieder in der Schublade verschwinden.

Apropos Bella Italia, dort kommt mit Giorgia Meloni zum ersten Mal eine Frau in die erste Reihe der Politik und hat die besten Chancen, die nächste und damit erste Premierministerin auf dem Stiefel zu werden. Nur hat sie ein Problem, denn sie ist als Postfaschistin ausgewiesen rechts orientiert, aber das muss man sich leisten können. Schließlich braucht Italien sehr viel Geld von der EU für die Stabilisierung seiner Wirtschaft und über das Geld verfügt nun mal die EU-Kommission. Der Spaß ist vorbei, tönte Meloni im Wahlkampf in Bezug auf die EU. 

So, die AKWs sollen länger laufen, schließlich wollen wir ja unisono unabhängig von Russlands Rohstoffen werden. Mmmh, nur bei der Recherche, wo denn die Brennstäbe herkommen, stoßen wir auf die mehr oder weniger staatlich russische Firma Rosatom. Sie wollte noch diesen Monat Uran in eine Fabrik in das niedersächsische Lingen schicken und erfreut sich in Deutschland ungebrochener Beliebtheit. Ihr Chef Alexei Lichatschow steht nur im fernen Australien auf einer Sanktionsliste, anderswo ist er ein gern gesehener Gast, schließlich bezieht die EU ein Großteil ihres Urans von Rosatom. Frankreichs Energielieferant EDF ist eng mit Rosatom verbunden, Großbritanniens atomar betriebene Schiffe fahren mit dem Brennstoff aus Russland und Atomkraftwerke von Tschechien bis Finnland laufen ausschließlich mit Putins Brennstäben. Die Rosatom-Connection läuft munter weiter. Klein- und Mittelständler sowie Bürger dagegen sollen das Wort Russland am besten gar nicht mehr in den Mund nehmen und sich stattdessen in Solidarität und Schulterschluss üben, ein Widerspruch, den uns keiner so richtig erklären kann.

Aber weiter. Wir haben zwei von drei AKWs im Streckbetrieb, oder wie auch immer man im Grünen-Deutsch das Weiterlaufen der AKW bemäntelt. Aufgrund der hohen Energiepreise ist es aber notwendig, alle drei einfach weiterlaufen zu lassen. Wirtschaftsminister Habeck wird zu dieser Einsicht auch noch gelangen oder dazu gezwungen werden, denn das gebietet die europäische Solidarität. Schließlich haben wir in der Vergangenheit und werden wir wohl auch in Zukunft von unseren Nachbarn die verstärkt grundlastfähige Energiezufuhr brauchen.

Deutschland kann den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten zufolge einer Rezession nicht entrinnen. Die Wirtschaft rutsche wegen der Energiekrise im Winterhalbjahr in eine konjunkturelle Talsohle und werde dann schrumpfen, erklärten die Regierungsberater am Donnerstag in ihrem Herbstgutachten „Energiekrise: Inflation, Rezession, Wohlstandsverlust“. Für dieses Jahr erwarten die Fachleute nur noch ein Wirtschaftswachstum von rund 1,4 Prozent und für 2023 einen Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts um etwa 0,4 Prozent. Erst 2024 dürfte die Wirtschaft dann wieder 1,9 Prozent wachsen. In ihrem Worst Case- Szenario – also bei einer Gasmangellage, kaltem Winter und fehlenden Einsparungen beim Energieverbrauch – veranschlagen die Forscher allerdings für 2023 sogar einen Konjunktureinbruch um 7,9 Prozent. Das lassen wir jetzt einmal so stehen, denn es gab in der Vergangenheit doch auch Korrekturen derselben Institute, die auch keine Glaskugel für die Prognosen haben.

Also zumindest bei Porsche und VW dürften die Sektkorken klingen und die Rezessionsfrage wenigstens für kurze Zeit in den Hintergrund treten lassen. Der Börsengang in dieser Woche war ein voller Erfolg. Aktien des Sportwagenherstellers starten mit 84 Euro, das ist mehr als der maximale Ausgabepreis von 82,50 Euro im Handel an der Frankfurter Börse. Bereits vor dem Sprung aufs Parkett waren große Teile an institutionelle Anleger vergeben worden. Der Börsengang ist damit der größte in Deutschland seit der Deutschen Telekom 1996. Es ist zudem der größte in Europa seit der 10-Milliarden-Dollar-Emission des Rohstoffunternehmens Glencore 2011. Der Konzernmutter VW fließen 9,4 Milliarden Euro zu. Porsche erreichte zeitweise eine Börsenbewertung von 76,5 Milliarden Euro. Der Sportwagenhersteller ist damit an der Börse mehr wert als die Autobauer Mercedes-Benz mit rund 58 Milliarden Euro und BMW mit 47 Milliarden Euro.

Und die Privatanleger, sollten die jetzt zuschlagen? Nun erst einmal ruhig bleiben und abwarten, wie sich die Papier nach der üblichen Kurspflege durch die Emissionsbanken entwickeln. In der Regel fallen die Aktien dann auch noch unter den Ausgabewert. Die Zeit sollten Anleger nutzen, um sich mit der wirtschaftlichen Lage von Porsche näher zu beschäftigen.