Strafzinsen nun auch bei Privatkunden Realität

Vor zehn Jahren hätte es kaum einer für möglich gehalten, was sich in der Zukunft abspielen sollte. Infolge der Finanzkrise 2008/2009 wurde der Leitzins durch die EZB kontinuierlich gesenkt, bis er schließlich im März 2016 auf null Prozent gesetzt wurde. Banken können sich seitdem Geld zum Nulltarif leihen. Für die Sparer ist eine ungemütliche Zeit angebrochen. Doch es sollte noch nicht das Ende der Misere sein. Denn nun bitten auch noch die ersten Banken die privaten Anleger zur Kasse in Form von Negativzinsen. Dass diese Art von Gebühr auch Strafzinsen genannt wird, ist nicht das einzig Groteske an der Sache. Der Anleger übergibt sein Vermögen der Bank auf einem Konto. Und nun soll er für seine Dienstleistung an die Bank Zinsen zahlen? Liegt das Prinzip des Zinses denn nicht genau darin, dass der Schuldner dem Geldgeber einen Zins zahlt? Es ist eine verkehrte Welt für Anleger und Sparer.

Die Meinungen zur EZB gehen auseinander

Mario Draghi belässt bis heute den Zinssatz bei null Prozent. Weiterhin pocht er darauf, Milliarden in den Markt zu pumpen durch das Aufkaufen von unter anderem Staatsanleihen. Begründen tun er und seine Mitarbeiter diesen Schritt damit, dass die Inflation und damit die Wirtschaftskraft noch nicht stark genug gewachsen sind. Angesichts der Tatsache, dass die EZB eine Inflation von etwa zwei Prozent anstrebt, dürfte es noch etwas dauern, bis der Zins das Tal verlässt. Doch es gibt auch die Kritiker. Diejenigen, die die Geldschwemme der EZB bereits jetzt kritisch sehen. So warnt etwa der anerkannte Börsenexperte Dirk Müller, auch unter Mr. Dax bekannt, vor einer erneuten Finanzkrise. Eindringlich weist er auf das “kranke” System hin, welches nicht ständig wachsen könne, ähnlich eines Baumes oder einer Pflanze, die irgendwann aufhören zu wachsen. Die Staaten, so seine Meinung, verschulden sich nur noch mehr, Griechenland wird ohnehin weiter mit Geld zu gepumpt werden und gerade der Zinseszins mache eine Abbezahlung von Schulden nur schwer möglich.

Was haben Strafzinsen und EZB miteinander zu tun?

Die Banken können sich zu null Prozent Geld bei der EZB leihen. Gleichzeitig sind sie gezwungen, das Geld zu investieren, da sie sonst 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Durch die niedrigen Zinsen sind die Banken in der Pflicht, diese an den Kunden weiterzureichen. Erstens in Form von niedrigen Sparzinsen, zweitens durch einen attraktiven Darlehenszins. Gerade dies sorgt für den lauten Ratschlag, es würde sich der Hausbau jetzt lohnen. Das Problem für die Banken: die Zinsmarge, also die Differenz zwischen Guthaben – und Kreditzins ist sehr gering, sodass die Banken wenige Einnahmen daraus generieren. Sie sehen sich gezwungen, andere Einnahmequellen zu erschaffen, etwa in Form von Strafzinsen. Die ersten Schritte sind bereits getan. So erhebt die Raiffeisenbank in Gmund am Tegernsee einen Strafzins in Höhe von 0,4 Prozent an alle Bankkunden mit einer Einlage von 100 000 Euro und mehr. Das Tabu bröckelt damit. Sollten sich noch weitere Banken anschließen, droht eine flächendeckende Einführung von Negativzinsen. Im Gegensatz zur Raiffeisenbank am Tegernsee geht die Volksbank Niederschlesien noch einen Schritt weiter. Zwar erhebt sie keinen konkreten Strafzins, jedoch müssen Neukunden bei Eröffnung eines Tagesgeldkontos eine monatliche Gebühr von fünf Euro aufwärts entrichten.

Die Strafzinsen sind nicht das einzige Problem

Strafzinsen zahlen ist das eine. Das andere jedoch ist es, zusätzliche Gebühren entrichten zu müssen, sei es für das Geldabheben, den Kontoauszug oder jede Überweisung, die das monatliche Limit überschreitet. Ebenfalls eine beliebte Variante ist die Koppelung des bedingungslos kostenlosen Kontos an eine Bedingung, etwa in Form eines monatlichen Mindestgeldeingangs, wie es bei der Commerzbank in Höhe von 1200 Euro der Fall ist. Umso ärgerlicher jedoch, wenn Banken diese Gebühren verstecken und für Intransparenz beim ahnungslosen Kunden sorgen. Böse Zungen behaupten, die Banken erheben Gebühren zunächst auf Leistungen, die für den Kunden unverzichtbar sind. Zudem wird vorerst nur ein kleiner Teil des Kundenstamms mit Gebühren belastet, um keine Schockwelle der Empörung auszulösen. Eine Ausweitung kann später noch immer geschehen.

Was ist nun zu tun?

Nun folgt der womöglich interessanteste Abschnitt für Sie, nämlich was Sie konkret dagegen tun können. Überprüfen Sie, ob Sie bei einem Ihrer Konten Gebühren zahlen müssen. Sollte dies der Fall sein, ganz gleich um welche Art Gebühr es sich handelt, wechseln Sie unverzüglich. Es existieren noch immer genügend Banken, vor allem Direktbanken, die bedingungslos kostenlos sind. Allen voran die IngDiba. Wollen Sie darüber hinaus Ihre Kapitalerträge aufbessern, wird auch der beste Zins Ihnen nicht viel nützen. Anleger sind dann gezwungen, mehr Risiko einzugehen und den Schritt an die Börse zu wagen. Dort existieren dutzende vielversprechende Einzelaktien erfolgreicher Unternehmen, des Weiteren passive Fonds, allen voran ETFs, die weitaus günstiger sind als aktiv gemanagte Fonds. Werden Sie nämlich nicht tätig, droht im schlimmsten Falle das Auffressen Ihres Vermögens durch die Inflation.

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