Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Kutzers Zwischenruf:
Kurzfrsitige Risiken müssen langfristige Anleger nicht abschrecken

Start ins neue Jahr geglückt – aber schon drängen sich die alten Sorgen wieder in den Vordergrund. An Gründen herrscht kein Mangel. Und schon vor dem ersten Januar-Wochenende melden sich wieder skeptische Analysten zu Wort. Ihnen fällt es nicht schwer, die Risiken für die Finanzmärkte zu summieren. Dazu gehören neben den bekannten Belastungen für die Wirtschaft auch politische Entwicklungen (Russland / Ukraine / Kasachstan), deren Risiken für Wirtschaft und Börsen gar nicht kalkulierbar sind. Um als kurz- bis mittelfristiger Anleger zu handeln, muss man sich eine eigene Meinung bilden. Im Zweifel ist abwarten angesagt.

Erwartungsgemäß haben Inflations- und Zinsaussichten ein besonders großes Gewicht in den Diskussionen der Börsianer erlangt. Wall Street strahlt Unsicherheit aus, weil man jetzt eine frühere und schärfere geldpolitische Wende der Fed befürchtet. Bei uns wartet man gespannt auf die neuen Inflationsraten, die für Dezember leicht rückläufig sein dürften. Doch sind die Erzeugerpreise in Europa stärker gestiegen als gedacht: Sie legten im November um den Rekordwert von 23,7 Prozent binnen Jahresfrist zu. Allein bei Energie gab es nun einen massiven Anstieg von 66 Prozent. Klammert man diesen Bereich aus, zogen die Erzeugerpreise insgesamt nur um knapp zehn Prozent an. Die Produzentenpreise gelten als Frühindikator für die Entwicklung der Inflation.

Und Corona? Die Pandemie entwickelt sich rund um den Globus inzwischen so schlimm wie von den (politischen und wissenschaftlichen) Pessimisten befürchtet – Omikron geschuldet. Was bedeutet das aber für den Welthandel und die Konjunktur? Niemand kann’s wissen, weil auch kein klares Bild der Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung erkennbar ist.

Da klingen vorsichtig zuversichtliche Töne einzelner Strategen ermutigend. Die versuchen nämlich (wie schon im letzten Quartal 2021) ihre Prognosen zeitlich zu differenzieren: Die Belastungsfaktoren wirken sich zu Beginn des neuen Jahres auf das Risiko-Ertrags-Verhältnis von Aktien aus. In den ersten Monaten 2022 dürfte mit einigen kurzfristigen Turbulenzen zu rechnen sein. Dennoch sollten diese trüben Aussichten den rationalen Anleger nicht abschrecken. Tatsächlich sind die mittelfristigen Aussichten sehr viel besser, da die zugrunde liegenden Fundamentaldaten Anlass zu anhaltendem Optimismus bieten. Überschüssige Ersparnisse werden voraussichtlich den Konsum ankurbeln, die Investitionstätigkeit der Unternehmen dürfte anziehen, und die Auswirkungen der Konjunkturpakete werden erst noch voll zum Tragen kommen. Die Zentralbanken werden weiterhin darauf achten, dass es zu keinen voreiligen bzw. zu aggressiven Straffungen ihrer Geldpolitik kommt.

Mir gefällt dieser Ausblick, weil er nicht zwischen keiner Inflation (hatten wir jahrelang) und zu hoher Inflation (momentan) unterscheidet, sondern von einer „beherrschbaren“ Inflation ausgeht. Man sollte Willen und Know-how der richtungsweisenden Währungshüter nicht unterschätzen, Liquidität und Zinsen sensibel zu managen. Denn man kennt doch von Hause aus seiner Verantwortung für Wirtschaft und Finanzmärkte. Und Sie, geschätzte Anleger, können einer „einfachen“ Normalisierung der Leitzinsen gelassen entgegensehen – denn zumindest von dieser Seite droht keine ausgeprägte Korrektur an den Aktienmärkten. Am besten dran sind die vielen Privatanleger mit einem weitem Horizont – zum Beispiel durch langfristige Aktien- oder Fondssparpläne. Für die wäre kurzfristige Kursschwäche eher ein Motiv zur Aufstockung ihres Depots.

 

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