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Kutzers Zwischenruf: Dax testet die 15.000 – na und?

Kommentar von Hermann Kutzer, ehem. Börsenkorrespondent für das Handelsblatt und “N-TV”

Kutzers Zwischenruf: Dax testet die 15.000 – na und?

Ist er wieder über 15.000, wenn Sie diese Zeilen lesen? Dass der Dax heute früh auf der Wall-Street-Spur deutlich unter die spektakuläre Marke gerutscht ist, hat sicher viele Privatanleger ziemlich irritiert. Denn die großen runden Indexzahlen strahlen etwas Magisches aus. Werden sie auf dem Weg nach oben geknackt, werden Aktien eiligst gekauft. Und umgekehrt. Ich halte davon nicht viel. Und die momentane Unsicherheit hat wirklich gar nichts mit der großen Dax-Zahl zu tun, sondern ist vor allem den Amerikanern geschuldet. Auf der anderen Seite haben die Inflationsängste (= gleichzeitig Sorge vor einer monetären Wende der Fed) gestern Abend neue Nahrung erhalten. Das löst bei den Skeptikern letztlich auch Zweifel am konjunkturellen Wachstum aus.

Hierzulande hat sich die Grundstimmung bei Profis und Privatanlegern seit Beginn des zweiten Quartals verschlechtert – obwohl mit den dahinterstehenden bärischen Engagements bislang nur schwerlich Geld zu verdienen war. Im Gegensatz zum ersten Quartal, als die Angst, die nächste Rally an den Aktienmärkten zu verpassen, vielerorts noch relativ hoch war, ist diese offenbar den immer wieder aufkeimenden Inflationsbefürchtungen und den sich daraus ergebenden möglichen Konsequenzen gewichen. Aber ist der Anstieg der monatlichen Teuerungsraten nicht nur vorübergehender Natur wegen des Basiseffekts im Vergleich der Preise mit 2020?

Vielleicht wundern Sie sich, geschätzte Leser, dass die Verhaltensökonomen der Frankfurter Börse in ihrem neuen Wochenbericht dennoch gelassen bleiben: Grundsätzlich bleibt die Situation für den Daxt günstig, obgleich mit Nachfrage der in der Mehrheit befindlichen Pessimisten nur auf niedrigerem (gegenüber der Vorwoche allerdings immer noch höherem) Niveau zu rechnen ist: Die Eindeckung von Absicherungen und Shortpositionen könnte bereits bei 14.800 Zählern beginnen. Auf der anderen Seite ist die Gefahr einer Short-Squeeze im Falle erneut deutlich steigender Aktienkurse längst nicht gebannt.

Was ist zu tun? Das müssen Sie entscheiden – je nach Risikobereitschaft und Anlagehorizont. Mir persönlich gefällt, was das Anlagekomitee der Credit Suisse jetzt formuliert hat: „Den Kurs halten.“ Es sei nach wie vor am besten, die strategischen Aktienallokationen in dieser Phase erhöhter Unsicherheit beizubehalten. Ich teile die Einschätzung der Schweizer Strategen, dass das starke Wirtschaftswachstum weiterhin solide Unternehmensgewinne ermöglichen und die derzeitigen Bewertungssorgen aufgrund von hohen Kurs/Gewinn-Verhältnissen mildern kann. Ein baldiges Ende der Konjunkturerholung in den USA ist angesichts der beschlossenen massiven Stimuli, der lockeren monetären Bedingungen und der robusten Bilanzen der Haushalte nach einer Phase von Sparüberschüssen nicht wahrscheinlich. Auch in Europa lassen die jüngsten großen Fortschritte an der Impffront und die sinkenden Infektionszahlen in den nächsten Monaten einen starken Wirtschaftsaufschwung erwarten. Kein schlechter Marktausblick – trotz steigender Inflationsraten.