Das neue Klimaschutzgesetz, Jeff Bezoes und das Hoffen auf bessere Zeiten bei Tui

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Nun ist es also durchs Kabinett, das neue Klimaschutzgesetz. Im Bundestag wird eine breite Koalitionsmehrheit ebenfalls dafür stimmen und in der Länderkammer sitzen die Grünen als Absicherung. Also kann man davon ausgehen, dass es dieses Mal ernst wird mit dem Klimaschutz. Die Eile, mit der die Koalition das Gesetz durchpeitscht, lässt manch einen den Kopf schütteln. Dabei hätten die Koalitionäre eigentlich noch über ein Jahr Zeit gehabt, die entsprechenden Vorgaben der roten Roben aus Karlsruhe umzusetzen. Aber es sind keine normalen Zeiten, es sind Wahlkampfzeiten. Da möchten die Regierungsparteien, angesichts der nicht gerade berauschenden Umfragewerte zur Bundestagswahl, keine offene Flanke, für die in den Umfragen führenden Bündnisgrünen, lassen.
Das neue Klimaschutzgesetz stößt auf massive Vorbehalte der Wirtschaft. Industrie, Stromversorger, Verkehrssektor und Landwirtschaft vermissen konkrete Maßnahmen zur CO2-Senkung. Ausbaden sollen das nach der Wahl die Grünen, denn die werden ja in eine Regierung zumindest eintreten, wenn nicht sogar die Kanzlerin stellen.   
Man kann bei dem Klimaschutzgesetz so manche Kritik anbringen, aber es scheint erst einmal konsequent zu sein und stellt die Wirtschaft und uns als Bürger vor gravierende Änderungen. Änderungen bedeuten dann auch wiederum Belastungen und werden manchen Firmenchef, egal ob Vorstandschef einer Aktiengesellschaft, Geschäftsführer einer GmbH oder Kleinselbstständigen, zum Schwitzen bringen.
Wenn wir dabei sehen, wie krampfhaft die Politiker bspw. an der E-Mobilität festhalten, obwohl der Strompreis dann nur eine Richtung kennt, trotz der geplanten Absenkung der EEG-Umlage, grenzt schon langsam an Verzweiflung. Zumal die Produktion der Batterien auch nicht gerade ökologischen Maßstäben entsprechen, ganz abgesehen davon wohin der Batteriemüll entsorgt werden soll bzw. was recycelte Batterien noch für eine Leistungsfähigkeit aufweisen.
Nur noch ein zweites Beispiel dazu. Die Chemieindustrie, mit 1.700 Unternehmen und 464.000 Beschäftigten, ist ein sehr energieintensiv arbeitender Industriezweig. Die Branche wird durch die neuen Vorgaben mehr Strom verbrauchen, als Deutschland aktuell produzieren kann. Und das als Grünstrom zu niedrigen Preisen und nicht nur, wenn die Sonne scheint oder der Wind in Orkanstärke den Strom produziert. Und die Standorte der Branche liegen nicht nur im Norden, sondern sind über ganz Deutschland verstreut.
Die Eile, mit der das Gesetz im Kabinett verabschiedet wurde, war weder zielführend noch sieht es nach einem durchdachten Plan aus.
Da werden uns die Politiker noch einiges zu erklären haben und das jenseits vom Wahlkampfgetöse, das jetzt Fahrt aufnehmen wird. Denn wie die Verbraucher konkret entlastet werden sollen, ist auch noch nicht geklärt.
Die Anlegerstimmung ist wirklich nicht mehr so gut, wie die wöchentliche Sentimentumfrage der Deutsche Börse ergab. Der Bullenanteil der Privatanleger blieb zwar bei 35 Prozent. Das Lager der Bären nahm dagegen um 4 Prozentpunkte auf 47 Prozent zu. Nur noch 18 Prozent der Privatanleger schauen von der Seitenlinie zu, was einem Minus von 4 Prozentpunkten entspricht.
Vielleicht wird das Gesetz im parlamentarischen Verfahren ja noch mal geändert, wie das Struck`sche-Gesetz ja so schön sagt, aber darauf verlassen sollten wir uns nicht.
Jeff Bezoes braucht dringend Kleingeld. So könnte man denken, wenn der mit geschätzten 188 Milliarden Euro reichste Mann der Welt zwei Millionen Aktien verkauft, die ihm 6,7 Milliarden US-Dollar (etwa 5,5 Milliarden Euro) in diesem Monat einbrachten. Aber keine Sorge um unseren Depotwert Amazon, Bezos hatte in jüngerer Vergangenheit schon mehrmals in größerem Stile Amazon-Aktien abgestoßen. Im Februar und November 2020 verkaufte er Papiere im Wert von insgesamt über 7 Milliarden Dollar. Dass es überhaupt öffentlich wird, liegt an der Offenlegungspflicht der US-Börsenaufsicht SEC. Der Amazon-Gründer steckt regelmäßig viel Geld in seine Raketenfirma Blue Origin und in die Stiftung Bezos Earth Fund. Laut US-Medien lässt er sich zudem gerade eine der weltgrößten Jachten bauen und investiert schon länger kräftig in Immobilien. Recht hat er, man gönnt sich ja sonst nichts im Ruhestand, wenn die Ankündigung vom Rückzug im III. Quartal 2021 weiterhin Bestand hat. Trotz alledem bleibt er weiterhin mit 10 Prozent der größte Einzelaktionär.
Schön wäre es, wenn Amazon bei unserem Depotwert Tui einsteigen würde. Während der ersten beiden Geschäftsquartale 2020/2021 (Oktober bis Ende März) fuhr der weltgrößte Reiseanbieter einen für die Jahreszeit typischen Verlust ein. Allerdings fiel der mit knapp 1,48 Milliarden Euro über 70 Prozent höher aus als ein Jahr zuvor. Auf Grund der sinkenden Inzidenzzahlen und Impffortschritt vertraut Tui darauf, dass sich die Sommermonate überdurchschnittlich entwickeln werden. Der Stand der Sommerbuchungen liegt, nach Angaben von CEO Fritz Joussen, bei 2,6 Millionen. Der mit Milliarden Staatshilfen gestützte Konzern aus Hannover ist darauf angewiesen, dass es in diesem Sommer wieder deutlich besser läuft. Wir sind weiterhin überzeugt, dass Tui die Kurve kriegt und die alten Höchststände wieder erreichen kann. Die angestaute Reiselust von Millionen Deutschen wird einen erheblichen Teil dazu beitragen.

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