Euphorie macht sich breit mitten im Lockdown

 

Gastkommentar von Stefan Riße, Finanzanalyst und Börsenkorrespondent für “N-TV”

Das Börsenjahr 2020 bleibt einzigartig. Die Covid-19-Pandemie hat sich nicht nur auf der Welt ausgebreitet und damit die schlimmsten Befürchtungen wahr werden lassen, die es gab, als das Virus fast ausschließlich in China grassierte. Auch die befürchtete zweite Welle ist gekommen und wir stecken mittendrin. Und was machen die Börsen? Ohne Frage, der Einbruch im Frühjahr war extrem, die Erholung anschließend aber umso erstaunlicher und die zweite Welle scheint sie schon nicht mehr zu interessieren. Noch besser als an den Kursen ist dies an den Stimmungsindikatoren abzulesen. Diese spiegeln mittlerweile ein euphorisches Bild wider.

 

Kontraindikatoren mahnen zur Vorsicht

 

Ist die Stimmung an den Börsen besonders optimistisch, sollten Anleger eher vorsichtig werden. Denn dann haben alle oder zumindest die überwiegende Mehrheit ihre Gelder bereits investiert. Und so lässt sich immer wieder beobachten, dass Einbrüche vor allen dann stattfinden, wenn zuvor alle an steigende Kurse geglaubt haben. So sieht es derzeit eben auch aus. Ob es die Börsenbriefe sind, Umfragen unter Privatanlegern oder das Verhalten der Anleger an den Optionsmärkten, es gibt ein selten einheitliches Bild von rosiger Stimmung. Mit Optionen wird auf steigende Kurse spekuliert, absichern war gestern. Und auch die Fondsmanager haben ihre Cash- Reserven von sechs Prozent inmitten der Pandemie im Frühjahr auf nur noch 4,1 Prozent gesenkt und sind damit so stark investiert wie seit langem nicht. Ein deutlicher Einbruch, der möglicherweise heute im Zuge eines zweiten harten Lockdowns begonnen hat, sollte daher nicht überraschen.

 

Liquidität der Notenbanken bildet das Gegengewicht

 

Ein Grund, warum die Börsen sich entgegen dem wirtschaftlichen Trend so schnell erholen konnten, ist in der Politik der Notenbanken zu finden. Die Wertpapierkäufe aller großen Zentralbanken schaffen eine unglaubliche Liquidität, die angelegt werden will. So wächst die Geldmenge M1, also die Gelder, die kurzfristig und damit morgen für den Aktienkauf zur Verfügung stehen würden, in den USA um 40 Prozent. Das hat es so noch nie gegeben. Und erstmals befindet sich der zehnjährige Zins in der Weltwährung auch deutlich unter einem Prozent, was auch auf der anderen Seite des Atlantiks Aktien alternativlos macht.

 

Eine Korrektur ist daher relativ wahrscheinlich, eine echte Baisse sollte es bei der Geldschwemme aber nicht geben. Darauf deutet auch der jüngste Börsengang von Airbnb hin. Denn am Ende eines Börsenzyklus schaffen es Neuemissionen mit dem ersten Kurs nicht über den Emissionspreis hinaus. Bei der Plattform für private Wohnraumvermietung war dieser Kurs gestern knapp dreimal so hoch.

 

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