Firmenübernahmen und Signale für den Anleger

Firmenübernahmen sind auch als Unternehmenskäufe oder Akquisitionen bekannt. In der klassischen Wirtschaftslehre handelt es sich dabei „um eine ökonomische und juristische Transaktion, die ein Gesamtunternehmen oder auch nur eine Teile eines Unternehmens betreffen. Das Unternehmen oder die Beteiligung wird ganz oder teilweise vom Verkäufer an einen Käufer übertragen.“ Die Zahlung des vereinbarten Kaufpreises wird mit Bargeldüberweisungen oder im Austausch gegen Anteile (Aktien, GmbH- Anteile etc.) des Käufers vorgenommen. Aber auch ein Mix aus beiden Varianten ist möglich. Bei Firmenübernahmen aus betriebswirtschaftlicher Sicht werden strategische Investitionsentscheidungen getroffen. Darum gelten die für Investitionen entwickelten betriebswirtschaftlichen Grundsätze. Meist gehen bei einem Unternehmenskauf sehr intensive Gespräche der künftigen Partner unter Beteiligung der Mergers-&-Acquisitions Abteilungen (M&A, Mergers= Unternehmensfusionen, Acquisitions = Unternehmenskäufe) von Unternehmensberatungen, Wirtschaftsprüfern oder Investmentbanken voraus, in denen die Details des Deals ausgehandelt werden.

Warum gibt es Firmenübernahmen?

Die Motive der Übernahme sind immer strategischer, finanzieller aber auch persönlicher Natur.

Dabei handelt es sich bei strategischen Motiven in der Hauptsache um Markt-, Leistungs- oder um Risikomotive.

Die Marktmotive umfassen den besseren Zugang zu Märkten, aktuell z.B. die chinesische Übernahmewelle in Europa. Aber Übernahmen schaffen auch intern eine größere Verhandlungsmacht gegenüber Lieferanten, Kunden und Banken. Das dabei auch Konkurrenz beseitigt oder nur geschwächt wird, stellt ebenfalls ein Marktmotiv dar.

Beim Leistungsmotiv werden Möglichkeiten für eine effizientere Nutzung betrieblicher Funktionen in den Bereichen Beschaffung, Produktion, Absatz oder Marketing gesehen.

Bei Übernahmen aus Risikomotiven wird eine Senkung des Risikos durch eine Diversifikation (Streuung) bzw. den Ausgleich von Risiken durch das Zusammenwirken der beiden Unternehmen (Synergieeffekt) gesehen. Die Vereinigung zweier oder mehrerer Unternehmen stellt logischerweise einen kapitalmäßig höheren Wert als die Summe der einzelnen beteiligten Unternehmen oder Unternehmensbeteiligungen dar. Ein gewünschter Nebeneffekt ist die schon angesprochene größere Marktmacht. Und nicht zuletzt wird dadurch die Übernahme des eigenen Unternehmens durch andere verhindert oder zumindest erschwert.

Finanzielle Motive, die eine Übernahme begründen, sind in erster Linie kapitalmarkt- und steuerbedingt.

Zum einen wird durch eine Übernahme eine zur Kapitalmarktfähigkeit führende Betriebsgröße bei beiden Unternehmen erreicht. Größenvorteile und Skaleneffekte sind die Folge. Erreicht werden soll eine Senkung der Eigen- und Fremdkapitalkosten, der Fixkosten und damit automatisch auch eine Gewinnerhöhung oder ggf. eine Verlustverminderung.

Andererseits denken Unternehmen immer an die Senkung oder Optimierung der betrieblichen Steuerlast. Im Falle einer erfolgreichen Übernahme ist mit Verlustvorträgen zu rechnen, die zu einer niedrigeren Steuerquote führt. Nicht unerwähnt bleiben soll die Möglichkeit bei internationalen Übernahmen, den Firmensitz in das steuerlich günstigere Land zu verlagern.

Letztendlich kann es aber auch persönliche Motive für Firmen Übernahmen geben, die nichts mit betriebswirtschaftlichen Gründen zu tun haben. Die verschiedenen Hypothesen basieren auf persönlichen, irrationalen oder subjektiven Überlegungen für eine Übernahme. Meistens sind diese Übernahmen nicht von Erfolg gekrönt. Ältere Anleger erinnern sich z.B. noch an die „Hochzeit im Himmel“ von Daimler und Chrysler, die sehr viel Geld kostete, nicht den erhofften Nutzen hatte und deren Scheidung noch einmal zu hohen Verlusten führte.

Wie können Anleger von einer Übernahmesituation profitieren?

Wir haben eingangs gesehen, dass so eine Übernahme nicht plötzlich von heute auf morgen passiert, es gibt bestimmte Signale. Es sind Verhandlungen mit verschiedenen Partnern notwendig, die sich einig werden müssen. Meistens bleiben die Verhandlungen nicht geheim, Gerüchte über die geplante Übernahme werden auch gezielt gestreut. Und hiervon können Anleger profitieren. Die Kurse steigen bei sinnvollen Übernahmegerüchten, die die Anleger nachvollziehen können, beim Übernahmekandidaten an. Wenn eine Übernahme Sinn macht und ein beiderseitiger Nutzen erkennbar ist, dann gibt es den Kurssprung auf beiden Seiten. Wer die Aktien des Kandidaten dann schon im Depot hat, bekommt ein Übernahmeangebot von der anderen Käuferseite. In der Regel wird ein Schlusskurs zu einem Stichtag bestimmt und eine zusätzliche Kaufprämie auf den Schlusskurs angeboten. Auch der Aktientausch mit zusätzlicher Barabfindung ist eine Option, die ebenfalls zur Anwendung kommen kann. Und nun hat der Aktionär Zeit zu überlegen, ob er das terminlich befristete Angebot annimmt, die Aktien zu den schon gestiegenen Kursen verkauft oder ob er auf eine Nachbesserung wartet. Auch die Empfehlungen der Vorstände und der Aufsichtsräte über die Annahme oder Zurückweisung der Übernahme sollten dazu gelesen werden und diese ggf. in die Entscheidung einbezogen werden. Das Angebot zur Komplett- oder nur zur Teilübernahme kann auch mit einer bestimmten Annahmequote durch die Anteilseigner verbunden sein. Wird die Quote nicht erreicht, dann wird das Angebot nachgebessert oder zurückgezogen.

Soll ein Kleinanleger deshalb Wertpapiere deshalb kaufen, nur weil Übernahmeangebot vorliegt? Das muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er davon noch profitieren kann. Das Risiko, dass die Übernahme nicht gelingt ist hoch, weil Abwehrstrategien des Unternehmens bei sogenannten feindlichen Übernahmen greifen können, der Übernehmende aufgibt oder die Kartellbehörden ihr Veto einlegen. Mit dem Kauf eines Fonds ist auf Grund der breiten Streuung, die Wahrscheinlichkeit höher, dass Kleinanleger zu den Gewinnern einer Übernahme zählen.

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