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Das Jahr 2018 – Sinnlos verschwendete Zeit an den Börsen

Einige Gedanken zum Jahreswechsel für unsere Anleger.

Die Zeit zwischen den Jahren ist auch die Zeit, um Rückschau zu halten auf das vergangene Börsenjahr und sich Gedanken über Prognosen für das kommende Jahr zu machen.Wie immer, wenn Zeit geradezu vergeudet wird, also Stillstand und Rückgang an den Märkten herrscht, so ist auch in diesem Jahr die Politik wieder der Auslöser gewesen.

Die Börse im Blick zur Politik in Deutschland

Beginnen wir in Deutschland: Die Bundestagswahl war zwar schon im Jahr zuvor, aber eine neue Regierung hatten wir erst im März 2018. Solange brauchten die Damen und Herren Politiker, um sich quasi gezwungenermaßen zu einer Regierung zusammenzuraufen – für deutsche Verhältnisse fast schon belgische Zustände. Aber o. k., nachdem sich die Wirtschaftspartei FDP nach zeitraubenden Verhandlungen aus der Verantwortung gestohlen hatte, ging es dann doch relativ schnell mit der neuen GroKo.

In der Zeit des Stillstands – die alte Regierung war nur noch geschäftsführend im Amt – startete der DAX mit Zugewinnen ins neue Jahr. Die Börsen lieben solche Zeiten; große Entscheidungen gegen die Märkte wurden nicht getroffen. Auch als der Koalitionsvertrag endlich unterschrieben war und die alte Regierung bis auf ein paar personelle Änderungen quasi auch die neue war, blieben die Märkte gelassen. O. k., der Streit um die Asylpolitik und die Ankerzentren hätte nicht sein brauchen. Aber wenn alte Männer mit Ängsten vor dem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit durchdrehen, dann kann eben nichts anderes dabei herauskommen.

Dabei hätte man von deutscher Seite aus die Zeit lieber dazu verwenden sollen, sich im Handelskrieg zwischen den USA und China stärker zu positionieren.

Und dann war und ist da noch „Dieselgate“, der den Verkehrsminister und die deutschen Umweltpolitiker monatelang bis heute beschäftigte – kostbare Zeit, denn jetzt drohen Fahrverbote, und eine Lösung ist weiterhin nicht in Sicht. Der sinnlose Versuch Deutschlands, die Grenzwerte für umweltschädliche Stickoxide auszuweiten, machte es auch nicht besser. Denn europäisches Recht geht vor nationalem Recht. Das wussten auch die verantwortlichen Politiker. In dieselbe Richtung zielt auch das Bemühen, der klagenden und meistens obsiegenden Deutschen Umwelthilfe die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Dann wird es allerdings andere Verbände geben, die die Klagen übernehmen. Zeitverschwendung pur zulasten der Märkte …

Die Automobilindustrie hat den Trend hin zur Elektromobilität schlicht verschlafen und weiterhin auf die alten Technologien gesetzt. Besser wäre es gewesen, wenn Politik und Manager die Zeit genutzt hätten, sich an einen Tisch zu setzen, um die Infrastruktur für E-Autos flächendeckend auszubauen. Länder wie China, Norwegen etc. machen es vor. Wer zu spät kommt, …

Aber nicht nur national wurde viel Zeit verschwendet, auch international beobachten wir das gleiche Phänomen.

Auswirkung der der USA Politik auf die Märkte

Beginnen wir beim aktuellen Zeitproblem: US-Präsident Trump und die demokratische Mehrheit im Parlament haben, wie von uns und vielen Beobachtern vorausgesehen, Streit um den Haushalt. Eine automatische Haushaltssperre trat kurz vor Weihnachten in Kraft wegen vergleichsweise lächerlicher 5 Milliarden Dollar für den Bau des Trump?schen Monumentalbaus, sprich der Grenzmauer zu Mexiko. Nun sind 5 Milliarden Dollar auch keine Kleinigkeit, aber angesichts der billionenschweren Verschuldung der USA ein doch geringer Betrag. Die Börsen reagierten mit Abschlägen weltweit auf das Geschehen. Doch man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass sich auch dieser Streit nach einiger Zeit wieder in (Kompromiss-)Luft auflösen wird.

Dabei hätte das Weiße Haus wirklich andere Probleme anzupacken, zum Beispiel den Handelsstreit mit China. Denn hier warten die Märkte auf eine gesichtswahrende, schnelle und dauerhafte Lösung im Interesse der internationalen Gemeinschaft. Es war ja immer wieder einmal von Zeichen der Annäherung die Rede, es braucht nur wieder Zeit. Stellt sich nur die Frage, wozu die Staaten dann die WTO als oberste Rechtsinstanz in Handelsstreitigkeiten geschaffen haben.

Sanktionen gegenüber Russland, dem Iran und anderen Staaten vonseiten der USA und der EU haben auch 2018 wenig gebracht. Die Konflikte bestehen weiter, die Staaten finden immer wieder Wege, sie mithilfe anderer Staaten zu umgehen (Iran) oder werden autark (Russland, China). Es wird also lange Zeit brauchen, um die Wirtschaftsbeziehungen und Lieferabkommen wieder zu beleben – falls die sanktionierten Güter dann überhaupt noch in den Ländern benötigt werden.

Deutsche Wirtschaft leidet

Und zwischen allen Fronten sitzt das exportabhängige Deutschland. Unsere Wirtschaft ist gleich mehrfach gestraft, total verunsichert und aufgerieben. Einerseits führen wir Exportgeschäfte aus den USA nach China und umgekehrt und andererseits befürchten unsere Unternehmen, dass der Bannstrahl aus dem Weißen Haus auch die Europäer trifft, trotz des Deals zwischen Trump und Juncker. Tausende Unternehmen, die Pläne für neue Werke im In- und Ausland in den Schubladen haben, verschieben diese deshalb immer wieder. Die Panik bei der Hortung von Ersatzteilen und anderen notwendigen Materialien sorgt für nicht planbare Kostensteigerungen. Das Ergebnis werden wir in den Bilanzen nächstes Jahr sehen. Die Flut von Gewinnwarnungen und ein nahezu ausgebombter DAX zum Jahresende geben einen Vorgeschmack.

Auch die EU tat nichts für eine positive Entwicklung

Die EU erwies sich im letzten Jahr als eine Gemeinschaft der Kompromisse, des kleinsten gemeinsamen Nenners. Die beklagenswerte Flüchtlingspolitik wollen wir dabei hier nicht betrachten; sie hatte keine Auswirkungen auf die Börsen.

Dafür hielt der Brexit die Märkte in Atem. Wir wissen zwar nicht, wie die Inselbewohner das noch geordnet bis Ende März 2019 hinbekommen wollen – alle Unternehmen auf beiden Seiten haben schon Notfallpläne ausgearbeitet –, aber letztlich hoffen auch alle darauf, dass sie nie zur Anwendung kommen mögen. Die vergeudete Zeit am Anfang der zweijährigen Austrittsverhandlungen fehlt jetzt am Ende. Das Problem wird uns also noch länger begleiten.

Auch die italienische Mitte-Rechts-Regierung versuchte lange Zeit, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen. Und wo endete das alles? Richtig, bei einem Kompromiss zwischen Brüssel und Rom. Die Märkte, speziell die Anleihemärkte, brachten die Römer zur Vernunft, oder auch nicht.

Und nun also zum Jahresende auch noch Frankreich: Eine Gelbe-Westen-Bewegung zerrte an den Nerven von Präsident Macron. Lange Zeit sah es so aus, als wenn die französische Regierung hart bleiben würde, immer das schon zu hohe Haushaltsdefizit vor Augen. Aber auch das ist nun nicht mehr wichtig, und so werden weitere Milliarden an Schulden aufgenommen. Kein Wunder, dass Macron eine Vergemeinschaftung der Schulden mit einem europäischen Finanzminister anstrebt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Bei dem scheidenden EU-Ratspräsidenten Jean-Claude Juncker rennt er damit offene Türen ein, und seit sie bekannt gab, dass sie auch nicht mehr lange im Amt sein wird, auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel. Da bleibt nur noch die Hoffnung, dass zumindest die wenigen vernünftigen Staaten Europas mit gesunden Haushalten ihr Veto gegen diesen Unsinn einlegen werden.Wir sehen also an diesen Beispielen: Das Jahr 2018 war ein Jahr der Zeitvergeudung für die Börsenplätze. Die deutschen Aktienindizes haben es entsprechend quittiert, wie jeder an den Indexständen zum Jahresende ablesen kann.weitere Nachrichten

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