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Das Dilemma mit der Energiewende

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Ein Herzstück des Koalitionsvertrages ist immer noch die Energiewende mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen. Trotzdem war der Bundeswirtschaftsminister in Katar, um dort aus den bekannten Gründen Erdgas einzukaufen. Naja, stopp, er kauft als Vertreter der Bundesregierung kein Erdgas ein, das blieb den 22 Vertretern der mitfliegenden Unternehmen vorbehalten, um dort Lieferverträge abzuschließen. Eine Nachfrage von „Focus Online“ Mitte Juli bei den großen deutschen Energieversorgern ergab, dass bislang keiner einen Liefervertrag mit dem Golfstaat abgeschlossen hat. Es waren wohl keine guten Angebote durch die Kataris dabei, die die mitgereisten Unternehmen von einer Vertragsunterzeichnung überzeugten. Ist nur gut, dass wenigstens andere Quellen zuverlässiger Gas liefern, beispielsweise USA, Kanada, Algerien, Angola und verschiedene andere Quellen. Und Russland liefert auch noch etwas. Dabei sollte das Erdgas eigentlich als Brückentechnologie die Energiewende begleiten. Nun, das ist nicht der einzige Stolperstein bei der groß angekündigten Energiewende.

Ok, werfen wir einen Blick auf die anderen groß angekündigten Pläne der Energiewende.

Um ihre großen Ziele zu erreichen, braucht die Ampel-Regierung jede Solaranlage auf jeder Fläche, die sie kriegen kann. Und in der Landwirtschaft gäbe es einige, die sich eigentlich eignen würden. Wären da nicht noch immer so viele bürokratische Hürden – und viel zu wenige Anreize. 30 Prozent des gesamten Strombedarfs sollen schon 2030 aus Solarenergie gedeckt werden. Das bedeutet eine Vervierfachung des Ausbaus in den nächsten acht Jahren. Die Schwierigkeiten beim Ausbau variieren dabei, je nachdem, um welche Art von Anlagen es geht. “Bei den Freiflächenanlagen werden die nutzbaren Flächen noch immer unnötig eingeschränkt und dadurch verknappt”, meint Thomas Seltmann vom Bundesverband Solarwirtschaft.

Oder erinnern wir uns an das Osterpaket, das Maßnahmenbündel zum schnelleren Ausbau der Erneuerbaren habe zwar Verbesserungen gebracht. Aber ob das ausreicht, um genug von diesen wichtigen, weil leistungsstarken Anlagen zu bauen, das zweifeln die Experten beim Solarverband an.

Ähnlich sieht es bei den Anlagen aus, die sich eine wachsende Zahl an Unternehmen auf ihre Fabrikhallen bauen lassen wollen. Dort ist der Ausbau in den vergangenen Jahren regelrecht eingebrochen. Vor allem, weil es sich für die Firmen finanziell nicht lohnte – die Vergütung war viel zu gering. Und auch die Behördendächer, egal auf welcher Ebene, sind noch zum großen Teil photovoltaikfrei.

Die Förderkonditionen sind zwar verbessert worden, aber in Habecks Ministerium haben die Beamten eine laufende Anpassung an die gestiegenen Kosten für Material und Kapital nicht bedacht. Eine permanente Anpassung dürfte zu dem am Veto des Bundesfinanzministers scheitern.

Die Förderkonditionen sind zwar verbessert worden, aber in Habecks Ministerium haben die Beamten eine laufende Anpassung an die gestiegenen Kosten für Material und Kapital nicht bedacht. Eine permanente Anpassung dürfte zu dem am Veto des Bundesfinanzministers scheitern.

Einen regelrechten Boom hingegen gab es zuletzt bei den privaten Solardächern, die jedoch weniger Strom erzeugen als große Anlagen. Der Andrang führte zum Teil zu langen Wartezeiten – hinzu kommt einmal mehr die Bürokratie, die mittlerweile doch viele Häuslebesitzer vom eigentlich geplanten Einbau abhalten dürfte. Die Reformen der Ampelkoalition schreiben vor, dass dieser Prozess nun standardisiert und digitalisiert werden muss. Allerdings erst im Laufe des Jahres 2025 und richtig, dann sind wieder Bundestagswahlen und wie danach die Bundesregierung aussieht, weiß heute noch niemand.

In kaum einem Bereich zeigen sich Deutschlands Ehrgeiz und Probleme so deutlich wie bei der Windenergie, ohne deren rasanten Ausbau die Energiewende nicht zu stemmen sein wird. Bundesweit sollen zwei Prozent für Windkraftanlagen bereitstehen. Einst weltweit führend, ist die deutsche Windkraftbranche in den letzten Jahren weit zurückgefallen. Der Ausbau in Deutschland ist zuletzt fast zum Erliegen gekommen, die Branche ist zunehmend abhängig von China und rutscht immer weiter in die wirtschaftliche Schieflage.

Wichtige Unternehmen wie unser Depotwert Siemens Gamesa oder Nordex schreiben tiefrote Zahlen – die akuten Lieferkettenprobleme und Rohstoffpreisanstiege sind u. a. Schuld. Im ersten Halbjahr 2022 ging kein einziges Windrad mehr ans Netz als im gleichen Zeitraum des Vorjahres: Ganze 238 Anlagen wurden 2021 deutschlandweit errichtet. Der Dreiklang Genehmigungsdauer, Flächenverfügbarkeit und Artenschutz ist noch immer Schuld daran. Und durchschnittlich sechs Jahre andauernde Genehmigungsverfahren sind ebenfalls für den Ausbau nicht gerade förderlich.

In der Industrie soll er das verpönte russische Gas ersetzen, auf Flüssen und Meeren die Schifffahrt ergrünen lassen und im Fernflugverkehr für ein reineres Gewissen und eine bessere Klimabilanz sorgen: Grüner Wasserstoff gilt überall dort als Heilsbringer, wo zu viel Energie benötigt wird, um fossile Brennstoffe einfach durch Strom zu ersetzen, beispielsweise in der Stahlindustrie. Angesichts der aktuellen Produktionskapazität von gerade einmal 0,06 Gigawatt scheinen die geplanten 10 Gigawatt jährlich bis 2030 unerreichbar. In der Branche hofft man dennoch auf größere Sprünge in den kommenden Jahren. Zahlreiche Vorhaben für Produktionsanlagen für grünen Wasserstoff sind zwar derzeit in Planung oder neu angekündigt und warten auf Förderzusagen der Bundesregierung oder der EU. Erst dann könne es richtig losgehen, sofern es bis dahin schnelle Zulassungsverfahren gebe und weder Lieferengpässe noch der Fachkräftemangel zu stark dazwischen grätschten. Und danach sieht es zurzeit nicht aus.

Geht es nach dem Willen von Bundesbauministerin Klara Geywitz soll 2024 Schluss sein mit dem Einbau reiner Gaswärmesysteme. Stattdessen setzt die Regierung vor allem auf Wärmepumpen: Sechs Millionen Geräte sollen schon 2030 Wohn- und Bürogebäude in Deutschland heizen – je nach Bauart mit Wärme aus Luft, Boden oder Grundwasser. Derzeit sind rund 1,5 Millionen der Heizpumpen angeschlossen. Vergangenes Jahr gingen 150.000 neu in Betrieb, schon 2024 sollen es 500.000 sein. Zwischen 14.000 und 28.000 Euro kosten Gerät, Einbau und Erschließung der neuen klimafreundlichen Technik. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, dem griff die Bundesregierung mit der Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude bis Ende Juli noch recht ordentlich unter die Arme. Aber im August ist schon wieder Schluss mit der großzügigen Förderung. Und natürlich auch hier wieder die altbekannten Probleme, Stichworte Fachkräftemangel, Lieferengpässe…

So wird das nichts mit der viel beschworenen Energiewende. Durch Deutschland und speziell seine Regierung muss endlich der vom ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog beschworene Ruck gehen. Lieber weniger ambitionierte Ziele setzen und diese auch verwirklichen können. Das sollte die Devise sein.