Ein weiterer Auslöser für den Kurssturz an den Börsen

Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC

Alles spricht von den gefährlichen Corona-Virus, der die Börsen der Welt crashen ließ. Stimmt, der Corona Virus oder auch Covid 19 genannt, war einer der Auslöser des Börsencrash. Dabei geht aber die Tatsache unter, dass es noch einen zweiten  Auslöser gibt. Und dieser liegt im Ölpreiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien, der auch die USA mit einbezieht.

Worum geht es bei der Auseinandersetzung?

Die OPEC, das immer schwächer werdende Erdölkartell, will die Preise am Ölmarkt weiter bestimmen. Auf Grund der  vielen erdölproduzierenden Länder, die nicht oder nicht mehr der OPEC angehören, muss das Kartell wenigstens ein wichtiges Land, dass das schwarze Gold fördert, mit an Bord nehmen.  Das Ganze nannte sich dann OPEC +, also in diesem Fall OPEC + Russland.

Auf einer Sondersitzung der OPEC hatte Riad von der OPEC+ unter Führung von Russland eine Beteiligung an einer weiteren Senkung der Erdöl-Förderung um 1,5 Millionen Barrel gefordert. Von der OPEC+ wurden 500.000 Barrel erwartet. Riad stellte ein Ultimatum an Moskau am Donnerstag mit Frist bis Freitag letzter Woche.

Russland lehnte als Allianzpartner der OPEC seit dem Jahr 2016 diese Einschränkung ab. Daraufhin kündigte Riad an, künftig seine Ölpreise um mindestens 10 Prozent zu kürzen und die Produktion massiv hochzufahren.

Die Öl- Future stürzten am Montag letzter Woche um rund 30 Prozent auf unter 28 US- Dollar je Fass für die Sorte West Texas Intermediate (WTI) ab – ein Rekord wie seit dem Jahr 1991 nicht mehr. Damals stürzte der Ölpreis ab, nachdem er vorher wegen der Krise am Persischen Golf, der Unsicherheit und dem UN-Boykott gegen irakisches und kuwaitisches Öl über Monate stark gestiegen war.

Allein schon dieser Rückgang hätte die Aktienkurse massiv abstürzen lassen, dazu kam dann noch die weltweite Verschärfung der Corona- Krise, eine entscheidende Gemengelage für den Crash.

Der Kampf geht auch gegen die USA.

So sehr die Saudis auch die USA als politische und militärische Schutzmacht und Wirtschaftspartner schätzen und wohl auch brauchen, beim Öl hört die Freundschaft des Könighauses auf.

Die USA ist auf dem Weg, mit Hilfe ihrer Fracking-Technologie die Saudis als führenden Erdölproduzenten in der Welt abzulösen. Das Problem ist dabei nur der Preis für ein Barrel Erdöl. Bei einem Preis von über 50 Dollar/ Barrel, lohnt sich das Fracking erst wirklich. Und jetzt ist er aktuell auf unter 20 Dollar gefallen für die Sorte WTI und unter 28 Dollar für die Sorte Brent. Das bedeutet, dass sich die Förderung wohl sehr lange nicht mehr für die US- Fracking Unternehmen rentieren wird. Zumal wir auch mit einer weltweiten Rezession in Folge der Corona-Krise zu rechnen haben, in der die Menge des benötigten Erdöls nicht so schnell wieder steigen wird.

Daher soll die vom saudischen Königreich verfolgte Politik zu einer weiteren Marktbereinigung führen und die USA aus dem Geschäft zu drängen. Wir werden sehen, ob diese Strategie erfolgreich sein wird.

Warum Russland die besseren Karten besitzt

Der russische Energieminister Alexander Nowak wies in der vergangenen Woche darauf hin, dass der Ölmarkt mehrere Monate brauchen wird, um sich von den gegenwärtigen Turbulenzen zu erholen. Er fügte hinzu, dass die fallenden Ölpreise für Russland keine Überraschung seien und dass Moskau eine weitere Zusammenarbeit mit der OPEC und den verbündeten Ölproduzenten nicht ausschließe. Das klingt ja durchaus versöhnlich aus dem Kreml. Denn der kann sich zurücklehnen.

Natürlich trifft der sinkende Preis auch Russland Wirtschaft und die Staatsfinanzen. Aber der Kreml hat sich in diesem Fall der Politik Trumps bedient. „Seien Sie bereit, kurzfristigen Schaden zu erleiden, wenn Sie glauben, dass Ihre Gegner gezwungen sein werden, nachzugeben.“

Schon zu Präsident Obamas Zeiten haben die USA versucht das Wüstenkönigreich auf ihre Seite zu ziehen, als es zur Konfrontation in Energiefragen zwischen den USA und Russland kam. Allerdings konnte Riad einem langen Preiskampf nicht standhalten und ging zu einer Strategie der Koordinierung mit dem Kreml über. Und so wird es auch dieses Mal enden.

Fazit:

Der niedrige Erdölpreis ist für die gebeutelte Weltwirtschaft ein großer Vorteil. Über langlaufende Future können Unternehmen wie bspw. die Lufthansa oder unser Depotwert Hapag Lloyd die niedrigen Preise für eine gewisse Zeit festschreiben und damit der Rezession etwas entgegensetzen.

Und es gibt noch einen Gewinner, die Kraftfahrer und die Besitzer einer Ölheizung, denn die Preise werden sinken, wenn auch nur für eine gewisse Zeit.

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