Facebook, unser Depotwert aus dem Bereich Megatrends – Das Urteil wird Facebook nicht umwerfen

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg führt dazu, dass wir uns wieder einmal mit dem Internetgiganten, unserem Depotwert Facebook, beschäftigen.

Worum geht es in dem Urteil?

Kurz gesagt darum, dass Facebook Daten von Nutzern aus der EU in die USA schickt. Diesen Datentransfer hat der Europäische Gerichtshof jetzt quasi unmöglich gemacht. Die USA bieten für personenbezogene Daten von EU-Bürgern bekannterweise keinen angemessenen Schutz, die Geheimdienste (bspw. NSA, CIA etc.) können jederzeit Zugriff auf die Daten nehmen. Das bisher geltende Abkommen “Privacy Shield”, das den Datentransfer in die USA bislang erlaubt, hat der Europäische Gerichtshof für ungültig erklärt. Unternehmen dürfen Personendaten von Europäern nur noch in Länder außerhalb der EU senden, wenn dort das Datenschutzniveau verglichen mit Europa “der Sache nach gleichwertig” ist. Wenn sie das nicht garantieren können, müssen sie den Transfer stoppen.

Es geht also nicht nur allein um Facebook, sondern um alle amerikanischen Unternehmen, die in Europa Daten sammeln, in den USA auf dortigen Servern speichern und auswerten (Amazon, Google, Microsoft, Apple etc.).

Damit ist die Geschäftsgrundlage von vielen US- Giganten empfindlich gestört, zumindest im Bereich der EU.

Wo ist der Ausweg aus dem Dilemma?

Personenbezogene Daten von EU-Bürgern dürfen in Länder außerhalb der EU exportiert werden, wenn eine von zwei Bedingungen erfüllt ist. Die EU-Kommission stellt in einem Beschluss fest, dass dort angemessener Datenschutz gewährleistet ist oder alternativ das Unternehmen garantiert, dass bestimmte Datenschutzstandards eingehalten werden.

Die zuständige irische Datenschutzbehörde und der Zuckerberg-Konzern wickelt seine europäischen Geschäfte über die Facebook Ireland Ltd ab und hätte schon längst die Datenströme kappen müssen, ist sich der österreichische Kläger Max Schrems sicher. Der EuGH gab ihm recht, Facebooks Garantien seien nicht viel wert, wenn das Unternehmen in den USA gezwungen werden könne, personenbezogene Daten der NSA und dem FBI zugänglich zu machen.

Nun muss ein neues Datenschutzabkommen mit den USA ausgehandelt werden. Schwierige Sache, egal wer die nächste Wahl gewinnt. Die USA bestehen darauf, alles zu kontrollieren und geheimdienstmäßig auszuwerten. Wir werden sehen, welche Ergebnisse die Verhandlungen bringen. Und im Übrigen gilt das Problem genauso für andere außereuropäischen Datenkraken, wie zum Beispiel die chinesischen Internetgiganten Alibaba, Tencent, Huawei etc.

Aber keine Sorge, so schnell wird sich auch nach dem Urteil nichts ändern, zumal es in Europa keine solchen großen Server gibt.

Das Zahlenimperium Facebook

Schauen wir uns die Zahlen von Facebook an, so stellen wir fest, Facebook verdient immer noch prächtig. Der Jahresumsatz betrug 2019 70,7 Milliarden Dollar. Das bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 26,6 Prozent. Damit verdiente Facebook 57,9 Milliarden Dollar, ein Wachstum von 24,6 Prozent. Wenn man sich aber die Wachstumsraten von 2013 bis 2019 ansieht, dann ist das jährliche Wachstum kontinuierlich gesunken, auch wenn es immer noch zweistellig ist. Der Gewinn je Aktie sank 2019 erstmals auf 6,48 Dollar/Aktie (2018: 7,65 Dollar/Aktie). Auch wenn die Nutzerzahlen weiter ansteigen ist die Dynamik doch gebrochen.

Aber Facebook ist ein Corona-Gewinner! Der Umsatz im ersten Quartal stieg im Jahresvergleich um 18 Prozent auf 17,7 Milliarden Dollar (Analystenkonsens: 17,3 Milliarden Dollar). Der Gewinn je Aktie konnte um 101 Prozent auf 1,71 Dollar zulegen (Analystenkonsens: 1,72 Dollar je Aktie). Insgesamt konnte sich der Quartalsgewinn auf 4,9 Milliarden Dollar verdoppeln. (Allerdings war das Vorjahresergebnis von einer Rückstellung in Höhe von drei Milliarden Dollar in einem Rechtsstreit mit der US-Aufsichtsbehörde FTC belastet worden). Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer bei Facebook stieg im ersten Quartal um 100 Millionen auf 2,6 Milliarden. Üblicherweise gewinnt das Online-Netzwerk pro Quartal um die 50 Millionen Nutzer hinzu. Täglich kamen 1,73 Milliarden Nutzer zu Facebook.

Der Kurs der Aktie startet zum Jahresbeginn mit 186,00 Euro, erreicht seinen Tiefpunkt bei 125,98 Euro und seinen Höchststand mit 231,50 Euro. Aktuell schwankt das Papier um die 208 Euro.

Es liegen 10 Analysteneinschätzungen vor, neun sagen „kaufen“ und eine empfiehlt „verkaufen“. Das Durchschnittsziel  der Finanzexperten liegt bei 249,56 Dollar, wobei die Schwankungsbreite von 178 Dollar (HSBC) bis  305 Dollar (CreditSuisse) reicht. Alle Einschätzungen haben die Auswirkungen des jüngsten Urteils noch nicht berücksichtigen können.

Fazit:

Solange die Party weitergeht, ist Facebook ein Wachstumswert, den wir weiter halten werden. Zu denken geben sollte allerdings, dass das Wachstum nicht unendlich ist. Der Start der geplanten Libra- Währung (wir haben darüber berichtet!) verzögert sich weiter, die relevante Werbezielgruppe Jugend hat andere Plattformen jenseits von Facebook gefunden. Noch stimmen die Zahlen, die Auswirkungen des oben besprochenen Urteils sind noch nicht absehbar. Wir werden verstärkt darauf achten müssen.

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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