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Zinsen, Zinsen, Zinsen – nur wo sind sie denn? Wir haben trotzdem eine Alternative Teil 2

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Da hätten wir als erstes ein Angebot der Kundenberater, die in der Nullzinsphase fast in der Versenkung verschwundenen Geldmarktfonds, aber jetzt in den Bankvertrieben eine Wiederauferstehung feiern. Die Geldmarktfonds sind ein beliebtes Produkt für die Vertriebe. Meist werden diese von den eigenen Instituten selbst emittiert und vom Vertrieb dann vordergründig empfohlen. Ok, Geldmarktfonds sind transparenter, günstiger und weniger riskant als beispielsweise Zertifikate. Doch ihre Rendite (wohlgemerkt!) in der Nähe des Einlagensatzes wird bedauerlicherweise auch nicht ohne Nachteile verkauft.

Geldmarktfonds versprechen höhere Zinsen als die meisten Bankeinlagen, dazu weniger Kursschwankungen und viel Sicherheit. Kein Wunder, dass Ende Juni 5,1 Billionen Euro dort investiert waren. Die Produkte wurden jahrelang durch institutionelle Anleger und Unternehmen nachgefragt. Und sind jetzt plötzlich auch wieder für die Privatanleger der Banken gefragt. Die zwei Gründe sind dafür schnell gefunden. Zum einen die Vertriebsanstrengungen der Kreditinstitute und zum anderen eben auch die Rendite. Die Rendite orientiert sich am sogenannten Referenzzins Euro Short Term Rate (€STR). Er wird täglich von der EZB auf Basis realer kurzfristiger Transaktionen zwischen 34 Banken der Eurozone berechnet und erst seit vier Jahren als Ersatz für den nicht ganz unumstrittenen Tagesgeldsatz Eonia verwendet.

Nach der jüngsten EZB-Zinsentscheidung notierte der €STR Anfang August bei immerhin 3,66 Prozent. Klassische Geldmarktfonds orientieren sich bei der Rendite am EZB-Einlagenzins (aktuell 3,75 Prozent), parken das Geld aber nicht in Frankfurt, sondern investieren es am Kapitalmarkt in einen kurzfristigen Anleihen-Mix. Das ist richtig, denn kurzfristige Anleihen haben ein geringeres Kurs- und Zinsänderungsrisiko.

Das klingt erst einmal gut, obwohl die Differenz zwischen EZB-Zinssatz von 3,75 Prozent und dem ermittelten Zinssatz von 3,66 Prozent noch vorhanden ist.

Aber risikofrei ist die Anlage leider auch nicht. Die einzelnen Anleihen im Fonds können an Wert verlieren, wenn ihre Emittenten (Staaten und Unternehmen) in Schwierigkeiten geraten. Und dass die Staatenratings auch nicht in Stein gemeißelt sind, haben wir der Herabstufung der USA gesehen, auch wenn diese keine Anleihen-Schwankungen im großen Stil hervorgerufen haben. Bei Unternehmensanleihen wäre sich da ihr Autor nicht so sicher.

Deutlich schwerer ist ein anderes Risiko zu bewerten. Viele Anleger betrachten einen Geldmarktfonds quasi als bargeldähnliches Instrument und denken, wenn Geld benötig wird, dann verkaufen wir einfach einige Anteile und können über das Geld morgen verfügen. Aber schon aus dem bisher gesagtem geht hervor, dass das nicht immer funktionieren muss. Nicht immer sind die Anlagen zuverlässig liquide und das speziell in Stresssituationen. Das gilt u. a. für Commercial Papers, die oft nicht am Markt gehandelt werden und dann bis zum Ende Laufzeit gehalten werden müssen und nicht zwischendurch in Cash umgewandelt werden können, wie Anleihen. Wie gesagt, es kann dadurch bei einem gestressten Markt durchaus zu einem Liquiditätsengpass kommen, speziell bei einem Run auf Geldmarktfonds. Seit dem Jahr 2000 ist das öfter der Fall, warnt die Fed.  

Und meistens gehen die bisherigen Sparer dann auch noch davon aus, dass für die Geldmarktfonds die Einlagensicherung wie beim Tages- und Festgeld eventuelle Totalverluste ersetzt. Die gesetzliche Einlagensicherung greift hier nicht, demzufolge ist der Privatanleger den Risiken des Marktes ausgesetzt.

Und wer bisher nur in Tages- und Festgeld gespart hat, denkt automatisch, dass Geldmarktfonds keine weiteren Kosten verursachen. Dem ist bei weitem nicht so, denn der Bankberater spricht die Kosten schon an, mit einer Gesamtkostenquote für den erworbenen Fonds in Höhe von beispielsweise etwa 0,1 bis 0,4 Prozent klingen sie eher vernachlässigbar. Aber die müssen wir von den oben im Beispiel angeführten 3,66 Prozent noch abziehen. Und für die Fonds brauchen Anleger außerdem ein Depot, dass von Bank zu Bank unterschiedliche Kosten verursacht. Ebenso sind Handelskosten bei Fonds zu beachten, die auch an der jetzt doch recht spärlich aussehenden Rendite zehren.

Ja, und unser Bankberater hat aber noch mehr in der Hinterhand, dass er ebenso als ungefährlich und äußerst renditeträchtig anpreist. Er weiß, bei Sparern, die bisher die herkömmlichen Sparformen nutzen, sind Aktien nicht der große Knaller. Sonst hätten sie ihr Kapital längst umgeschichtet. Und was macht er, um die Sparer für eine neuartige Aktienanlage zu gewinnen? Nein, Irrtum, keine Aktienempfehlungen oder Aktienfonds. Die Anleger sollten doch bitte überlegen, dass Zertifikate das beste Instrument für sie sind.

Und dass die Anlageberater auf diesem Weg sehr aktiv sind, sehen wir an den Zahlen des DDV (Deutscher Derivate Verband). Rund 106 Milliarden Euro flossen per 31.5 2023 in diese Anlageform.

 Aber sind sie wirklich das Nonplusultra für Sparer?

Zinsen, Zinsen, Zinsen – nur wo sind sie denn? Wir haben trotzdem eine Alternative Teil I

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Der wichtigste Leitzinssatz der Europäischen Zentralbank liegt seit 2. August 2023 bei 4,25 Prozent. Ende Juli 2023 hatte der EZB-Rat beschlossen, alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte zu erhöhen.

Das müsste eigentlich bedeuten, wenn Sparer in die Banken kommen, dass die Berater sie dort mit Zinsangeboten für Tages- und Festgeld überschütten, eins besser als das andere. Nur ist dem nicht so, leider!

Beim Tagesgeld hat sich der Zinsanstieg zuletzt etwas verlangsamt, obwohl wir nun wirklich keine exorbitanten Steigerungen in der Vergangenheit feststellen konnten. So legten die durchschnittlichen Zinsen aller verglichenen Banken im Juli 2023 gegenüber dem Vormonat von 1,24 Prozent um 8,06 Prozent auf 1,34 Prozent pro Jahr zu. 

Beim dreijährigen Festgeld liegen die Bestzinsen aktuell bei über 4 Prozent pro Jahr. Nur bedeutet es, dass die Sparer der Bank das Kapital für drei Jahre zur Verfügung stellen müssen, ohne die Möglichkeit zu haben, auf das angelegte Kapital zurückgreifen zu können. Oder wenn, dann nur mit Verlusten.

Verluste sind aber leider vorprogrammiert. Egal, ob Sparer nun bei ein Prozent Tagegeld oder vier Prozent Festgeld zuschlagen. Warum ist das so? Im Juli 2023 lag die Inflationsrate laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts bei 6,2 Prozent. Der Realzins (Sparzins minus Inflationsrate) ist also weiterhin negativ, egal wie hoch die angebotenen Zinssätze der Banken sind.

Aber um das Thema Zinsen weiter zu vertiefen, die Entwicklung der Bauzinsen verläuft etwas anders: Baukredite haben sich bereits in der ersten Jahreshälfte 2022 drastisch verteuert. Seit Oktober 2022 laufen die Bauzinsen aber in Wellenbewegungen seitwärts und schwanken zwischen etwa 3,5 und 4,5 Prozent. Im August 2023 sind die Bauzinsen leicht gestiegen. Der Zinssatz für die meisten Zinsbindungsfristen liegt nahe oder über 4 Prozent. Auf Sicht von einigen Monaten könnten die Bauzinsen durchaus noch etwas steigen. Den Zinsgipfel sehen Experten zwischen vier und fünf Prozent.

Was Kontoinhaber auf ihrem Girokonto bezahlen, wenn sie es geduldet überziehen, dass sollte bitte vorher gecheckt werden. Sie finden die Zahlen auf ihrem Kontoauszug meist kleingedruckt. Bei Ratenkrediten hängt es wiederum von der Bonität des Kreditnehmers ab, wie viel ein Kredit kostet. Aber diese Zinssätze liegen im Vergleich zu den Anlagezinsen Jenseits von Gut und Böse.  

Aber zurück zu den Anlagezinsen und Banken, die wieder Geld scheffeln, während sie beispielsweise auf das Tagesgeldkonto nur mickrige 0,375 Prozent Zinsen zahlen, können sie das gleiche Geld über Nacht bei der EZB anlegen und erhalten dafür das zehnfache an Zinsen, aktuell 3,75 Prozent Zinsen auf das dort geparkte Kapital. Kein Wunder, dass die Gewinne der Banken und Sparkassen geradezu explodieren. Die Deutsche Bank beispielsweise steigerte im ersten Halbjahr 2023 die Erträge im einheimischen Privatkundegeschäft um 15 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Nur zum besseren Verständnis, für ein marketingtechnisch so genanntes Flexgeldkonto (Tagesgeldkonto) zahlten die Banker den Inhaber nur ein Prozent Zinsen und noch mehr blieb bei dem in Sparcard umbenannten Sparbuch mit einem Zinssatz 0,25 Prozent bei der Bank hängen. Das ist übrigens nicht nur bei der Deutsche Bank so, sondern auch bei anderen Banken und Sparkassen stehen die Zinssparer vor dem gleichen Dilemma.

Nun sind unsere Sparer doch gut informiert, denn die Medien berichten schließlich sehr viel über die Zinsentscheidungen der EZB. Und so wird dem einen oder anderen klar, wie sehr er über den Tisch gezogen wird. Schließlich greifen die Kreditinstitute bei Gebühren (z. B. Kontoführung) genügend ab. Diese Gebühren wurden im Zuge der Null-Zins-Phase massiv erhöht. Nur von einer Senkung, jetzt wo diese Phase vorbei ist, merken Bankkunden rein gar nichts. Hierauf sollte die Bafin als Aufsichtsbehörde stärker den Fokus richten. Das nur nebenbei bemerkt.

Wenn also unsere informierten Kunden nach mehr Zinsen fragen, dann senkt der Bankberater den Blick und sieht eine Weile  überlegend auf die Papiere oder den PC vor ihm und bemerkt psychologisch und strategisch geschickt geschult: „Ja, da gibt es schon noch etwas, womit Sie Ihre Zinsen etwas aufbessern können.“

Die Banken und Sparkassen machen als ihren Kunden durchaus bessere „Zins“angebote. Aber das sind dann eben keine klassischen Sparangebote. Klassische Sparanlagen sind bekanntlich Anlagen ohne Kursrisiko und Einlagensicherung bei den verschiedenen gesetzlich vorgeschriebenen Sicherungseinrichtungen.

Angeboten wird meistens genau das Gegenteil. Bankprodukte, die nur nach einer sicheren Geldanlage klingen, aber es längst nicht sind. Außerdem sind sie mit hohen Gebühren belastet, welche neben der Inflation die Rendite weiter aufzehren.

Börsenwissen: Vier wichtige Kennzahlen für Markteilnehmer

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

EBT, EBIT, EBITA und EBITDA – nein, das hat nichts mit E-Autos zu tun und ist auch nicht die Lösung des neuesten Buchstabenrätsels, sondern es handelt sich um Kennzahlen aus den Bilanzen der Unternehmen. Wir haben es hier mit finanziellen Kennzahlen zu tun, die bei der Untersuchung der Profitabilität von Unternehmen angewendet werden. Dabei haben sich EBT, EBIT, EBITA und EBITDA zu allgemein anerkannten Standardbewertungsverfahren entwickelt, die auch an der Börse ständig anzutreffen sind.

Und auch wir greifen oft in unseren Newslettern bei unseren Unternehmensvorstellungen und Updates auf sie zurück. Doch nur die wenigsten Anleger wissen genau, was sich dahinter verbirgt. Und da im September die Rückkehr an die Märkte erfolgt, wollen wir uns damit beschäftigen.

Damit alle stets über das gleiche sprechen, wenn von EBT, EBIT, EBITA und EBITDA die Rede ist, werden diese in den internationalen Rechnungslegungsvorschriften für Unternehmen, den International Financial Reporting Standards (IFRS) definiert. Und das natürlich im schönsten Buchhalterdeutsch respektive Buchhalterenglisch (bleiben Sie bitte trotzdem dabei!).

Dadurch soll vor allem wie schon eingangs gesagt, eine Vergleichbarkeit der Unternehmen in Bezug auf ihre Profitabilität erreicht werden, egal in welcher Branche sie tätig oder in welchem Land sie ansässig sind. 

EBT

Vergleichbar mit einer Pyramide bildet das EBT = Earnings Before Taxes, auf Deutsch der Gewinn vor Steuern, dabei quasi das Fundament. Im Vergleich zu den folgenden Kennzahlen wird das EBT seltener angewendet. Die Kennzahl kann zum Vergleich von zwei Unternehmen, die aus der gleichen Branche stammen, aber an unterschiedlichen Orten ansässig sind und damit eventuell unterschiedlich hohe Steuern zahlen müssen, angewendet werden. Durch das Nichtberücksichtigen der individuellen Steuerlast wird eine Vergleichbarkeit gewährleistet. Doch das EBT kann also nur ein erster Schritt bei der Überprüfung der Profitabilität von Unternehmen sein.

EBIT

Denn neben den Steuern spielen auch die Zinsen eine wichtige Rolle. Wenn sich Unternehmen Geld leihen, müssen sie dafür Zinsen zahlen, egal ob sie das Kapital bei den Banken oder von privat aufnehmen oder selbst Unternehmensanleihen begeben. Die Zinslast kann sich jedoch erheblich unterscheiden, was wiederum abhängig ist vom Standort oder dem Zeitpunkt der Aufnahme von Krediten. Wir erinnern hier nur daran, dass die Zeit der niedrigen Zinsen vorbei ist. Diese beinträchtigen natürlich erheblich den Erfolg eines Unternehmens – ja und Konzerne sind schon aufgrund ihrer Zinslast in Konkurs gegangen, sagen aber trotzdem erst einmal wenig über seine Profitabilität aus. Darum gibt es das EBIT = Earnings Before Interest and Taxes, auf Deutsch der Gewinn vor Zinsen und Steuern. Das EBIT wird auch als operativer Gewinn oder ordentliches Betriebsergebnis eines Unternehmens bezeichnet. 

EBITA

Beim EBITA, dem nächsten Schritt werden nicht nur Zinslast und Steuern heraus gerechnet, sondern auch Abschreibungen auf immaterielle Wirtschaftsgüter, auf gut Englisch „amortization“. EBITA = Earnings Before Interest, Taxes and Amortization. Nun stellt sich die Frage, was sind Abschreibungen auf immaterielle Wirtschaftsgüter? Typische Beispiele für immaterielle Wirtschaftsgüter sind etwa Lizenzen, Patente, Nutzungsrechte und EDV-Software. Entgegen den materiellen Wirtschaftsgütern (konkrete Maschinen, Gebäude etc.)  sind immaterielle Wirtschaftsgüter körperlich nicht fassbar. Sie stellen jedoch einen wirtschaftlichen Wert dar, der selbstständig bewertbar ist. Häufig verlieren immaterielle Wirtschaftsgüter im Laufe der Zeit auch an Wert. Dieser Wertverlust wird dann von der Buchhaltung des Unternehmens abgeschrieben.

EBITDA

Wir haben es schon gesagt, auch materielle Güter werden abgeschrieben. Auf Englisch werden diese Abschreibungen als „depreciation“ bezeichnet. Damit ergeben sich die Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization, kurz EBITDA. Mit dem EBITDA bleiben alle wichtigen Faktoren, die den Gewinn verändern und die Vergleichbarkeit der Profitabilität von Unternehmen erschweren, unberücksichtigt. Das EBITDA betrachtet die Rentabilität der operativen Zweige eines Unternehmens noch genauer, da Zinsen, Steuern und Abschreibungen (von materiellen wie auch immateriellen Gütern) nicht in der Rechnung vorkommen. Das EBITDA gewährt somit einen genauen Blick auf den Ertrag der Firmenaktivitäten eines Unternehmens und stellt eine Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen entweder aus derselben oder einer anderen Branche länderübergreifend her. Deswegen wird das EBITDA sehr gerne an der Börse von den Anlegern angewendet, um ihre Favoriten zu benennen. Unternehmen mit einem vergleichsweise starken EBITDA werden dabei bevorzugt. 

Aber auch das EBITDA hat einen Haken, den wir nicht verschweigen wollen. Da Steuer- Zinslast und Abschreibungen unberücksichtigt bleiben, verfälscht das am Ende den tatsächlichen Gewinn eines Unternehmens. Mehr noch, selbst Unternehmen mit einem guten EBITDA können am Ende Probleme haben, wenn alle Einflussfaktoren berücksichtigt werden. Das EBITDA ist also, wie das EBT, das EBIT und das EBITA auch, nur eine Kennzahl, die bei der Bewertung eines Unternehmens eingesetzt wird und eine Vergleichbarkeit zu anderen Unternehmen herstellt, aber sie ist eben nur eine Kennzahl von vielen, die für eine Kaufentscheidung wichtig sind, aber kein Alleinstellungsmerkmal für unsere Kaufentscheidung darstellen sollten.

Börsenwissen: Was bringt die neue China Strategie? Teil III

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Klar, teurere Alternativen zum Produzenten China gibt es natürlich. Kanada, Japan, Südkorea, die Slowakei und die USA sind Produzenten von Gallium, welches teilweise durch Recycling gewonnen wird. Bei Germanium ist das schwieriger, es wird aber auch in Kanada, Russland und den USA hergestellt. Aber wir dürfen hier wie gehabt wiederum von Schwierigkeiten auf Grund langfristiger Lieferverträge und Preiserhöhungen ausgehen. Wir kennen das bereits von der Erdgaskrise, dass durch teures Flüssiggas ersetzt wurde, im vergangenen Jahr. 

Eine andere Alternative wäre, wir nehmen unser eigenes Germanium. Wir hatten und haben das wertvolle Element, bei uns wurde es ja entdeckt. Aber dazu müssen wir uns von der Idee verabschieden aus der Kohle auszusteigen. Für die Grünen in der Bundesregierung unvorstellbar. Braunkohle ist der dreckigste aller Brennstoffe – und gleichzeitig einer der wertvollsten. Warum? Verfeuern Kraftwerksbetreiber eine Tonne Braunkohle, setzen sie damit neben dem schädlichen Kohlendioxid auch andere Rohstoffe frei. Aus der Asche, die weltweit jedes Jahr bei der Verfeuerung von 7,8 Milliarden Tonnen Kohle anfällt, lassen sich bis zu 10.000 Tonnen Uran und ganze 93.000 Tonnen Germanium gewinnen. Beim aktuellen Preis von gut 1.470 Euro für ein Kilogramm des Elements (Stand 9. Juli 2023), hätte diese Menge einen Wert von mehr als 136 Milliarden Euro. Knapp ein Drittel des heute auf dem Weltmarkt angebotenen Germaniums wird Angaben der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) zufolge deshalb aus Kohle gewonnen.

In Russland, uns leider auch nicht mehr so freundlich gesonnen wie einst, finden sich knapp die Hälfte der globalen Germanium-Reserven und –Ressourcen in Höhe von insgesamt 35.600 Tonnen. Die Volksrepublik China verfügt über ein weiteres knappes Drittel der Vorkommen. Nachdem das Land seine Germanium-Förderung in den vergangenen Jahren massiv ausgeweitet hat, kontrolliert China heute allerdings 65 Prozent des Weltmarktes für den Rohstoff. Mit weitem Abstand folgt Russland mit 4,6 Prozent. Andere Länder machen zusammen gut 30 Prozent der Raffinade-Produktion aus. Rohstoffkonzerne gewinnen das Element außer aus Asche vor allem als Nebenprodukt des Zink – sowie manchmal des Kupferabbaus. Laut der USGS werden aber nur etwa drei Prozent des in Zinkerzen vorhandenen Germaniums abgebaut.

Da werden unser Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sowie seine Nachfolger, egal von welcher Partei, noch schwere Probleme in Zukunft bekommen. Zumal die weltweiten Reserven bei heutigen Verbrauchsannahmen nur noch 200 Jahre reichen.

Mit Gallium sieht es nicht besser aus. Elektronikgeräte und LED´s sorgen für einen weltweit steigenden Bedarf am begehrten Halbmetall, dessen Produktionskapazität sich seit 2010 verdreifacht hat. Und über 80 Prozent der Kapazitäten liegen dabei in China.

Eine Wiederaufnahme der Primär Gallium-Produktion hierzulande wurde 2021 angekündigt,  aber wie bisher immer nach großen Ankündigungen, noch nicht umgesetzt. Lieferketten zu diversifizieren ist eine teure und langwierige Angelegenheit. In der Zwischenzeit leidet die Wirtschaft und die Konsumenten zahlen höhere Preise, müssen länger auf Endprodukte warten. Manche Länder wie die USA, Japan und Südkorea haben staatliche Vorräte eines oder beider Minerale angelegt. Und nach Deutschland brauchen wir gar nicht zu fragen. Die Ampelregierung hat zwar eine neue Chinastrategie völlig übereilt beschlossen, aber es dabei versäumt, vorher eine ausreichende staatliche Reserve, der so exorbitant wichtigen Rohstoffe, anzulegen.

Die chinesischen Exportkontrollen stellen eine bedeutende Eskalation im Technologiekrieg zwischen China und dem Westen dar. Es besteht Grund zur Sorge, dass dies erst der Anfang ist. Denn China dominiert den Weltmarkt für Rohstoffe für High-Tech-Produkte und die EU ist zu über 90 Prozent von Lieferungen aus der Volksrepublik abhängig.

Aktuell handelt sich derzeit nur um eine Exportkontrolle, noch nicht um ein Exportverbot. Wer sich gut mit China stellt, dürfte wohl weiter beliefert werden. Auch sei es nicht im Interesse Chinas den Handelskrieg weiter anzufachen, meinen Experten. Denn Gallium und Germanium könnte langfristig auch mit hohen Kosten und Investitionen in Deutschland hergestellt werden, während es für China schwieriger sein dürfte, selbst Hochtechnologie zu produzieren. Nur China hat noch mehr Druckmittel in der Hand als Deutschland bzw. Europa. Und das ist teilweise sogar selbst verschuldet z. B. die Solarindustrie. Deutschland war einmal Weltmarktführer. Aber das Desinteresse der damaligen deutschen CDU-geführten Bundesregierung an der Beibehaltung der Weltmarktführerschaft hat dazu geführt, dass es in Deutschland keine nennenswerte Solarindustrie mehr gibt. Auch hier ist unsere Energiewende abhängig von dem Reich der Mitte (wir haben darauf mehrfach schon hingewiesen).

Auch das Prestigeprojekt der chinesischen Neuen Seidenstraße hat durch den italienischen Austritt einen weiteren Dämpfer erhalten. Und jetzt hat die Meloni-Regierung in Rom berechtigterweise Angst vor den Reaktionen aus Peking. Wie wir bereits damals bei der Vorstellung des Projektes geschrieben haben, sollte die Neue Seidenstraße im Hafen von Duisburg enden. Auch wenn es mit dem Projekt nicht so richtig vorangeht, muss die Bundesregierung genau darüber nachdenken, ob sie der römischen Regierung folgt.

Und wenn wir einmal beim Nachdenken sind, wäre es doch ein gutes Ergebnis, wenn Deutschland die ganze Chinastrategie noch einmal überarbeiten bzw. ganz still und leise in der Versenkung verschwinden lässt. Die Wirtschaft und die unter den Mehrkosten stöhnenden Bürger unseres Landes würden es mehrheitlich sicher begrüßen.

Die schleichende Deindustriealisierung – Weckruf an die politisch Verantwortlichen

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Deutschland war immer ein Industrieland. Der Automobilbau, der Maschinebau, die chemische Industrie etc. bildeten ein Rückgrat für Jahrzehnte andauerndes Wachstum und Wohlstand im stark vom Mittelstand geprägten Deutschland. Das zog Auslandsinvestitionen nach sich. Deutschland hat stets ausländisches Kapital angezogen, mit oder ohne Subventionen des Staates.

Wenn die Politik sich selbst feiert für ihre kluge Subventionspolitik, dürfte das manchem Unternehmen sauer aufstoßen und dagegen hilft leider kein Kräuterlikör.

Ja, wir haben es geschafft Intel mit hohen Beihilfen nach Deutschland zu locken und auch unser Depotwert TSMC hat Interesse an einer Investition in Dresden gezeigt (natürlich locken hier die gleichen Subventionen). Und vielleicht wird sich auch noch das eine oder andere ausländische Unternehmen mit Geld nach Deutschland locken lassen.
Der Trend geht dennoch in eine andere, uns nicht genehme und damit gefährliche, Richtung.

Im vergangenen Jahr seien rund 132 Milliarden US-Dollar (125 Milliarden Euro) mehr Direktinvestitionen aus Deutschland abgeflossen, als aus dem Ausland in Deutschland investiert wurden. Der Saldo beschreibt also die Differenz zwischen Investitionen deutscher Unternehmen im Ausland und ausländischer Unternehmen in Deutschland. 125 Milliarden Euro stellten „die höchsten Netto-Abflüsse dar, die jemals in Deutschland verzeichnet wurden“, teilte das Institut für Deutsche Wirtschaft (IW) in einer neuen Studie mit.

Und wenn die politisch Verantwortlichen sich herausreden, das die Ereignisse der letzten zwei, drei Jahre dazu beigetragen haben für die niemand etwas konnte, dann gibt die Studie auch hier einen wichtigen Hinweis. Die negative Entwicklung für Deutschland habe bereits vor der Corona-Pandemie mit ihren Lieferengpässen und Russlands Krieg gegen die Ukraine und den steigenden Energiepreisen begonnen.

Der Grund für den Rekord-Abfluss 2022 liege in den geringen ausländischen Investitionen in Deutschland. Sie seien nach Zahlen der Industrieländer-Organisation OECD fast vollständig eingebrochen: 2022 hätten ausländische Unternehmen nur noch rund 10,5 Milliarden Euro direkt in Deutschland investiert. Deutsche Unternehmen hätten dagegen fast 135,5 Milliarden Euro im Ausland investiert. „Besonders alarmierend dabei ist, dass gerade die Investitionen von europäischen Nachbarn eingebrochen sind“, urteilt das IW. Gleichzeitig seien fast 70 Prozent der Investitionen aus Deutschland in europäische Staaten geflossen. Bedeutet eigentlich nichts anderes, als das die Verwertungsbedinungen, sprich Rendite des investierten Kapitals, in Europa bei weitem besser sind als in der Heimat.

Warum das so ist, darauf haben wir schon mehrfach in unseren Beiträgen hingewiesen:

Zum einen der Fachkräftemangel: Der Mangel an Arbeits- und Fachkräften belaste Unternehmen enorm. In einer Umfrage hätten 76 Prozent der Firmen im industriellen Mittelstand Arbeitskosten und Fachkräftemangel als größte Herausforderung genannt – noch vor hohen Energiepreisen und zunehmender Bürokratie. Und wenn jetzt die Fachkräfte nach Deutschland strömen sollen, nur weil wir ein neues Fachkräftezuwanderungsgesetz verabschiedet haben, trifft dieses Gesetz bekanntlich nicht unbedingt auf die Gegenliebe der Unternehmen, der hiesigen Bevölkerung und auch der internationalen Fachkräfte selbst.

Weiterhin die Subventionen im Ausland: Programme wie der berühmte Inflation Reduction Act in den USA machten Investitionen außerhalb Deutschlands attraktiver. Bei ähnlichen europäischen Initiativen wie dem NextGenerationEU-Programm fließe das meiste Geld an Deutschland vorbei. Fakt ist dabei, dass die Gelder der EU zum großen Teil aus Deutschland stammen. Deutschland ist der größte Nettozahler in den EU-Haushalt.

Der Bedeutungsverlust der deutschen Autoindustrie. „Mit dem Wegfall des Verbrennungsmotors verliert die deutsche Wirtschaft ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal in ihrer Schlüsselindustrie“, warnt das IW. Den internationalen Trend in der Automobilindustrie weg vom Verbrenner zu anderen Antriebsarten haben die Manager, aber leider auch die Anleger und Investoren, verschlafen. Und damit meinen wir nicht die Kleinanleger…

„Die Investitionsbedingungen in Deutschland haben sich aufgrund der hohen Energiepreise und des zunehmenden Fachkräftemangels zuletzt noch einmal verschlechtert“, sagt IW-Ökonom Christian Rusche. Er kritisiert, dass viele Probleme hausgemacht seien und nennt als Beispiele „hohe Unternehmenssteuern, ausufernde Bürokratie und eine marode Infrastruktur“. Auch darauf haben wir schon häufig in unseren Beiträgen hingewiesen.

Als Anleger betrachten wir die schleichende Deindustrialisierung mit Sorge, da sie mit einer Minderung des Wohlstades einhergeht. Worüber wir uns keine Sorgen machen müssen, ist die Rendite unseres investierten Kapitals. Wenn die Unternehmen Deutschland verlassen, dann ist es an der Zeit, mit dem Kapital auch ins Ausland zu gehen. Das beste Beispiel ist unser Depotwert Linde, dem wir ins Ausland gefolgt sind. Und haben wir etwas gemerkt davon, dass der Umzug ins Ausland mit dem schlussendlichen Delisting an der Frankfurter Wertpapierbörse irgendeinen gravierenden Nachteil für uns als Anleger hatte? Die Antwort darauf ist nein.

Die IW-Studie sollte der deutschen Politik endlich die Augen öffnen, egal welche Farbkonstellation gerade in Berlin regiert. Ändern sich die Bedingungen in Deutschland, dann wird auch das Kapital zurückkehren.

Börsenwissen: Was bringt die neue China Strategie? Teil II

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Das wir uns schon wieder mit der neuen deutschen Chinastrategie im nachstehenden und einem weiteren Beitrag beschäftigen müssen, hat aktuelle Ursachen.  Die neue deutsche Chinastrategie gerät schon ins Wanken, noch ehe sie im Parlament verabschiedet wurde.

Und sie wankt beträchtlich, die vor einiger Zeit in unserem Newsletter vorgestellte und schon damals mit einiger Kritik versehene neue Chinastrategie der bundesdeutschen Ampelregierung. Denn China hat reagiert und das schon lange vorher, nur trat die Regelung erst zum 01.08.2023 in Kraft.

Aber fangen wir erst einmal mit dem längst vergangenen Chemieunterricht an. Damals lernten wir etwas über Germanium und Gallium. Keine Sorge, ihr Autor wird jetzt nicht in die Chemie der beiden Elemente einsteigen. Germanium und Gallium tauften ein Deutscher und ein Franzose im 19. Jahrhundert die Elemente, die sie in ihren jeweiligen Heimatländern entdeckten. Weiter möchten wir uns gar nicht in der Chemie uns aufhalten.

Vor zwei Wochen verabschiedete die Bundesregierung eine neue China-Strategie, um ökonomisch von der Volksrepublik unabhängiger zu werden. Jetzt gibt es den ersten Realitätscheck ausgerechnet mit diesen beiden Halbmetallen: Es gelten von Peking verhängte Exportkontrollen für die beiden Stoffe Germanium und Gallium – als nächste Eskalation im Handelskrieg zwischen den USA, Europa und China. Vor allem Deutschland ist bei den Stoffen sehr stark von der Volksrepublik abhängig.

Heute sind die Europäer für die Lieferung der global gehandelten Metalle fast vollständig auf China angewiesen.

Sie sind Bestandteil der wichtigen Halbleiter, die in fast allen technischen Produkten von Smartphone, Solarzellen bis hin zu Hightech-Waffen eingebaut sind. Auch für die Produktion von Elektroautos werden sie gebraucht. Die EU führt Germanium und Gallium auf der Liste der „kritischen Rohstoffe“, die „entscheidend für Europas Wirtschaft“ sind. Außerdem sind sie ein Nischenprodukt der Rohstoffindustrie. Jährlich werden jeweils nur wenige hundert Tonnen der chemischen Elemente produziert. Und wo? Hauptsächlich in China. In den letzten zehn Jahren verdrängten chinesische Produzenten die meisten Konkurrenten vom Markt, indem sie sie preislich unterboten und Umweltstandards niedrig hielten.

Und so sieht die aktuelle Lage aus: 94 Prozent des Galliums und 83 Prozent des Germaniums stammen aus der Volksrepublik, wie eine aktuelle Studie der europäischen Union über kritische Rohstoffe ergab. Seit dem 1. August gelten in China Exportkontrollen für beide Elemente. Die Exporteure benötigen eine Genehmigung vom chinesischen Handelsministerium und müssen Angaben zu den ausländischen Käufern und ihrem geplanten Einsatz der Metalle machen.

Und warum tritt gerade jetzt diese Regelung in Kraft? Nicht etwa wegen der neuen deutschen Chinastrategie. Dazu ist Deutschland zu klein und unbedeutend für die Chinesen, die uns ja auch als langjährigen Exportweltmeister eiskalt abservierten.

Grund für die neue Regelung sei laut der chinesischen Regierung „die nationale Sicherheit und die Interessen Chinas zu wahren“. Das Staatsmedium Global Times warnte „Dieser ‚erste Schuss‘ könnte Unternehmen aus Ländern treffen, die hart gegen China vorgegangen sind“. Es ist übrigens Chinas erste größere Machtdemonstration im seit dem 2019 laufenden Handelskrieg mit den USA.

Denn Washington hat zahlreiche chinesische Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt, um ihnen den Zugang zu US-Chips und anderen Spitzentechnologien zu verwehren. So soll Peking zum Beispiel daran gehindert werden, Hochleistungscomputer für seine Verteidigung zu bauen. Auch Japan und die Niederlande haben Produktexporte nach China, die für die Herstellung von Halbleitern gebraucht werden, gedrosselt. Gallium und Germanium sind die Waffen Chinas, in dem zunehmend angespannten Chipkrieg. Die chinesischen Staatsmedien bezeichneten die Ausfuhrbeschränkungen der seltenen Metalle erst einmal nur als „Warnung“ an die USA.

Deutschland ist dagegen noch viel abhängiger vom chinesischen Import der beiden Rohstoffe. Für beide Produkte gehörte die Bundesrepublik nach Handelsdaten 2022 zu den Top-Importeuren. Besonders die deutsche Automobilindustrie ist über die jüngste Entwicklung besorgt und fürchtet wieder einmal gestörte Lieferketten. Denn auch in Autos sind Halbleiter eingebaut; Gallium gilt als Wegbereiter für Elektrofahrzeuge. Das dürfte unserem grünen Bundeswirtschaftsminister tiefe Sorgenfalten ins Gesicht treiben.

Der weltweit größte Gallium-Abnehmer sitzt in Freiberg / Sachsen. Das Unternehmen Freiberger Compound Materials GmbH ist bei der Herstellung von Wafern, die in Funksignalverstärkern für Mobiltelefone und in der optischen Elektronik eingesetzt werden, fast ausschließlich auf chinesische Lieferanten angewiesen. „Meine Kunden sehen das ganz und gar nicht gelassen. Es gibt jetzt eine Flut von Aufträgen, um die Lagerbestände zu erhöhen. Die Branche ist sehr angespannt“, sagte Geschäftsführer Michael Harz. Seine chinesischen Zulieferer gehen davon aus, dass die Lieferungen am 1. August eingestellt wurden, wenn die Ausfuhrbeschränkungen in Kraft treten, und etwa einen Monat später wieder aufgenommen werden, sobald die Lizenzanträge genehmigt sind, wenn sie denn genehmigt werden.

Nur gibt es jetzt ein schon oben angesprochenes Problem. Die kürzlich vorgestellte erste China-Strategie der Bundesregierung schmeichelt der Volksrepublik jedoch nicht gerade (wir haben darüber berichtet).

Und was machen wir nun?

Börsenwissen: Was bringt die neue China Strategie?

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Erinnern Sie sich an den Einstieg Chinas beim Hamburger Hafen? Oder die Beteiligung des chinesischen Huawei-Konzerns am Ausbau unseres Mobilfunknetzes? Beides ist höchst umstritten, weil keiner hierzulande weiß: Wie halten wir es denn nun mit China?

Wenn wir Deutschland als ein Land mit 83 Millionen Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von 3,896 Billionen Euro (2022) und China ein Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern und ein BIP von 18,001 Billionen Dollar (2022) (entspricht etwa 16,014 Billionen Euro) vergleichen, fällt sofort auf, wer weiterhin das Sagen in den bilateralen Beziehungen beider Staaten haben wird, China Strategie hin oder her.

Auch wenn sich Chinas Wirtschaftswachstum prognostiziert etwas verlangsamen wird, ebenso wie das Bevölkerungswachstum, ist es immer noch Exportweltmeister. Ältere Leser unter uns erinnern sich an Zeiten, da hatte Deutschland diesen Titel inne. Lang ist es her…

Vor der Sommerpause hat Deutschland seine erste China-Strategie veröffentlicht. Die Bundestagsabgeordneten haben nun Zeit, die 64 Seiten zu studieren und sich auf die kommende Debatte vorzubereiten.

Unternehmer können jetzt einfach nachschlagen, um zu erfahren, ob China als Partner politisch gewollt ist oder nicht.

Das Strategiepapier zum Umgang mit China berührt sicherheitspolitische Fragen ebenso wie Fragen der Wirtschaftsbeziehungen und des Wissenschaftsaustauschs. Ausdrücklich benennt es Differenzen, etwa im Umgang mit Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten. Ein wichtiger Punkt ist die Verringerung der wirtschaftlichen Abhängigkeit von China, sofern das praktisch überhaupt gelingt. Das Strategiepapier bleibt dem in der EU und Deutschland längst zur Sprachregelung gewordenen Dreiklang von China als Partner, Wettbewerber und systemischen Rivalen treu. Also von der Seite her nichts Neues.

Von der politischen Doppelmoral abgesehen, die wie immer wieder durchschlägt, konzentrieren wir uns besser auf die wirtschaftlichen Aspekte der deutschen China-Strategie, die eigentlich gar nicht so neu ist.

„De-Risking ist das Gebot der Stunde“, betonte Bundesaußenministerin Baerbock bei der Vorstellung und benannte damit den Kern der künftigen Wirtschaftspolitik. Doch der Text enthält zugleich ein wichtiges Bekenntnis: „An der wirtschaftlichen Verflechtung mit China wollen wir festhalten.“ Deutschland wolle gemeinsam mit der EU die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China stärken; der EU-Binnenmarkt sei dabei „unser schlagkräftigstes Instrument“, sagte Baerbock. „Er ist Hebel und Schutzschild zugleich.“ Denn auch China brauche den europäischen Markt. Deutschland unterstützt daher laut der Strategie die gezielte Förderung wichtiger Industrien in der EU und Deutschland. Ziel sei es, „weiterhin technologisch führend zu bleiben“. Die Strategie kündigt zudem ein „Dachgesetz“ zum Schutz kritischer Infrastruktur an. Bei kritischen Rohstoffen und Medikamenten will Deutschland künftig nicht mehr von China abhängig sein.

Die Bundesregierung gibt den Unternehmen weiter freie Hand, wie sie ihr Engagement in der Volksrepublik gestalten. Doch es müssten die „Verantwortlichkeiten für riskante unternehmerische Entscheidungen klar bleiben“, sagte Baerbock. Es werde auf Dauer nicht funktionieren, „in guten Zeiten auf die unsichtbare Hand des Marktes zu vertrauen und in schwierigen und Krisenzeiten nach dem starken Arm des Staates zu verlangen“. Auch eine starke Volkswirtschaft wie Deutschland könne das nicht stemmen. „Deshalb werden Unternehmen, die sich in hohem Maße vom chinesischen Markt abhängig machen, in Zukunft das finanzielle Risiko verstärkt selbst tragen müssen.“

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ist bereits dabei, die deutschen, vom Staat gegebenen Garantien, für große Investitionen in China systematisch zurückzufahren. Das bedeutet im Klartext, wenn Unternehmen in China investieren, dann bitte auf eigenes Risiko.

Und dann haben wir auch noch das Problem Taiwan.  Deutschland fühlt sich weiterhin der Ein-China-Politik verpflichtet. Die „guten Beziehungen“ zu Taiwan  sollen aber dennoch ausgebaut werden. Der Konflikt zwischen Taiwan und China, das den Inselstaat als abtrünnige Provinz betrachtet, könne nur friedlich und in beiderseitigem Einvernehmen gelöst werden. „Eine militärische Eskalation würde auch deutsche und europäische Interessen berühren“, heißt es in dem Strategiepapier. Schön gesagt. Nicht nur berühren, sondern es würde ein Produktionskrise in Deutschland und der EU wegen fehlender Chiplieferungen auslösen. Allerdings würde ein militärischer Konflikt auch die USA auf den Plan rufen. Hier fehlt die Aussage, dass Deutschland sich an den Wirtschaftssanktionen gegen das Reich der Mitte anschließen wird, oder etwa nicht?

Die künstliche Intelligenz, China ist hier im Gegensatz zu Deutschland mit führend in der Welt, bedeutet auch eine Zusammenarbeit im Cyperraum. Dazu stellt die Bundesregierung fest: Deutschland ist sensibler geworden gegenüber hybriden Bedrohungen aus dem Ausland, einschließlich China. Daher findet zum Beispiel die Abwehr von Spionage im Cyberraum Eingang in die Strategie. 

Obwohl die China-Strategie in Deutschland zumeist als lange überfälliger Kurswechsel bezeichnet wurde, fällt die Reaktion aus Peking vergleichsweise mild aus. Denn China stellt auch fest, dass der Einfluss auf die bilateralen Beziehungen schwach ist. Peking betrachtet vor allem die grünen Minister Baerbock und Habeck als treibende Kraft hinter einem kritischeren China-Kurs, Bundeskanzler Olaf Scholz hingegen als gemäßigte Kraft. Warten wir ab, wie die Strategie im deutschen Parlament ankommt bzw. nach der Diskussion durch die Abgeordneten wieder herauskommt.

Übrigens, wenn sich der Nutzen einer Strategie daran bemisst, wie weit sie hilft, Entscheidungen im täglichen Geschäft zu treffen, dann ist diese Strategie in den Augen vieler Unternehmen eine Lachnummer.

Für uns als Anleger ändert sich durch das Papier nichts. Wir werden weiter investieren, wo die Rendite bei überschaubarem Risiko stimmt, auch im Reich der Mitte.

Börsenwissen: Der digitale Euro

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Erinnern wir uns zurück an das Jahr 2019. Damals hieß unser Depotwert Meta noch Facebook. Mark Zuckerburg war damals wie heute CEO des milliardenschweren Unternehmens.
Warum fällt ihrem Autor gerade im Zusammenhang mit dem neu zu schaffenden digitalen Euro Facebook ein? Nun, im Jahr 2019 hatte Zuckerburg schon einmal geplant, die Welt mit einer digitalen Währung jenseits von Kryptowährungen zu beglücken. Sie hieß damals Libra und wir hatten sie eigentlich als eine Erleichterung speziell für die Bevölkerung der Entwicklungsländer in Asien, Afrika und Lateinamerika gesehen, die meistens kein Bankkonto, dafür aber ein Smartphone oder damals auch ein Handy besaßen. Der Plan war nicht schlecht, zumal sich einige Konzerne, wie z. B. die weltweiten Kreditkartenunternehmen dem Vorhaben anschlossen. Mit großen Schwierigkeiten kämpfend, verabschiedete sich ein Unternehmen nach dem anderen von dem Libra-Plan. Vor allem, weil ihn die Zentralbanken nicht unterstützen. Warum sollten sie auch, ging es doch um eine Währung, die nicht mehr ihrer Kontrolle unterlag. Damit wurde der hoffnungsvoll gestartete Plan ad acta gelegt, weil sich ein Unterstützer nach dem anderen von Libra zurückzog. Heute ist Libra tot, keiner spricht mehr davon und Zuckerburg hat sich bekanntlich längst anderen erfolgsversprechenden Aufgaben zugewandt. 

Aber jetzt nimmt die Europäische Union die Sache in die Hand und möchte einen neuen digitalen Euro schaffen. So eine Art Libra, nur eben eine oder mehrere Nummern kleiner. Das heißt stopp, erst einmal prüfen sie nur die Einführung eines digitalen Euro.

Der digitale Euro wird auf der Webseite der EZB als eine Ergänzung zum Bargeld beschrieben. Bargeld bleibt, betonen Europäische Zentralbank und EU-Kommission auffällig oft, zu oft nach Ansicht ihres Autors, so dass Europas Bürgerinnen und Bürger auch künftig mit Münzen und Scheinen bezahlen können. Der digitale Euro soll als Ergänzung dazukommen, er soll Bargeld aber nicht ersetzen.

“Man bekommt mehr Auswahl”, sagt die zuständige Kommissarin Mairead McGuiness. “Wir werden digital tun können, was wir heute mit Bargeld erledigen und es ist wichtig, den Menschen diese Möglichkeit zu geben. Das ist nicht wie bei Kreditkarten. Wir sprechen darüber, unser Bargeld in ein digitales Format zu bringen und uns zu erlauben, Bargeld digital zu verwenden.”

Schön und gut, die Währung ist auch heute schon digital unterwegs. Wenn wir Aktien, Anleihen und andere Börsenelemente kaufen und verkaufen, gehen wir nicht mehr in die Bank und nehmen Barzahlungen vor. Der größte Teil wird von zuhause vom PC oder Smartphone aus geregelt. Und an den Kassen in den Supermärkten bezahlen die Kunden mit Karte, Smartphone oder eben wie in Deutschland üblich mit Bargeld.

Verbraucherinnen und Verbraucher sollen überall im Euroraum mit dem digitalen Euro gebührenfrei bezahlen können, etwa mithilfe einer digitalen Geldbörse oder mit dem Smartphone. Das leisten Plattformen, wie sie unsere Depotwerte PayPal oder Apple (ApplePay) betreiben, allerdings auch.

Darüber hinaus sollen aber Zahlungen mit dem digitalen Euro auch ohne Internetverbindung möglich sein. Dabei würden Nutzerinnen und Nutzer weniger personenbezogene Daten preisgeben, erklärt Kommissarin McGuiness: “Dies ist kein Big-Brother-Projekt für online-Zahlungen mit dem digitalen Euro. Der Datenschutz wird derselbe sein wie bei bestehenden privaten digitalen Zahlungsmitteln. Bei offline-Zahlungen wird der Datenschutz sogar noch höher sein, ähnlich wie beim Abheben von Bargeld am Geldautomaten.”

Ein digitaler Euro müsste sich dann auch wiederum gegen andere digitale Währungen durchsetzen können. Und das sind große Währungsräume, von denen wir hier sprechen, Dollar, Yuan Pfund etc. Insgesamt arbeiten derzeit etwa 100 Zentralbanken an der Einführung an der Einführung einer digitalen Währung. “…und da kann der Euro als die am zweithäufigsten verwendete Währung der Welt nicht zurückstehen”, so Kommissionsvizepräsident  Valdis Dombrovskis.

Und wie war das mit der Geldwäsche? Um Geldwäsche zu erschweren, schlägt die Kommission Obergrenzen für den Besitz von digitalen Euro und offline-Zahlungen vor. Deren Höhe lässt sie offen. Die EZB versucht Bedenken von deutschen Banken und Sparkassen zu zerstreuen, dass sie im Zahlungsverkehr zu ihnen in Konkurrenz tritt. Die braucht man dann natürlich nicht mehr so oft. Nach dem Entwurf der Kommission sollen Banken und Zahlungsdienstleister den digitalen Euro zu Bürgern und Unternehmen bringen. Allerdings werden die sich hüten davor. Wer zerstört schon sein eigenes Geschäft…?  Alle Banken börsennotiert oder nicht, werden in erster Linie an ihre Rendite denken.

Nun ja soweit ist es noch nicht. Die Europäische Zentralbank will im Herbst entscheiden, ob sie die Arbeiten am digitalen Euro vorantreibt. Falls ja, könnte er frühestens in drei Jahren kommen.

Speziell in Deutschland gibt es arge Bedenken. Drei Viertel der Deutschen sehen die virtuelle Gemeinschaftswährung Euro skeptisch und halten sie laut einer Umfrage im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken nicht für notwendig.

Und vielleicht haben sie sogar Recht, denn bisher hat noch keine große Zentralbank eine digitale Währung herausgegeben. Das ist nicht nur eine Kostenfrage, die letztendlich die Nutzer bezahlen müssen. Währung ist Vertrauen und das hat durch die falschen Entscheidungen der EZB schon stark gelitten. 

Börsenwissen: Inflation und Altersvorsorge

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Tagtäglich ärgern wir uns im Supermarkt, wenn wieder etwas teurer geworden ist oder der Preis auf dem Stand verharrt, bei dem uns vor einem oder zwei Jahren nicht einmal im Traum einfiel, die Ware überhaupt näher in Augenschein zu nehmen geschweige denn zu kaufen. Heute dagegen ist es Normalität geworden, die wichtigsten Dinge auch zu erhöhten Preisen in den Warenkorb zu legen, um dann an der Kasse zähneknirschend zu bezahlen. Wir stellen ernüchtert fest, die Inflation ist im Alltag angekommen und wird uns wahrscheinlich eine längere Zeit begleiten. Dabei ist es egal, was die Notenbanker bei der EZB in Frankfurt monatlich beschließen.

Wir erinnern uns, dass Inflation einfach übersetzt Geldentwertung bedeutet. Ohne jetzt auf die ökonomische Definition genauer einzugehen, sagen wir es vereinfacht so: Kommt es zu einem allgemeinen Preisanstieg, d. h. es werden nicht nur einzelne Produkte teurer, so bezeichnen wir dies als „Inflation“. Dann kann der Verbraucher mit einem Euro nicht mehr so viel kaufen wie noch vor Kurzem. Anders gesagt: Durch Inflation verliert eine Währung mit der Zeit an Wert.

Nun liegt die Inflationsrate in Deutschland im Mai 2023 noch bei moderaten 6,1 Prozent. Im März und April lagen die Teuerungsraten noch bei 7,4 Prozent bzw. 7,2 Prozent. Über die vergangenen 30 und 50 Jahre lag die Inflationsrate in Deutschland bei rund 2,6 Prozent im Schnitt.

Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, wie viel Kapital er für einen sorgenfreien Ruhestand bis ins hohe Alter benötigt. Darauf spart er Kapital an, sei es mit einem Sparplan oder mit unregelmäßigen Einzahlungen auf das private Altersvorsorgekonto. Das Ziel ist immer das gleiche: Den Lebensstandard auch mit der gesetzlichen Rente und ggf. Betriebsrente ergänzend zu erhalten. Aber auch andere Ziele gibt es und so ist nicht verwunderlich, dass die Arbeitnehmer eben früher in Rente gehen wollen und darauf ihre Finanzplanung ausrichten.

Und dann kommt der Tag, wo der zukünftige Rentner dem Chef Tschüss sagen möchte. Aber vorher sollte er sich doch einmal mit dem Thema Inflation im Zusammenhang mit seiner Altersvorsorgeplanung beschäftigen und er wird feststellen, trotz ununterbrochener Zahlung eines vorher bestimmten Betrages und damit auch dem Erreichen des anvisierten Kaptalstocks, wird es nicht reichen früher in den Ruhestand zu gehen oder aber auch eine auskömmliche private Rente zu beziehen.

Was ist geschehen? Die Inflation hat die Pläne über den Haufen geworfen und das schon bei einer fast normalen Inflation.

Die Zeitschrift „Capital“ hat errechnet, dass bei einem angenommenen Zeitraum von 15 Jahren und einer Inflation von 2,6 Prozent sowie einem Kapitalstock von 150.000 Euro, der reale Werte des Kapitals (also heutigen Kaufkraft) auf 102.000 Euro gesunken ist. Ein Minus von 48.000 Euro Wertverlust. Bei 3 Prozent Inflation würde der Wert nur 96.279 Euro und bei 3,5 Inflation 89.500 Euro betragen. Wer eine monatliche Rente von 3.000 Euro bezieht, wird sich auf eine Minderung der Kaufkraft seiner Rente einstellen müssen. In 15 Jahren mindert sich die Kaufkraft der privaten Rente bei einer Inflationsrate von 2,6 Prozent auf 2.041 Euro, bei 3,0 Prozent auf 1.925 Euro und bei 3,5 Prozent ist die Rente nur noch 1.790 Euro wert.

Überflüssig zu sagen, dass die gesetzliche und betriebliche Altersrente oder Pension mit dem gleichen Wertverlustverlust zu kämpfen hat.

Weiter wollen wir gar nicht rechnen. Glauben wir einmal den Worten der EZB-Banker, dass sie das Problem mit der Inflation in den Griff bekommen wollen. Sie sind ja nicht ganz schuldlos an der Misere…

Für den Fall, dass wir uns auf eine weitere überdurchschnittliche Inflationsrate einstellen müssen, müssen wir Gegenmaßnahmen ergreifen.

Eine besteht darin, länger zu arbeiten als geplant. Das mag zwar in einigen Jobs funktionieren und dem Big Boss die Sorgenfalten glätten wegen der Suche nach einem Ersatz für die ausgeschiedenen Beschäftigten. Aber überall geht das auch nicht, denn meistens spielt die Gesundheit nicht mehr so richtig mit im Alter.

Eine zweite Möglichkeit wäre, sich im Alter mit einem oder Mini-, Midi- oder Vollzeitjob zusätzlich etwas dazu zu verdienen. Aber auch das geht nicht ewig und ist an die Leistungsfähigkeit gebunden.

Abstriche im Alter möchte auch niemand unbedingt machen.
Und so sollte es nur eine Lösung geben, die Verluste rechtzeitig auszugleichen. Ab Mitte 40 sollte man sich seine Altersvorsorge genauer anschauen und mit den Ansprüchen vergleichen.

Und auch hier sind Aktien wieder einmal das beste Mittel. Dividendenzahlungen und Kursgewinne bringen die entsprechende Grundlage für eine gesicherte Altersvorsorge. Verluste werden über den langen Zeitraum der Ansparphase ausgeglichen. Und wer wie die meisten glaubt, dass die Inflation seinen verdienten Wohlstand im Alter nicht mehr garantiert, dem bleibt nur die Aufstockung seiner Vorsorgezahlungen.

Der NDAC-Clubfonds ist dafür bestens geeignet. Eine überschaubare Anzahl von deutschen und internationalen Aktien mit hohen Wachstumschancen und vernünftigen Dividendenrenditen jenseits der Sparpläne mit Fest- und Tagesgeld sorgen für eine gute Basis. Und die Möglichkeit Sonderzahlungen zu leisten, wie Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Lohnerhöhungen, Überstundenvergütungen etc. gleichen den Kaufkraftverlust im Alter doch schon etwas aus.

Börsenwissen: MSCI World

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Einer der wichtigsten Indizes für die Beurteilung der internationalen Wirtschaft ist der MSCI World.

Die MSCI Inc. (ehemals Morgan Stanley Capital International und MSCI Barra) ist ein in New York City ansässiger US-amerikanischer Finanzdienstleister, der Finanzdienstleistungen vor allem für das Investment Banking anbietet. Dies umfasst neben internationalen Aktienindizes auch Portfolio- und Risiko- Analysen als auch Research.

Im Jahr 1968 veröffentlichte Capital International die ersten globalen Aktienindizes. Diese wurden von Morgan Stanley im Jahr 1986 lizenziert und unter dem Namen Morgan Stanley Capital International veröffentlicht. 1998 wurde MSCI Inc. von Morgan Stanley und Capital International gegründet. 2004 wurde Barra von MSCI übernommen. MSCI wurde selbst 2007 an der New Yorker Stock Exchange gelistet. 2009 trennte sich Morgan Stanley vollständig von MSCI. 2010 kaufte MSCI Riskmetrics und Measurisk. 2012 wurde IPD Investment Property Databank erworben.

MSCI gibt eine Vielzahl verschiedener Aktienindizes heraus, die nach unterschiedlichen Kriterien zusammengesetzt werden, zum Beispiel nach Ländern oder Regionen und nach der Marktkapitalisierung von Aktien (Large,Cap Mid Cap und Small cap) oder nach sozialer Nachhaltigkeit (Socially Responsible Investing) und zusätzlich nach ökologischer Nachhaltigkeit (Environmental, Social & Governance). Sie werden von vielen Investmentfonds und privaten Anlegern als sogenannte Benchmark (Vergleichsmaßstab) für die Entwicklung der Rendite eines Portfolios verwendet oder es werden Indexfonds auf sie angelegt.

Ein wichtiges Kriterium ist auch der wirtschaftliche Entwicklungsstand eines Landes: Industrieländer (developed markets) werden von Schwellenländern (emerging markets) und Entwicklungsländern an der Grenze zu Schwellenländern (so genannte Grenzmärkte; englisch frontier markets) unterschieden.

Meist werden mehrere dieser Kriterien herangezogen, zum Beispiel für den wichtigen MSCI World Index sowohl der Entwicklungsstand (nur Industrieländer) als auch die Marktkapitalisierung (nur Large- und Mid-Cap-Aktien). Ziel ist es jeweils, die Kursentwicklung von ca. 85 Prozent der frei handelbaren Aktien des entsprechenden Anlage-Universums nachzuzeichnen (die Regionen usw. der länderübergreifenden Indizes werden in den Factsheets irreführend als countries, also Länder, bezeichnet).

Weltweit gibt es ca. 40.000 börsennotierte Unternehmen. Einen repräsentativen Ausschnitt stellt der MSCI World dar. Ca. 1.500 Unternehmen sind in diesem Index vertreten. Unter den Top20 in diesem Index sind auch unsere Depotwerte Alphabet A+C, Amazon, Apple, Berkshire Hathaway B, Johnson & Johnson, Meta, Microsoft, Nvidia, Tesla und United Health. Ergänzt wird der Top 20 Anteil noch von Chevron, Eli Liliy, Exxon Mobile, Home Depot, JPMorgan Chase, Mastercard, Nestle, Procter & Gamble und VisaCard.

Nur Aktien aus Ländern, die der Anbieter als entwickelte Märkte definiert, landen im Index. Alle anderen werden aussortiert. Sehr zweifelhaft, fallen doch China und Südkorea durchs Raster, da sie nicht als entwickelte Märkte gelten. Also sind beide große Industrienationen im MSCI World nicht vertreten. Fragwürdig erscheint auch die Entscheidung, die ehemalige Kronkolonie Hongkong als entwickelten Markt einzustufen, obwohl die britische Ex-Kolonie schon seit Jahren von China beherrscht wird. Aber wahrscheinlich denkt sich der Anbieter, ein bisschen China ist ja doch dabei. 

Schauen wir uns die Länder, die zu den entwickelten Märkten zählen, an. Kanada und die USA, aus Europa sind Belgien Dänemark Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweden, Schweiz und Spanien im großen Weltindex vertreten. Aus dem pazifischen Raum finden wir dann noch Australien, Hongkong, Japan, Neuseeland, Singapur und last but not least Israel mit einem Sonderstatus als sonstige.

Wenn wir uns die Länder so betrachten, stellen wir fest, dass der ganz Index ist wirklich überarbeitungsbedürftig ist!

Der Indexanbieter legt auch fest, ab welchem Börsenwert eine Aktie zu den Größensegment Large Caps (große Aktien), Mid Caps (mittlere Aktien) Small Caps (kleine Aktien) oder Micro Caps (die restlichen sehr kleinen Aktien) gehört. Der MSCI World Index umfasst nur mittlere und große Aktien. Der Anbieter geht davon aus, dass 85 Prozent des Streubesitz- Börsenwertes aller Aktien der Industrieländer abgedeckt sind (70 Prozent Lage Caps und 15 Prozent Mid Caps).

Und als drittes Kriterium benötigt der Index noch die Gewichtung der Aktien. Um das prozentuale Gewicht jeder Aktie im Index zu bestimmen, berechnet MSCI den Anteil des Börsenwertes einer Aktie im Verhältnis zum Börsenwert aller Aktien.

Und so kommt man insgesamt auf ca. 1.500 Aktien, welche 85 Prozent des Streubesitzes an Börsenwert aller Aktie in den Industrieländern abdecken.

Wir haben schon auf das Problem von China und Südkorea hingewiesen. Außerdem fällt das Klumpenrisiko der US-Firmen auf. Aber Fakt ist auch, dass im Ländersegment der eine oder andere Börsenwert aus den nicht entwickelten Märkten fehlt. Zum Beispiel Petrobras aus Brasilien mit einer Marktkapitalisierung von immerhin 90 Milliarden Dollar. Oder aus Indien Reliance Industrie mit einer Marktkapitalisierung von 16,87 Billionen Indische Rupien (1 Indische Rupie = 0,01119 Euro). Beides milliardenschwere börsennotierte Unternehmen, die in dem Weltindex keine Rolle spielen, weil sie durch ein Raster fallen. Aber stellen wir uns einmal vor, welche Schockwelle durch die Märkte gehen würde, wenn in China, Indien, Brasilien oder sonst wo auf der Welt ein milliardenschweres Unternehme in die Schieflage gerät.

Bei dem MSCI World als Benchmark muss dringend nachgearbeitet werden, sonst verliert er seine Bedeutung.