Wie der alte Mann im Weißen Haus in den Krieg gegen den Iran gezogen ist, zeigt, dass Handlungen – selbst wenn man der POTUS ist – ab und an auch Konsequenzen haben. Allerdings steht er ja nicht selbst an der Front und kämpft. Wir sehen dabei: Es macht am Ende scheinbar doch einen Unterschied, ob man die Kleinen und Wehrlosen in Lateinamerika und in Europa überfällt bzw. dies zu tun droht, oder ob man sich mit einem Regime anlegt, das im Grunde nicht viel zu verlieren hat und deshalb an lauwarmen Deals nicht interessiert ist.
Die Blockade der Straße von Hormus sowie beschädigte und abgeschaltete Produktionsanlagen in der Golfregion belasten zunehmend die globalen Lieferketten. Täglich passieren dort normalerweise neben rund 15 Millionen Barrel Rohöl auch über drei Millionen Barrel raffinierte Produkte, darunter Diesel, Kerosin und Naphtha. Naphtha, ein flüchtiges Rohölprodukt, dient als zentrale Grundchemikalie für Kunststoffe, Lösungsmittel und viele industrielle Vorprodukte. Auch die Landwirtschaft ist betroffen: Die Golfregion steht für etwa ein Drittel der weltweiten Harnstoff- und knapp ein Viertel der Ammoniakproduktion – essenzielle Bestandteile von Düngemitteln. Mögliche Angebotsverknappungen und deutliche Preissteigerungen über Energie hinaus erhöhen Wachstumsrisiken und könnten zugleich Inflationserwartungen treiben. Das würde den geldpolitischen Balanceakt vieler Notenbanken erneut erschweren, denn sie sind nach wie vor einer Inflationsbekämpfung verpflichtet.
Zu beurteilen ist auch die Haltung Europas in diesem Krieg. In diesem Zusammenhang müssen wir wirklich eine Lanze für Europa brechen, das – ob aus systemimmanenter Unmöglichkeit, kurzfristige Entscheidungen zu treffen, oder aus aktiver Überzeugung, ist schwer zu sagen – sich bis dato nicht in den Golfkrieg III hineinziehen hat lassen. Hoffentlich halten wir diese Position durch! Wie sehr in der Konsequenz die US-Hilfe für die Ukraine zurückgefahren werden wird bzw. noch werden kann und wie sehr sich das auf zukünftige europäische Entscheidungen auswirken wird, wird sicher sehr bald zu sehen sein.
Dass der POTUS das Verteidigungsbündnis NATO nicht braucht, könnte sich bald als Tr Trugschluss erweisen. Der Bündnisfall gemäß Artikel 5 könnte sehr schnell ausgerufen werden, wenn die Türkei als NATO-Land in den Krieg einbezogen werden sollte. Dazu reicht ein massiver Raketenangriff auf türkisches Territorium. Eine andere Variante wäre, dass DJT in den nächsten Tagen (wobei sich die Zeitspanne wohl ein bisserl dehnen könnte) den größten Sieg aller Zeiten proklamiert, den Krieg für beendet erklärt und es ab dann nur mehr eine „Special Military Operation“ gibt. Den Begriff „militärische Spezialoperation“ hat er von seinem speziellen Freund im Moskauer Kreml gelernt, der allerdings schon im fünften Jahr in einer solchen Operation ohne großen territorialen Erfolg kämpft.
Faktisch würde das insofern etwas ändern, als die MAGA-Basis das wohl akzeptieren könnte, die Märkte beruhigt wären und es wahrscheinlich unter dem Deckmantel einer wiederum zeitlich begrenzten Spezialoperation auch zumindest den Briten und den Franzosen möglich wäre, Kriegsschiffe in die Straße von Hormus zu entsenden. Deutschland wäre damit eigentlich raus, was unserer Regierung entgegenkäme.
Und damit sind wir bei den Märkten. Dort ist eigentlich noch kaum etwas passiert. Eine leichte Korrektur an den Aktienmärkten, ein wenig höhere Renditen und einen Schnaps weitere Spreads. Die Vola (i.e. der VIX) treibt sich konsequent, aber teils unaufgeregt, teils aufgeregt zwischen 20 und 30 herum, was wiederum gute Chancen in der Zukunft für risikobereite Anleger eröffnet.
Die wirtschafts-, gesellschafts-, lenkungspolitische und ideologische Einordnung des geplanten staatlichen Eingriffs in die Spritpreise hierzulande lässt einen Teil der Bevölkerung unseres Landes an Planwirtschaft erinnern (und das ausgerechnet unter einer CDU-Kanzlerschaft und mit einer CDU-Wirtschaftsministerin).
Auweia, das ist wieder ein gefundenes Fressen für die Opposition. Gestopfte Haushaltslöcher statt Investitionen in Klima und Infrastruktur: Ein Jahr nach der Verabschiedung des sogenannten Sondervermögens haben zwei führende Wirtschaftsinstitute die Verwendung der Gelder bemängelt. Das ifo-Institut und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) legten jeweils in Berechnungen dar, dass der überwiegende Großteil der Mittel zweckentfremdet worden sei. Laut ifo-Institut wurden 95 Prozent der Mittel nicht für zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur eingesetzt; das IW kommt auf 86 Prozent der Mittel.
Das Finanzministerium wies die Kritik verständlicherweise umgehend zurück. „Der in den Studien erhobene Vorwurf ist falsch“, erklärte eine Sprecherin in Berlin. Tatsächlich seien mit dem Geld wie vorgeschrieben zusätzliche Investitionen in die Modernisierung des Landes getätigt worden, die die Investitionen aus dem Kernhaushalt ergänzten. Dennoch hat es den Anschein, dass es nicht ganz koscher ist, denn zwei renommierte Wirtschaftsinstitute sind zu diesem Schluss gekommen. Als Bürger fragt man sich schon, wie die Investitionen hätten finanziert werden sollen, wenn nicht ein 500-Milliarden-Euro-schweres Sondervermögen zur Ergänzung bestanden hätte. Da hat die Opposition von links nach rechts endlich wieder ein Thema.
Die Zinsfront bleibt dagegen stabil – zumindest in den USA, wie soeben über den Ticker informiert wurde. Im Euroraum bleibt der Leitzins wahrscheinlich ebenfalls stabil; die EZB wird wohl kaum weiteres (finanzpolitisches) Öl ins Feuer gießen. Die Flammen schlagen schon jetzt sehr hoch.
Die Zentralbanken müssen eh alles wieder löschen.