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Der Clubfonds-Ticker
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Megatrend Grüne Energie Teil 3

Megatrend Grüne Aktien

Teil 3 – Windenergie –

Eine weitere Größe im künftigen Energiemix stellt die Windkraft dar. Allerdings lässt sich heute schon feststellen, dass es gegen die „Verspargelung“ der Landschaft mit Windkrafträdern erheblichen Widerstand gibt. Und hier nicht nur durch die lärmgeplagten und die Verschandelung der Landschaft fürchtenden Anwohner, sondern auch durch Naturschützer, speziell der Ornithologen. Ausgerechnet ein Teil der ökologischen Bewegung kämpft berechtigt gegen den anderen Teil. Wie paradox…

Aber uns interessiert der wirtschaftliche Aspekt. Als Beispiel dazu ein Wertpapier aus dem Sektor.

Vestas Wind Systems

Lange ist es her, dass Windenergie-Aktien zu den Lieblingen der Anleger zählten. Viele Anleger haben die Aktien heute nicht mehr auf dem Schirm. Ganz abschreiben sollten Anleger diese aber nicht, wie die starke Kursentwicklung des Marktführers Vestas Wind zeigt.

Der seit August 2019 von CEO Hendrik Anderson geführte dänische Konzern Vestas Wind Systems A/S (kurz: Vestas) wurde bereits 1945 gegründet und hat seinen Sitz in Aarhus. Vestas ist der nach Umsatz und installierter Kapazität weltgrößte Hersteller von Windkraftanlagen. Der Umsatz betrug lt. Geschäftsbericht 2019 12,1 Milliarden Euro.  Die Gesamtinvestitionen beliefen sich 2019 auf 729 Millionen Euro.  

Der insgesamt schwache Gesamtmarkt konnte der Aktie von Vestas Wind Systems 2019 überhaupt nichts anhaben, denn das operative Ergebnis ist 2019 um 5 Prozent auf knapp über 1,004 Mrd. Euro angestiegen (2018: 959 Millionen Euro). Das Volumen des kombinierten Auftragsbestandes (Windenergieanlagen + Service) kletterte 2019 gegenüber 2018 um 30 Prozent auf rd. 34 Mrd. Euro. Insgesamt lag der Auftragsbestand mit 20.974 MW Windkraftleistung am Ende des Jahres um 34 Prozent höher als 2018 (15.646 MW).

Lange Zeit (2004 -2014) zahlte der Konzern keine Dividende an seine Aktionäre. Die Dividendenzahlungen begannen 2015. Für 2019 wurde eine Gewinnbeteiligung der Aktionäre in Höhe von 7,93 DDK ausgeschüttet (2018: 7,44 DDK).

Für das laufende Jahr erwartete Vesta einen Umsatz zwischen 14 und 15 Mrd. Euro, einschließlich der Serviceerlöse, die voraussichtlich um ca. 7 Prozent steigen werden. Das war vor Corona. Die Prognose wurde gecancelt.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2020 konnte Vestas Wind Systems den Unternehmensumsatz im Vergleich zum Vorjahr um rund 29 Prozent auf knapp 2,24 Mrd. Euro steigern.

Der Auftragseingang belief sich auf 3.311 Megawatt (MW), der Auftragsbestand für Windkraftanlagen auf 15,9 Mrd. Euro. Zusätzlich zum Auftragsbestand für Windkraftanlagen verfügte Vestas Ende März 2020 über Serviceverträge mit erwarteten künftigen Einnahmen von 18,2 Mrd. Euro.

Vestas ist in 26 Ländern aktiv, darunter Dänemark, Deutschland, Schweden, Großbritannien, Italien, China, Japan, USA und Australien.

Allerdings dürfen die Probleme der Windenergiebranche nicht aus dem Blickfeld geraten. Neben den eingangs angesprochenen Problemen werden die Geschäfte der Anlagenbauer gleich von zwei weiteren Seiten unter Druck gesetzt. Zum einen sind die Preise für Strom aus Windenergie sowie bei Windkraftanlagen in den vergangenen Jahren gesunken. Und zum anderen hat sich die Produktion der Windkraftanlagen aufgrund der steigenden Rohstoffpreise verteuert. Denn der wichtigste Grundstoff für die Windturbinen – Stahl – hat sich infolge der Strafzölle zwischen den USA und China erheblich verteuert.

Für die Aktie braucht ein Anleger starke Nerven, denn der Kurs schwankt wie der Wind, wobei aber immerhin eine positive Tendenz ablesbar ist. So verzeichnen wir ein Tief von 63,74 Euro und ein Hoch von 114,50 Euro in den letzten 12 Monaten, den er aktuell erreicht. Also hat die Aktie momentan Rückenwind.

Wem gehören Offshore-Windkraftanlagen?

Die meisten dieser gigantischen Windparks stehen bekannterweise in der Nord- und Ostsee (offshore = küstennah oder im Meer).

Aufgrund der hohen Kosten von ein bis zwei Milliarden Euro bei der Errichtung eines Offshore-Windparks mit mehreren hundert Megawatt Leistung (Beispiel: Veja Mate in der Nordsee, 402 MW Leistung, 1,9 Milliarden Euro Finanzierungsvolumen), braucht es schon von der Eigentümerstruktur kapitalkräftige Geldgeber. Deshalb bilden sich meist Konsortien aus Finanzdienstleistern, Energieversorgern und Projektierern. Am Beispiel „Veja Mate“, der 2017 seinen Betrieb aufgenommen hat, lässt sich ein typisches Finanzierungs-Konglomerat erkennen: neben der staatlichen KfW-Bank beteiligen sich der dänische Exportkreditversicherer EKF sowie sechs Geschäftsbanken. Darunter die Commerzbank, Deutsche Bank, Natixis, Banco Santander und Sumitomo Mitsui. Darüber hinaus stiegen private Investoren, wie die von Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) gemanagte Fonds, die Holding Highland Group und Siemens Project Ventures als Herstellerbeteiligung mit ein.

Wir sehen also, Kleinanleger sind hier nicht gefragt, auch wenn es den einen oder anderen geschlossenen Windanlagenfonds gab und gibt. Wir sehen aber auch, dass einige Teilhaber am Projekt Windkraft involviert sind, deren Aktien an der Börse notiert sind.

Aber auch bei der Windenergie an Land verlieren Privatpersonen künftig Anteile, da Bürgerprojekte in Wahrheit stärker von Projektierern getragen werden und weniger von Privatpersonen selbst.

Entscheidend ist aber nach wie vor die Subventionierung der Wind- und Sonnenenergie durch den einzelnen Verbraucher sowie der Leitungsausbau der Netze und Speicherkapazitäten. Zuviel Energie geht derzeit ungenutzt verloren, weil es an der notwendigen Netzinfrastruktur fehlt. Der Druck auf die Netzbetreiber wird weiter wachsen.

Megatrend Grüne Energie Teil 2

Megatrend Grüne Aktien

Teil 2 – Solarenergie –

Der Ersatz für Atom- und Kohlestrom soll in Deutschland nach dem Willen der Politik aus der Wind- und Solarenergie sowie anderen alternativen Energieformen (Erdgas, Wasserkraft, Biomasse etc.) kommen. Schauen wir uns dazu Aktien aus einigen Feldern der nachhaltigen Industrie als Beispiel an.

Chinesischer Druck auf die deutsche Solarindustrie

Die Solarindustrie hat in der Vergangenheit „Sekt oder Selters“ Phasen durchlebt. Wir erinnern uns an die Zeiten, als an den Produkten der deutschen Hersteller niemand vorbeikam. Die Kurse von der bekannten Solarworld AG und anderen deutschen Solarunternehmen feierten an den Börsen immer neue Höchststände. Leider mussten wir auch den Niedergang der deutschen Solarindustrie, hervorgerufen durch die subventionierte Billigkonkurrenz aus Fernost, miterleben. Auch hier schrieb das Solarworld Unternehmen nach dem Aufschwung leider durch einen Abschwung Geschichte bis zur Insolvenz und damit verbunden der Einstellung der Produktion im September 2018.

Nach den Krisenjahren hat sich die Branche im vergangenen Jahr endlich wieder mit positiven Zahlen zurückgemeldet. Mit neu installierten Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) von drei Gigawatt wuchs der Markt 2018 um fast 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und auch für 2019 wurden zweistellige Wachstumsraten ausgewiesen. Der Entwurf der Bundesregierung zum Klimaschutzprogramm vom 09.10.2019 sieht ein Ausbauziel von insgesamt 98 GWP Photovoltaik bis 2030 vor. Dazu wären im Mittel 4,5 GWP/a Zubau notwendig.

Der deutsche Solarmarkt boomt wieder – unbeschadet überstanden hat er die letzten Jahre allerdings nicht. Nachdem 2012 die üppigen Subventionen massiv gekürzt wurden, brach der Markt erst einmal ein. Wo 2010 noch über 133.000 Menschen einen Arbeitsplatz in der Photovoltaik- Branche fanden, sind es gerade noch 24.000 Beschäftigte (2019). Bei einem stärkeren Ausbau der Stromerzeugung aus Photovoltaik könnten bis 2040 rund 50.000 neue Jobs entstehen. Das geht aus einer Studie der Marktforschungsfirma EuPD Research Sustainable Management im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft hervor.

Für die deutsche Solarmodul- und Zellenproduktion kommt dieser Boom der heimischen Industrie freilich zu spät. Etwas Wehmut schwingt bei der Erinnerung an die glorreichen Zeiten der einst 16 börsennotierten deutschen Unternehmen mit, die in der Solarindustrie tätig waren. Gerade einmal drei Unternehmen blieben die Insolvenz erspart. Nach einer radikalen Schrumpfkur ist der Markt nahezu auf ein Fünftel seiner einstigen Größe abgeschmolzen.

SMA Solar

Verbliebene Weltkonzerne, wie derhessische Wechselrichterhersteller SMA Solar, zeigen sich trotz des weltweiten Solar-Booms nicht gerade in bester Verfassung. Der Einbruch des chinesischen Marktes nach einer unerwarteten Förderkürzung der Regierung in Peking macht dem Unternehmen schwer zu schaffen. Die Halbjahreszahlen 2019 sprachen eine deutliche Sprache. Der Absatz der Photovoltaik-Wechselrichter ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 4,3 auf etwa 4,0 Gigawatt zurück.

Vorstandssprecher Jürgen Reinert betonte im Mai 2020, dass sich die Corona-Krise bislang kaum auf die Lieferketten und Produktionskapazitäten des Konzerns ausgewirkt habe. Stattdessen konnte er bei der Vorlage der Zahlen für das erste Jahresviertel einen deutlichen Anstieg bei Umsatz und operativem Ergebnis vermelden. Vor allem das gute Projektgeschäft in den USA, aber auch das nach wie vor positive Handelsgeschäft in Europa, spielte den Niestetaler SDAX- Konzern dabei in die Karten.

Mit einer verkauften Wechselrichter-Leistung von 4,4 Gigawatt konnte SMA Solar den Wert im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppeln. Wechselrichter werden zur Umwandlung des von einer Solaranlage erzeugten Gleichstroms in Wechselstrom benötigt. Auch beim Auftragseingang und Auftragsbestand vermeldete der Konzern Zuwächse.

Dennoch stand unter dem Strich, mit einem kleinen Minus von 0,3 Millionen Euro, immer noch ein Fehlbetrag. Allerdings konnte SMA Solar den Verlust deutlich eindämmen. Auch 2019 waren die Nordhessen in den roten Zahlen geblieben, hatten das Minus im Jahresvergleich aber bereits klar reduziert.

2020 erwartet SMA Solar weiterhin ein Umsatzwachstum auf 1,0 bis 1,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) soll auf 50 bis 80 Millionen Euro zulegen. Vorstandschef Jürgen Reinert geht davon aus, dass der Konzern seine Marktanteile in wichtigen Zielmärkten steigern kann. Gleichzeitig arbeitet das Management weiter daran die Kosten im Konzern zu senken.

Vor ziemlich genau zehn Jahren, Anfang Juli 2010, hatte eine SMA-Aktie zwischenzeitlich jedoch rund 104 Euro gekostet. Davon sind die Papiere derzeit Welten entfernt. Es gab jedoch auch schon finsterere Zeiten als zuletzt auf dem Höhepunkt der Corona-Krise: So war die Aktie Anfang 2015 zwischenzeitlich nur noch etwas mehr als 10 Euro wert. In der Zwischenzeit pendelt die Aktie wieder um die 29 Euro.

Zu den weltweit größten 10 Solarmodulherstellern zum 31.12.2018 gehörte nur ein deutsches Unternehmen. Leider ist die deutsche Talesun Solar GmbH auf dem 9. Platz nicht an der Börse gelistet.  Dieses Unternehmen finden wir aber 2019 bereits nicht mehr in der Statistik.

JinkoSolar aus China war, gemessen an der ausgelieferten Leistung im Jahr 2019, mit rund 14,2 Gigawatt der größte Solarmodulhersteller weltweit.
Auffallend ist immer noch die Dominanz der Chinesen in diesem Sektor. Die ersten 4 Plätze in der Statistik 2019 belegten chinesische Unternehmen, wie bereits im Vorjahr.

Das sich an der Vorherrschaft chinesischer Photovoltaik–Unternehmen in den nächsten Jahren etwas ändern wird darf bezweifelt werden, denn die Produktionszahlen der weltweit größten Photovoltaik-Hersteller, angesichts der Nachfrage inner- und außerhalb Chinas, boomen weiterhin.

Investitionen in Solarhersteller aus dem Reich der Mitte sind trotz aller rosigen Zukunftsaussichten, die schon längst mit verbesserter Qualität der produzierten Solarmodule einhergehen, immer noch mit Vorsicht zu genießen. Es herrscht bekanntlich ein Handelskrieg zwischen den USA und China mit all seinen schädlichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Auch die Frage, wie hoch der reale Schuldenstand der beteiligten chinesischen Firmen ist, bleibt weiterhin im Dunkeln.

Megatrend Grüne Energie Teil 1

Megatrend Grüne Aktien

Teil 1 – Der Druck auf die Unternehmen nimmt zu

Die grüne Energie boomt! Der globale Klimawandel zwingt Regierungen
und Unternehmen zum Umdenken. Die Bundesrepublik Deutschland geht als
eine der ersten Länder voran und investiert stolze 9 Milliarden Euro in
diesen Bereich, um Deutschland zum Weltmarktführer rund um das Thema
Wasserstoff zu machen.

Wir sehen die Grüne Energie als einen neuen Megatrend für die kommenden Jahre und werden uns in den nächsten Wochen ausführlich mit diesem Segment beschäftigen und einzelne Branchen und Unternehmen analysieren. Im ersten Teil beginnen wir mit der Solarenergie.

Wussten Sie, dass allein die Zementherstellung 7 Prozent der weltweit von Menschen verursachten CO2-Emissionen verursacht? Damit würde diese Industrie allein schon
Platz 3 gleich hinter den USA und China belegen, wenn sie ein Land wäre.

Nun
wissen wir, die USA pfeifen derzeit auf den Klimaschutz, doch China merkt immer mehr, wie wichtig der Klimaschutz für das Land und unseren Planeten ist. Es könnte also durchaus passieren, dass die Zementindustrie China bald überholt, was den Ausstoß von Kohlendioxid
angeht.

Daher ist auch kein Wunder, dass die Fondsindustrie die großen börsennotierten Zementkonzerne, wie die deutsche HeidelbergCement, aufgefordert hat, die Kohlendioxidemissionen bis 2050 auf null Prozent zu reduzieren. Gleichlautente Schreiben erhielten auch die anderen großen Player am Markt, wie LarfargeHlcim, Saint Gobain und CRH. Nun könnten die Konzernlenker gelassen bleiben und die Sache ihren Public Relation Abteilungen, mit der Maßgabe eine entsprechende wohlgefällige Antwort zu formulieren, übergeben.

Machen sie aber höchstwahrscheinlich nicht, denn die Unterzeichner verwalten zusammen immerhin mehr als zwei Billionen Dollar. Außerdem gehören sie dem Netzwerks Climate Action 100+ an, in dem sich die Manager von insgesamt 33 Billionen Dollar schweren Portfolios zusammengeschlossen haben. Ein schweres Kaliber also, was vor einem Jahr abgeschossen wurde und jetzt mit dem Green Deal der EU noch einmal Beschleunigung erfahren hat. Es wird zwar nicht so direkt in dem Brief angesprochen, aber Fakt ist, wenn die Unternehmen die Investoren ignorieren und sich nicht in die richtige Richtung bewegen, dann kann es durchaus passieren, dass der Zugang zum Kapitalmarkt blockiert oder zumindest erschwert wird.

ESG heißt nicht nur der Druck von den Straßen auch wenn man ihn jetzt, (Friday for Future) in Zeiten von Covid 19 nicht mehr so wahrnimmt. ESG (Environment, Social, Governance) kommt aus dem Englischen. Die deutsche Bedeutung wird mit Umwelt, Soziales und Führung übersetzt. Sie beziehen sich auf die drei zentralen Faktoren bei der Messung der Nachhaltigkeit und der gesellschaftlichen Auswirkungen einer Investition in ein Unternehmen oder in eine Firma. Diese Kriterien helfen, die zukünftige finanzielle Leistung von Unternehmen besser zu bestimmen.

Die Investoren werden selbst getrieben, aber nicht von ihrem plötzlich entdeckten ökologischen Gewissen, sondern vor der Angst, dass sich umfangreiche und teure Klimaschutzauflagen negativ auf das Geschäft auswirken können. Dass diese plötzlich und unerwartet beschlossen werden können, haben wir bei uns in Deutschland gesehen. Erinnern Sie sich noch an den 11. März 2011, als die Reaktorkatastrophe von Fukushima eine ganz Region in Japan zerstörte? Im Zuge dieses GAU wurde in Deutschland der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Und das, obwohl kurz vorher die Bundesregierung einer Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke zugestimmt hatte. Die Versorger wurden dabei kalt erwischt auch wenn die Folgekosten und die damit verbundenen Risiken für den Atomausstieg weitestgehend beim Steuerzahler gelandet sind.

Solche Risiken wollen institutionelle Investoren aus ihren Portfolios eliminieren, selbst wenn sie den Umweltschutz sonst eher als notwendigen, aber üblen Kostenfaktor und damit schädlich für die Rendite ihres Investments betrachten. Deshalb sollten auch private Kleinanleger ihr Depot einem Klimacheck unterziehen. Der ökologische Wandel in der Wirtschaft zwingt ganz einfach dazu. Und wenn wir damit auch noch Geld verdienen können, dann haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Ökologie und Ökonomie. Was für das eine Unternehmen Kosten verursacht, bringt dem anderen Unternehmen eine ordentliche Rendite ein. Auch für die Haushaltkasse wird es zum Teil teuer, denn letztendlich bezahlt es der Verbraucher.

Schauen wir uns im Folgenden den Wechsel zu nachhaltigen und grünen Aktien an.

Fossile  Energieträger

Während die Politik immer noch um praktikable Lösungen (solche, die keinem wehtun) ringt, haben große Investoren schon längst begonnen zu handeln.

Bereits im Juni 2019 gab die britische Fondsgesellschaft Legal & General Investment (LGIM) bekannt, Exxon- Aktien im Wert von 300 Millionen Euro verkauft zu haben. LGIM gehörte zuvor zu den 20 größten Aktionären des Ölkonzerns. Eine verbliebene Position wolle man nutzen, um gegen die Vertragsverlängerung des CEO zu stimmen. 15 Jahre lang habe man mit Exxon über den Klimawandel geredet, ohne dass der Energieriese sich um seine Klimarisiken gekümmert habe. Dann reichte es dem Vermögensverwalter. Er hat die Konsequenzen gezogen.

Die französische Großbank BNP Paribas will bis 2030 in der EU keine Kohleprojekte mehr finanzieren und bis 2040 sollen alle Kohleinvestments abgestoßen werden. Gleichzeitig will die Bank ihre Finanzierung Erneuerbarer Energien deutlich ausweiten.

Auch der norwegische Staatsfonds wird Aktien von Öl- und Gasunternehmen im Wert von sechs Milliarden Euro schrittweise verkaufen. Kohle steht bei Fondsmanager Slyngstad schon länger auf der schwarzen Liste.  Aber auch AXA- CEO Thomas Buberl und Aegon- Chef Alex Wynaendts haben diese Aktien auf die besagte schwarze Liste gesetzt. In Deutschland halten die Versicherungskonzerne Allianz und Munich Re solche Aktien mittlerweile auch für zu riskant diese weiter im Portfolio zu halten.

Fakt ist, die Aktien von fossilen Energieträgern werden durch den Verkauf an Wert verlieren, denn wir sprechen hier von Milliarden- Positionen, die mit einem Sell- Vermerk versehen werden. 

Wir halten in unserem Fonds noch eine kleine Position von Aktien aus dem Bereich fossile Energieträger, das österreichische Unternehmen OMV. Es wäre sicher falsch, die Position gerade jetzt aufzulösen, aber wir werden sicher eine Entscheidung treffen müssen.

Wochenrückblick

Wochenrückblick

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Deutschland hat seit Anfang des Monats die Ratspräsidentschaft in der Europäischen Union inne. Für ein halbes Jahr haben zwei deutsche Frauen das Sagen in Europa. Die eine, Ursula von der Leyen, abgeschoben auf den nahezu einflusslosen Posten der EU-Kommissionpräsidentin, die andere, Angela Merkel, Bundeskanzlerin auf Abschiedstournee.

Kann das was werden? Die Märkte werden es zeigen. Euphorisch haben sie nicht reagiert auf die obligatorische Antrittsrede von Angela Merkel vor dem EU–Parlament in Straßburg. Warum sollten sie auch? Die Rede war gespickt von Allgemeinplätzen und zum x-ten Mal wiederholten Aussagen zu den längst bekannten Fakten. Wir werden sehen, was die geplanten  Konjunkturspritzen der EU, eine Kombination aus nichtrückzahlbarer Hilfe und Hilfskrediten, für die Wirtschaft bringen. Und auch der EU-Haushalt wird zu einer Zerreißprobe werden. Wenn beides in dieser Form überhaupt kommt…

US-Präsident Donald Trump facht den schon fast in Vergessenheit geratenen Handelskonflikt mit China durch neue Sanktionen wieder an und China reagiert mit. Wie üblich mit Gegensanktionen. Nun, unser Donald sieht seine Chancen auf eine Wiederwahl schwinden. Sein Gegenkandidat Joe Biden liegt um Längen voraus, trotz Isolation durch Corona. Da muss er das Wahlvolk wieder hinter sich bringen.

In diesem Zusammenhang muss man sich fragen, warum die EU noch keinerlei Interesse gezeigt hat eine Einigung im Handelsstreit mit den USA zu erzielen. Also wir können uns an kein Spitzentreffen zu diesem Thema zwischen Trump und von der Leyen erinnern. Und auf Joe Biden zu hoffen könnte sich als folgenschwerer Trugschluss erweisen.

Ein harter Brexit rückt immer näher, in einem knappen halben Jahr scheidet Großbritannien endgültig aus der EU aus und damit aus dem Binnenmarkt. Wenig Zeit, um irgendwie ein Handelsabkommen zu erzielen. Ein „worst case“ Szenario droht mit unübersehbaren Folgen für die beiden Kontrahenten, die mal Verbündete waren. Von diesem Geist ist leider auch nach der Juli-Verhandlungsrunde nichts mehr zu spüren. Die Haltung der EU, wir haben das bessere Blatt, könnte nach hinten los gehen. Kompromisse sind im Interesse der Wirtschaft gefragt.

Nach der jüngsten Ausweitung der beispiellosen Anti-Krisen-Maßnahmen in der Corona-Pandemie legen Europas Währungshüter eine Pause ein. Den Leitzins im Euroraum beließ der Rat der EZB aktuell auf dem bekannten Rekordtief. Die EZB steckt im Rahmen ihres Notkaufprogramms unverändert 1,35 Billionen Euro in die umstrittenen Staats- und Unternehmensanleihen bis Ende Juni 2021. Die Zentralbanken rechnen in diesem Jahr mit einer schweren Rezession im Euroraum, einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 8,7 Prozent und einer Inflation nahe Null Prozent (geplant waren einmal um die 2 Prozent jährlich, um keine Deflation zuzulassen).

Der Volkswagen Konzern hat es an die Spitze geschafft. Nein, nicht im Bereich der Spitzentechnologie oder gar beim Umsatz und Gewinn. Sondern der Konzern schmückt sich, wie jetzt bekannt wurde, mit dem Titel des meistverschuldeten Unternehmens der Welt. 192 Milliarden Dollar Schulden schiebt das Wolfsburger Unternehmen vor sich her. Mit Daimler (151 Milliarden Dollar) auf dem dritten und BMW (114 Milliarden Dollar) auf dem 8. Platz ist die deutsche Industrie nur mit Automobilwerten in diesem Ranking von 2019 vertreten. Kein Wunder, dass die Anleger bei den Automobilwerten auf Distanz gehen, wir übrigens auch.

Wie zu erwarten war, findet sich unter den 10 reichsten Unternehmen nicht ein einziger deutscher Wert. Diese Liste wird angeführt von Alphabet (104 Milliarden Dollar), Samsung (78 Milliarden Dollar) und Microsoft (47 Milliarden Dollar). Alphabet und Microsoft haben wir in unserem Depot. Etwas weniger auf der hohen Kante haben zwei weitere NDAC- Depotwerte, Facebook (44 Milliarden Dollar) und Alibaba (13 Milliarden Dollar) (alle Angaben von 2019). Auf dem Konto bringt Kapital keine Rendite. Da geht es den Unternehmen so, wie jedem Sparer. Wir können also sicher davon ausgehen, dass in der nächsten Zeit die eine oder andere lukrative Übernahme bevorstehen wird. So hat bspw. Alphabet das kanadische Startup-Unternehmen North Inc., Hersteller von sogenannten smarten Brillen, in diesem Monat übernommen. Der Kaufpreis soll gerade einmal 180 Millionen Dollar betragen. Das müsste vielleicht noch aus der Portokasse zu bezahlen sein.

Der Tourismus kommt wieder ins Rollen. Die ersten Urlauber können mit dem Flieger, unter Beachtung der geltenden Hygienekonzepte, zu ihren Urlaubszielen aufbrechen und damit den Flughäfen (Fraport!) ein wenig Umsatz bringen. Allerdings sollte die Unvernunft einiger Urlauber eine zweite Pandemie-Welle verbunden mit einem Lock down auslösen, ist es damit sehr schnell wieder vorbei. Gut, dass die Behörden gleich die berüchtigten Partys am Ballermann auf Mallorca im Keim erstickten. Ein zweites Ischgl können wir wirklich nicht gebrauchen, da muss man dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Recht geben. Es wäre verheerend für die Weltwirtschaft.

Spielen uns die Börsen einen Streich?

Spielen uns die Börsen einen Streich?

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

So könnte man denken, wenn man die Kursverläufe an den Märkten verfolgt. Nur steigende Kurse an der NASDAQ, Dow Jones und Co an der Wallstreet, aber auch in der Dax-Familie gibt es nichts groß zu meckern. Und das trotz Corona.

Auf der anderen Seite jagt eine Konjunkturprognose die nächste von verschiedenen, natürlich immer führenden Wirtschaftsinstituten, in denen die damit befassten Wirtschaftforscher das „worst case“  Szenario weiter vertiefen. Mal sind es die Banken, denen Kreditausfälle in Milliardenhöhe drohen, dann die Autoindustrie, die den Trend der Zeit verschlafen hat, dann sind es falsche Konjunkturmaßnahmen der Regierung, die nicht die richtigen Schwerpunkte setzen usw. usw.

Eigentlich müssten die Börsen im tiefsten Keller stecken. Aber was machen die Märkte? Sie steigen und das schon fast wieder bis zu den Höchstständen, wie jeder an den Charts sehen kann. Auch unser Clubfonds nähert sich dem Höchststand an.

Wie ist das zu erklären?

Schauen wir zunächst in die USA, das durch die falsche Corona-Politik des Weißen Hauses schwer geprüfte Land. Millionen Menschen wurden arbeitslos und, wie wir es den Medien sehen konnten, massenweise zum Gang in die Suppenküchen gezwungen.

In den USA gibt es kein Kurzarbeitergeld, hier herrscht „hire and fire!“ am Arbeitsmarkt. Dem Corona-Hotspot im Mutterland des Kapitalismus zum Trotz, die US-Wirtschaft befindet sich derzeit auf Erholungskurs. Und das deutlich stärker, als der Markt es erwartet. Ein Beleg dafür sind die veröffentlichten monatlichen US-Arbeitsmarktdaten für Juni. Im Vormonat ist die Zahl der Beschäftigten um 4,8 Millionen gestiegen während Analysten lediglich mit einer Erholung um 2,9 Millionen Stellen (also fast halb so viel!) gerechnet hatten. Damit sank die US-Arbeitslosenquote auf nunmehr 11,1 Prozent, während die Erwartung bei 12,4 Prozent lag. Ok, das ist immer noch deutlich höher als im Februar, wo die Zeiten noch rosig waren. Aber es ist ein erneuter, deutlicher Schritt in die richtige Richtung.

Und darauf reagieren die Märkte tendenziell, denn solange es in die richtige Richtung geht und die Arbeitslosenzahlen weiter sinken, wird die steigende Kurstendenz an der Wallstreet weiter beibehalten werden. Den DAX wird es ebenfalls weiter mit nach oben drücken.

Ein weiterer Punkt sind die Technologie-Papiere im NASDAQ, wie unser Depotwert Amazon. Es ist schon schier unglaublich, dass die Aktie von Amazon im Preis so schnell steigen kann. Über 3.070 US-Dollar kostet eine Aktie inzwischen. Erinnern wir uns, zum Jahreswechsel lag der Preis immerhin schon bei sehr stolzen 1.800 US-Dollar. Aber im Schlepptau des Onlinegiganten sind auch andere Werte mit gestiegen. Tesla, Apple und andere markieren neue Höchststände, ebenso wie der NASDAQ 100 insgesamt.

Am US-Markt waren unter Investoren in den vergangenen Jahren vor allem Unternehmen mit hohem Gewinnwachstum („Growth-Titel“), starken Bilanzen („Quality-Titel“) und relativ konjunkturunabhängigen Geschäftsmodellen („defensive Titel“) gefragt und werden in Zukunft auch weiter gefragt sein. Entsprechend positiv entwickelten sich deren Aktienkurse. Einige ausgewählte Titel halten wir in unserem NDAC-Clubfonds.

China, Europa und Deutschland

Aber die gute Entwicklung der Märkte hängt nicht von der US-Wirtschaft ab. China, das wesentlich früher aus dem Lock down zurückkehrte, gibt den Konjunkturtakt vor. Die etablierten Industrieländer versuchen nur so gut wie möglich Anschluss zu halten. Auf den ersten Blick scheint das Reich der Mitte seinen Vorsprung derzeit sogar noch ausbauen zu können. Einige Analysten erwarten dort nach einem historisch schlechten ersten Quartal 2020 bereits für das zweite Quartal wieder ein positives Wirtschaftswachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Industrieproduktion, die Anlageinvestitionen und die Dienstleistungsaktivitäten lagen im Mai allesamt bereits über den jeweiligen Vorjahreswerten. Für Ihren Autor ein weiteres Zeichen, verstärkt etablierte chinesische Werte in den Fokus zu rücken.

In Deutschland und dem restlichen Europa stemmt man sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den Abschwung. Minuszinsen, Steuersenkungen, Milliardenkonjunkturprogramme  etc. sollen eine schnelle Phase der Erholung und einen sich anschließenden Aufschwung erreichen. Und es scheint zu helfen, die Stimmung im Juni hellte sich auf. So sind die Frachtraten, Autoabsätze, Navigationsabfragen und Restaurantbuchungen zuletzt auch hier wieder gestiegen. In der Eurozone legte der Einkaufsmanagerindex von 31,9 auf 47,5 Punkte zu. Und in Deutschland verzeichnete der ifo-Geschäftsklimaindex Juni (86,2) sogar den stärksten jemals gemessenen Anstieg zum Vormonat (79,7). Eine weitere Stimmungsaufhellung erwarten die Experten für den laufenden Monat.

Die EZB wird wohl jetzt eine Pause machen und die weitere Entwicklung der wirtschaftlichen Lage beobachten. Die Maßnahmen, die nach der Pandemie eingeleitet wurden, hätten ihre Effizienz und Wirksamkeit unter Beweis gestellt, sagte Präsidentin C. Lagarde. „Wir haben so viel getan, dass wir ziemlich viel Zeit haben, um die Wirtschaftsdaten sorgfältig zu bewerten.“

Fazit:

Trotz aller Erfolge kann es wieder zu Rückschlägen kommen, zumal wenn eine zweite Welle der Pandemie zu einem erneuten Lock down führt, wovon aber derzeit niemand an den Märkten ausgeht. Wir nehmen in unserem NDAC-Clubfonds die Party bei unseren Werten weiter mit und freuen uns über die erzielten Kursgewinne.  

Monatsrückblick Juni 2020

Monatsrückblick Juni 2020 – Pandemie hält an

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Auch im Juni hielt die Pandemie noch an und beeinflusste die Märkte, auch wenn wir sagen müssen, die anderen Themen wie Green Deal, Brexit, Handelskriege zwischen China und USA bzw. der EU etc. rücken langsam wieder in den Vordergrund.

So soll der angedachte Wiederaufbauplan der EU sehr stark auf den Green Deal, den die EU- Kommission vorgestellt hat, fokussiert werden. Deutschland möchte Wasserstoffenergie-Land Nr. 1 in den nächsten Jahren werden und hat dafür ordentlich Geld in die Hand genommen, daß nun auf die entsprechenden Projekte in der Forschung und der Industrie wartet. Es gibt ja zahlreiche vielversprechende Ansätze, international und national. Wir haben darüber berichtet und auch einige Aktien aus diesem Bereich vorgestellt. Für unser Depot haben wir den Weltmarktführer auf dem Gebiet der Industriegase, die Linde.plc, erworben.

In Richtung Green deal geht auch ein weiterer Neukauf für unseren Clubfonds, der Batteriehersteller Varta. Batterien gehören zum Massenkonsum eines Verbrauchers und wir merken es sofort, wenn eine fehlt. Aber auch die Frage der Speicherung der gewonnenen Energien aus Sonne, Wind und Wasser, wird immer mehr zum Problem. Hier gehört Varta zu den Unternehmen, die die Nase in Zukunft mit vorn haben werden und auf einige Fördergelder aus EU-Programmen und deutschen Subventionen rechnen kann.

Mit Wasser hat auch die schönste Zeit im Jahr zu tun, der Urlaub. Auch wenn dieses Jahr die in Aussicht genommene Kreuzfahrt nicht stattfinden kann oder soll, ist sie doch bei vielen nur verschoben. In der Zwischenzeit sind unsere drei Kreuzfahrt-Aktien auf den sinnbildlichen Kurs nach Norden. Wir erwarten, dass im Laufe des Jahres wieder verstärkt Reisende sich ihren Wunsch nach einer Fahrt über die Weltmeere erfüllen.

Aber nicht nur auf dem Meer geht es wieder los, auch an den Flughäfen sind nach der teilweisen Aufhebung der Reisebeschränkungen für über 30 Länder wieder mehr Starts und Landungen zu erwarten. Das bedeutet für uns, dass unser neuer Wert im Depot, Airbus, wieder neue Orders erwarten kann, egal ob Neubau, Reparatur oder Wartung, es wird sich auf unseren neuen Depotwert positiv auswirken.

Der zu den weltmarktführenden Unternehmen im Turbinenbau zählende Konzern MTU ist ebenfalls neu in unserem NDAC-Depot, denn Schiff und Flugzeuge starten nicht ohne Turbinen. Und auch die internationalen Beteiligungen unseres anderen neuen Depotwertes Fraport werden wieder wertvoll, wenn die Touristen und Geschäftsreisenden neben den vielen Frachtflügen auf den Airports, unter anderen auf Deutschlands größten Airport Frankfurt/Main, wieder starten und landen

Auf dem Technologiesektor haben wir uns mit einem Nachkauf von Aktien aus Deutschlands wohl jetzt einziger zur Weltelite zählenden IT-Technologieschmiede SAP verstärkt. OK, die Personalquerelen an der Konzernspitze sind abgehakt und die SAP–Produkte sowie die Zahlen und Renditen der Walldorfer rücken wieder stärker in den Fokus der Anleger.

Leider nicht genau hat unser großer Flop, der Ascheimer Zahlungsdienstleister WireCard die Zahlen und Bilanzen genommen. Wir können vor einem Einstieg nur warnen, solange der Verbleib der 1,9 Milliarden Euro Fehlbetrag nicht geklärt ist, wird es mehr ein Zocker-Papier denn eine Aktie mit Substanz bleiben. Auch sprechen die vielen Tausende von Klagen der geprellten Anleger eine deutliche Sprache, dass WireCard bald nicht nur aus dem DAX30, sondern ganz in der Versenkung verschwunden sein wird. 

Auch wenn sie nicht mehr so sehr im engeren Fokus der deutschen Bevölkerung und wohl auch der Menschen in der EU steht, Covid19 ist noch nicht überwunden und solange es keine wirksame und praxiserprobte Impfstoffe gibt, werden wir damit leben müssen. Und uns auch mit den kostspieligen Folgen von Beatmungsgeräten und anderen Behandlungs- und  Schutzmaßnahmen auseinandersetzen müssen. Eine dieser Corona-Aktien haben wir für unseren NDAC-Fonds neu erworben. Das Lübecker Unternehmen Drägerwerk ist dabei nicht nur auf medizinische Beatmungsgeräte spezialisiert, sondern ist breit aufgestellt in der Atemschutztechnik, so dass auch nach der Überwindung der Pandemie mit soliden Ergebnissen zu rechnen ist.

Und noch etwas müssen wir wohl feststellen, das Szenario nach der Pandemie wird wohl kein V-Aufschwung mehr werden, sondern wir können froh sein, wenn wir ein U–Aufschwung erreichen. Dazu sollen die beschlossenen „Wums“ Milliarden von Finanzminister Olaf Scholz, die Ende Juni die letzten Hürden im parlamentarischen Verfahren genommen haben, einen wichtigen Beitrag leisten.

 

Wasserstoff – Eine Jahrhundertchance? Teil 2

Wasserstoff – Eine Jahrhundertchance?

Teil 2

Wasserstoff – Die große Hoffnung der Energiewende 

Wir müssen bei der Betrachtung der Wasserstoff/Brennstoffzellen-Aktien etwas vorausschicken. Wie so oft an der Börse gibt es solide Investitionsmöglichkeiten, die bei überschaubaren Risiken sehr solide Renditen und Kursgewinne abwerfen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, zu zocken und damit, wenn die Spekulation aufgeht, sehr hohe Renditen einzufahren.

Da es auch um milliardenschwere Subventionen geht, wird ähnlich wie damals am Neuen Markt gezockt und alles, was irgendwie nach Wasserstoff und Brennstoffzellen aussieht, gekauft.

Nur um ein Beispiel zu zeigen, schauen wir uns das Unternehmen Powercell aus Schweden an: Mit 47 Mitarbeitern (2019) und einem geschätzten Jahresumsatz in 2020 von ca. 11 Millionen Euro ist dieses Unternehmen an der Börse zeitweise mehr als 1,4 Milliarden Euro wert. Wow, da werden wirklich Erinnerungen wach… Dazu kommt noch, dass das Papier auch noch Bestandteil verschiedener Indizes und ETF`s ist.

Bitte nicht falsch verstehen, es ist durchaus möglich, dass den Schweden ein entscheidender technologischer Durchbruch gelingt, aber im Augenblick halten wir die Aktie für stark überbewertet.

Wir möchten uns bei unserer Betrachtung auf Bekanntes konzentrieren und fangen einmal im heimatlichen Terrain an.

Linde

Wir haben die Aktie des Weltmarktführers für Industriegase Linde schon einige Male vorgestellt und es ist kein Wunder, dass Linde auch im Wasserstoffbereich eine führende Position einnimmt. Der Konzern besitzt das notwendige Know-how und noch wichtiger ist die Lizenz, um Wasserstoff in Tanks flüssig zu halten. Am Münchner Flughafen betreibt Linde eine Wasserstofftankstelle.

Nun darf der Konzern vier H2-Tankstellen in Chungnam (Südkorea) errichten und betreiben – das Land, dass sich bisher am eindeutigsten zu Wasserstoff bekannt hat – und bis 2040 1.200 H2-Tankstellen bauen und 6,2 Millionen Brennstoffzellenautos auf die Straße bringen möchte. Linde hat dafür mit Korea Expressway einen Vertrag für 15 Jahre geschlossen. Ende 2020 sollen die neuen H2-Tankstellen den Betrieb aufnehmen.

 ElringKlinger 

 „Für die Brennstoffzelle braucht es nur Wasserstoff. Die Energie aus Sonne und Wind zur Herstellung steht praktisch unbegrenzt zur Verfügung. Außerdem dauert die Betankung nur ein paar Minuten“, so der Vorstandschef des deutschen Automobilzulieferers ElringKlinger Stefan Wolf. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Ladeinfrastruktur in das bestehende Tankstellennetz integriert werden kann. Mit steigender Produktion würden zudem die Kosten der heute noch teuren Technologie deutlich sinken.

Der schwäbische Automobilzulieferer ElringKlinger aus Dettingen ist seit rund 20 Jahren in der Forschung und Entwicklung von Brennstoffzellen tätig und tritt am Markt sowohl als System- als auch als Komponentenlieferant auf. 

Der neueste große Erfolg für ElringKlinger ist die Entwicklung von neuen Brennstoffzellenstacks für den Antrieb von Bussen. Die Stacks haben im Rahmen des europäischen Förderprojekts “GiantLeap” hervorragende Resultate erzielt.

Linde und ElringKlinger dürfen wohl sehr viele Subventionsgelder aus dem Topf von Forschungsministerin Anja Karliczek erhalten. Sie haben ein grundsolides Geschäftsmodell und sind beide auf Zukunftsterrain innovativ tätig.

Air Liquide

Das französische Pendant zu Linde ist Air Liquide. Dabei handelt es um einen international präsenten Hersteller von Industriegasen und flüssigen Gasen für Anwendungen in der Medizin. Die Gase, wie z.B. Oxygen, Nitrogen, Argon und Hydrogen werden in der Öl- und Stahlverarbeitung, in der Papier- und Glasherstellung, im Gesundheitswesen sowie der Halbleiter- und der Photovoltaik-Industrie verwendet. 

Die neueste Meldung, die über den Ticker lief besagt, Air Liquide gründet gemeinsam mit dem Autobauer Daimler, dem französischen Mineralunternehmen Total, dem weltweit größten Mineralöl- und Erdgasunternehmen Shell und den österreichischen Öl- und Gasunternehmen OMV (auch ein NDAC- Wert!) sowie Linde, das Unternehmen H2 Mobility Deutschland für den Ausbau eines Wassertankstellennetzes.

Wir sehen an dieser etwas seltsam anmutenden Kooperation von teilweise harten Konkurrenten, dass die Zukunft in Richtung Brennstoffzelle und Wasserstoff steigt. Der Green Deal der EU zwingt zu neuer Zusammenarbeit.

Ballard Power Systems

Abschließen möchten wir mit dem Weltmarktführer Ballard Power Systems Inc. Dieser ist ein kanadischer Hersteller von Brennstoffzellen mit Sitz in Burnaby bei Vancouver. Es produziert Brennstoffzellen vor allem für Schwertransporter, Busse, Züge, Gabelstapler und Schiffe. Auch im Automobilsektor ist das bereits vor fast 40 Jahren gegründete kanadische Unternehmen aktiv. So arbeitet z.B. die Volkswagen-Tochter Audi beim h-tron mit Ballard Power zusammen, einem Konzeptauto, das rein elektrisch mit Wasserstoff als Energiequelle fährt und in vier Minuten vollgetankt ist.

Ballard verfügt über zahlreiche wichtige Patente ,beispielsweise zur Substitution von Platin, das die Produktion von Brennstoffzellen bisher noch recht teuer macht.

Und ein wichtiger Aspekt ist auch, dass der Konzern bereits die Gewinnschwelle im Bereich Wasserstoff / Brennstoffzelle tangiert.

Fazit:

Wasserstoff wird als Energieträger immer wichtiger und deshalb hat die Bundesregierung die Subventionen für den Kampf um die Weltmarktführerschaft beschlossen. Ob sich der Traum erfüllt, wird die Zukunft zeigen.

Wasserstoff – Eine Jahrhundertchance?

Wasserstoff – Eine Jahrhundertchance?

Teil 1

Der größte Teil unseres Planeten ist mit Wasser bedeckt, genauer gesagt, es sind ca. 71 Prozent. Die chemische Formel für Wasser H2O ist wohl eine der bekanntesten Formeln, die wir aus dem schulischen Chemieunterricht noch kennen. Wasser besteht aus Molekülen, gebildet aus je zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoff­atom. Und wir wissen auch, dass ohne Wasser das Leben auf der Erde nicht funktionieren würde.

Uns interessiert jetzt mehr denn je, im Zusammenhang mit der künftigen Energiegewinnung, der Wasserstoff als Gas. Die Bundesregierung hat jetzt hoffentlich erkannt, dass sie mit der Energiegewinnung allein aus Windkraft, Sonne oder Biomasse die Energiewende nicht stemmen wird. Wind weht nicht immer, Sonne scheint nicht immer und ob immer genügend Biomasse angesichts des Hungers auf der Welt übrig ist, um Energie daraus zu erzeugen, ist auch sehr stark zu bezweifeln.

Das Element Wasserstoff

Es steht mit der Ordnungszahl 1 und dem Kürzel „H“ für die lateinische Übersetzung Hydrogenium = Wassererzeuger im Periodensystem der Elemente.

Die bekannteste Verbindung, in der Wasserstoff zu finden ist, ist das Wasser. Neben diesem sind auch Erdgase wie z.B. Methan sowie Erdöl wichtige wasserstoffhaltige Verbindungen auf der Erde. Auch in mehr als der Hälfte aller bisher bekannten Minerale ist Wasserstoff enthalten, aber das Wasser ist der Hauptträger des Gases.

Das wichtigste großtechnische Verfahren zur industriellen Gewinnung von molekularem Wasserstoff ist die Dampfreformierung. Dabei werden unter hoher Temperatur und hohem Druck Kohlenwasserstoffe mit Wasser umgesetzt. Es entsteht Synthesegas, ein Gemisch aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff. Das Mengenverhältnis der Reaktionsprodukte kann anschließend durch die sogenannte Wassergas-Shift-Reaktion eingestellt werden.

Aktuell gewinnt im Rahmen der Debatte um Power-to-Gas die Elektrolyse von Wasser immer mehr an Bedeutung. Bei der Wasserelektrolyse wird Wasser durch Zuführung von elektrischer Energie in die Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt.

Die technischen Probleme bei der Speicherung von Wasserstoff gelten heute als gelöst. Verfahren wie Druck- und Flüssigwasserstoffspeicherung und die Speicherung in Metallhybriden werden kommerziell genutzt. Daneben existieren weitere aussichtsreiche Verfahren, die sich noch im Stadium der Entwicklung oder in der Grundlagenforschung befinden.

Die verschiedenen Speichermethoden  werden nach ihren Eigenschaften und den spezifischen Anforderungen der Fahrzeuge (z.B. PKW, Bus, Bahn, Schiff, Flugzeug) eingesetzt.

Neue Hochdruck-Tanks für FCHV (so wird ein Wasserstoffantrieb bezeichnet) aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff für bis zu 800 bar fassen in 125 Liter Volumen bei 700 bar Nenndruck gerade 5 kg Wasserstoff (Brennwert entsprechend 22 Liter Benzin) und wiegen ungefähr 125 kg, um allen Sicherheitsanforderungen der Fahrzeughersteller zu entsprechen und Abnahmen durch den TÜV zu bestehen.

Wir sind keine Techniker, aber allein an diesen Angaben sehen wir schon, dass die Wasserstofftechnologie als Energie der Zukunft noch viele Hürden überwinden muss.

Der Kostenfaktor

Als Verbraucher interessieren uns die Kosten des Wasserstoffs. Die Kosten beim Tanken von Wasserstoff liegen im Bereich der Benzinkosten. Ein Kilogramm kostet an der Tankstelle ca. 9,50 Euro und bringt die meisten Fahrzeuge rund 100 Kilometer weit. Der Tank der meisten Wasserstoffautos fasst etwa vier bis fünf Kilogramm.

In Deutschland werden derzeit rund 20 Milliarden m³ Wasserstoff gewonnen, weltweit sind es ca. 500 Milliarden m³ bzw. ca. 50 Millionen Tonnen. Das entspricht etwa zwei Prozent des Weltprimärenergiebedarfs.

Um Deutschland in die angestrebte führende Position zu hieven, hat die Bundesregierung Fördermittel in Milliardenhöhe beschlossen. Damit soll die Energiewende hin zum Grünen Strom gelingen.

Bisher erfolgt die Herstellung des Wasserstoffs mit rund 48 Prozent überwiegend aus der Reformierung von Erdgas, da sie mit Herstellungskosten von einem Euro je Kilogramm konkurrenzlos günstig ist. Es folgt die Herstellung aus flüssigen Kohlenwasserstoffen mit 30 Prozent und aus Kohle mit 18 Prozent. Auf die Wasserelektrolyse entfallen nur rund vier Prozent, was sich durch die höheren Kosten erklärt. Wasserstoff aus erneuerbaren Energien hat beispielsweise derzeit eine Preisspanne von sechs bis zehn Euro je Kilogramm. Und genau hier möchte die Bundesregierung ansetzen, um den Anteil aus erneuerbaren Energien zu erhöhen. Dazu hat das Kabinett am 10. Juni 2020 die Nationale Wasserstoffstrategie beschlossen.

Das Konzept sieht zusätzliche Mittel von neun Milliarden Euro vor. Bis spätestens 2040 sollen Elektrolyse-Kapazitäten von zehn Gigawatt aufgebaut werden, was der Leistung von zehn Atommeilern entspricht. Gefördert werden soll die Produktion durch Abgabe-Befreiungen für Strom aus Wind oder Sonne, mit dem Wasserstoff aus Wasser erzeugt werden soll. Zwei Milliarden Euro werden für Konzepte mit internationalen Partnern besonders in Europa bereitgestellt. 

Bei solchen Summen werden Kleinanleger hellhörig und auch wir wollen mit unserem Clubfonds an den Wachstumschancen der Wasserstofftechnologie teilhaben. Welche Aktien es dazu gibt, werden wir im zweiten Teil im nächsten Newsletter in der kommenden Woche herausarbeiten.

Index-Änderungen, Anklagen und viel Geld

Index-Änderungen, Anklagen und viel Geld!

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Es gibt wieder eine Änderung im Deutschen Aktienindex DAX. Das DAX-Gründungsmitglied Lufthansa muss erwartungsgemäß seinen angestammten Platz nach 32 Jahren im deutschen Leitindex räumen. Ab 22. Juni 2020 wird die deutsche Kranich-Airline im M-DAX gelistet. Der DAX wird sich dadurch nicht groß ändern, denn schließlich war die Lufthansa mit 0,62 Prozent ein Leichtgewicht der Indexgewichtung.

Den Platz der Airline nimmt das Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen SE aus Berlin ein. Erstmals seit 14 Jahren ist damit wieder ein Unternehmen aus der Bundeshauptstadt im DAX vertreten. Damals war der Pharmakonzern Schering durch Bayer übernommen worden und verschwand vom Kurszettel. Dass Immobilienkonzerne stabile Mitglieder im DAX sind, beweist das größere Pendant, der Vonovia-Konzern aus Bochum, der dem DAX schon 5 Jahre angehört. Wir werden sicher die Gelegenheit finden, die beiden Unternehmen vorzustellen, denn trotz umstrittener und gerichtlich zu überprüfender Mietpreisbremse und anderer politischer Einflussnahmen wie bspw. Mietstundungen auf Grund der aktuellen Situation, haben beide Gesellschaften stabile Geschäftsmodelle.

Nur der Vollständigkeit halber erwähnen wir, dass unser Depotwert  Ströer neu in den MDAX aufgenommen  wurde. Diese ersetzt die Deutsche Pfandbriefbank AG, die nach der Fast-Exit-Regel aus dem Index genommen wird und in den SDAX wechselt. Neu aufgenommen im SDAX-Index werden außerdem Dr. Hönle AG und ATOSS Software AG. Sie ersetzen die Unternehmen Elmos Semiconductor AG und MLP SE, die ebenfalls nach der Fast-Exit-Regel aus dem Index genommen werden. Im TechDax gibt es aktuell keine Änderungen.

Ein anderes Unternehmen aus unserem Depot, der Zahlungsdienstleister Wirecard war am 05.06.2020 Ziel einer Razzia in seiner Aschheimer Firmenzentrale, ausgelöst durch eine Anzeige der Finanzaufsichtsbehörde Bafin wegen Marktmanipulation, was nichts anderes bedeutet als Täuschung der Anleger. Die Wirecard-Anteilsscheine waren am vergangenen Freitag im nachbörslichen Handel um mehr als zehn Prozent auf unter 87 Euro eingebrochen, in der Zwischenzeit liegen die Papiere wieder bei rund 94 Euro. Jetzt warten Anleger auf das Bilanztestat von Ernst & Young das nach dreimaliger Terminverschiebung am 18. Juni 2020 veröffentlicht werden soll.

Investoren sehen die Verantwortung für die Turbulenzen vor allem bei Vorstandschef Markus Braun, der den Konzern seit zwei Dekaden dominiert und als größter Einzelaktionär mehr als sieben Prozent der Anteile hält. Bei den Marktmanipulationsermittlungen will Aufsichtsratschef Thomas Engelmann abwarten, ob ein Gerichtsverfahren eröffnet wird. Kommt es dazu, könnte Braun für die Dauer des Verfahrens suspendiert werden.

Bei einem anderen Top-Manager hat das zuständige Münchner Landgereicht die Anklage bereits zugelassen. Rupert Stadler, Ex-Vorstandschef bei Audi und Ex-Vorstandsmitglied im VW-Konzern sowie drei weitere Mitangeklagte müssen sich wegen Betrugs in der Dieselaffäre ab dem 30. September 2020 vor Gericht verantworten. Damit rückt dieses dunkle Kapitel des deutschen Automobilbaus wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Wir können froh sein, dass wir keine großen Autowerte mehr in unserem Fonds haben, denn nicht nur die Dieselaffäre belastet bekannter weise die Branche.

Fein raus und nicht verantworten muss sich die Ex–Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen für die überteuerten und millionenschweren Beraterverträge ihres ehemaligen Ministeriums. Sie wurde nach Brüssel weggelobt und möchte in Brüssel jetzt weiter Geld ausgeben, nur eben jetzt etwas mehr. 750 Milliarden Euro stehen zur Debatte, um die in Folge der Pandemie angeschlagenen Volkswirtschaften Europas zu retten. Davon sollen 500 Milliarden Euro als nicht rückzahlbare Zuschüsse fließen und 250 Milliarden als langfristige Kredite. Den Plänen zufolge sollen im Namen der Europäischen Union über Anleihen Kredite am Kapitalmarkt aufgenommen und über Jahrzehnte gemeinsam getilgt werden. Und wenn Uschi schon einmal über Geld redet, was sie nicht hat, schlägt sie gleich noch  einen regulären mehrjährigen Finanzrahmen für die Jahre 2021 bis 2027 im Umfang von rund einer Billion Euro vor. Das Europäische Parlament geht gleich auf zwei Billionen Euro. Dabei sollen nach dem Willen der EU-Kommission neue eigene Einnahmen für die EU aus Steuern und Abgaben helfen. Im Gespräch sind eine Ausweitung des Europäischen Emissionshandels sowie eine Digitalsteuer und/oder eine Plastikabgabe.

Aber nun gibt es Schwierigkeiten mit den „sparsamen Vier“, die gegen die Zuschüsse sind. Österreich, Niederlande, Schweden und Dänemark haben gemeinsam Einspruch erhoben und lehnen die Mittelvergabe als nicht rückzahlbare Zuschüsse ab. Komisch, irgendwie fehlt das ansonsten doch immer so sparsame Deutschland in dieser Runde und wir dürfen als größter Nettozahler den größten Teil der Zeche bezahlen. Ach so, Deutschland übernimmt die Ratspräsidentschaft ab Juli und möchte seiner Kanzlerin einen schönen und glamourösen Abgang von der europäischen Bühne verschaffen. Da kommt es auf ein paar Milliarden mehr für den deutschen Steuerzahler nicht an, trotz der deutlichen Warnsignale (Exporteinbruch um 31,1 Prozent im April, Rezession etc.)  Da kann man wirklich nur noch auf die hoffentlich andauernde harte Haltung der „sparsamen Vier“ setzen nach dem Totalausfall der deutschen Bundesregierung!

Darf es ein bisschen mehr sein? Mit einem Konjunkturpaket von 130 Milliarden soll die Wirtschaft wieder durchstarten!

Darf es ein bisschen mehr sein? Mit einem Konjunkturpaket von 130 Milliarden soll die Wirtschaft wieder durchstarten!

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Darf es ein bisschen mehr sein? So die allgemeine Frage beim Fleischer um die Ecke und genau so muss sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder im Kanzleramt vorgekommen sein, als das Konjunkturpaket von 130 Milliarden Euro beschlossen wurde. Er hatte eine Grenze von 100 Milliarden Euro im Sinn, mit Blick auf die Schulden für die künftigen Steuerzahler.

Schauen wir uns das Konjunkturpaket im Hinblick auf die Märkte an. Kernstück des Paktes ist die wirklich unerwartete Senkung der Mehrwertsteuer ab Juli 2020 für ein halbes Jahr. Ziel dabei ist es, den Konsum anzukurbeln. Der volle Mehrwertsteuersatz soll dazu vorübergehend von 19 auf 16 Prozent sinken, der ermäßigte Satz von 7 auf 5 Prozent. Insgesamt sollen die Verbraucher damit um 20 Milliarden Euro entlastet werden.

Kluge Köpfe haben bereits nachgerechnet: Das wären durchschnittlich 243,90 Euro pro Bundesbürger im 2. Halbjahr. Nur bleibt die Frage, ob die Unternehmen die gut gemeinte Steuersenkung überhaupt an die Kunden weitergeben und wenn, in welcher Höhe. Andernfalls fließt die Steuerentlastung nicht in den Konsum, sondern in die Taschen der Aktionäre. Was für uns Anleger keine schlechte Sache ist, den Konsum aber nun wirklich nicht befeuert.

Eine andere Maßnahme ist ein einmaliger Kinderbonus von 300 Euro pro Kind, das mit dem Kindergeld ausgezahlt werden soll. Ein soziales Element, das die SPD im Hinblick auf die kommende Bundestagswahl durchgesetzt hat (wenn die Wirkung bis zum September 2021 nicht schon wieder verpufft ist!). Gut gemeint, aber schlecht gemacht. Denn wie viel von dem Geld tatsächlich in den Konsum fließt und wie viel davon gespart wird (also keine stimulierende Wirkung entfaltet), ist völlig offen. Schließlich wird nicht nach einkommensschwachen und einkommensstarken Empfängern unterschieden. Das Gießkannenprinzip halt (Ein Tipp zum Sparen: für 300 Euro erhalten Anleger ungefähr 2,5 Anteile unseres NDAC-Clubfonds).

Bürger und Unternehmen sollen bei den Stromkosten entlastet werden, indem die sogenannte EEG-Umlage ab 2021 über Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt abgesenkt wird.

Im Prinzip ist das eine richtige Maßnahme. Aber wir fragen uns, warum erst 2021? Die Wirtschaft braucht jetzt Entlastung, zumindest der Teil, der hier noch produziert und nicht abgewandert ist bzw. von der Umlage sowieso befreit ist. Für den Bürger ist diese Entlastung über die Stromrechnung so versteckt, dass eine stimulierende Wirkung zweifelhaft ist. Eine sofortige Senkung der Mineralölsteuer hätte einen deutlich sichtbaren Effekt gehabt. Aber das wäre wahrscheinlich am Widerstand der Grünen im Bundesrat gescheitert.

Besonders stark von Corona betroffene Branchen sollen mit Überbrückungshilfen im Umfang von bis zu 25 Milliarden Euro gestützt werden. Die Deutsche Bahn soll 5 Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital vom Bund erhalten, der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) 2,5 Milliarden Euro.

Das dürfte dem Massensterben bei Veranstaltern, Kultur, Gastronomen, Hotels etc. etwas entgegenwirken und die Arbeitslosenzahlen weiter auf einem erträglichen Niveau halten. Bahn und ÖPNV werden bereits hoch aus Steuergeldern subventioniert.

Es gibt keine generelle Kaufprämie für Autos. Lediglich die Prämien für Elektroautos sollen deutlich steigen.

Schade, eine neue Abwrackprämie hätte unmittelbare Konjunkturwirkung entfaltet, weil sie eben nur dann in Anspruch genommen werden kann, wenn bald ein neues Auto gekauft wird.

Ob der Anreiz einer höheren Kaufprämie beim Ladenhüter Elektroauto zieht, bleibt sehr fraglich wegen der überzogenen Preise bei geringer Reichweite, einer schwachen Ladeinfrastruktur sowie einer letztlich äußerst zweifelhaften Ökobilanz. Aber Tesla und andere bekannte E- Mobilhersteller werden sich freuen, denn wenigstens etwas fällt für sie ab. Die Kommunen bekommen ihre Ausfälle bei den Gewerbesteuereinnahmen von Bund und Ländern ersetzt. Das ist eine gute Maßnahme, so bleiben die Kommunen wenigstens handlungsfähig. Aber wir packen die kommunalen Schulden in die Taschen von Bund und Ländern. Zurückgezahlt werden müssen sie trotzdem. Für Forschung und Entwicklung und für den Klimaschutz sollen außerdem weitere Gelder bereitstehen. Hier gilt der alte Politikergrundsatz, immer schön vage bleiben und keine konkreten Projekte oder Beträge nennen. In ein paar Wochen ist eh alles vergessen oder frei nach Altkanzler Konrad Adenauer: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern!

Fazit: Das Paket ist besser als kein Paket.

Aber es ist leider nicht gut gemacht. Hier ein paar Milliarden, dort ein paar Milliarden. Das verwässert die Wirkung der Maßnahmen stark. Es wäre viel klüger gewesen, die 130 Milliarden Euro zu bündeln und direkt an die Adressaten zu verteilen. Sagen wir: 30 Milliarden für Kommunen und klamme Branchen, den Rest (100 Milliarden) direkt für die Verbraucher. Am besten in Form von Konsumschecks mit 3 Monaten Verfallsdatum. Das wären dann rund 1220 Euro für jeden Bundesbürger. Eine Menge Kohle, die auch sofort in den Binnenkonsum fließen würde, denn die Kanzlerin muss den Scheck im Gegensatz zum US- Präsidenten nicht auch noch unterschreiben. Realpolitik funktioniert leider anders. Die Börsen haben das Paket bereits eingeordnet und verharren auf dem Vortagsniveau.