Über Protokolle, ein wichtiges Formular und Berkshire Hathaway 

Über Bürokratie stöhnen wir alle und füllen Formulare meistens nur mit Widerwillen aus, speziell für die Finanzbehörden. Das ist nicht nur in Deutschland so, obwohl es hierzulande die meiste Fachliteratur zu Steuern und Abgaben gibt. In anderen Ländern gibt es mehr oder weniger Bürokratie, auch dort wo man es gar nicht vermutet. Bspw. in Japan gibt es das alte und als wichtig erachtete Hanko-Siegel, ohne dass ein Dokument nicht gültig und wirksam wird. Deshalb können die Japaner sehr wenig online erledigen.

Es gibt auch sehr interessante Formulare, speziell für Anleger, und Protokolle, wie das auf Grund seiner Farbe genannte „Beige Book“ der US- Zentralbank Fed seit 1971.

Das „Beige Book“ besteht aus einer Zusammenfassung von Kommentaren der zwölf regionalen Zentralbanken der USA über die aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen in ihrer Region. Es wird acht Mal pro Jahr veröffentlicht, jeweils zwei Wochen vor der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses. Die Kommentare enthalten Einschätzungen der Bankdirektoren und Befragungen von Ökonomen, Marktexperten, Firmenlenkern und anderen Quellen zur aktuellen Wirtschaftslage. Da die Veröffentlichung einen Fingerzeig auf die künftige Notenbankpolitik gibt, ist es für Finanzexperten und Manager großer Fonds ein wichtiger Hinweis für ihre gegenwärtigen und
zukünftigen Anlagen.

In der EZB gibt es eine ähnliche Veröffentlichung, nur wird sie EZB-Sitzungsprotokoll genannt.

Das 13F-Formular und Warren Buffet

Ein weiteres US-Formular beschäftigt viele Anleger auch hier in Deutschland, das sogenannte 13F- Formular. In diesem Formular für die amerikanische Börsenaufsicht SEC (deutsches Pendant: Bafin) müssen alle institutionellen Investoren, deren Vermögen 100 Millionen Dollar überschreitet, ihre Anlagen offen legen. Ein Formular unter vielen interessiert immer dabei besonders, nämlich das von
unserem Depotwert Berkshire Hathaway und seinem Chef, Altmeister Waren Buffet. Er verfolgt bekannterweise einen langfristigen Value-Investmentansatz und gibt seinen, aus seiner Sicht unterbewerteten, Investitionen Zeit für eine Entwicklung. In der Regel ca. 10 Jahre und mehr. Die Historie seiner Berkshire Hathaway gibt ihm dabei Recht und viele Anleger sind über die Jahrzehnte mit der Aktie reich geworden.

Besonders auffallend am aktuellsten Portfolio des Altmeisters dürfte gewesen sein, dass er sich aus allen seinen Airline-Investments zurückgezogen hat. Nun ist das nicht ganz so schlimm angesichts der Corona-Pandemie, zumal das Orakel von Omaha es selbst im Mai 2020 auf dem jährlichen Aktionärstreffen angekündigt hat. Und so flogen die Fluglinien (Delta Air Lines, American Airlines etc.), die er erst 2016 nach langem Zögern erworben hatte, nach relativ kurzer Verweildauer aus dem Depot
zurück in den Hangar.

Auch Gold und Buffet, dass passte nie zusammen. Er bezeichnet selbst das gelbe Edelmetall als „faul“ und „unproduktiv“. Und behielt damit eigentlich immer Recht. Silber und andere Edelmetalle werden wenigstens mehr oder weniger umfangreich noch als Industriemetalle benötigt. Aber jetzt hat er sich wohl auch in diesem Punkt anders entschieden. Aber der alte Buffet wäre nicht Buffet gewesen, wenn er die Goldbarren direkt gekauft hätte und diese in seinem Depot auf die faule Haut gelegt hätte.

Die Goldanlage wurde in den letzten drei Monaten durch den Kauf von 20.918.701 Barrick Gold-Aktien, einem weltweit bekannten kanadischen Goldbergbauunternehmen, im Gegenwert von
563,55 Millionen Dollar getätigt. Das macht zwar nur 0,28 Prozent des gesamten Berkshire Hathaway-Depots aus, aber trotzdem gibt es manchem Ökonomen zu denken. Buffet sieht die US- Wirtschaft und den Dollar doch nicht mehr als so sicher an wie früher, mutmaßt die Finanzwelt. 
Und vielleicht behält er wieder einmal Recht, denn die Fed und andere Notenbanken drucken immer neues Geld, als gebe es kein Morgen mehr. Das war nach der Finanzkrise 2008/2009 so und ist jetzt bei Covid 19 wieder so. Da ist eine kleine Absicherung im Depot vollkommen richtig, zumal Barrick Gold auch Dividende zahlt (Quartalsdividende 2019: 0,05 Dollar= 1,08 Prozent Dividendenrendite).

Schauen wir kurz noch die 10 größten Investitionen von Berkshire Hathaway an, so finden wir, das „Who is Who“ der US-Wirtschaft ist immer noch gut vertreten.

Platz 10: Bank of New York Mellon; Platz 9: Da Vita Healthcare Partners; Platz 8: US-Bancorp; Platz 7: Wells Fargo; Platz 6: Moodys; Platz 5: Kraft Heinz; Platz 4: American Express; Platz 3: Coca Cola; Platz 2: Bank of America; Platz 1: Apple

Fazit

Wir sehen also, auf den ersten zehn Plätzen gibt es nur minimale Verschiebungen in den Werten und Buffet hält an seiner bewährten Value-Strategie weiter fest. Und ein wenig Gold-Absicherung
in diesen hoch volatilen Zeiten, bedingt durch Covid 19, hält und seine Folgen
für die US- und für die Weltwirtschaft hält eben auch das Orakel von Omaha für
geboten. Manchmal lohnt es sich, Formulare zu studieren!

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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