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Über allen Gipfeln ist Ruh

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Goethe hatte zwar bei seinem Gedicht nicht die politischen und militärischen Gipfel im Sinn, aber wir können uns durchaus vorstellen, dass nach so vielen Gipfeln sich Gipfelstürmer und Bundeskanzler Olaf Scholz ja doch ein wenig Ruhe wünschen wird. Aber noch steht der G20-Gipfel am 15./16. November 2022 in Nusa Dua auf Bali in Indonesien aus. Aber zwischendurch ist sicher erst einmal Urlaub angesagt im Kanzleramt.

Natürlich ging es bei all diesen Gipfeln in der Hauptsache um Sicherheitsfragen. Die russische Intervention in der Ukraine stellte die Hilfe für das überfallene Land in den Mittelpunkt. Das war notwendig. Zum einen wegen der russischen Übermacht und zum anderen, weil der Hauptunterstützer USA wegen der im November stattfindenden Zwischenwahlen vielleicht nicht mehr derselbe sein dürfte wie gegenwärtig.

Eigentlich war der Klimawandel das große Problem, was bewältigt werden sollte. Aber es spielte nur am Rande eine Rolle. Einen Vorschlag hatte der Bundeskanzler Olaf Scholz jedoch mitgebracht. Die Gründung eines weltweiten Klimaclubs, der auf dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau beschlossen wurde. Wer in diesen Club kommt, soll profitieren: von guten Handelsbeziehungen mit den G7. Die Mitgliedschaft soll letztlich die Welt vor dem Klimakollaps bewahren, in dem sich beitretende Staaten zu schärferen Klimaschutzmaßnahmen verpflichten. Starten soll das Projekt bereits Ende 2022. Klingt zwar gut, aber ihr Autor zweifelt wie viele andere Experten an der Realisierung des Klubs. Nicht falsch verstehen, es ist keine schlechte Idee. Nur sind die Clubgründer selbst noch keine wahren Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Kein einziges der G7-Länder hat selbst ausreichende Ziele und Maßnahmen formuliert, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Und das, obwohl diese einflussreichen Industrienationen historisch gesehen einen erheblichen Teil der Schuld am Klimawandel tragen. Solange sie also ihre eigenen Ziele nicht an diesen Vorgaben ausrichten, bleibt ihre Politik scheinheilig und lädt nicht unbedingt zum Mitmachen anderer Länder ein. Wir werden sehen, ob und mit welchen Regeln der Klub gegründet und wie lange bestehen wird.

Eine weitere, zwar gut gemeinte Aktion des US-Präsidenten steht auf wackligen Füßen. Denn das angekündigte Goldembargo dürfte dem Kreml kaum wehtun. Das drohende Importverbot der G7-Staaten für russisches Gold wird von russischer Seite zwar als “unrechtmäßig” bezeichnet, aber das ist nur Theaterdonner. Moskau wird sich neue Abnehmer suchen. Indien steht da wohl an erster Stelle, schließlich ist dort bald Hochzeitssaison und auch in anderen Ländern gibt es viele Liebhaber des gelben Metalls. Den Goldpreis hat Bidens Ankündigung jedenfalls nicht beeindruckt.  

 

Wow, da kann sich die EZB aber auf die Schulter klopfen, die Inflationsrate in Deutschland ist auf 7,6 Prozent gesunken. Nur durch die Ankündigung einer neuen Zinspolitik wurde das Kunststück vollbracht. Richtig, die Inflationsrate ist zwar minimal gesunken, aber Fakt ist, hier wirken sich das 9-Euro-Ticket und auch der Tankrabatt aus. Also nichts mit Schulterklopfen. Im Gegenteil, Christine Lagarde ist überzeugt, dass sich die Inflationsdynamik im Euro-Raum dauerhaft verändert hat. „Ich glaube nicht, dass wir in ein Umfeld niedriger Inflation zurückkehren werden“, sagte die Präsidentin der EZB am Mittwoch. Lagarde verwies darauf, dass die EZB es in den vergangenen zehn Jahren mit einer zu niedrigen Inflation und anderen Rahmenbedingungen zu tun gehabt habe. Die EZB-Chefin räumte zudem ein, dass die Notenbanken mit Demut auf ihre früheren Inflationsprognosen zurückblicken müssten. Die Währungshüter hatten bekanntlich für dieses Jahr lange Zeit einen deutlichen Rückgang der Inflation vorhergesagt. Auch US-Notenbankchef Powell vertrat die Position, dass die Wirtschaft heute „ganz anders“ sei als vor der Pandemie – mit vielen Angebotsschocks, einer höheren Teuerung und einer starken globalen Inflationsdynamik. Die Notenbank sieht Preisstabilität bei einer langfristigen Inflationsrate von zwei Prozent. „Das größte Risiko für die Wirtschaft wäre es, wenn es uns nicht gelingt, Preisstabilität wiederherzustellen“, sagte der Währungshüter. Ziel der Fed sei es aber, die Zinsen anzuheben, ohne eine Rezession auszulösen. „Wir glauben, dass dies möglich ist.“ Das klingt doch schon mal gut, vielleicht sollte er den Weg dazu an seine europäische Kollegin weitergeben.

Und es gibt eine neue Wortschöpfung an den Märkten, Gewinnrezession. Das bedeutet, dass die Gewinne der Unternehmen deutlich sinken und zwei Quartale hintereinander zurückgehen werden. Das Problem: Die Börsen spiegeln dieses Risiko noch nicht wider. Damit drohen neue Rückschläge bei Aktien. Wir wissen, dass die Aktien vor allem ein reelles Bewertungsproblem hatten. Wenn sich jetzt noch einmal die Profitentwicklung bei Aktien verschlechtern, dann werden sie in der Regel verkauft und es drohen neue Turbulenzen an den Märkten.

Wenigstens auf die Profitgier der OPEC+ kann man sich verlassen. Beim Treffen der 20 Mitgliedsländer wird eine Erhöhung der Fördermenge erwartet. Für Juli hatte die Allianz ein Produktionsplus von täglich 648.000 Barrel (je 159 Liter) beschlossen. Ein ähnlicher Schritt ist für August bereits ins Auge gefasst worden. Das beruhigt irgendwie, denn der Schmierstoff, der die Welt zusammenhält, ist auch ein Konjunkturbarometer. Erdöl wird also weiter stark nachgefragt.