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Probleme mit politischen Entscheidungen

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Obwohl man der Politik nie so richtig über den Weg trauen darf, ist jetzt erst einmal Fakt, dass das Ende des Verbrenners beschlossen ist.

Das EU-Parlament hat seine endgültige Zustimmung für das Aus des Verbrennungsmotors für Neuwagen im Jahr 2035 gegeben. Eine Mehrheit der Abgeordneten stimmte dafür, dass ab 2035 keine Autos mit Diesel- und Benzinmotor mehr neu zugelassen werden dürfen. Bei dem Votum ging es um die formelle Zustimmung über eine Einigung zwischen Parlament und Mitgliedstaaten vom Oktober. Die Einigung sieht vor, dass nur noch sogenannte emissionsfreie Autos und Vans neu zugelassen werden. 
 
Nur stellen sich jetzt einige Fragen, die die Abgeordneten, aber auch die nationalen Politiker wieder unter den Tisch fallen lassen. Die für den Betrieb E-Autos notwendige Energie wird die Preise dafür wieder in ungeahnte Höhen treiben. Zum einen lässt der Ausbau der Ladeinfrastruktur, speziell in den mittleren und kleinen Städten und auf dem Lande, noch stark zu wünschen übrig. Und zum anderen, wer bezahlt ihn bzw. wer kann ihn überhaupt bezahlen? Die, die Ladesäulen hinstellen und betreiben, werden nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben wollen und den Aufwand für diesen Service an die Endkunden weitergeben. Ein dramatisch hoher Strompreis droht, sofern der Strom nicht aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Derzeit kommt der Strom meistens aber nur aus Erdgas, Atomkraft und Kohleverstromung, aus denen wir aber aussteigen wollen.
 
Oder nehmen wir die Batterien als Speichermedium für die Antriebs-Elektroenergie. Diese verfügen laut dem heutigen Stand der Dinge nur über ein begrenztes Haltbarkeitsdatum und müssen dann aussortiert, aufbereitet und der Wiederverwendung zugeführt werden. Der Preis dürfte dann auf die auch nicht ganz billigen Ersatzspeichermedien umgelegt werden.
 
Wir hatten ja schon darüber berichtet, dass E-Autos zwar billiger werden, trotz heruntergefahrener Subventionen, aber auch Elon Musk nicht davor zurückschreckt, höhere Preise durchzusetzen. OK, hat im ersten Anlauf nicht so richtig geklappt.
 
Der Ausweg aus dem Dilemma ist die Beibehaltung von Verbrennern im Straßenverkehr, bis es neue und bezahlbare Antriebsmöglichkeiten gibt, zum Beispiel aus grünem Wasserstoff. Wir hatten darüber berichtet. Dann kann der gesamte Prozess des Austausches der Automobile noch einmal mit einer Abwrackprämie unterstützt und beschleunigt werden. 
 
Einem ganz anderen politischen Problem stand Warren Buffett gegenüber, der eigentlich als Langfristinvestor gilt. Er hat sein Milliardenengagement beim Chipriesen Taiwan Semiconductor Manufacturing Co nur wenige Monate nach Bekanntgabe seines Einstiegs fast komplett aufgelöst und damit am Markt für Verunsicherung gesorgt.
 
Buffetts Holding Berkshire Hathaway reduzierte ihren Bestand an Hinterlegungsscheinen von TSMC laut Bloomberg im letzten Quartal um 86 Prozent, wie eine Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht zeigt. Unter der Annahme, dass die ADRs von TSMC zum Durchschnittspreis im Berichtszeitraum abgestoßen wurden, hätte der Anteilsverkauf 3,7 Milliarden Dollar eingebracht.
 
In der Reaktion auf die Nachricht fielen die TSMC-Titel in Taipeh in einem schwachen Markt um bis zu 4,2 Prozent. Im November hatten die Aktien mit einer Rallye auf die Nachricht reagiert, dass Buffett einen Anteil im Wert von rund 5 Milliarden Dollar erworben hatte. Der Börsenkurs liegt noch immer mehr als 40 Prozent über dem Tief vom Oktober. „Es ist überraschend, dass Berkshire Hathaway seine Beteiligung in nur einem Quartal so stark reduziert hat, was sich von ihrer bisherigen Praxis der langfristigen Investments und weiteren Aufstockung von Aktien unterscheidet“, erklärte Toni Huang, Vice President bei Taishin Securities Investment Advisory Co.

Die Gründe für den nahezu überstürzten Anteilsverkauf sind leicht zu finden. Die Chipindustrie hatte mit den durch die Corona-Pandemie verursachten Lieferunterbrechungen in China und einem Einbruch der Nachfrage nach Elektronik angesichts der steigenden Inflation zu kämpfen. TSMC hat sein Investitionsziel für 2023 um etwa 10 Prozent auf etwa 36 Milliarden Dollar gesenkt, nachdem die Regierung von Joe Biden neue Beschränkungen für den Zugang Chinas zu wichtigen Technologien eingeführt hat. Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Branche ändern sich. Inmitten der politischen Spannungen zwischen den USA und China drängen die Regierungen in Washington, Tokio und Brüssel TSMC, den Aufbau lokaler Produktionskapazitäten zu unterstützen. Dies droht die Kosten in die Höhe zu treiben. Also wir sehen, die Gründe für den Rückzug des alten Börsenfuchses sind nachvollziehbar. Fakt ist auch, wir werden den Wert unter den veränderten Bedingungen neu bewerten und ggf. einen Verkauf in Erwägung ziehen müssen.

Laut dem Vergleichsportal Verivox bieten von 644 untersuchten Banken in Deutschland aktuell 353 keine Verzinsung. Das entspricht einem Anteil von 55 Prozent. Doch der Markt bewegt sich, also zumindest langsam. Vor gut zwei Wochen boten noch 65 Prozent der Banken keine Tagesgeldzinsen.

Dividenden tragen dagegen längerfristig einen Großteil zu den Gesamterträgen eines Aktienportfolios bei. Seit dem DAX-Start Ende 1987 legte der Performanceindex mit plus 1.444 Prozent fast zweieinhalb Mal so stark zu wie der Kursindex, bei dem Ausschüttungen nicht angerechnet werden. Auf das Jahr gesehen konnten Anleger mit den Blue Chips inklusive Ausschüttungen im Schnitt gut 8,1 Prozent verdienen. Ohne Dividenden wären es übrigens nur knapp 5,4 Prozent p. a. gewesen.

Trotz aller globalen Krisen können sich Anleger auch 2023 auf fette Dividenden freuen: Nach Berechnungen der DekaBank werden allein die DAX-Konzerne in diesem Jahr 54,9 Milliarden Euro ausschütten. Das sind 3,6 Milliarden mehr als im Jahr 2022. Rechnet man die Ausschüttungen aus den Nebenwerte-Barometern MDAX und SDAX hinzu, steigt die Dividendensumme der 110 deutschen Indextitel auf etwa 65 Milliarden Euro. Beeindruckend sind auch die Zahlen zu den Renditen. Während es im Schnitt so 2,2 bis 3,5 Prozent zu verdienen gab, gibt es auch Einzelwerte, die weit höhere Beträge ausschütten. Unser ehemaliger Depotwert Hapag Lloyd kommt bspw. auf eine Rendite im zweistelligen Bereich. Davon können Tages- und Festgeldanleger nur träumen…