David vs. Goliath, Börsengänge, ein Ex und ein Koalitionsausschuss

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Jetzt also doch! Um das Impfchaos in Deutschland zu beenden und wohl auch um noch die Reputation der Bundes- und Landesregierungen zu retten, ist  jetzt der in der Vergangenheit verteufelte russische Impfstoff Sputnik V in Deutschland im Gespräch. Er soll aller Voraussicht nach planmäßig nach seiner Zulassung durch die EMA in Dessau- Roßlau produziert werden. Ob das Impfchaos dadurch weniger wird, werden wir sehen.

David gegen Goliath, dieser biblische Kampf wurde in den letzten Tagen an den internationalen Märkten uraufgeführt.

Es klingt wirklich wie eine moderne Heldenlegende: Junge, über soziale Medien wie Reddit, organisierte Privatanleger greifen etablierte milliardenschwere Hedgefonds an, fügen ihnen hohe Verluste zu und streichen fette Gewinne ein. Beifall bekommen sie von Prominenten wie Tesla-Gründer Elon Musk und Donald Trump jr., dem Sohn des abgewählten US-Präsidenten.

Auslöser des Kampfes waren Wetten von Hedgefonds auf Kursverluste bei GameStop, einer US-Handelskette für Videospiele. 2020 war der Kurs wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten auf ein Rekordtief von 2,57 Dollar gesackt, bevor ihn die konzertierte Gegenattacke der Kleinanleger auf zwischenzeitlich über 500 Dollar katapultierte. Aber auch andere Werte (Blackberry, Silber etc.) wurden zum Spielball.

Damit trafen sie die Goliaths ins Mark. Sie zwangen gleichzeitig die mächtigen Hedge-Fonds (meist sind es Short-Trader), die auf fallende Kurse gesetzt hatten, selbst Aktien zu kaufen. Schließlich mussten die ihre Verluste minimieren. Das wiederum trieb den Kurs weiter nach oben. Damit ist das Papier zum reinen Spekulationsobjekt und für aktionistische Anleger sogar zum Spiel mit den Hedge- Fonds geworden.

Die Attacken haben sich inzwischen nicht nur auf andere Länder wie Deutschland ausgeweitet, sondern auch auf andere Aktien, gegen die Hedge-Fonds wetten. Ausgerechnet die ins Zwielicht geratenen deutsche Finanzaufsicht Bafin warnt: „Absprachen können auch einen strafbaren Marktmissbrauch darstellen.“ Haben nicht einige Bafin Mitarbeiter selbst am WireCard-Skandal mit Wetten prächtig verdient?!

Sei es wie es sei, am Ende wissen wir noch nicht genau, wer den Kampf gewonnen hat, schließlich wechselten auch einige Hedge-Fondsmanager die Seiten in diesem Spiel. Der Computerhandel macht es in Sekundenbruchteilen möglich.

„wirkaufendeinauto.de“, irgendwann hat jeder schon einmal diese Werbung wahrgenommen. Jetzt kann man den Händler auch gleich mit kaufen. Denn der Berliner Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 hat ein erfolgreiches Börsendebüt hingelegt. Die Aktien starteten mit 55 Euro in den Handel an der Börse in Frankfurt, ein Plus von 45 Prozent zum Zuteilungspreis. Damit wird der Betreiber von „wirkaufendeinauto.de“ mit knapp zwölf Milliarden Euro bewertet. Es ist der größte deutsche Börsengang seit 2019. Aktuell steht der Kurs nach Gewinnmitnahmen bei ca. 52,00 Euro.

Wer nicht bei der Zuteilung des ersten Börsengangs zum Zuge kam, keine Bange. Im März dieses Jahres ist der nächste große Börsengang avisiert, es handelt sich dabei um den Herrn der Türme. Der weltgrößte Telekommunikationskonzern Vodafone bringt seine Funkmasten-Sparte Vantage an die Börse. Sie könnte aller Voraussicht nach mit 18 bis 20 Milliarden Euro bewertet werden.

Einen der größten Börsengänge in diesem Jahr plant der Mercedes-Hersteller Daimler mit der Abspaltung von seiner LKW- und Bussparte Daimler-Trucks.  Analysten bewerten das Geschäft des weltgrößten Herstellers von Nutzfahrzeugen über sechs Tonnen mit bis zu 34 Milliarden Euro. Daimler strebt mit seiner Lkw-Einheit in den DAX, wo der Konzern seit Jahren bereits fest etabliert ist. Ziel des Umbaus ist eine effizientere Struktur und eine bessere Wahrnehmung am Kapitalmarkt.

Und weitere, wenn vielleicht auch nicht ganz so kapitalträchtige Börsengänge, werden an der Frankfurter Börse erfolgen. Allerdings kann ein ungünstiges  Börsenumfeld infolge einer Rezession die Pläne aller Kandidaten noch einmal auf bessere Zeiten verschieben. Verramschen will keiner sein Unternehmen, denn neben den möglichen Zahlungen an Altaktionäre sollen vor allem neue renditeträchtige Zukunftsinvestitionen vorgenommen werden.

Und ein alter Bekannter ist auch wieder ins Rampenlicht getreten. Mario Draghi, der ehemalige EZB – Präsident und gefeierter Retter des Euro („What ever it takes“) soll nun die italienische Regierung retten. Er soll ein Kabinett aus Fachleuten bilden, denn Neuwahlen würden die nicht nur durch Covid 19 bedingte äußerst fragile Wirtschaft des Landes ins Chaos stürzen.

Von Deutschland gibt es nur einmal wieder eine Sitzung des Koalitionsausschusses zu vermelden. Auf der wurden neue Ausgaben beschlossen. Die Wirtschaft profitiert davon, in dem die große Koalition Unternehmen mit Verlusten durch die Corona-Krise stärker unter die Arme greift. Durch einen erweiterten Verlustrücktrag sollen sie coronabedingte Verluste in der Steuererklärung umfangreicher als bisher mit Gewinnen aus den Vorjahren verrechnen können.

Eventuell springt ja auch die Binnennachfrage wieder etwas an durch den beschlossenen einmaligen Kinderbonus von 150 Euro/Kind. Auch die Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie wird über den 30. Juni verlängert und befristet bis zum 31. Dezember 2022 von 19 Prozent auf den ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent gesenkt.

Von Einnahmeverbesserungen zugunsten des Staatshaushaltes werden wir bis zur geplanten Bundestagswahl nichts erfahren und das schenkt uns noch mindestens ein dreiviertel Jahr Zeit.

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