Jahresendrallye – aber leider in Richtung Süden

Der Nikolaus war wohl irgendwie auf der falschen Spur unterwegs und sorgte für einen Rücklauf der Aktien in New York, Frankfurt etc. Eine kleine Meldung, die unter normalen Umständen irgendwo im Mittel- oder gar hinteren Teil der Zeitungen gelandet wäre, verursachte einen rasanten Kursrutsch an den Märkten.

Am besagten Nikolaustag wurde nämlich bekannt, dass bereits am 1.12.2018 die Finanzchefin und Tochter des Gründers von Huawei aufgrund eines Haftbefehls aus den USA in Kanada verhaftet wurde. Sie habe Sanktionen gegen Länder wie den Iran nicht befolgt, so der Vorwurf. Die US-Justizbehörden fordern nun ihre Auslieferung. Huawei ist einer der größten Telco-Konzerne in China und eng mit der Partei- und Staatsführung verbunden. Die Tochter des Gründers zu verhaften, ist also keineswegs eine Lappalie.

Eigentlich lief alles soweit nach Plan

Dabei hatte das G20-Treffen in Buenos Aires trotz der Tatsache, dass die deutsche Bundeskanzlerin verspätet ankam (wie üblich streikte wieder einmal die Technik in der Regierungsmaschine!), Hoffnungen auf eine Lösung zumindest des Handelsstreits zwischen den USA und China geweckt. Denn die beiden Staatschefs hatten sich zu einem bilateralen Treffen zurückgezogen, in dessen Ergebnis eine Aussetzung der Zölle für chinesische Exporte in die USA beschlossen wurde. Sie wurden zwar nicht aufgehoben, sondern nur für 90 Tage ausgesetzt, so aber können beide Seiten zumindest weiter über eine akzeptable Lösung des Problems verhandeln. Die Börsen honorierten das mit einem Ruck gen Norden.

In Europa gelang den Unterhändlern eine Übereinkunft über die Nordirlandfrage, sodass der Abschluss der Verhandlungen über den Brexit nun formal vollzogen werden konnte. Ja gut, ein echter Deal war es nicht, nur eine Absichtserklärung zum Brexit-Abkommen, das wohl kaum die Abstimmung im Unterhaus überleben wird, wenn nicht die oppositionelle Labour Party die schwache und wirklich nicht um ihren Job zu beneidende Theresa May und damit den geregelten Brexit rettet. Aber immerhin war auch hier ein wenig Ruhe an der Brexitfront eingezogen.

Und die Italiener machten einen Schritt auf die EU zu und reduzierten ihre geplanten Schulden etwas. Auch hier werden beide Seiten wohl wieder einen lauen Kompromiss finden, der die Märkte zwar beruhigen soll, aber nicht die alternative Lösung darstellt.

Und auch FED-Chef Powell deutete an, dass er die wirtschaftliche Situation bei den geplanten Zinsschritten berücksichtigen wolle.

Aber dann kam der Nikolaus

Kinder freuten sich auf diesen Tag, aber auch die Börse und alle Marktteilnehmer werden den diesjährigen Nikolaustag nicht so schnell vergessen. Denn trotz vermeintlicher Einigung zwischen den Präsidenten Trump und Xi gingen die Aktienmärkte in einen Sturzflug über, und die meisten Anleger waren völlig falsch positioniert.

Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Verhandlungsführung Trumps, die invertierte Zinsstrukturkurve, die Verhaftung der CFO von Huawei – all das versetzte in der Gesamtheit die Börsen in Panikstimmung und ließ sie kippen. Dass es einen solch starken Ausverkauf gegeben hat, ist nach unserer Meinung wieder auf die automatisierte Börsensoftware an den Handelsplätzen zurückzuführen. So gibt es unzählige Algorithmen, die für diesen Fall automatisch Aktien verkaufen. Was wir gesehen haben, waren also Verkaufsprogramme, die durch die invertierte Zinsstrukturkurve getriggert wurden.

Wir möchten unseren Lesern an dieser Stelle noch den Begriff einer inversen Zinsstruktur kurz erläutern: Sie ist gegeben, wenn sich die langfristigen Zinssätze für Kapitalanlagen unterhalb derjenigen für kurzfristige Anlagen befinden (Zinsstruktur). Eine inverse Zinsstruktur liegt vor, wenn der Geldmarktzins über dem Kapitalmarktzins liegt, das heißt wenn kurzfristige Anlagen mehr bringen als langfristige (Geldmarkt, Kapitalmarkt). Wir werden uns damit noch in einem späteren Beitrag beschäftigen.

Fakt ist aber, dass eine invertierte Zinsstrukturkurve auf eine mögliche Rezession hindeutet.

Wie geht es nun weiter?

Zum Verkaufen ist es jetzt zu spät. Aber wenn wir davon ausgehen, dass in den meisten der zweihundert Konfliktpunkte zwischen China und den USA eine Einigung erzielt wird, dann werden wir in den kommenden drei Monaten schon wieder vermehrt positive Meldungen auf den Schirm bekommen.

Präsident Trump ist nun gezwungen, einen für die Aktienmärkte guten Deal auszuhandeln, hat er den Erfolg seiner Präsidentschaft doch stets mit dem Verweis auf steigende Aktienmärkte verknüpft. Ein weiteres Hoffnungszeichen.

Auch Jay Powell wird nicht als der Fed-Chef in die Geschichtsbücher eingehen wollen, der durch falsche Entscheidungen in der Zinspolitik eine Rezession mit all ihren Folgen mit verursacht hat.

Und in Europa werden sicher die Wege der Kompromisse weitergeführt werden, auch wenn sie noch so falsch sind, denn wir erkaufen uns damit nur Zeit, aber keine Lösungen.

Fazit

Kleinanleger sind leider nicht immer in der Lage, die Märkte und ihre Hintergründe vollständig zu erfassen und richtig darauf zu reagieren. Deshalb bietet die Sicherheit eines gemanagten Aktienfonds wenigstens einen gewissen Schutz vor den Marktstürmen.

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