Wir hatten die Wahl

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Die Bundestagswahl ist gelaufen. Jetzt hat der Wähler mit der Regierungsbildung in Berlin nichts mehr zu tun.

Die großen Gewinner sind nicht etwa die siegreichen Sozialdemokraten, obwohl sie zum ersten Mal seit 16 Jahren eine reale Chance haben, wieder den Bundeskanzler zu stellen.
Zwei andere Parteien haben sich zu ersten Sondierungen getroffen. Die Grünen und die FDP wollen erst einmal versuchen ihre schwierigen Probleme auszuräumen und eventuelle Kompromisse für eine Regierungsbeteiligung zu finden. Der Bundeskanzler hat zwar nach dem Grundgesetz die Richtlinienkompetenz über die Regierungspolitik, aber diese beiden Parteien entscheiden, wer über ihnen Bundeskanzler wird. Entweder Olaf Scholz, der nebenbei bemerkt auch kein berauschendes Ergebnis eingefahren hat, oder Armin Laschet mit seiner arg gerupften Kanzlerpartei vergangener Jahre.

Aber Fakt ist, die beiden Verhandlungsführer, Christian Linder (FDP) und Robert Habeck (Grüne), haben sich eine sehr starke Position aufgebaut. Und werden den dritten, dann großen Koalitionspartner, vor sich hertreiben. Irgendwie erinnern die beiden ihren Autor schon jetzt an Plisch und Plum, aber nicht die Figuren von Wilhelm Busch. Es war zu der Zeit von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger´s großer Koalition (1966-1969).  “Plisch und Plum“, wie das ungewöhnliche Gespann aus Wirtschaftsminister Karl Schiller (SPD) und seinem Finanzkollegen Franz Josef Strauß (CSU) genannt wurde, betrieben gemeinsam eine investitionsfördernde, antizyklische Wirtschaftspolitik. Während Habeck den Klimaschutzgedanken mit Ge- und Verboten vorantreibt, setzt Lindner auf den Markt und seine Regularien beim Klimaschutz. Wenn die beiden sich zusammenraufen, könnte das etwas werden mit einer neuen Legendenbildung.

Sollte es nicht klappen, dann bleibt als letztendliche Entscheidung die ungeliebte große Koalition, dieses Mal unter Führung der SPD. Aber das wollen ja alle nicht mehr so richtig, aber möglich wäre es. Nur sollten die beiden ehemals großen Volksparteien bedenken, die vor der Ära Merkel noch Ergebnisse von 40 Prozent einfuhren, dass sie jetzt nur noch die Hälfte in den Augen der Wähler wert sind.

Bedeutung wird der Ausgang der Bundestagswahl auch an den internationalen Finanzmärkten zugemessen. Den Grund nennt Craig Erlam, leitender Marktanalyst beim Broker Oanda: „Angela Merkel war in den verschiedensten Krisen der letzten 13 Jahre allgegenwärtig und stand im Mittelpunkt vieler Nachtschichten während der dunkelsten Tage der Schuldenkrise.“ Ob Scholz oder Laschet das können, werden wir bei der nächsten Krise an den Märkten sehen.

 

Eine ganz andere Schlacht, neben vielen anderen Schlachten, schlagen derzeit China und die USA. Beide ringen um die Kontrolle über den zwei Billionen Dollar schweren Kryptomarkt. Peking hat neue, scharfe Restriktionen für den Handel von digitalen Währungen angekündigt. Auch das sogenannte Schürfen, das für den Betrieb von Blockchains notwendig ist, wurde verboten. Regulierer in den USA wollen eine ganze Reihe an neuen Vorschriften einführen, die für einen großen Teil der Branche existenzbedrohend sein könnten. Die schnell wachsende Kryptowelt findet sich damit in einem Machtkampf mit den Behörden wieder. Hoffentlich werden schnell die neuen Regularien gefunden, und das ist nicht nur im Interesse der vielen „Bitcoin-Jünger“, sondern auch z.B. für unseren Depotwert Nvidia, der von den Kryptowährungen ebenfalls profitiert.  

Der Schmierstoff der Welt ist auf dem Weg nach Norden. Erstmals seit 2018 ist der Preis für die europäische Ölsorte Brent am Dienstag über 80 Dollar pro Barrel gesprungen. Auch US-Öl der Sorte WTI ist mit knapp 76 Dollar so teuer wie zuletzt 2018. Im Verlauf des Handels nahmen Investoren Gewinne mit, sodass sich der Ölpreis knapp unter der runden Marke einpendelte. Doch die Ölralley dürfte damit nur eine kurze Verschnaufpause einlegen, wir werden es sicher an den Tankstellen merken. Schuld daran sind Lieferausfälle, niedrige Lagerbestände, eine robuste Nachfrage und Spekulanten, die auf höhere Ölpreise wetten.

Für den DAX ist das alles egal, sagen die Analysten der Banken. Solange der Mangel nur auf Materialengpässen und nicht auf einen Mangel an Nachfrage beruht, ist die weitere Erholung nur aufgeschoben. Ob die 1.360 Beschäftigten des Eisenacher Opel Werkes auch nur von vorübergehenden Engpässen reden, vermag ihr Autor nicht zu sagen. Jedenfalls sind sie wieder in Kurzarbeit. Und das nicht nur für ein paar Tage, sondern gleich bis zum Jahresende. 

Hohe Inflation und Materialengpässe werden der Wirtschaft laut US-Notenbankchef Jerome Powell länger zusetzen als gedacht. Es sei frustrierend zu sehen, dass sich die Lieferkettenprobleme nicht besserten, sagte Powell beim Zentralbankforum der EZB: Aktuell „verschlimmern sie sich offenbar sogar ein wenig.“

Und dazu kommt die aktuelle Meldung, dass in Deutschland im September die Inflationsrate erstmals seit 28 Jahren mit 4,1 Prozent eine neue Höchstmarke erreicht hat. Die EZB sollte bald handeln, sonst wird das Vertrauen der Deutschen in die Politik der Währungshüter ganz schnell bröckeln.

Die Unternehmen ihrerseits werden sicher sehr schnell reagieren und die ganze Globalisierung nicht mehr weiter in den Fokus stellen. Unternehmenslenker lernen schneller als unsere Politiker, denn zwischen beiden besteht ein riesiger Unterschied: Manager sind ihren Aktionären verpflichtet, Politiker nur ihren Wählern!

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