Stehen wir wirklich vor einem Crash? – Eine kritische Betrachtung

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Eigentlich sind wir kurz davor, den größten Teil unseres privaten Kapitals zu verlieren… nun ja, aber nur wenn man den Crash-Apologeten in den Online-Medien Glauben schenkt. Bei jedem kleineren oder auch schon etwas größeren Abschwung wird lamentiert, es handelt sich um den Auftakt eines Crash-Szenarios. Aber ist das wirklich so? 

Auch wenn es dann nicht eintritt, betonen die gleichen Leute, warum es das nächste Mal so weit ist oder sein könnte. Das Schlimme an dem ständigen Gerede über die Crash-Gefahr ist, dass die vielen Neueinsteiger, aber auch schon gestandenen Börsianer, zittrige Hände bekommen (könnten).

Dabei haben sich die Deutschen während der Pandemie in der Aktienkultur durchaus gewandelt. Waren wir früher als Aktienmuffel (nur was Sicheres und Werthaltiges kam als Anlageform in Frage) und Bargeldliebhaber verschrien, so sieht das jetzt schon ganz anders aus.

20 Prozent der hierzulande online befragten Menschen gaben in einer Umfrage des Statista Global Consumer Survey an, Aktien und/oder Investmentfonds zu halten. Damit hätten die Deutschen zumindest die Anleger der zwei wichtigsten Finanzplätze Europas übertroffen. Die Schweiz liegt mit 19 Prozent ebenso hinter Deutschland, wie die Anleger in Großbritannien mit nur 15 Prozent. Das die US-amerikanischen Anleger vor uns liegen war ja irgendwie vorauszusehen. Aber die eher bescheidenen und anmutenden 25 Prozent reichen dann eben doch nicht aus, um auf dem ersten Platz zu landen. Aber zu einem guten dritten Platz reicht es doch. Die ersten beiden Plätze, und darüber darf man etwas erstaunt sein, nehmen Südkorea mit 37 Prozent und an der Spitzenposition unser skandinavischer Nachbar Schweden mit 41 Prozent ein.

Nun ist das nur eine Momentaufnahme, denn wir wissen, dass sich das jederzeit wieder ändern kann. Aber es sieht doch ganz gut mit der Aktienkultur in Deutschland aus.

Aber wie war das nun mit dem Börsencrash? 

Laut Definition verstehen wir unter einem Börsencrash einen extremen Kurseinbruch an der Börse, der einige Tage, aber auch mehrere Wochen, dauern kann. Typisch sind in dieser Zeit panikartige Verkäufe, die den Absturz der Kurse noch verstärken. Das muss nicht einmal direkt von den Börsenteilnehmern ausgehen, denn in unserer Welt ist die Digitalisierung auch an der Börse für manchen Rücksetzer verantwortlich. Computer bzw. die Software hinterfragen nicht den Grund des vermeintlichen Absturzes und ziehen durch ihre komplexe Vernetzung alles nach unten.

Wir unterscheiden bei den Crash-Szenarien einen kleinen und einen großen Crash. Sinken die Aktienkurse deutlich in einem sehr kurzen Zeitraum um mehr als fünf Prozent an einem Tag, sprechen wir schon von einem kleinen Crash. Ab einem Rückgang von mehr als zehn Prozent wird dann von einem großen Crash gesprochen (wir erinnern in diesem Zusammenhang an das Platzen der Dotcom Blase 2000 oder an das Geschehen rund um den Anschlag vom 13.09.2001 auf das World Trade Center in New York oder an den Ausbruch Weltfinanzkrise 2008).

Aber immer wieder gelang den Finanzmärkten eine Umkehr, zugegeben nicht allein, sondern mit Hilfe der Notenbanken und billionenschwerer Konjunkturprogramme.

Und jetzt haben wir Corona-Krise. Natürlich wird sie Spuren hinterlassen, auch an den Aktienmärkten hierzulande. Es wird jede Menge Gewinner geben, aber eben leider auch Verlierer. Firmen, die nur die Insolvenz bisher vermeiden konnten, weil der Staat die Insolvenzregeln ausgesetzt hat. Welche das sein werden, sehen wir dann, wenn die Pandemie vorbei ist.

Aber es wird auch viele Gewinner geben. Wir haben einige für unseren NDAC-Clubfonds neu erworben. Oder brauchten sie gar erst nicht kaufen, weil wir sie schon in der Vergangenheit günstig eingesammelt und Vertrauen in das Management hatten und weiter haben. 

Allen Marktteilnehmern ist bewusst, dass manch gigantisches Wachstum in der Vergangenheit nicht so gesund war. Wir haben eine Sektor-Rotation beobachtet. Nicht mehr auf schieres Wachstum setzen die Anleger, sondern wieder auf werthaltige Papiere. Das darunter einige Werte gelitten haben ist nur logisch. Das Kapital was vorhanden ist, kann nur einmal ausgegeben werden. Deswegen von den Vorboten eines Crashs zu sprechen, geht an der Realität total vorbei.

Das die Propheten doch sehr unterschiedliche Vorstellungen vom Zeitpunkt und Umfang des vermeintlich bevorstehenden Crashs haben, sollte uns Kleinanleger eigentlich optimistisch stimmen. 

Die Märkte werden immer noch von genügend Notenbankgeld geflutet. Die Leitzinsen werden auch künftig auf niedrigem Niveau verharren. Die Konjunkturpakete stützen den Aufschwung nach der Pandemie. Es werden höchstwahrscheinlich sehr viele hochwirksame Impfstoffe auf den Markt kommen, die dem Spuk um Covid19 ein Ende machen werden und den Menschen und den Märkten die Rückkehr in ein normales Leben ermöglichen.

Und was machen dann die Crash-Propheten? Ganz einfach, die Karawane zieht weiter zum nächsten Ereignis, das einen Crash möglicherweise auslösen könnte.

 

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