Steffen Koch klärt auf

Sell in May, but always remember, come back in September

 

Was steckt dahinter?

 

Ein Kommentar von Steffen Koch, Öffentlichkeitsarbeit des NDAC-Anlegerclubs

„Sell in the May and go away, but always remember, come back in September”, es bedeutet nichts anderes, als einen kompletten Ausstieg aus dem Börsengeschehen während der Sommermonate zu wagen und erst im Herbst wieder aktiv in das Börsengeschehen einzugreifen. Bei dem Sell-in-May-Effekt haben wir es mit dem Phänomen von überdurchschnittlich hohen Kapitalmarktrenditen in den Monaten Oktober bis April zu tun. 

 

Die zeitliche Einordnung kann jedoch leicht abweichen, zum Teil bis Oktober (Halloween-Effekt). In den Sommermonaten sind die meisten Fondsmanger (Profis) und Kleinanleger (Amateure) mit anderen Dingen beschäftigt, sie sind zum großen Teil in Urlaubsparadiesen im In- und Ausland unterwegs und widmen den Depots und der Börse weniger Zeit, als den Rest des Jahres. 

Statistisch gesehen haben sie sogar in den letzten Jahrzehnten recht. Während der Mai mit 12 negativen Jahren und einer leicht positiven Durchschnittsperformance noch im Mittelfeld rangiert, landete der DAX- Index im Juni 16 Mal im roten Bereich. Getoppt wird dieser Wert nur vom September mit 18 Negativ-Ergebnissen. Auch der August präsentiert sich mit 15 Minus-Jahren vergleichsweise schwach. Nur der Monat Juli ist etwas besser gelaufen, sofern sich die nur 11 negativen Jahre als ein positives Ergebnis deuten lassen. 

 

Im Juli ist der Höhepunkt der Urlaubszeit und die meisten Anleger sind schon ausgestiegen, also können kleine Positionsveränderungen hier große Wirkung entfalten. Die drei anderen Monate weisen über 30 Jahre, im Gegensatz zu sämtlichen übrigen Monaten, eine negative Durchschnittsperformance auf. Das Ganze ist aber Vergangenheit. Wäre die alte Börsenweisheit gut gegangen in diesem Corona- Jahr? Fast das ganze Jahr 2020 ist bisher geprägt von Covid 19. Seit Februar hat das Virus die Märkte erfasst. Dazu kommt der nicht abebbende, sich international auswirkende Handelskonflikt der USA mit China. Und dann ist da noch der Brexit, dessen Ausgang wegen der schleppenden Verhandlungen zwischen Brüssel und London immer noch in den Sternen steht. Und zusätzlich noch ein scharfer Wahlkampf um die Präsidentschaft in den USA. Wenn Anleger im Mai 2020 ihre Aktien verkauft hätten, nehmen wir zur Vereinfachung den deutschen Index DAX 30 einmal am 15. Mai 2020, so hätten sie den DAX 30 mit 10.465 Punkten verlassen. 

 

Ok, das war nach dem Absturz nach Corona schon eine ganz ordentliche Performance, wenn man bedenkt, dass der DAX im 18. März noch ein Tief von 8441 Zählern aufwies. Vorausgesetzt, unsere Beispiel- Anleger hätten sich nicht bis September um ihr Depot gekümmert, dann wären alle sehr verwundert und wahrscheinlich verärgert, wenn sie im September wieder die Werte billiger einsammeln wollten. Denn siehe da, der DAX steht plötzlich bei über 13.000 Punkten. Beim Dow Jones sieht es nicht anders aus. Am 15. Mai stand der amerikanische Leitindex bei 23.685 Punkten nach einem Tiefststand von 18.591 Punkten, ebenfalls im März des Jahres. Um dann eine Erholungsphase auf über 28.000 Punkte bis September zu starten. Es ist höchstwahrscheinlich so, dass es sich mit den meisten Indizes in der Welt so verhält und damit auch mit den meisten Aktien. Natürlich gibt es auch Corona-Gewinner, die vorher niemand auf dem Schirm hatte, aber eben auch sehr viele Corona-Verlierer. Aber im Großen und Ganzen muss man konstatieren, dass es in diesem Jahr mit der Börsenweisheit nichts geworden wäre. 

 

Fazit: Wenn Anleger im Mai 2020 nicht reagiert hätten, wären sie erfolgreich durch die Sommermonate in diesem Pandemie-Jahr gekommen. Auch stehen wir erst am Anfang des Septembers, es kann auch noch viel in beide Richtungen passieren. Wir geben aber auch zu, dass es sehr schwer ist, eine richtige Entscheidung zu treffen. Wenn wieder „normale“ Zeiten herrschen, sollte man auch folgendes bedenken: Wenn Anleger nicht reagieren, dann kaufen sie weder zu teuer noch günstig im Herbst ein, denn sie haben die Aktien ja schon. Sie verlieren einfach nichts. Andererseits gewinnen Sie auch nichts. Buchgewinne und Buchverluste sind keine echten Gewinne / Verluste, wenn sie nicht realisiert werden. Außerdem sollten Anleger bedenken, die Kosten für Kauf und Verkauf müssen die möglichen Kursgewinne wieder einspielen. Das Dilemma können Anleger geschickt umgehen, indem sie einen Sparplan abschließen, den es übrigens auch für unseren NDAC-Clubfonds gibt. Aber es soll ja auch immer wieder Anleger geben, die Aktien rechtzeitig richtig verkaufen und später wieder billig einsammeln. Allen anderen wünschen wir eine ruhige Hand bei der Anlage. Hin und her macht Taschen leer, auch eine Börsenweisheit.

 

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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