Neuer DAX40 steht fest

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Es sollte der ganz große Wurf werden nach dem berüchtigten Wirecard-Skandal. Ist er das wirklich geworden? Schauen wir uns einmal an, was der wichtigste deutsche Börsenindex neu zu bieten hat.

Die neuen Mitglieder, die sich jetzt mit dem Titel DAX40-Mitglied schmücken können, sind Airbus, Zalando, Siemens Healthineers, Symrise, Hellofresh, Sartorius, Porsche, Brenntag, Puma und Qiagen.

Überraschungen sind ausgeblieben, schließlich richtet sich die Mitgliedschaft im DAX nach Marktkapitalisierung des Streubesitzes, also dem Gesamtwert der frei handelbaren Aktien eines Unternehmens. Am Ende hatte es noch ein paar Rangeleien um die letzten Aufstiegsplätze gegeben, aber das war es dann auch. Denn die Daten lagen ja nachvollziehbar vor.

Die Deutsche Börse als Rechteinhaber der verschiedenen DAX-Zusammensetzungen hat ihr Regelwerk angepasst – Pleitefirmen fliegen künftig sofort aus dem DAX oder anderen Indizes der DAX- Familie wie dem TecDax.

Und wer in den DAX will, muss gleich am Eingang den Nachweis des 1G-Zertifikates vorlegen: nachvollziehbare Gewinne machen!

Mhm, Gewinne machen? Konsequent wäre es dann gewesen, die Altbestände des DAX30 zu durchforsten und das Regelwerk so anzupassen, dass Firmen, die chronische rote Zahlen schreiben, wie z.B. Delivery Hero (das Unternehmen hat nur noch den Firmensitz mit Deutschland gemein) aus dem DAX zu verbannen sind. Das wäre ein Aufwasch gewesen, Bestandsgarantie hin oder her. Natürlich kann ein Unternehmen auch mal rote Zahlen schreiben, aber bei den Lieferhelden scheint das ja Programm zu sein.

Wenn wir uns die Zusammensetzung des DAX40 jetzt ansehen, dann stellen wir fest, es gibt nicht mehr viel Industriebetriebe im deutschen Leitindex. Stattdessen hat der DAX40 jetzt einen ziemlich starken Gesundheitssektor. Vielleicht frei nach dem Motto: Steigt der Krankenstand, steigt der DAX!

Und wer gehofft hatte, dass die IT einschließlich künstlicher Intelligenz, jetzt den DAX in Richtung Norden schießt, dürfte auch enttäuscht sein. Aus der Berliner Tech-Schmiede der Brüder Sanwer schafften es nur Zalando und Hellofresh neu in den DAX. Allerdings werden diese Unternehmen mit berechtigten Wachstumschancen mehr dem Konsum zugerechnet und nicht dem digitalen Bereich.

Wir müssen leider auch konstatieren, dass Deutschland kein Alphabet, Apple, Microsoft, Facebook etc. hat, dass dem DAX40 einen exklusiven Touch verleihen und damit in Konkurrenz zum amerikanischen Pendant treten könnte. Im Moment sind auch keine in Sicht, die das Zeug für einen DAX-Aufstieg haben. Und so wird der einzige Wert aus diesem Bereich das Walldorfer Vorzeigeunternehmen SAP bleiben und einsam an der digitalen Front für Deutschland weiterkämpfen (müssen).

Deutschland ist ein Industrieland mit einem starken Mittelstand. Deshalb ist es zu bedauern, dass der Mittelstandsindex zu Gunsten des DAX40 beschnitten wurde. Die Aufsteiger entstammen alle dem MDAX, der damit nicht nur rund die Hälfte seiner Marktkapitalisierung verliert, sondern vor allem auch viele wachstumsstarke Unternehmen. Es könnte sein, dass zunächst einmal die Zeiten vorbei sind, in denen der MDAX den DAX klar abgehängt hat.
Gewinner könnten eventuell die DAX40-ETF in einer Hinsicht sein. Je mehr Aktien in einem Index enthalten sind, desto weniger schlagen Probleme einzelner Unternehmen durch. In der Vergangenheit hatten Branchenkrisen wie bei den Banken oder den Autoherstellern immer wieder den DAX belastet. Aber wenn es einer Aktie schlecht geht, dann zieht sie in der Regel auch schon mal die anderen Aktien aus dem Sektor mit hinunter. In diesem neuen DAX sind mir, wie schon gesagt, echt zu viel Gesundheitsaktien enthalten. Bei Fondsdepots spricht man in solch einem Fall von einem Klumpenrisiko. Bleibt die Frage, ob das auch für einen Index zutreffend ist…

Wegen der Vergrößerung bzw. Verkleinerung werden DAX und MDAX allerdings keinen Kurssprung machen bzw. deutlich abrutschen. Das liegt an der komplexen Formel zur Indexberechnung, also etwas für Mathematiker. Nur so viel, sie enthält Summenzeichen oberhalb und unterhalb eines Bruchs sowie Faktoren etwa zur Einberechnung von Dividendenzahlungen. Vereinfacht gesagt werden Kursänderungen von Aktien nach ihrem Gewicht im DAX aufsummiert. Am Ende entspricht der Korb an Aktien immer 100 Prozent, egal ob 30 oder 40 Werte im DAX enthalten sind. Aber eine höhere Volatilität wird es wohl geben, da die DAX40 und die MDAX-Werte für einen Indexfonds angepasst werden müssen. Andere Fonds beachten auch teilweise die Veränderungen für ihr Portfolio.

Fazit
Es hätte mehr Mut erfordert einen großen Wurf beim deutschen Bluechip-Index zu erreichen. Aber es ist erst einmal eine Antwort auf den Wirecard-Skandal, der bekanntlich die (Börsen-) Republik erschütterte. Aber wir werden uns weiter damit abfinden müssen, dass sich der deutsche Leitindex im Schatten der Wallstreet befindet. Und vielleicht gibt es ja auch zu denken, dass im Gegensatz zu anderen internationalen Börsenindizes die Dividenden immer noch mit eingerechnet werden. Naja, vielleicht gibt es bald die nächste Reform.     

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