Infektionsschutzgesetz, Umstrukturierung bei der Allianz, Coinbase an der Börse und Staatsschulden

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Nach der Bund-Länder-Flickschusterei bei den Bestimmungen zum Schutz der Bevölkerung machte die Bundesregierung endlich Nägel mit Köpfen und beschloss die Neuregelung des Infektionsschutzgesetzes. Das Dumme daran ist nur, dass es noch durch den Bundestag und Bundesrat muss. Und das alles sehr schnell. Wir gehen einmal lieber noch nicht auf den Inhalt des Gesetzes ein, denn trotz des enormen Tempos wird wohl auch dieses Mal das sogenannte Strucksche Gesetz (nach dem früheren SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Struck) gelten:“ Kein Gesetzesentwurf verlässt den Bundestag so, wie er hereingekommen ist.” Also Änderungen sind vorprogrammiert.
Zum Kandidaten-Hahnenkampf bei der Noch-Regierungspartei CDU nur so viel, wir melden uns zurück, wenn der Kanzlerkandidat feststeht. Vielleicht klappt es ja noch in den nächsten Tagen. Die Bündnisgrünen wollen am 19. April entscheiden, wer denn nun antreten wird im Kampf um den Berliner Regierungssitz. Dann müssen wir uns auch die Programme der Parteien anschauen, speziell den Wirtschafts- und Finanzteil, denn der wird die Märkte mehr beeindrucken und nicht die Kandidaten.
Es gibt eigentlich zwei Allianz-Konzerne, den allbekannten internationalen Allianz-Finanzkonzern (ist unser Depotwert) und die Tochter Allianz Deutschland AG. Damit soll zum Jahresende Schluss sein, denn die Allianz Deutschland wird zerschlagen, die drei Kernbereiche Sach-, Lebens- und Krankenversicherung sowie der Vertrieb werden eigenständig. Wir finden drei Gründe für die Umstrukturierung:
Einerseits der Vertrieb, seine Macht bröckelt. Die Kunden nutzen vermehrt Hotlines und Chatbots, quasi als direkte Konkurrenz zum Vertreter vor Ort. Deren Provisionen sind rückläufig, das Murren der sinkenden Zahlungen an die Vertreter ist groß.  
Endlich erfolgreich Versicherungen im Internet anbieten, das ist seit vielen Jahren ein Kernprojekt des Konzerns. Schon im Jahr 2005 startete die Marke Allianz24, die aber nicht lange durchhielt. Vier Jahre später wurde sie wieder eingestellt, der interne Widerstand war zu groß. Es folgte die Allsecur, die abermals bei der Allianz Deutschland angesiedelt war und scheiterte. Mit Jahresbeginn 2020 ging Allianz Direct an den Start. Die Verantwortung dafür wurde der Allianz Deutschland entzogen, nun ist der Konzern zuständig.
Und zum Dritten, die Produktwelt der Allianz international aufzustellen, gehört seit Jahren zu den großen Zielen von Konzernchef Oliver Bäthe. Damit steigt nun auch der Druck auf die Produktentwickler, stehen sie bei der Konzeption neuer Versicherungsprodukte künftig doch im internationalen Wettbewerb mit ihren ausländischen Kollegen und bringen nicht nur ein weiteres Produkt für Deutschland auf den Markt. Das gilt vor allem für die Lebensversicherung in Stuttgart, die zum Kernstück in diesem Bereich werden soll.
Am Mittwoch wurde der Bitcoin als bekannteste Kryptowährung mit 64.895 Dollar bewertet. So hoch wie nie. Und in mitten dieser Rekordjagd geht mit Coinbase ein Schwergewicht der Kryptobranche an die Wallstreet. Wem also Bitcoins & Co zu hoch für einen Einstieg erscheinen, der kann jetzt auch Anteile an der größten US-Handelsplattform für digitale Währungen als Aktie erwerben. Sie war mit 250 Dollar (Referenzpreis durch die Nasdaq festgesetzt) recht günstig zu erwerben. Bei den letzten außerbörslichen Transaktionen wurde ein Preis 343,48 Dollar erzielt. Da war doch viel Luft nach oben. Und es kam wie es kommen musste, mit einem Schlusskurs von 328,28 Dollar hat die Coinbase -Aktie ihren ersten Handelstag an der NASDAQ beendet. Damit beläuft sich der Marktwert des ersten Kryptounternehmens in diesem Börsensegment auf 85,8 Milliarden Dollar. In der letzten Finanzierungsrunde wurde das Unternehmen noch mit 8 Milliarden Dollar (vorbörslich) bewertet. Es scheint, dass die Coinbase-Aktie dem Bitcoin nacheifert.
Etwas mehr Geld können Bund, Länder und Gemeinden zur Tilgung der Schuldenorgie wohl gut gebrauchen. Die Länder, die Kommunen und der Bund werden insgesamt bis zum Jahr 2022 gut 650 Milliarden Euro neuer Schulden aufgenommen haben, so errechnete es in der abgelaufenen Woche das Institut der deutschen Wirtschaft. Der Schuldenstand des Staates insgesamt würde dann auf 2,7 Billionen Euro anwachsen, so die Berechnungen. Könnte natürlich auch noch mehr werden, Stichwort Corona, Konjunkturprogramme, Green Deal, Steuermindereinnahmen, Belastungen der Sozialsysteme u. ä. Und ihr Autor weiß auch schon, wer es bezahlen soll. Richtig, der Steuerzahler! Wir werden uns sicher noch einmal damit beschäftigen (müssen), um eine wenigstens kleine Kompensation für uns zu erreichen.
In ihrem Frühjahrsgutachten prognostizieren die Wirtschaftsweisen einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um nur noch 3,7 Prozent im laufenden Jahr. Im Herbst waren sie noch von einem Wachstum von 4,7 Prozent ausgegangen. Sobald die Infektionsgefahren durch das Impfen gebannt seien, werde aber eine kräftige Erholung einsetzen. Eigentlich nichts neues, aber die Politik scheint es nicht zu interessieren.

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