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Die Notenbanken leiten Trendwende ein und die Märkte jubeln

Die Notenbanken leiten Trendwende ein und die Märkte jubeln

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

 Wie erwartet hat die amerikanische Notenbank Fed beschlossen, bei der Rückführung der Anleihekäufe das Tempo deutlich zu erhöhen. Ab kommendem Monat werden die Käufe nicht mehr wie bisher um 15 Milliarden Dollar pro Monat reduziert, sondern um 30 Milliarden Dollar. Das wiederum bedeutet, dass mit den umstrittenen Anleihekäufen Mitte März 2022 Schluss ist, also drei Monate früher als geplant. Interessant dabei ist, dass die Fed jetzt das makroökomische Umfeld jetzt anders beurteilt als noch vor kurzer Zeit. 

So begründete Fed Chef Jay Powell das beschleunigte Verfahren mit dem unerwartet kräftigen Rückgang der Arbeitslosenquote. Und war vor einiger Zeit die Inflation nicht so entscheidend, so verwies er jetzt auf die merklich angezogene Inflation. 

Darüber hinaus waren von ihm zum ersten Mal warnende Worte hinsichtlich der Lohnentwicklung zu vernehmen. Noch wäre das kräftige Lohnwachstum nicht die treibende Kraft hinter der anziehenden Inflation. Es bestehe aber das Risiko, dass es dazu kommt. Insofern könnte es geboten sein, die Leitzinsen nicht erst wie eigentlich vorgesehen nach dem Erreichen des Vollbeschäftigungsziels anzuheben, sondern unter Umständen schon früher.

Allein diese Ausführungen lassen erkennen, dass die Fed inzwischen in der zu hohen Inflation das größere Problem sieht als in dem noch nicht ganz erreichten Ziel der Vollbeschäftigung. Zum Ende seiner Erläuterungen wurde Powell auch hier sehr viel deutlicher. Seiner Einschätzung nach wird es länger dauern als zunächst angenommen, bis die Beschäftigung wieder das Vorkrisenniveau erreicht hat. Insofern müsse die Fed alles daran setzten, damit der Aufschwung noch lange Zeit andauere. Eine Verfestigung der hohen Inflation würde das jedoch in Frage stellen, weswegen die Notenbank früh genug den wachsenden Teuerungsgefahren entgegentreten müsse. Finanzexperten gehen jetzt davon aus, dass die Fed den Leitzins im kommenden Jahr wahrscheinlich dreimal anheben wird.

Als hätte man auf das Signal der Fed nur gewartet, hat auch die EZB ihre Richtung auf ihrer Sitzung am Donnerstag geändert. Die EZB kündigte an, dass sie sich vom Krisenmodus abwenden wolle und ihr billionenschweres Pandemie-Notprogramm PEPP auslaufen lasse. Der EZB-Rat beschloss am Donnerstag das Aus für die Anleihezukäufe für Ende März 2022. Im kommenden ersten Quartal werden die Zukäufe noch fortgesetzt – allerdings in niedrigerem Tempo als Ende 2021. Damit es nach dem Entzug der auf 1,85 Billionen Euro angelegten Krisenhilfe im Frühjahr nicht zu Marktturbulenzen kommt, schafft die EZB über das neu justierte kleinere Ankaufprogramm namens APP einen Übergang: Die Ankäufe im Volumen von zuletzt 20 Milliarden Euro pro Monat werden im zweiten Quartal 2022 auf 40 Milliarden Euro verdoppelt, im dritten Quartal dann auf 30 Milliarden Euro zurückgefahren. Ab Oktober kommenden Jahres soll das Ankauftempo dann auf 20 Milliarden Euro gesenkt und so lange beibehalten werden, wie es zur Förderung der Konjunktur notwendig ist.

Die schrittweise Abkehr vom Krisenmodus vollzieht sich vor dem Hintergrund rasant steigender Preise. Die Teuerung erreichte im November in der Eurozone ein Rekordniveau von 4,9 Prozent. Damit ging sehr viel Vertrauen, vor allem der deutschen Bevölkerung, in die Richtigkeit der EZB-Entscheidungen verloren. Und auch jetzt bleibt der Leitzins unverändert. Der Leitzins wird weiterhin bei null Prozent und der Einlagezinssatz bei minus 0,5 Prozent bleiben. Damit ist kein Ende der Enteignung der konservativen Sparer absehbar. Sie zahlen weiter die Zeche.
Auch die Inflationsprognose passt die EZB an: Für 2022 erwartet die EZB jetzt eine Rate von 3,2 statt 1,7 Prozent. Das ist doch schon ein extrem großer Sprung. Eine so starke Anhebung haben auch die Experten nicht erwartet.

Sehr viel weiter ist die BoE, der altehrwürdigen Bank of England. Der Leitzinssatz stieg in dieser Woche von 0,1 auf 0,25 Prozent und wurde begründet, wen wundert es eigentlich noch, mit dem rasanten Preisanstieg auf der Insel. Die Inflation ist mit zuletzt 5,1 Prozent weit über das Ziel der Notenbank hinausgeschossen.

Und was machen die Märkte? Sie jubeln, trotz der nachlassenden Infusion mit billigem Geld! Der amerikanische S&P 500 sprang um 1,3 Prozent auf 4.710 Punkte nach der Entscheidung des FOMC (Federal Open Market Committee). Beim DAX kann man auch keine Schwächephase beobachten, er liegt über ein Prozent im Plus. Und auch beim FTSE-Leitindex in London ist alles im grünen Bereich.

Während am Anleihe- und am Währungsmarkt offensichtlich bereits eine restriktivere Geldpolitik eingepreist war, freut sich der Aktienmarkt über die abnehmende Unsicherheit und über die guten Wachstumsaussichten, trotz der Omikron und Delta Variante in der immer noch herrschenden Pandemie. Nichts beeinflusst den Markt stärker als eine lange Unsicherheit über die Leitzinsen und dieser schwarze Schwan ist jetzt verschwunden. Die Jahresendralley an den Aktienmärkten kann fortgesetzt werden.