Der ifo-Index, die Wirtschaft im Quartal II/2021, eine Megafusion und neue Nachrichten vom NDAC-Clubfonds

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Die Stimmung unter den Unternehmenslenkern hat sich leicht verbessert. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Mai auf 99,2 Punkte gestiegen, nach 98,6 Punkten im April. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage erneut etwas besser. Die Unternehmenslenker blickten deutlich optimistischer auf die Zukunft. Die Erwartungen an die kommenden Monate sind dementsprechend mit 102,9 Punkten so hoch wie seit einem Jahr nicht mehr. Die dritte Infektionswelle und Engpässe bei Vorprodukten dämpfen aber nach wie vor die Erholung der deutschen Wirtschaft. Wenn wir die dritte Infektionswelle einmal außen vor lassen, da sie nach Angaben der allgegenwärtigen Infektiologen vorerst als gebrochen gilt, hat die deutsche Wirtschaft aber ein noch viel größeres Problem. So berichten 45 Prozent der Unternehmen über Engpässe bei Vorprodukten (und das sind nicht nur Chips). Das ist der höchste Wert seit 1991. Aber der Geschäftsklimaindex ist bei aller medialen Bedeutung der Zahlen nur eine Momentaufnahme der wirtschaftlichen Situation.

Das es auch ganz anders kommen kann, haben wieder die realen Zahlen des Statistischen Bundesamtes gezeigt. Den Zahlen zufolge ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland zu Jahresbeginn in der Corona-Krise etwas stärker geschrumpft als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verringerte sich im ersten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 1,8 Prozent. Deutschland ist damit vergleichsweise schlecht ins Jahr 2021 gestartet Die Euro-Zone schrumpfte nur um 0,6 Prozent, während die weltgrößte Volkswirtschaft USA auch wegen rascher Impffortschritte um 1,6 Prozent wuchs. Der private Konsum brach hierzulande um 5,4 Prozent ein. Der Handel mit dem Ausland legte hingegen wegen der Erholung der Weltwirtschaft zu. Die Exporte wuchsen um 1,8 Prozent, die Importe sogar um 3,8 Prozent.

Ein DAX–Konzern Vonovia übernimmt einen anderen DAX-Konzern, nämlich Deutsche Wohnen. Eine Megafusion für deutsche Verhältnisse. Durch den Zusammenschluss entsteht Europas größter Wohnimmobilienkonzern mit einer gemeinsamen Marktkapitalisierung von voraussichtlich rund 45 Milliarden Euro. Der Wert des gemeinsamen Immobilienportfolios beläuft sich auf knapp 90 Milliarden Euro. Damit werden 400.000 Wohnungen von Vonovia mit den 140.000 Wohnungen von Deutsche Wohnen zusammengeführt. Bisher waren die beiden Konzerne immer in Konkurrenz unterwegs. Das Bundeskartellamt wird wahrscheinlich keine Bedenken gegen die Fusion haben, schließlich befinden sich die meisten Wohnungen in Privathand oder gehören kommunalen und gemeinnützigen Unternehmen und Genossenschaften. Nun kommt es nur noch auf die Aktionäre an. Wir haben beide Werte nicht in unserem NDAC-Clubfonds, aber wir werden den neuen großen Player auf dem Immobilienmarkt genau beobachten, um ggf. bei günstigeren Kursen einsteigen zu können.

Auch von unserem sehr erfolgreichen Depotwert flatex gehen weitere sehr positive Impulse für die Zukunft aus. Nach dem Börsenboom der vergangenen Monate hat der Frankfurter Online-Broker Flatexdegiro seine mittelfristigen Wachstumsziele deutlich erhöht. Das im SDAX notierte Unternehmen will bis zum Jahr 2026 sieben bis acht Millionen Brokerage-Kunden betreuen. Dabei soll das Transaktionsvolumen planmäßig auf 250 bis 350 Millionen Euro steigen. Bisher wurden die Zielangaben bis 2025 mit einem Wachstum auf mehr als drei Millionen Kunden und eine Transaktionsmindestzahl von jährlich 100 Millionen Transaktionen angegeben.

Unser Depotwert Amazon hat es nun geschafft, die Jagd auf 007 James Bond oder besser sein Filmstudio, ist vorbei.  Der weltgrößte Online-Händler will sein Unterhaltungsgeschäft im Streamingdienst Prime Video mit der Milliarden-Übernahme der Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) Filmstudios stärken. Der Kaufpreis beträgt 8,45 Milliarden US-Dollar (6,9 Milliarden Euro). MGM war eines der wenigen noch nicht von einem Großkonzern geschluckten Hollywood-Filmstudios. Die Konkurrenz von Warner Bros. gehört zum Telekomkonzern AT&T, Fox zum Unterhaltungsriesen Disney (unser Depotwert), Universal zum Kabelkonzern Comcast und Paramount zum Medienkonzern ViacomCBS.

Unser anderer Depotwert Bayer sah diese Woche nicht nur nicht gut aus, sondern sogar tiefrot. Richter Vince Chhabria hat am Mittwoch den Antrag der Leverkusener abgelehnt, eine Beilegung künftiger Streitigkeiten gegen Zahlung von zwei Milliarden Dollar (ca. 1,6 Milliarden Euro) vorläufig zu genehmigen. Der Vorschlag war Teil einer größeren Einigung im Zusammenhang mit Glyphosat-Klagen. Richter Chhabria hatte sich bereits zuvor skeptisch gegenüber einem Vergleichsentwurf zum Umgang mit künftigen Glyphosat-Klagen in den USA gezeigt. Der angestrebte Kompromiss für insgesamt zwei Milliarden US-Dollar ist mittlerweile der ausschlaggebende Teil einer umfangreicheren Einigung mit Klägern, die Bayer zwar insgesamt über elf Milliarden Dollar kosten, aber einen Schlussstrich unter das rechtliche Glyphosat-Debakel ziehen würde. Beim Gericht des Bundesrichters Chhabria sind zahlreiche landesweite Verfahren gebündelt. Bayer will nun eine Reihe von Maßnahmen zur Lösung potenzieller künftiger Glyphosat-Klagen umsetzen. Das neue Maßnahmenpaket umfasst sowohl rechtliche als auch kommerzielle Schritte die dazu dienten mit den Risiken aus dem Rechtskomplex in einer Weise umzugehen, die mit dem bislang vorgeschlagenen Lösungsmechanismus vergleichbar seien. Mhm, warum hat der Konzern damit so lange gezögert, schließlich war die Skepsis des Bundesrichters lange vorher bekannt? Trotzdem, Bayer bleibt eine Weltfirma, die das Problem lösen wird.

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