Ein Kommentar von Steffen Koch, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit beim NDAC

Börsenwissen: Sell in may and go away but always remember come back in september

Wir haben wieder einmal Mai und auch dieses Jahr stellt sich die Frage für viele Anleger, ob sie der alten Börsenregel folgen sollen oder lieber nicht.
Der Regel zu folgen bedeutet nichts anderes, als einen kompletten Ausstieg aus dem Börsengeschehen während der Sommermonate zu wagen und erst im Herbst wieder aktiv in das Börsengeschehen einzugreifen.
Bei dem Sell-in-May-Effekt haben wir es mit dem Phänomen von überdurchschnittlich hohen Kapitalmarktrenditen in den Monaten Oktober bis April zu tun. Die zeitliche Einordnung kann jedoch leicht abweichen, zum Teil bis Oktober (Halloween-Effekt).
Sollte man jetzt Aktien verkaufen und bis September nicht mehr an die Börse denken, sondern sich, dank der neu gewonnenen Freiheiten, der Erholung widmen (auch wenn wahrscheinlich kein Chef so lange Urlaub gewähren wird!). Schauen wir uns das genauer an.
Vor Jahrzehnten war diese Regel nicht nur ebenso gängig wie heute, sie war auch sinnvoll. Tatsächlich war es früher oft so, dass die Phase zwischen Mai und September die deutlich schwächere für den Aktienmarkt war, während die Monate Oktober bis April gut verliefen. Heute ist das bekanntlich anders. Aber noch bis Mitte der Neunziger Jahre waren onlinebanking und ein ortsungebundener Internetzugriff reine Fiktion.
Unsere älteren Mitglieder wissen vielleicht noch, wie es früher war. Der Anleger sprach persönlich in der Bank vor oder rief an (wenn er in der Bank bekannt war als Anleger) und erteilte den Auftrag zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Dann wartete er bis der Kurs feststand, zu dem er gekauft oder verkauft hatte. Heute geht das in Minuten oder noch schneller, aber damals war das Warten die erste Anlegerpflicht. Nicht nur Stunden, sondern manchmal Tage, dauerte es bis der Anleger die Kurse schwarz auf weiß, nicht auf den Bildschirm sondern auf Papier ,hatte. Und wir können uns vorstellen, wenn Anleger im Urlaub außerhalb Deutschlands etwas an ihrem Depot ändern wollten, dann war der analoge Anruf aus Spanien oder Italien schon ein kleines Abenteuer für sich. Von der Karibik oder Thailand und Bali ganz zu schweigen.
Das führte dann dazu, dass Anleger sich die Dividenden auszahlen ließen. Das geschah in der Regel wie heute auch im April oder Mai. Ja, und dann verkauften die sicherheitsorientierten Anleger ihre Papiere, denn wie gesagt, sie konnten ja meistens eh nichts mehr am Depotbestand ändern und fuhren beruhigt in den Urlaub. Und kümmerten sich dort auch nicht darum, ob die Kurse einbrachen oder neue Höchststände erreichten. Zumal es ja auch keine spezielle Sender wie bspw. N-TV und ähnliche gab, die ständig die neuen Börsenkurse zeitnah veröffentlichen.„Sell in May and go away“ ist mit dem technischen Fortschritt beendet worden. Nur, weil eine alte Börsenregel sich reimt und früher durchaus ihre Berechtigung hatte, überlebt sie eben nicht den Wandel. Heute kann man mit dem Smartphone die neuesten Börsenmeldungen überall auf der Welt abrufen (ok, vielleicht nicht in Nordkorea…), reagieren und in Sekunden wird die Order ausgeführt und die Anleger bekommen die Ausführungsbestätigung exakt auf das Smartphone geliefert.
Außerdem sollten Anleger bedenken, dass jeder Kauf und Verkauf wieder Gebühren und Spesen kostet, die müssen nun wirklich nicht sein, denn sie schmälern die Rendite. Anleger können mit den ersten Monaten des Börsenjahres zufrieden sein. Die Analysten hoben die Kursziele der Aktien an, die Gewinndynamik steigt weiter an.
Außerdem wird in den nächsten Monaten eine hohe Nachfrage von Konsum- und Investitionsgütern auf ein durch Lieferengpässe begrenztes Angebot treffen. Das gibt den Unternehmen die Möglichkeit, Preiserhöhungen durchzusetzen.  
Und last but not least, während in den letzten Finanzkrisen der Finanzsektor milliardenschwere Stützungen erhielt, sind in der laufenden Krise Konjunkturpakete an der Tagesordnung. Von diesen Programmen profitieren wiederum Unternehmen und Arbeitnehmer. Das stärkt bekannterweise die direkte Kaufkraft und natürlich auch die Gewinne von Unternehmen. Das wirkt sich dann auch positiv auf die Aktienkurse aus.
Selbst wenn die Kurse in den Sommermonaten zurückkommen, dann ist die hohe Zeit der Aktiensparpläne bzw. der Fondsparpläne gekommen, die in dieser Zeit ihre Stärke voll ausspielen können. Im Einkauf liegt der Gewinn sagt der Kaufmann und diese Regel ist immer gültig.
Langfristig zahlt es sich aus, antizyklisch zu agieren, das heißt aktuell mit mittel- und langfristiger Perspektive nicht zu verkaufen. So hat die alte Börsenregel in allen beiden Teilen ausgedient, auch wenn sie ein schöner Reim war. 

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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