Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Börsenwissen für Neueinsteiger Teil 8

Dividenden werden von Börsianern gerne für eine Wiederanlage genutzt (sofern sie nichts anderes damit vorhaben). Mit dieser Wiederanlage erhöht sich der Aktienbestand und die neu erworbenen Aktien sind im nächsten Jahr wiederum auch dividendenberechtigt. Wenn man das einige Jahre so macht, dann erhält der Anleger einen wachsenden Kapitalstock ohne weiteres Kapital zuzuschießen.
 
Auf einen kleinen Trick möchten wir im Zusammenhang mit Dividenden noch hinweisen. Am Tag der Auszahlung der Dividende wird die Aktie ohne Dividende gehandelt. In den Kurstabellen wird darauf hingewiesen: ex Dividende. Wer aufpasst, kann den Tag nutzen und seine Wunschaktie zu niedrigeren Kursen einsammeln. Keine Sorge, der Kursrückstand wird in der Regel nach ein paar Tagen wieder aufgeholt und der Anleger hat den Discountabschlag zusätzlich gewonnen. Wer also seine Kaufstrategie danach ausrichten will, die Dividendenzahltage können Anleger aus den Medien entnehmen oder online finden.
 
Das Ganze funktioniert natürlich andersherum, wer nur Dividenden kassieren will, kauft die Aktie kurz vor dem Dividendenzahltag, kassiert die Dividende ein und verkauft das Wertpapier nach ein paar Tagen wieder.
 
Und noch etwas ist wichtig zu wissen. Unternehmen sollten ihre Dividende stets aus dem Gewinn zahlen, und genau das müssen Anleger auch einmal mit einem Blick in die veröffentlichte Bilanz überprüfen. In den Medien finden Aktionäre zwar die entsprechenden Informationen, aber wer Aktien aus einem Bereich außerhalb der großen Indices gewählt hat, könnte Informationen nur schwerlich dazu erhalten. Es ist gefährlich, wenn Unternehmen wegen eines fehlenden Gewinns Kredite aufnehmen muss, um die Dividende zu zahlen. Das kann einmal gut gehen, aber Fakt ist, dass der Kredit zurückzuzahlen ist. Und dazu kommen die Zinsen, die in so einem Fall nicht bei 0 Prozent liegen. Meistens kommt es dann zu einer Abwärtsspirale, die im Konkurs des Unternehmens endet.
 
Das Finanzamt möchte natürlich etwas von den Erträgen haben. Dividenden unterliegen der Steuerpflicht in Form von Kapitalertragsteuer. Als Kapitalerträge bezeichnet man unter anderem nicht nur Zinsen und Dividenden, sondern auch Gewinne aus Aktien- und Fondsverkäufen. Singles stehen dabei für alle Kapitaleinkünfte eines Jahres auf allen Depots und Konten ein persönlicher Freibetrag von 801 Euro (bekannt als Sparerfreibetrag) zu. Bei Ehepaaren beträgt er demzufolge 1.602 Euro.
 
Die Höhe der Steuer beträgt 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag (welcher seit 2021 für die meisten Deutschen nicht mehr anfällt) und ggf. Kirchensteuer. Grundsätzlich werden alle Kapitalerträge besteuert, die den Freibetrag von 801 Euro bzw. 1.602 Euro übersteigen.
 
Fusionen und Übernahmen sind manchmal wahre Renditetreiber
Es kommt häufiger vor als man denkt. Unternehmen fusionieren oder werden übernommen bzw. übernehmen einen Konkurrenten. An den Börsen geschieht das im Zuge eines Aktientausches oder Übernahmeangebote an die Aktionäre (zuletzt passiert mit Vonovia und Deutsche Wohnen).
 
Bei Angeboten werden den Aktionären der zu übernehmenden Gesellschaft eine Offerte gemacht, meistens in Form eines höheren Kurses, als der an der Börse ausgewiesene Kurs. Aber es gibt auch Angebote des Aktientausches in bestimmten Verhältnissen. Und wenn das nicht reicht, wird auch noch eine Barabfindung zusätzlich geboten. Gerade Neueinsteiger aber auch alte Hasen lassen sich oft blenden und geben ihre Zustimmung zur Übernahme. Meistens geht es auch nicht anders. Aber Anleger sollten schon überlegen, ob sie gleich das erste Angebot annehmen. Wenn der Übernahmekonzern nämlich nicht zum Zuge kommt, dann wird er das Angebot nachbessern und einen höheren Preis für die Aktien bieten. Das können dann ein höherer Preis auf die Aktien oder eine zusätzliche Barabfindung sein.
 
In den einschlägigen Internet-Foren liest man immer wieder einmal dieses oder jenes Übernahme- oder Fusionsgerücht. Manche erweisen sich als wahr, aber die meisten sind falsch. Also Vorsicht ist immer geboten. Das Einschalten des gesunden Menschenverstandes ist da manchmal sehr hilfreich. Passen die beiden Unternehmen überhaupt zusammen und welcher Mehrwert entsteht durch solch eine Übernahme? Manch eine Übernahme kann sich erst in ein paar Jahren als falsch erweisen. Obwohl Fachleute davor warnen, halten Manager daran fest, weil es ihr Ego nicht zulässt, den Fehler einzugestehen. Als Hochzeit im Himmel wurde bspw. damals die Übernahme des amerikanischen Autokonzerns Chrysler durch die deutsche Daimler AG gefeiert. Nun, heute ist die Ehe wieder geschieden und Daimler hatte ein paar Milliarden verbrannt. Oder denken wir an die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank, die sich bis heute noch nicht von der Übernahme erholt hat. Ok, hier spielte die Politik eine Rolle im Hintergrund. Aber ausbaden mussten das Dilemma die Commerzbank.
 
Als Rat können wir nur geben: nicht gleich eine Aktie kaufen, nur weil man gelesen hat, das Unternehmen soll übernommen werden. Informationen beschaffen und kritisch bewerten gehört zum Handwerkszeug eines Neueinsteigers ebenso dazu wie für einen altgedienten Börsenfuchs.

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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