Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Börsenwissen für Neueinsteiger Teil 7

Im Gegensatz zur zuletzt vorgestellten Value-Strategie konzentriert sich die Growth-Strategie (englisch: Growth = Wachstum) weniger auf die Analyse von Einzelunternehmen, als auf die Betrachtung ganzer Branchen. Der Growth-Investor versucht, frühzeitig zukünftige Wachstumsmärkte zu erkennen und dann die Unternehmen mit der höchsten Wachstumsdynamik auszuwählen.

Das sind in der Regel die Unternehmen, die sich schon früh größere Anteile an einem boomenden Markt sichern konnten und von ihrer relativen Größe profitieren. Da der Growth-Investor aber möglichst zeitig solche Potenziale zu heben versucht, beruhen seine Entscheidungen hauptsächlich auf Erwartungen und weniger auf bereits bewährten Geschäftsmodellen. So werden bei der Growth-Strategie oft Gewinne mit Aktien erzielt, deren Unternehmen noch gar keine schwarzen Zahlen schreiben. Umso wichtiger ist es für einen erfolgreichen Growth-Investor, eine Aktie systematisch abzustoßen, sobald das Unternehmen seine Wachstumshoffnungen nicht mehr erfüllt.

Als Beispiele für erfolgreiche Growth-Werte in unserem NDAC-Depot gelten Facebook, BB Biotech, Amazon, Nvidia etc.   

Bleibt die Frage, was ist nun die bessere Strategie?   
Wenn wir die letzten zwanzig Jahre betrachten, dann lassen sich zwei längerfristige Trends bei der Wertentwicklung von Growth- zu Value-Aktien erkennen.

Von Beginn des Jahres 2000 bis Mai 2007 war Value der erfolgreichere Anlagestil, seitdem hat sich aber das Blatt zugunsten von Growth gewendet. Eine derart langanhaltende bessere Wertentwicklung eines Anlagestils hat es in der Vergangenheit noch nicht gegeben, immerhin schon 13 Jahre. Und es scheint immer noch weiter zu gehen, auch wenn einige Finanzexperten derzeit einen Wechsel zu Value-Titeln sehen.

Es zeigt sich, dass die Gewinne und Gewinnerwartungen für die beiden wichtigen Growth-Sektoren Technologie und Gesundheit in den vergangenen 10 Jahren fast stetig angestiegen sind. Selbst der Corona-bedingte Konjunktureinbruch im vergangenen Jahr geht an beiden Stilen fast unbemerkt vorbei, wie wir bei einem Blick auf unsere Depotwerte leicht erkennen können.

Und ein zweiter wesentlicher Grund liegt in der auf die nähere Zukunft festzementierten Nullzinspolitik begründet. Um dieser zu entkommen, setzen Anleger auf Wachstumswerte, auch wenn sie zum Teil keine Dividenden zahlen. Sie setzen auf Wachstumsaktien, weil diese schnelleren Erfolg versprechen als werthaltige Value-Aktien, die langsamer wachsen.
Aber man muss auch feststellen, dass die bisherigen langjährigen Wachstumswerte langsam an ihre Grenzen stoßen werden. Dann könnten wieder die Value-Werte die Nase vorn haben. Es wird immer ein Wechselspiel bleiben, sehr zur Freude der Anleger, die von beiden Investmentstilen profitieren.  
In der börsentäglichen Praxis sind die Grenzen zwischen Value- und Growth-Titeln übrigens fließend. So kann ein Wachstumswert durch Verstetigung seiner Gewinne durchaus zum Value-Titel werden, oder ein bewährtes Value-Geschäftsmodell durch neue Innovationen einen neuen Wachstumsschub auslösen.

In unserem NDAC-Clubfonds vereinen sich sowohl Value- als auch Growth-Titel und sorgen damit für Ausgewogenheit, Stabilität und Erträge.

Dividenden – Ein Anteil vom Gewinn
Der mutmaßlich schönste Tag für Aktionäre ist der Dividendenzahltag. Viele können diesen Tag auch viermal erleben, da im anglo-amerikanischen Raum die Dividende oft als Quartalsdividende an die Aktionäre ausgeschüttet wird.

Eine AG erhält von ihren Aktionären Eigenkapital und kann damit ihr Geschäft aufbauen, erweitern oder umgestalten. Aktionäre sind, wir haben darauf zu Beginn unserer Serie hingewiesen, mit dem Aktienkauf Miteigentümer des Unternehmens geworden. Quasi als Anerkennung werden die Aktionäre am Erfolg, also am Gewinn des Unternehmens beteiligt. Das geschieht in Form einer Dividende, die gewöhnlich jährlich ausgeschüttet wird. Die Dividende also ist der Gewinnanteil eines Unternehmens, der direkt an die Aktionäre geht.

Selbstverständlich, wer kann, der nutzt die Dividende auch als Marketinginstrument. Mit steigender Dividende können Aktionäre nicht nur an das Unternehmen gebunden, sondern auch neue Aktionäre gewonnen werden. Nicht zuletzt profitiert das Unternehmen selbst (inklusive seiner Mitarbeiter) von einer zunehmenden Nachfrage nach seiner Aktie und einem steigenden Aktienkurs. Übrigens, auch vom Unternehmen ausgegebene Belegschaftsaktien profitieren von der Dividendenzahlung. Gerade in der heutigen Zeit des Fachkräftemangels sind Belegschaftsaktien ein sehr gutes Argument für die Mitarbeitergewinnung, stellen sie doch ein Extra da, dass eben andere Unternehmensformen nicht vorweisen können.

Nach erfolgreichem Verlauf des Geschäftsjahres beschließen die Aktionäre auf der Hauptversammlung, einen Betrag an ihre Anteilseigner auszuschütten. Die Hauptversammlung ist eine gesetzlich vorgeschriebene Versammlung für Aktionäre, auf der sie ihre Stimm- und Mitwirkungsrechte ausüben können. Nun werden auf der Hauptversammlung von den Teilnehmern nicht die Taschenrechner gezückt, um zu errechnen, wie viel Gewinn für die Dividendenzahlung überhaupt zur Verfügung steht. Der Dividendenvorschlag wird vom Vorstand der Gesellschaft erarbeitet und der Hauptversammlung zur Bestätigung vorgelegt. In der Regel wird der Vorschlag bestätigt. Die Dividenden werden vorher kommuniziert und sind auch Bestandteil des Geschäftsberichtes.

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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