Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Börsenwissen für Neueinsteiger Teil 6

 

Nachdem wir uns im vorigen Teil mit dem KGV als gängige und wichtige Bewertungsmethode beschäftigt haben, möchten wir noch kurz das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) vorstellen.
Nicht jedes Unternehmen macht Gewinn, speziell im Startup-Bereich. Trotzdem haben diese Unternehmen auch eine Zukunft an den Märkten. Die Märkte verzeihen auch einmal Verluste, wenn die Story dahinter stimmt. Manchmal kann es Jahre dauern, ehe ein Unternehmen schwarze Zahlen schreibt. Nur was ist dann mit dem KGV? Wird es dann negativ, wenn Verluste im Nenner stehen? Mathematisch wäre das zwar eine Möglichkeit, aber ökonomisch macht eine solche Kennzahl dann wenig Sinn. Außerdem heißt es Kurs-Gewinn-Verhältnis.

Also ermittelt man das Kurs-Umsatz-Verhältnis für junge Unternehmen (und auch für nicht mehr ganz so junge Unternehmen), die mit Verlusten zu kämpfen haben. Aber auch für Unternehmen, die ein KGV ausweisen, ist es durchaus das KUV zu ermitteln.

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) vergleicht die Marktkapitalisierung eines Unternehmens mit dessen jährlichem Umsatz. Als Faustformel gilt dabei: Je niedriger das KUV, desto günstiger ist eine Aktie zu erwerben. Da wir uns manchmal auf internationalem Parkett bewegen, heißt es dann in englisch Price to Sales Ratio (PSR).

Nur wann ist ein Unternehmen günstig bewertet? Dabei vergleichen wir die Marktkapitalisierung mit dem Jahresumsatz des Unternehmens oder den Aktienkurs mit dem Umsatz je Aktie. Ein gutes KUV liegt laut Expertenmeinung unter 1,5.

Schauen wir uns dafür wieder ein Beispiel an: Ein Unternehmen weißt eine Marktkapitalisierung von 455.000 Euro und einen Umsatz von 350.000 Euro aus. Dann ergibt das eine KUV von 1,3. Das Ergebnis liegt unter ein 1,5 also ist es noch günstig bewertet. Am besten für Aktionäre ist ein Ergebnis unter 1. Aber Fakt ist, dass man das KUV vergleichen muss mit anderen Titeln aus der Branche, aber auch sofern es möglich ist, die Firmenhistorie mit einzubeziehen. Denn auch höhere Werte können durchaus sehr gut sein, wenn die anderen Mitbewerber noch höhere Werte aufweisen.

Der ewige Kampf der Anlagestile: Growth vs. Value
Im Moment sind unsere Neueinsteiger froh, wenn der erste Aktienkauf mit Kurssteigerung belohnt wird und vielleicht haben sie auch schon eine Dividende ins Depot gebucht bekommen. Die Freude darüber ist für uns alle nachvollziehbar. Neueinsteiger haben meistens keine bewusste Präferenzen für einen Anlagestil. 

Erst wenn Anleger länger an den Börsen agieren, werden sie herausfinden, welchen Stil, das heißt, welche Aktien sie bevorzugen und diesen Stil eine Weile in ihren Anlageverhalten demonstrieren. Und diese beiden grundsätzlichen Investmentstrategien, die die Depotanalysen stets herausstellen, sind Growth und Value.

Die Value-Strategie (englisch: value = Wert) geht davon aus, dass an der Börse Unternehmen zu finden sind, deren wahre Werte gegenwärtig noch im Verborgenen schlummern. Demzufolge versucht der Value-Investor werthaltige Unternehmen aufzuspüren. Solche Unternehmen sind meist durch eine gute Marktposition, überdurchschnittliche Profitabilität und eine stabile Gewinnentwicklung gekennzeichnet.

In einem zweiten Schritt werden dann durch den Investor diese Aktien gecheckt und mit anderen ähnlichen Unternehmen an den Börsen verglichen. Das Ziel dabei ist, Unternehmen zu finden, die nach Meinung des Investors unterbewertet sind und die Aktien dieser Unternehmen zu erwerben. Der Value-Investor spekuliert also in Zukunft darauf, dass der Markt die Werthaltigkeit der Aktiengesellschaft – aus welchem Grund auch immer – verkennt und in nächster Zeit zu besserer Einsicht gelangt. Value bedeutet also im Ergebnis bewährte Geschäftsmodelle zu erkennen und auch die Titel langfristig zu halten. Das ist aber auch sehr zeitaufwändig und erfordert ein ständiges Beschäftigen mit dem Aktienmarkt.

Die bewährte Strategie können auch Neueinsteiger für sich nutzen, in dem sie z.B. die Aktie von einem der Altmeister der Value-Strategie, Warren Buffet, erwerben. Wir haben mit unserem Depotwert Berkshire Hathaway schon sehr große Erfolge erzielt.  Aber Warren Buffet hat auch einmal klein angefangen ohne den Mitarbeiterstab, der ihn heute bei seinem Research zuarbeitet Dabei hat er das Gespür entwickelt, dass seine Berkshire Hathaway Aktie im Laufe der Jahrzehnte zu einer der besten Aktien der Welt werden ließen. Die ungesplittete A-Aktie ist immerhin aktuell über 357.000 Euro wert. Allerdings für den kleinen Geldbeutel, den normale Aktionäre in der Regel haben, gibt es immerhin eine B–Aktie und die kostet aktuell rund 238 Euro.

Jeder Anleger träumt davon, dass ihm so etwas auch einmal gelingt, aber es ist wirklich harte Arbeit gepaart mit Erfahrung und dem richtigen Gespür für unterbewertete Unternehmen.

Tipps und Informationen für Anleger und Sparer

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