Bekannte Sorgen der Manager- Die Märkte bleiben trotzdem optimistisch

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Unsere Manager haben verdammt viele Sorgen. Nun gut, bisher waren es Lieferengpässe bei Computerchips und anderen Vorprodukten, höhere Kosten und die Angst vor steigenden Corona-Inzidenzen, die den Sorgen-Fokus der Unternehmenslenker bestimmten. Und jetzt kommt auch noch die Sorge vor einer wirtschaftsfeindlichen Regierungskoalition in Form von Rot-Rot-Grün dazu. Die ganze Beunruhigung spiegelt sich im Ifo-Geschäftsklimaindex wider, der auch im August erneut gefallen ist. Der ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste konjunkturelle Frühindikator, sank im August auf 99,4 Punkte von 100,7 Zählern im Juli, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut im Rahmen seiner Umfrage unter rund 9.000 Managern in der abgelaufenen Woche mitteilte. Es war bereits der zweite Rückgang in Folge. In der Industrie fiel der Erwartungsindikator auf den niedrigsten Stand seit November. Die Unternehmen haben von einer schwächeren Nachfrage berichtet. Unter den Dienstleistern und im Handel ging das Geschäftsklima ebenfalls zurück. Auch die Geschäftsaussichten werden von den Firmen skeptischer gesehen.

Die Zahl der Betriebe, die über Lieferengpässe berichten, hat sich von 64 Prozent im Vormonat auf 70 Prozent im laufenden Monat erhöht.

Die deutschen Exporte geben ebenfalls wenig Grund zur Hoffnung. Das China-Geschäft der deutschen Exporteure ist im Juli erstmals seit fast einem Jahr geschrumpft. Die Ausfuhren in die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt sanken um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 8,4 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Eine Sorge können wir den Managern aber nehmen, R2G bedeutet nicht den Untergang der Marktwirtschaft in Deutschland, wie wir in Thüringen sehen. Dort wurde kein Unternehmen verstaatlicht oder eine verantwortungslose Politik gegen die Unternehmen gemacht. Und im Bund wird es genauso werden, sollte die Konstellation überhaupt eine Mehrheit am 26. September finden.

Und was macht der DAX30 mit den Ifo Zahlen? Der deutsche Leitindex ignoriert sie momentan größtenteils. Wie ist der Widerspruch zu erklären? Während an der Börse die Zukunft im Großen und Ganzen gehandelt wird, ist der ifo-Index nur eine Momentaufnahme der ca. 9.000 der befragten Unternehmen. Und die kann sich schon ganz sehr bald wieder ändern.

Ein Beispiel ist die Lage der europäischen Anlagenbauer, die sich zwischen erholender globaler Nachfrage und gestiegener Erzeugerpreise befinden. Nachdem die Gewinne des Sektors 2020 im Vergleich zum breiten europäischen Markt über 40 Prozent einbüßten, fällt die Erholung nun umso imposanter aus. 73 Prozent Gewinnplus gegenüber dem Vorjahr soll die heimische Investitionsgüterbranche laut Analysten dieses Jahr verbuchen. Angesichts einer positiven Margenentwicklung sowie starker Absatzmärkte – angeführt von der Auto-, der Lastkraftwagen- und der Lebensmittelindustrie – ist diese Aussicht nicht verwunderlich. Entsprechend ist der Sektor mit einem für 2021 erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24 auch deutlich teurer bewertet als der breite europäische Markt. Trotz der hohen Infektionszahlen ist der globale Bedarf an Investitionsgütern ungebrochen. Da anstehende Infrastruktur- und Klimaprojekte zusätzlichen Rückenwind schaffen, bietet die Branche trotz der hohen Bewertung interessante Anlagemöglichkeiten.

Unternehmen schütten, dank sich schnell erholender Gewinne und einer abnehmenden wirtschaftlichen Unsicherheit, wieder mehr Dividenden aus. In der Eurozone und in den USA könnten die Ausschüttungen für 2021 rund fünf Prozent höher ausfallen als im Vorkrisenjahr 2019, in Japan zehn Prozent und in den Schwellenländern sogar 18 Prozent. Trotz der starken Zuwächse gibt es auch hier noch Luft nach oben.

Apropos Japan, das wegen seiner bekannten Probleme einen seitwärts orientierten Kurs des Topix im Gegensatz zu den Allzeithochs der amerikanische und europäischen Indices aufwies. Hier scheint es auch wieder aufwärts zu gehen. Das zugrunde liegende Zahlenwerk stimmt jedenfalls optimistisch. Im zweiten Quartal übertrafen etwa 70 Prozent der Unternehmen die Analystenerwartungen und rund 15 Prozent der Unternehmen hoben die Prognose für den Jahresgewinn an. Schlagkräftige Argumente – vor allem wenn man bedenkt, dass der Preis für japanische Aktien zwischenzeitlich nicht gestiegen ist. Und was hat unser alter Börsenfuchs Warren Buffet schon vor längerer Zeit gekauft? Richtig, japanische Aktien (wir haben darüber berichtet)!

Unser Depotwert Amazon wird in den kommenden fünf Jahren seinen Gewinn um jährlich 36 Prozent steigern, erwarten Analysten. Das gleiche gilt für Apple, dem KGV 22e von 26 steht ein erwartetes Gewinnwachstum ein jährliches Wachstum von 20 Prozent gegenüber. Und bei Microsoft erwarten die Experten ein Gewinnwachstum 15 Prozent, die Erhöhung der Preise für seine Office-Software ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Und bei Alphabet sind Gewinne von 25 Prozent laut Finanzexperten zu erwarten.

Sie kennen Jackson Hole? Der kleine Ort in den Rocky Mountains ist jedes Jahr eigentlich Schauplatz der wichtigsten Notenbanktagung der Welt, dieses Jahr aus den bekannten Gründen wieder digital. Auch wenn die Börsianer nicht allzu viel Neues erwarten – der Rede des Fed-Chefs Jerome Powell am Freitag werden sie dennoch genau lauschen. Gibt er Signale, wann die Notenbank mit dem sogenannten Tapering, dem Zurückfahren der Anleihekäufe beginnen könnte? Gibt es gar Signale in Richtung einer Zinswende?

Wir werden sehen… Nächste Woche wissen wir mehr.

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