Aus DAX30 könnte bald DAX40 werden

Teil I 

Als Konsequenz aus der Kritik am DAX30 im Zuge der Affäre um die betrügerische und sich jetzt in der Insolvenz befindliche Wirecard AG wurde ziemlich vehement eine Reform des deutschen Aktienindex gefordert. Als Konsequenz aus der Kritik am DAX30 im Zuge der Affäre um die betrügerische und sich jetzt in der Insolvenz befindliche Wirecard AG wurde ziemlich vehement eine Reform des deutschen Aktienindex gefordert. Fakt ist, der deutsche Leitindex krankt auch an seiner Zusammensetzung, die immer noch die Zeiten der alten, längst untergegangenen Deutschland AG hochhält. So können viele Markteilnehmer berechtigt nicht nachvollziehen, warum mit SAP nur ein einziges wahres IT- Unternehmen im deutschen Bluechip-Index vertreten ist. Dafür aber ein Unternehmen, der Essenslieferant Delivery Hero, der sein Deutschlandgeschäft aufgegeben hat, nur noch den Firmensitz Berlin mit Deutschland gemein hat und dafür rote Zahlen im erheblichen Ausmaß schreibt.
Wir sehen also, es muss etwas geschehen und es wurde mit einem Vorschlag für ein neues Regelwerk reagiert.


Was für neue Regeln sind geplant?


Die Deutsche Börse AG als Rechteinhaber der gesamten DAX-Familie und damit auch zuständig für die Regeln der Zusammensetzung und Berechnung der verschiedenen deutschen DAX-Indizes schlägt eine Vergrößerung von 30 auf 40 Unternehmen vor und plant strengere Auflagen für die Mitgliedschaft im deutschen Leitindex.
Im Gegenzug soll der Mittelwerte-Index MDAX von aktuell 60 wieder auf 50 Werte abgesenkt werden.
Außerdem sollen verschärfte Regeln ein zweites Wirecard verhindern.
Dazu sollen Unternehmen aus dem Dax verbannt werden können, wenn sie ihre Zahlenwerke nicht fristgerecht vorlegen.
Nur noch nachweislich profitable Unternehmen sollen in die erste deutsche Börsenliga aufsteigen können. Sie müssen in den zwei Jahren vor dem Aufstieg in die erste Börsenliga einen operativen Gewinn (Ebitda) ausgewiesen haben. Damit dürfte Delivery Hero nur noch eine kurze Zugehörigkeit im DAX beschieden sein.
Unternehmen, die mehr als zehn Prozent ihrer Umsätze mit Geschäften machen, die in der Gesellschaft umstritten sind, sollen ausgeschlossen werden. Das Nachhaltigkeitsthema soll damit in die neuen Regeln Eingang finden. Als Beispiel werden hier Waffen genannt. Rheinmetall, Airbus u.a. hätten dann keine Chance mehr in den DAX40 zu kommen. Und wenn wir uns die Regel umstrittener Geschäfte weiterdenken, dann dürfte auch beispielsweise die Bayer AG wegen seiner Tochter US- Monsanto (Glyphosat) einen schweren Stand haben seine DAX- Zugehörigkeit zu behaupten.

Auch ein Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats, der etwa die Rechnungslegung überwacht, soll für die Mitgliedschaft in den DAX-Auswahlindizes (DAX, MDAX, TecDAX, SDAX) verpflichtend sein. Auch das ist etwas zu kurz gedacht. Hier gehört der Gesetzgeber mit ins Boot, der über die Bafin festlegen muss, welche Prüfgesellschaften die Bilanzprüfung der Unternehmen unabhängig und im Wechsel vornehmen sollen. Auch die Kostenübernahme der Bilanzprüfer durch den Steuerzahler sollte in diesem Zusammenhang  mit geregelt werden (beispielsweise durch einen minimalen Aufschlag auf die Körperschafts- oder Kapitalertragssteuer). Bilanzprüfungsgesellschaften müssen dem Einfluss der Unternehmen entzogen wegen.
Die Regeln für die Indexzusammensetzung will die Börse künftig alle sechs Monate statt einmal jährlich regulär überprüfen. Damit wolle man Veränderungen in der Kapitalmarktlandschaft schneller auch im DAX umsetzen können, hieß es zur Begründung. Dazu kommen die quartalsmäßigen Anpassungen mit den Auf- und Absteigern aus den einzelnen Indices.
Eine Folge steht bereits schon jetzt fest. Durch eine Vergrößerung würde beim deutschen Aktienbarometer die Marktkapitalisierung um 8 Prozent steigen (lt. Berechnung der Deutschen Börse AG). Auf Risiko und Rendite des Leitindex hätte der Schritt dagegen so gut wie keine Auswirkungen. Wo es Gewinner gibt, sind die Verlierer nicht fern. Der MDAX würde durch seine Verkleinerung bedingt durch den Dax-Aufstieg seiner 10 größten Mitglieder fast ein Drittel seiner Marktkapitalisierung verlieren. Der MDAX und der SDAX  würden dadurch an Qualität weiter verlieren, denn ihm dürfen unprofitable Unternehmen wie bisher angehören.   
Wir werden sehen, welche der Regeln wie umgesetzt werden. Jetzt werden die neuen Regularien unter den Marktteilnehmern diskutiert. Die Ergebnisse der Marktkonsultationen soll durch die  Deutsche Börse vor dem 23. November 2020 veröffentlicht werden. Die beschlossenen Regeländerungen sollen dann frühestens für die Überprüfung ab März 2021 wirksam werden.

Nun, man darf auch bezweifeln, ob die deutsche Börse für junge, innovative Start Up- Unternehmen interessanter werden kann, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. In der Vergangenheit hatten Unternehmen wie CureVac oder Biontech für ein IPO die New Yorker NASDAQ bevorzugt und nicht die Hoffnung auf eine eventuelle Zugehörigkeit zum TecDAX oder gar dem DAX40 gesetzt.

Warten wir einmal ab, wie die großen Fondsmanager und andere Markteilnehmer das sehen. Ende November werden wir mehr wissen. Aber es gibt schon jetzt die ersten 10 Kandidaten für den neuen vergrößerten DAX40.
 
Wir stellen sie Ihnen im nächsten Teil vor.

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