Afghanistan und die Folgen, eine neue Blase, Neues von der Deutschen Post und Wahlkampfgeschenke

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Überfordert war noch der positivste Ausdruck, den wir über die überstürzte Evakuierung der deutschen Staatsbürger und ihrer Ortshelfer aus Afghanistan lesen konnten. Rasant erobern die Taliban das gesamte Land, preschen auf Motorrädern und Pickups von einer Stadt zur nächsten. Das Problem, sie stießen, bei den angeblich auch von der Bundeswehr so gut ausgebildeten, aber mutlosen Regierungssoldaten, kaum auf Widerstand. So fiel Kabul viel schneller in die Hände der Taliban, als unserem Politikbetrieb in Berlin lieb sein konnte. Dilettantismus hoch drei kann man das schon nennen, was die überforderten Minister Maas und Kramp-Karrenbauer da ablieferten, wie wir in den Medien sehen konnten. Frei nach dem Motto: Ohne Plan, ohne Weitblick, ohne Rücksicht.

Zu dem menschlichen Leid: rund 3.600 Soldaten der westlichen Allianz ließen ihr Leben, die Zahl der zivilen Opfer liegt mindestens um das Zehnfache höher, hinzu kommt der materielle Schaden. Mehr als eine Billion Dollar hat der Einsatz in Afghanistan die Amerikaner gekostet, für die Deutschen beläuft sich die Rechnung auf mehr als zwölf Milliarden Euro. Spitzenmanager würden das Ganze als Fehlinvestition abtun, aber hier geht es um Politik.

Und die politischen Auswirkungen sind so kurz vor der Bundestagswahl noch nicht zu überschauen. Die Union verliert immer mehr an Zustimmung. So kann es passieren, dass die langjährige Regierungspartei aus dem Amt gewählt und in die Opposition geschickt wird. Wäre aber auch keine große Katastrophe, wenn wir das politische Spitzenpersonal der CDU für die nächste Regierung anschauen.

Schlimmer dürfte es die US-Demokraten treffen, auch wenn die Zwischenwahlen im November 2022 noch ein bisschen hin sind. Die knappen Mehrheiten in den beiden Kammern des Kongresses dürften wohl, angesichts der Entscheidungen von Präsident Biden, gefährdet sein. Das würde dann bedeuten, dass die Zeiten des alleinigen Durchregierens und der großen Konjunkturprogramme vorbeisein dürften. Selbst eine Wiederwahl von Donald Trump scheint nun nicht mehr ausgeschlossen…

Apropos USA, dramatisch gestiegene Immobilienpreise dort sorgen dafür, dass sich eine wachsende Anzahl von Amerikanern ihr Eigenheim nicht mehr leisten kann. Das weckt schlimme Erinnerungen an die Boomzeiten von 2006 und 2007, die schließlich in der Finanzkrise 2008/09 endeten. Hauptverantwortlich für den Boom sind niedrige Zinsen, gepaart mit einem in der Pandemie rapide gestiegenen Interesse an Eigenheimen, auch bei institutionellen Investoren. Sie kaufen Häuser in großem Stil, um diese dann lukrativ zu vermieten. Ein gefährlicher Mix, der die Preise in die Höhe schnellen lässt. Wenn jetzt die Zinsen steigen sollten, wie die Fed plant, könnte die Blase dort mit lautem Knall platzen

 

Die Lage an den Börsen mutet dagegen fast gespenstisch an. Investoren erkennen jede Menge Risiken für Aktien, dennoch schieben sich die wichtigen Indizes weiter nach oben. Der deutsche Leitindex Dax kletterte am Freitag, den 13. erstmals über 16.000 Punkte, auch der breite europäische Index Stoxx 600 und der führende S&P 500 in den USA stiegen auf Rekordhochs. Seit Mitte März vergangenen Jahres sind die Indizes zwischen 70 und knapp 100 Prozent gestiegen. Und das ungeachtet der Gefahrenherde für die Börsen, steigende Inflation, die die Notenbanken zum vorzeitigen Handeln zwingen wird, sowie die vierte Coronawelle, die das Wirtschaftswachstum wieder senken würde.    

Eine positive Nachricht gibt es von unserm Depotwert Deutsche Post zu vermelden. Die Deutsche Post will ihre nach der Corona-Krise rasch wachsende Frachtsparte mit der Übernahme des Seefrachtspezialisten J.F. Hillebrand Group stärken. Die Post kaufe den Logistiker für rund 1,5 Milliarden Euro von dem belgischen Investor Cobepa, teilte der Bonner Logistiker mit, der in den vergangenen Jahren vor allem auf Wachstum aus eigener Kraft gesetzt hat. Um das auf den Transport von Getränken wie Wein oder Bier sowie Flüssigkeiten spezialisierte Mainzer Unternehmen hatten sich Insidern zufolge auch um mehrere Finanzinvestoren bemüht. Die Post konnte sich aber letztlich durchsetzen. Die Post bezahlt das aus ihrer Portokasse, sind sich Experten einig. Die Kartellbehörden verschiedener Länder müssen der Transaktion natürlich noch zustimmen. Zu den Kunden von Hillebrand gehören dem Unternehmen zufolge unter anderem die Campari Group oder der Groß-Brauer Anheuser-Busch In Bev. Hillebrand, beschäftigt rund 2.700 Mitarbeiter in 90 Staaten weltweit und fuhr zuletzt einen Jahresumsatz von etwa 1,4 Milliarden Euro ein.

Wie gut, dass es die Bundesregierung gibt bzw. den Lobbyverband der Automobilindustrie. Wieder ein Milliardengeschenk zum Zukleistern von Versäumnissen der Vergangenheit, dass da beim Autogipfel diese Woche herauskam. Ironischerweise heißt das Ding auch noch Zukunftsfonds, obwohl es faktisch Vergangenheitsbewältigung ist: Eine Nothilfe für Zulieferer, die den Stromtrend und die Digitalisierung verschlafen haben und nun das Totenglöckchen läuten hören. Ein Schelm, wer dabei an die Bundestagswahl denkt…

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