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Es geht weiter in die richtige Richtung mit den Zinsen

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Wie vermutet, die US-Zentralbank hat die Zinsen um einen Viertel-Prozentpunkt erhöht – auf die neue Spanne von 4,50 bis 4,75 Prozent und machte klar, dass die Zeit der Zinserhöhungen noch nicht vorbei ist. „Wir werden auf Kurs bleiben, bis die Arbeit getan ist“, stellte Powell in seiner Pressekonferenz klar. Der Job der Fed sei, die Inflation auf zwei Prozent zu bringen. Alles nichts Neues. Aber trotzdem, der Aktienmarkt reagierte zunächst erschrocken: Der Dow-Jones-Index verlor zwischenzeitlich mehr als 300 Punkte. Es war vor allem ein Wort, das die Investoren am Mittwoch verunsicherte und das war das Wort „ongoing“ – weitergehend. Die Fed hatte in ihrer Mitteilung geschrieben, dass „weitergehende Zinserhöhungen angemessen“ sein werden. Auch damit machte Powell klar, dass die Zeit der Zinserhöhungen noch nicht vorbei ist. Es ist leider noch nicht die Zeit für eine Zinswende, denn die Inflation in den USA war im Januar 2023 zwar niedriger, trotzdem ist sie mit 7,6 Prozent noch weit von dem angestrebten Zielwert entfernt. Die US-Anleger haben dann aber doch noch Hoffnung aus den Worten von Fed-Chef Jerome Powell zur weiteren Zinspolitik geschöpft. Der Dow Jones stagnierte zwar am Ende, der technologielastige Nasdaq rückte dagegen zwei Prozent vor und der breit gefasste S&P 500 legte ein Prozent zu. Wir sehen, es ist alles nur eine Frage der Sichtweite und der richtigen Worte.
 
Und eben kommt die Nachricht über den Ticker, die britische Notenbank hob ihren Leitzins erneut deutlich an. Er steigt um weitere 0,5 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent, wie die Bank of England am Donnerstag in London mitteilte. Bankvolkswirte hatten den Schritt überwiegend erwartet. Es ist bereits die zehnte Zinserhöhung seit Ende 2021. Seinerzeit hatte der Zins noch knapp über der Nulllinie gelegen, jetzt liegt er fast schon gleichauf mit dem Fed-Zins.
 
Und was macht die EZB? Im Kampf gegen die nach wie vor hohe Inflation hat die Europäische Zentralbank abermals wie erwartet eine Leitzinserhöhung um 0,50 Prozentpunkte auf 3,0 Prozent vorgenommen. Damit liegt die EZB noch 1,5 bis 1,75 Prozentpunkte hinter dem Leitzinssatz der Fed, es ist also doch noch viel Luft nach oben. Es ist der fünfte Zinsanstieg in Folge. Zuletzt hatte die Notenbank den Zins im Dezember um 0,5 Prozent angehoben. Der Zinssatz in der Eurozone steigt damit auf den höchsten Stand seit Ende 2008. Für die Aktienmärkte sieht ihr Autor keine großen Probleme, denn die Zinserhöhung war ebenfalls bereits als erwarteter Fakt eingepreist. Aber wie geht es nun weiter mit den Leitzinsen? Es ist wohl von Streitigkeiten innerhalb des EZB-Rates auszugehen, da die Gesamtinflation stark zurückgeht, obwohl das zugrunde liegende Preiswachstum immer noch leicht ansteigt und zunehmend breiter wird. Denn im Gegensatz zur Gesamtinflation sind die Kernpreise, bei denen volatile Posten wie Lebensmittel und Kraftstoffe nicht berücksichtigt werden, stetig oder sogar beschleunigt gestiegen. Politische Falken im EZB-Rat, die höhere Zinssätze befürworten wie z. B. Klaas Knot aus den Niederlanden, Peter Kazimir aus der Slowakei und Bostjan Vasle aus Slowenien, haben ausdrücklich weitere Zinserhöhungen um jeweils 50 Basispunkte im Februar und März gefordert. Tauben wie der Grieche Yannis Stournaras und das italienische Direktoriumsmitglied Fabio Panetta plädieren dagegen für kleinere Schritte oder zumindest dafür, dass die EZB keine Verpflichtungen für März eingeht. Es wird wohl alles auf einen Kompromiss hinauslaufen und ihr Autor versucht sich auch einmal als Prophet und gibt als Leitzins von 25 Basispunkten als Erhöhungsvorschlag für die nächste EZB-Ratssitzung in die Runde. Für die nächste geldpolitische Sitzung am 16. März ist bereits eine weitere Zinserhöhung durch EZB Präsidentin Christine Lagarde in Aussicht gestellt. Fakt ist jedenfalls, je schneller und höher der Leitzins, umso schneller kommt eine Zinswende in Gang, wenn die Inflationsparameter dazu passen.

Die Chipproduktion wird weiter nach Europa verlagert. Dank der Ansiedlungspolitik der Bundesregierung will der US-Konzern Wolfspeed im Saarland eine Chipfabrik für umgerechnet 2,75 Milliarden Euro bauen. Beteiligt mit einem Beitrag von rund 170 Millionen Euro ist der deutsche Autozulieferer ZF Friedrichshafen. Ein Großteil der Investition soll nach Wolfspeed-Chef Gregg Lowe zufolge über Subventionen finanziert werden. Bund und Land stehen bereit, erhebliche Zuschüsse über den EU-Förderrahmen IPCEI zu leisten und hätten in Brüssel bereits eine Genehmigung angefragt, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Die Genehmigung muss Brüssel noch erteilen, aber ihr Autor ist sicher, dass das Problem zufriedenstellend gelöst wird. Die EU strebt an, die Abhängigkeit Europas von Asien bei Halbleitern zu verringern. 

Dazu passt auch die Meldung, dass unser Depotwert Infineon Technologies zum Auftakt seines neuen Geschäftsjahres das selbst gesteckte Margen-Ziel übertroffen hat. Angepeilt werden für das Geschäftsjahr 2022/23 weiterhin 15,5 Milliarden Euro Umsatz, nun aber eine Segmentergebnis-Marge von 25 statt wie bisher angekündigt 24 Prozent, wie der Chiphersteller mitteilte. Trotz des Gegenwinds von der Währungsseite will Infineon auch im Gesamtjahr rentabler werden als bisher prognostiziert. Das Unternehmen unterstellt dabei jetzt einen Euro-Kurs von 1,05 statt wie im November 1,00 Dollar – das ist für das Unternehmen, das in der US-Währung große Teile seines Umsatzes macht, deutlich ungünstiger.