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Die Zeit bis zum Jahresende bleibt spannend

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Die Zeit rast dahin. Da sind wir nun wieder mitten im letzten Quartal des Jahres 2022. Eines wissen wir dabei schon jetzt: Das wird ein Jahr, an das man sich – nicht nur auf den Finanzmärkten – noch lange erinnern wird. Hoffentlich allerdings für das, was bereits geschehen ist und nicht für das, was in den nächsten verbleibenden Wochen bis Jahresende noch kommen wird (außer allerdings, wir erleben die Mutter aller Jahresend-Rallys, aber ihr Autor glaubt da nicht richtig daran). 

Die Welt ist allen Versuchen von Despoten, Autokraten und Machthabern zum Trotz (noch?) nicht untergegangen. Die großen entwickelten Wirtschaftsregionen laufen immer noch ganz gut, obwohl die Zentralbanken der Industrieländer ordentlich auf die Bremse des billigen Geldes gestiegen sind. Der Arbeitsmarkt ist immer noch eng, obwohl wir uns allenthalben in Rezessionen befinden. Kann bzw. wird das alles noch kommen? Möglicherweise aber sicher nicht in den nächsten drei bis sechs Wochen bis zum Jahresende. Bei den großen Fonds haben die Manager bereits mit dem stets jährlich wiederkehrenden „Windows Dressings“ der Bestände zum Jahresende begonnen, bevor sie in den Winterurlaub in der Regel bis Anfang Februar gehen. Die vernetzten Computersysteme sind bereits auf die möglichen und zum Teil auch unmöglichen Unwägbarkeiten an den Börsen programmiert. Wenn die Manager der großen Investmentfonds die Märkte verlassen haben, wird sich nicht mehr viel tun an den Börsen. Kleinere Ausschläge werden verursacht durch Kleinanleger, die jetzt versuchen, die Märkte zu bewegen. Ja, und dann müssen wir abwarten, ob und wie die Computervernetzung auf bestimmte Ereignisse noch reagiert.  

Für 2022 rechnen die Wirtschaftsweisen in Deutschland noch mit einem Wachstum von 1,7 Prozent. Um 0,2 Prozent wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr sinken, prognostizieren die Wirtschaftsweisen, was für eine Volkswirtschaft wie die unsere noch verkraftbar wäre. Das ist etwas weniger drastisch, als die Erwartungen der Bundesregierung es sind. Weniger gut für die Verbraucher ist der Ausblick auf die Inflation, denn die Rate dürfte demnach nicht spürbar sinken. Laut Prognose liegt die Inflationsrate bei acht Prozent in diesem Jahr und 7,4 Prozent im kommenden Jahr. Das dürfte die Gewerkschaften zu höheren Tarifabschlüssen im gesamten Spektrum der Wirtschaft nutzen und somit eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen. Aus der ist bekanntlich schwierig wieder heraus zu kommen. Der Einzelhandel kann wegen der aktuellen Kaufzurückhaltung in Folge der steigenden Preise und auch des geringeren Angebotes durch immer noch bestehende Lieferprobleme im sonst umsatzstarken vierten Quartal, also im Jahresendgeschäft, nur noch sehr wenig absetzen.

Ob wir das letzte milliardenschwere Rettungspaket gesehen haben, ist leicht zu beantworten. Bisher haben die Rettungspakete die Folgen der Energiekrise bekämpft, aber darüber hinaus braucht unsere Wirtschaft eine starke Binnennachfrage. Der Bundesfinanzminister wird die Schuldenbremse, eigentlich im Grundgesetz verankert, angesichts einer wirtschaftlichen Notlage wieder aussetzen müssen, um die Konjunktur mit entsprechenden Finanzspitzen anzukurbeln. Wenn es ihm noch niemand gesagt hat, wir helfen ihm gern auf die Sprünge. Die Zeiten der schwarzen null sind vorerst wieder vorüber.

Mit Spannung hat die Welt auf die Midterms in den USA geschaut. Die erhoffte rote Welle der Republikaner blieb aus, die blauen Demokraten haben sich wohl aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung besser geschlagen, als die Vorhersagen es ihnen prognostizierten. Sicher hat der ukrainische Präsident Selensky mit Spannung auf die Kongresswahlen geschaut. Und der Kreml in Moskau auch. Vom Ausgang dieser Wahlen hängt es ab, ob der Krieg in der Ukraine weitergeht, weiter moderne Waffen und monetäre Militärhilfe an die Ukraine geliefert werden. Oder ob der Autokrat in Moskau den Krieg gewinnen wird, wenn die Republikaner die Unterstützung der Ukraine einstellen werden. Aber noch sind die Machtverhältnisse im Kongress noch nicht geklärt. Eins ist Fakt, Ex-Präsident Trump wurde wieder auf Normalmaß zurechtgestutzt. Eine Wiederwahl scheint nun schwieriger zu werden.

Geld verdirbt den Charakter, sagte meine Großmutter schon immer. Dass sie wie meistens recht hatte, sehen wir an dem aktuell reichsten Mann der Welt, Elon Musk. Ja, das ist der CEO unseres Depotwerts Tesla. Er hat sich bekanntlich ein neues Spielzeug zugelegt, in dem er den Twitter-Kurznachrichtendienst einfach mal so schnell für summa summarum 44 Milliarden Dollar für sein Firmenimperium erwarb. Nun lassen wir die ganzen Eskapaden, die er sich auf Kosten der Belegschaft, der Werbekunden und nicht zuletzt der Nutzer erlaubt hat, beiseite. Das könnte uns als Anleger egal sein, wir haben keine Anteile an dem Kurznachrichtendienst in unserem Clubfonds. Aber wir haben leider die Tesla-Aktie im Depot. Der Tesla-Chef setzt nach der notgedrungenen und kostspieligen Übernahme von Twitter seine Verkäufe von Tesla-Aktien fort, um einen Teil des Kaufpreises zu finanzieren. Nachdem Musk bereits im August Tesla-Aktien im Wert von rund 7 Milliarden Dollar verkauft hatte, trennte er sich zwischen dem 4. und 8. November von weiteren 20 Millionen Tesla-Anteilen und erlöste damit rund 4 Milliarden Dollar. Dies zeigen Daten der US-Aufsichtsbehörde SEC. Seit April hat Musk Tesla-Anteile im Wert von insgesamt knapp 20 Milliarden Dollar versilbert. Die Tesla Aktie stürzt ins Bodenlose. Der Börsenwert hat sich seit Jahresbeginn fast halbiert. Ein Glück für die Anleger, die vor dem großen Knall verkauft haben. Alle anderen müssen warten, bis wieder gute Nachrichten und Zahlen die Tesla-Aktie pushen und sie wieder auf alte Höchstwerte zurückführen. Ansonsten könnte Tesla bald Geschichte sein.