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Die Märkte reagieren weiter auf den Krieg in der Ukraine

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Nun ist es schon zwei Wochen her, dass die russische Armee eine Spezialoperation in der Ukraine gestartet hat, wir nennen es Krieg. Und es dauert schon lange, viel zu lange aus Moskauer Sicht, denn der Krieg sollte schon nach maximal 72 Stunden beendet sein. Dass es nicht so kam, ist der tapfer kämpfenden ukrainischen Armee zu verdanken, die einem übermächtigen Feind gegenübersteht. Und die russische Führung wird es selbst nicht zugegeben, es liegt auch an den technischen, strategischen und logistischen Unzulänglichkeiten in der russischen Armee.

Die Sanktionen wirken immer besser, das erste Land hat einen Importstopp für russisches Öl und Gas verhängt. Ok, die USA haben selbst so viel von den beiden Rohstoffen, dass sie es selbst exportieren. Und wir bleiben bei den hohen Erdgas- und Erdölpreisen trotzdem noch gelassen. Noch liefert Russland und wir könnten eigentlich ruhig bleiben. Unser Wirtschaftsminister Robert Habeck versucht mit seinen Mitarbeitern neue Lieferverträge außerhalb Russlands zu schließen. Zumindest über diesen Winter sind wir gekommen. Hoffen wir also, dass wir die Gasspeicher wieder randvoll bekommen. 

Und Erdölpreise braucht man nicht mehr schreiben, denn der Benzinpreis hat die Schallmauer von zwei Euro /Liter durchbrochen. Und jeder Verbraucher spürt es in der eigenen Tasche. Das wiederum dürfte den alternativen Antrieben wieder Auftrieb geben. Und die Energiepreise weiter befeuern, auch wenn die EEG-Umlage jetzt aus der Staatskasse bezahlt werden soll.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums liegt der Anteil russischer Importe bei Kohle bei rund 50 Prozent, bei Rohöleinfuhren bei rund 35 Prozent. 55 Prozent unseres Erdgases stammt aus Russland. Wir sind verdammt abhängig von russischen Rohstofflieferungen.

Und da sind wir schon beim Energiesparen. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen fordert die Bürger auch zum Energiesparen auf, um Europa schneller von Gas, Öl und Kohle aus Russland unabhängig zu machen. Dazu könne jeder beitragen, sagte sie. Hinzu kämen Energiesparprogramme für die Wirtschaft sowie neue Lieferwege und der Ausbau erneuerbarer Energien. Wenn man alles kombiniere, “dann können wir sehr viel schneller unabhängig werden von russischem Gas”, zeigt sich von der Leyen zuversichtlich. Sparen, das dürfte jeder Bürger und jedes Unternehmen angesichts der Preise schon sich aus tun. Dazu bedarf es wirklich keiner Aufforderung aus Brüssel. Im Gegenteil, es wirkt wie eine Verhöhnung der vielen Bürger, die schon am Limit mit den Energieausgaben stehen. 

 

Russland könnte schon bald in eine Finanzkrise rutschen und damit für neue Probleme an den Märkten sorgen. Erinnern werden sich die Älteren unter uns an das Jahr 1998. Damals konnte Russland unter Präsident Jelzin seine Schulden nicht mehr bedienen und schlitterte in die Staatspleite. Auch wenn Russland eine volle Staatskasse besitzt, Experten sehen Russlands Schuldendienst akut in Gefahr. Nach 1998 könnte es erneut zu einer Wiederholung kommen, auch wenn diesmal vieles anders ist. Der Präsident des Berliner DIW-Instituts, Marcel Fratzscher, hält eine Staatsschuldenpleite Russlands in den kommenden Monaten für sehr wahrscheinlich. Aufgrund der westlichen Sanktionen bestehe ein hohes Risiko, dass Russland seine Schulden bei internationalen Gläubigern nicht bediene, sagte Fratzscher der DPA. Unter einem Zahlungsausfall würden auch einige deutsche Investoren leiden. Zudem könne es wieder zu neuen Verwerfungen auf den Finanzmärkten kommen. Dem Finanznachrichtendienst Bloomberg zufolge hat Russland 49 Milliarden Dollar an Staatsanleihen in Dollar und Euro offen. Am 16. März stehen Zinszahlungen über mehr als 100 Millionen Dollar an. Am 4. April läuft eine Anleihe über zwei Milliarden Dollar aus. Die Zentralbankreserven der russischen Zentralbank stehen nicht zur Verfügung für die Schuldentilgung, die 640 Milliarden sind durch die Sanktionen eingefroren. “Wir sehen einen Zahlungsausfall als wahrscheinlichstes Szenario”, schrieb die Investmentbank Morgan Stanley am Montag an ihre Klienten. Auch die großen Ratingagenturen machen Anlegern wenig Hoffnung. Fitch, Moody’s und S&P sehen Russlands Kreditwürdigkeit inzwischen im sogenannten Ramschbereich. Aber wir sollten abwarten, ob die düsteren Prognosen wirklich eintreffen, denn Russland möchte nach dem Ende der Kriegshandlungen irgendwann auf dem Kapitalmarkt wieder günstig Kapital aufnehmen. Die Reparationszahlungen an die Ukraine werden sehr hoch ausfallen, wenn man allein das Ausmaß der Zerstörungen in den Medien sieht.

Das Gespräch zwischen den Außenministern Kuleba (Ukraine) und Lawrow (Russland) im türkischen Antalya ging beim Schreiben dieser Zeilen gerade zu Ende. Wie erwartet, ohne Ergebnis. Aber sie wollen weiter verhandeln.

Und ergänzen müssen wir auch noch, die EZB ist aufgewacht und will jetzt etwas gegen die Inflation tun. Europas Währungshüter treten trotz neuer Risiken für die Konjunktur infolge des Ukraine-Krieges bei ihren Anleihekäufen etwas auf die Bremse. Das Kaufvolumen des Programms APP wird nach einer vorübergehenden Aufstockung bereits Ende Juni wieder auf 20 Milliarden Euro reduziert und könnte im dritten Quartal 2022 ganz beendet werden. Dies allerdings unter der Bedingung, dass der Inflationsausblick sich nicht eintrübt. Ob das reichen wird, darf man getrost bezweifeln. Aber bis Ende Juni dürften Aktien weiterhin erste Wahl der Geldanlage bleiben. Denn Aktien sind bei der weiter beibehaltenen Nullzinspolitik immer noch die beste Lösung. Nur bedarf es etwas Mut dazu, sie in Krisenzeiten günstig zu kaufen.