Ein Kommentar von Torsten Arends,Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC) 

Das erste Quartal lief sehr gut an den Börsen, bis zu dem Zeitpunkt, als Covid-19 die Menschheit mit einer Pandemie überfiel. Und dieses Corona-Virus deckt gnadenlos die Schwächen der globalisierten Welt auf.

Die bis dahin international funktionierenden  Lieferketten, die eine Lagerhaltung in der Industrie größtenteils überflüssig machten, brachen zusammen und stoppten die Produktion weltweit.

Dazu kommt das hilflose Agieren der Politik und Verwaltung im Kampf gegen das Virus. Der Flickenteppich in unserem Land mit der Zersplitterung der Kräfte in den einzelnen Bundesländern, setzt sich im größeren Maßstab in Europa auch jetzt noch nach einigen Wochen Pandemie fort. Die EU-Kommission wirkt unter der Führung (oder sollte man besser sagen Führungslosigkeit!) von Ursula von der Leyen schwach und konzeptions- und kompetenzlos. Gerade als studierte Medizinerin wäre es die Chance für von der Leyen gewesen ihre fragwürdige Wahl mit handfesten Konzepten zu widerlegen. Aber so verfestigt sich der Eindruck, sie bringt es nicht und mit ihr die gesamte Bürokratie in Brüssel.

Betrachten wir die Wirtschaft und die Märkte, dann stellen wir tiefe Einschläge bei sehr vielen Unternehmen fest. Kein Wunder, das dort Dividenden für das vergangene Jahr gekürzt bzw. ganz gestrichen werden. Die Gewinnprognosen wurden reihenweise gecancelt. Selbst Vorstände großer Kapitalgesellschaften kommen nicht umhin, ihren Beitrag zu leisten und auf Boni und Gehaltsbestandteile teilweise oder ganz zu verzichten.

Laut Berechnungen von Volkswirten der Deutschen Bank wird der großflächige Stillstand der Weltwirtschaft bei privater Nachfrage und bei Investitionen zum stärksten Einbruch seit der Weltwirtschaftskrise 1929 führen. Trotz einer in Schnelligkeit und Umfang beispiellosen Reaktion von Geld- und Fiskalpolitik weltweit dürfte die US-Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 4,2 Prozent, die des Euroraums sogar um 6,9 Prozent zum Vorjahr schrumpfen.

Aber nach jeder Krise kommt der Aufschwung, so sagen die Volkswirte optimistisch.

2021 rechnen Experten wieder mit Wachstumsraten in Höhe von 3,8 beziehungsweise 4,8 Prozent. Die Erholung dürfte bereits im zweiten Halbjahr 2020 einsetzen, wenn die Zahl der Neuinfektionen in den kommenden Wochen ihren Höhepunkt überschreitet. Vor diesem Hintergrund halten die Experten Kursziele zum Jahresende von 3.250 Punkten beim S&P 500 sowie von 440 Punkten beim STOXX 600 für realistisch.

Ihr Autor hält das zwar für sehr optimistisch, vor allem, wenn man die Zustände in vielen andern Ländern außerhalb Deutschlands sieht.

Die Pandemie kostet Deutschland sehr viel Geld. Es ist gut, dass die Bundesregierung die schwarze Null aus dem Vokabular gestrichen hat.

In der Folge der hoffentlich bald abflauenden Infektionszahlen, dürfte auch Deutschland nicht mehr dasselbe sein wie vor Corona. Immer wieder wird von der Politik gefordert, eine Exit-Strategie für die Kontaktsperren vorzulegen, um die Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen. Dazu müssten die Neuinfektionen sich rasant abschwächen. Und auch die zigtausende Altfälle werden damit nicht gleich geheilt sein.

Der Bundesfinanzminister muss für die Zeit nach Corona die Schatulle geöffnet lassen. Und wenn sie leer ist, muss ein schuldenfinanziertes Billionenschweres Konjunkturprogramm vor allem die Binnenkonjunktur ankurbeln. Denn wie anfällig Deutschland vom Export ist erleben wir gerade.

Wenn der Regierung aber nur wieder Steuersenkungen für die Einkommensbezieher einfallen, dann ist das genau der falsche Weg. Denn die meisten haben von Steuersenkungen nichts, weil sie nur geringe bzw. gar keine Steuern zahlen. Am besten entlastet man die Bürger mit Abgabensenkungen und kurbelt damit den Konsum an.

Und die Unternehmen?

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik will der Bund jetzt für neue Schulden von Unternehmen bürgen und zwar mit staatlich garantierten Unternehmensanleihen. Grundlage für dieses Novum ist der Wirtschaftsstabilitätsfonds (WSF) der Bundesregierung. Der Fonds sieht 400 Milliarden Euro für Garantien von „Schuldtiteln und Verbindlichkeiten” vor. Damit ist die Bundesregierung einen wichtigen Schritt zur Stabilisierung der deutschen Wirtschaft gegangen, der auch nach der Corona- Krise nicht gleich wieder ad acta gelegt werden sollte.

Viele Aktionäre haben enorme Verluste mit ihren Investments erlitten, dazu kommt der teilweise oder totale  Ausfall der Dividenden. Es ist deshalb an der Zeit, die gerade eingeführte Verlustverrechungsbeschränkung für Investments bei der Steuer wieder auszusetzen bzw. gleich ganz aufzuheben, zumal es Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit gibt.

Eine verbesserte staatliche Förderung von Aktieninvestment und Anleihen für Kleinanleger wäre auch ein richtiger Schritt, um die Märkte und damit die Unternehmen mit der notwendigen Liquidität zu versorgen.

Die Bundesregierung hat nicht alles falsch gemacht. Trotzdem bleibt noch viel zu tun, um Deutschland schnell aus der Krise zu führen.

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