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Die EZB darf jetzt nicht nachlassen und es gibt noch hoffnungsvolle Zeichen von den Unternehmen

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Die Inflationsrate in Deutschland wird im November 2022 voraussichtlich 10,0 Prozent betragen. Im Oktober 2022 hatte die Rate bei +10,4 Prozent gelegen. Ist das nun ein Grund zum Jubeln? Den geringfügigen Rückgang hat wohl keiner der Verbraucher im täglichen Leben gemerkt. Wie gehabt, die Energiepreise fachte die Inflation im November erneut an, wenn auch der Preisanstieg nicht ganz so stark ausfiel wie noch zuletzt. Energie verteuerte sich binnen Jahresfrist um 34,9 Prozent nach 41,5 Prozent im Oktober. Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak legten um 13,6 Prozent zu, nach 13,1 Prozent im Oktober. Industriegüter ohne Energie verteuerten sich wie im Oktober um 6,1 Prozent. Die Preise für Dienstleistungen erhöhten sich im November um 4,2 Prozent nach 4,3 Prozent im Oktober. Interessant dabei ist die Tatsache, dass auch die Industriegüterpreise ohne Energie wieder gestiegen sind, zwar mit 6,1 Prozent nicht ganz so stark, aber immer noch über der Zielrate der EZB von 2 Prozent.

In der Euro-Zone lagen die Verbraucherpreise im November auch um 10,0 Prozent höher als vor einem Jahr, teilte das Statistikamt Eurostat in einer ersten Schätzung mit. Im Oktober hatte die Teuerung noch 10,6 Prozent betragen. Volkswirte hatten im Mittel mit einer Inflationsrate von 10,4 gerechnet.

Die Zahlen könnten nun die Tauben im EZB-Rat wieder in die Position bringen, den nächsten Zinsschritt weniger robust ausfallen lassen. Das wäre aus Sicht ihres Autors ein großer Fehler, denn auch die 10 Prozent Teuerung sind eine schwere Hypothek für die Verbraucher und Unternehmen in der Euro-Zone. Und sollte mit weiteren Jumboschritten bekämpft werden. Sonst gerät die EZB in den Verdacht, die Schulden der einzelnen Staaten weg inflationieren zu wollen. Der Weg zum Zwei-Prozent-Ziel und damit zurück zu alten Ständen ist noch sehr weit und hart.

In den USA, wo der Black Friday und der sich anschließende Cyber Monday immer noch stärker wirken als in Deutschland, wurden nach dem Feiertag Thanksgiving wieder Umsatzrekorde geknackt.

Der US-Online-Einzelhandel erreichte am Black Friday einen Rekordumsatz von 9,12 Milliarden Dollar – 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Prognostiziert worden war ein Anstieg um ein Prozent. Den größten Block stellten Mobiltelefone dar, die knapp 50 Prozent der Ausgaben ausmachten. Über das vergangene Wochenende wird zudem mit Umsätzen in Höhe von 9,51 Milliarden Dollar gerechnet. Der Cyber Monday soll mit 11,2 Milliarden Dollar den Höhepunkt des verlängerten Rabattwochenendes markieren. Trotz der beachtlichen E-Commerce-Zahlen bleibt der stationäre Einzelhandel aber der wichtigste Absatzkanal. Zwei Drittel der Einkäufer dürften der National Retail Federation zufolge weiterhin persönlich in die Geschäfte geströmt sein. Insgesamt erwartet der Verband, dass 166 Millionen Amerikaner an den fünf Tagen zwischen Thanksgiving und Cyber Monday entweder persönlich oder online eingekauft haben. Dies würde den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2017 darstellen. Der Konsum erscheint entgegen der bescheidenen Verbraucherstimmung sehr robust. In Anbetracht der hohen Inflation sowie der gewährten Rabatte bleibt aber abzuwarten, welche Margen die Händler und die Hersteller der Konsumgüter erzielen konnten.

Der Ausblick für zyklische Unternehmen leidet auf beiden Seiten des Atlantiks bereits unter der nahenden Rezession, wenn auch in den USA stärker als in Europa. Zudem wächst die Kluft in der Unternehmenslandschaft. Die Berichtssaison für das 3. Quartal 2022 ist an der Wall Street und in Europa fast vorüber. Die sich deutlich verschlechternde Konjunktur hat sich auf beiden Seiten des Atlantiks bisher noch nicht wesentlich ausgewirkt – weder in den Quartalszahlen noch in den Gewinnschätzungen der Analysten. Geografische und sektorale Unterschiede deuten jedoch bereits an, dass die Weltwirtschaft in eine Schwächephase schlittert und die USA sich dabei als treibende Kraft erweisen könnten.

Aber wer hätte es gedacht, die Überraschung kommt bisher von europäischen Unternehmen. Trotz der großen Konjunktursorgen zeigen sich diese bisher krisenresistent. Zwar hängt die mögliche Gasrationierung trotz voller Gasspeicher noch immer wie ein Damoklesschwert über den Unternehmen, trotzdem werden Gewinnanstiege von über 20 Prozent für das Kalenderjahr 2022 erwartet. Zu Jahresbeginn rechneten Marktteilnehmer noch mit einem Gewinnwachstum von lediglich 4%. Die Weitergabe gestiegener Kosten in Form von Preiserhöhungen und die Schwäche des Euros sind wesentliche Treiber dieser positiven Entwicklung. Auf der anderen Seite sind die Verbraucher damit auf der Verliererseite.

Und zum Schluss noch etwas zum augenblicklichen Katar-Hype und damit ist nicht die Fußball-WM im Wüstenstaat gemeint. Es geht um die vereinbarten Erdgaslieferungen, die das Emirat an Deutschland liefern wird. Was für eine Sensationsmeldung, die uns da medial präsentiert wird. Zwar erst ab 2026 und auch nur so viel, dass damit drei Prozent der deutschen Energieversorgung gedeckt sind – aber immerhin. Die interessantere Meldung geht daneben unter: Noch niemals in der Geschichte Europas hat die EU so viel Flüssiggas aus Russland importiert wie in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Die Menge stieg um knapp 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aus Russland kommen damit 16 Prozent der importierten LNG für Europa. Darüber hinaus fließt russisches Gas, das via Ukraine weiter ungehindert durch eine Pipeline strömt, wofür die Ukraine einen Durchleitungspreis erhält. Und auch durch die Pipeline Turkstream gelangt russisches Gas hierher. Wie war das mit den abnehmenden Gasmengen aus Russland? Unabhängigkeit wollte die EU sehr schnell erreichen… Die spannende Meldung, leider nicht so gut, heißt also: Putins Drohpotential ist bei Weitem nicht erschöpft.