Die Entschuldigung der Kanzlerin und ihre Rolle rückwärts, glückliche Briten und ein Grüezi dem neuen Chef

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

Auweia, das wäre beinahe gründlich schief gegangen, die geplante Osterruhe vor dem Osterfest. Trotzdem wirken diese Bundesregierung und auch die Ministerpräsidentenkonferenz nur noch ratlos, kraftlos müde und wir sollten noch anfügen auch noch perspektivlos.
Unsere alternativlos scheinende Bundeskanzlerin brachte vor dem Parlament die Größe auf, sich für eine wirklich falsche Entscheidung zu entschuldigen. In einer ermüdenden Nachtsitzung (warum solche Konferenzen wohl immer in der Nacht stattfinden müssen???) hatten die Kanzlerin und die Ministerpräsidentenkonferenz beschlossen, den Donnerstag vor Ostern als einen Tag der Arbeitsruhe auszurufen. So stand es im letztendlich beschlossenen Papier. Abgesehen davon, dass die Arbeitsrechtler gleich die Stirn in Falten legten bei dem Begriff Arbeitsruhe, den es gar nicht im Arbeitsrecht gibt, fragt man sich die ganze Zeit, was hätte es gebracht. Im Jahr 2020 betrug das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands coronabedingt rund 3,33 Billionen Euro, in diesem Jahr wird es ungefähr auch so aussehen, wenn nicht endlich eine Impfstrategie greift. Gehen wir einmal von 255 Arbeitstagen aus, so ergäbe sich ein zusätzlicher volkswirtschaftlicher Schaden von ca. 13.059 Milliarden Euro/Arbeitstag für einen Tag Arbeitsruhe. Von Steuer und Abgabenausfällen mal ganz abgesehen.  
Schön, dass unsere deutsche Lieblingsinsel Mallorca wieder ein paar Osterurlauber aus Deutschland zu Besuch hat, nur wird es die deutsche Bilanz für dieses Jahr auch nicht retten bei unserem Depotwert TUI &Co. Mit deutschen Touristen zu planen, bringt auch 2021 nicht allzu viel.
Aber wenn wir jetzt lesen, dass der britische Premier Boris Johnson seinen geimpften Landsleuten nach einem vierstufigen Öffnungsplan bis Juni 2021 einen ungefährdeten Urlaub verspricht, so ist es nicht verwunderlich, dass die Briten wie verrückt buchen. Flugbuchungen aus Großbritannien seien in den Stunden nach der Rede von Premierminister Boris Johnson um 337 Prozent im Vergleich zur Vorwoche und Urlaubsbuchungen sogar um 630 Prozent gestiegen, erklärte die Billig-Airline Easyjet am Dienstag. Gefragt waren Ziele in Spanien wie Malaga, Alicante und Palma, Faro in Portugal sowie Ziele in Griechenland, wie etwa die Insel Kreta. Auch der weltweit größte Reiseveranstalter TUI zählte über Nacht einen Buchungsanstieg von 500 Prozent. TUI-Chef Fritz Joussen hatte ja auch kürzlich einen Reiseboom im Sommer vorausgesagt. An der Londoner Börse legten die Aktien der Konzerne am Dienstag kräftig zu. Der britisch-spanische Luftfahrtkonzern IAG und TUI stiegen um sechs Prozent, Easyjet gewann mehr als neun Prozent.
Glückliche Briten und ich möchte anfügen, alle glücklichen Länder, die eine Strategie gegen das Virus haben (Israel, USA etc.).
Glücklich ist auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz, seine „headhunter“ sind fündig geworden und haben den Chef der Schweizer Finanzaufsicht für die deutsche Bundesfinanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) abgeworben. Ab Mitte des Jahres wird also Mark Branson die „Pleiten, Pech & Pannen“-Behörde übernehmen. Starker Tobak für eine Behörde, ich weiß. Aber erinnert sich jemand an einen Finanzskandal, den die Bafin frühzeitig und selbstständig gestoppt hat, und damit Schaden von Anlegern ferngehalten hat? Bei dem sie einschritt, bevor die Missstände von anderen aufgedeckt wurden oder Firmen (Banken, Anlagegesellschaften, Finanzkonzerne etc.) selbst ihr Scheitern eingestanden?
Der designierte Bafin-Chef Mark Branson will bei der Aufsichtsbehörde nach dem Wirecard-Skandal eine Rundumerneuerung einleiten. Branson hat bei der Anhörung im Finanzausschuss des Bundestages davon gesprochen, dass Deutschland eine Aufsicht von Weltklasse brauche, verlautete aus Teilnehmerkreisen. Es brauche Veränderungen, ein Kulturwandel sei nötig. Dazu bedarf es aber nicht 158 Stellen mehr, wie schon vorher wieder gefordert und wohl auch schon auf den Weg gebracht werden soll, sondern qualifizierte Experten. Unter den 2722 Behördenangestellten sind nur 5 (!) Wirtschaftsprüfer beschäftigt. Deshalb sollte der Neuanfang so gestaltet werden, dass mehr Fachkompetenz in die Bafin einziehen kann. Fakt ist, vor der Bafin zittert keiner, im Gegensatz zur amerikanischen SEC (United States Securities and Exchange Commission), die allerdings bissiger reguliert und seit dem Jahr 2010 immerhin einige Milliarden an Strafzahlungen erstritt (Fragen Sie mal die Deutsche Bank!). Und das mit nur 1.600 Behördenbeschäftigten! Der Bundesfinanzminister könnte ja eine Videokonferenz mit seiner US-Kollegin Janet Yellen abhalten und sich ein paar Tipps holen, welche gesetzlichen Änderungen in Deutschland dringend notwendig sind, damit auch hier Respekt vor der Bafin einzieht. Aber wir fürchten, da wird noch viel Wasser den Rhein und die Spree hinunterfließen, ehe es einmal zum Schutz der Anleger Gesetze geben wird, die von Sachkompetenz und Durchsetzungsvermögen zeugen.
Ab der abgelaufenen Woche ist die neue Index- Zusammensetzung in der DAX Familie wirksam. Interessante neue Wert sind dabei. Siemens Energy (DAX30), Rückkehrer Porsche (MDAX), Nordex und Encavis (MDAX) sowie Suess Mircotec (SDAX). Wir werden diese Werte auf unsere Watch-Liste setzen.

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