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Der Dollar wackelt als Leitwährung – Wird es Zeit für etwas Neues? Teil 1

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Als Leitwährung (oder auch Ankerwährung genannt) bezeichnen wir eine Währung, die in der Weltwirtschaft und im internationalen Zahlungsverkehr über Währungsräume hinweg in bedeutendem Umfang als Transaktions- und Reservewährung genutzt wird, obwohl eine Zahlung in der Inlandswährung möglich wäre. 

Im engeren Sinne ist die Währung eines Staates, zu der andere, mit ihm wirtschaftlich stark verflochtene Länder ihre eigenen Währungen durch eine gemeinsame Währungspolitik in einem stabilen Austauschverhältnis halten, als Leitwährung zu bezeichnen. Beispielsweise ist das Britische Pfund Leitwährung der Länder des Commonwealth of Nations (außer Kanada).

Eine Ankerwährung ist gewöhnlich die Währung des Staates, der den Handel  innerhalb eines Wirtschaftsraumes dominiert: Im nordamerikanischen Raum (USA, Kanada und Mexiko) ist der  US-Dollar, in Europa der Euro, im asiatisch-pazifischen Raum der Yen bzw. aktuell zunehmend der chinesische Yuan. Während des Bretton-Woods-System (von 1945 bis 1973) war der an den Goldstandard gebundene US-Dollar weltweite Ankerwährung. Die Deutsche Mark fungierte im Europäischen Währungssystem (EWS) de facto – nicht de jure – bis zur Einführung des Euro im Januar 1999 als Ankerwährung.

Eine Leitwährung muss nicht für immer feststehen, wie wir jetzt gesehen haben. Wenn wir in die Vergangenheit schauen, dann finden wir Leitwährungen, die heute die wenigstens noch kennen.

Als Beispiel sollten hier gelten chinesische Liang, die griechische Drachme (5. Jahrhundert vor Christus), indische Silbermünzen (englisch „Punch marked coins“; 4. Jahrhundert), der römische Denarius, der byzantinische Solidus, der islamische Dinar (Mittelalter), der Rheinische Gulden (Mittelalter), der venezianische Dukat (oder Dukaten – Renaissance), der Niederländische Gulden und in jüngerer Zeit das Britische Pfund.

Derzeit ist der US-Dollar die weltweit wichtigste Leitwährung; manche Ökonomen bezeichnen ihn auch als Weltwährung oder als Weltleitwährung.

Dass diese Weltleitwährung nicht in Stein gemeißelt ist, sehen wir an den Leitwährungen, die es schon in der Historie gab. Außerdem gilt der US-Dollar nicht als einzige, aber als wichtigste Leitwährung in dieser Welt. Vor Einführung des Euro (als Buchwährung 1999; Bargeld seit Januar 2002) waren neben dem US-Dollar auch das Britische Pfund und der Yen Leitwährungen von weltweiter Bedeutung. Der Euro wurde zweite Leitwährung hinter dem US-Dollar; Britisches Pfund und Yen konkurrieren um den „dritten Platz.“ Nachdem die chinesische Regierung den freien Handel des Renminbi (ugs. als Yuan bezeichnet) ermöglicht hat, gehört dieser seit dem 1. Oktober 2016 zum Währungskorb des Internationalen Währungsfonds und macht dem britischen Pfund und dem Japanischen Yen den dritten Platz streitig.

Der US-Dollar wurde durch das Abkommen von Bretton Woods im Sommer 1944 zur Weltwährung erklärt. Auch nach dem Zusammenbruch dieses Festkurssystems im Jahre 1973 behielt der US-Dollar seine geopolitische Vorrangstellung – bis heute.

Benannt wurde das System nach dem Ort Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire, wo die Finanzminister und Notenbankgouverneure bzw. -präsidenten von 44 Staaten der späteren Siegermächte vom 1. bis zum 22. Juli 1944 zur Konferenz von Bretton Woods zusammenkamen und zum Abschluss das Bretton-Woods-Abkommen unterzeichneten. Zur Kontrolle und Durchsetzung des Abkommens wurden in der Folge die noch aktiven Institutionen Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) als Organisationen der UN geschaffen.

Ziel war es, die Grundlagen des kapitalistischen Wirtschaftssystems zu reformieren und eine neue globale Wirtschaftsordnung zu schaffen, um auf Dauer die Katastrophen zu verhindern, die zum wirtschaftlichen Nationalismus, dem Zusammenbruch des internationalen Handels- und Finanzsystems in der Weltwirtschaftskrise und zum Aufstieg des Faschismus geführt hatten.

Das Abkommen von Bretton Woods verfolgte dafür vor allem ein Ziel: Die Wechselkurse zwischen den Währungen sollten stabilisiert werden, sodass der Welthandel ohne Probleme und Handelsbarrieren vonstattengehen konnte und es keine Schwierigkeiten bei Zahlungsvorgängen gab. Dies wiederum sollte die Wirtschaft so weit stimulieren, dass es vermehrt zu Handel und Investitionen kommen konnte.

Es sollte vor allem verhindert werden, dass es zu einem Abwertungswettlauf zwischen den Nationen kam wie in der Phase zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges stellte sich erneut die Frage nach der Zukunft des internationalen Finanzsystems. Das Bretton-Woods-System basierte auf zwei Faktoren:

Alle teilnehmenden Länder vereinbarten feste Wechselkurse  zum US-Dollar und die US-Notenbank verpflichtete sich im Gegenzug, Zentralbanken aller Teilnehmerländer Dollar gegen Gold zu einem festen Kurs von 35 US-Dollar pro Feinunze zu tauschen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wurde geschaffen, um das Funktionieren des Systems zu gewährleisten. Durch die vereinbarten Maßnahmen konnte der US-Dollar seine Stellung in der Welt festigen und wurde zur neuen Weltleitwährung.