Der deutsche Staat will die Lufthansa mit neun Milliarden Euro retten!

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer des Niedersächsischen Anlegerclubs (NDAC)

Der deutsche Staat will die Lufthansa mit neun Milliarden Euro in Form von Krediten und einer Kapitalerhöhung unterstützen. Zudem solle der Bund ein oder zwei Posten im Aufsichtsrat besetzen, so dass er dann Aktionär mit Stimmrechten wäre. Die EU muss noch zustimmen, allerdings ist die Zustimmung der Wettbewerbshüter noch nicht sicher. Brüssel befürchtet Wettbewerbsverzerrungen und wird die Zustimmung an bestimmte Auflagen in Form von Beschneidung bei den Landerechten binden. Die ersten Klageankündigungen von Wettbewerbern, wie der irischen RyanAir, stehen bereits im Raum.

Wir erinnern uns, daß in der Finanzkrise der deutsche Staat die Commerzbank als Teilhaber gerettet hat. Steht die Bank jetzt besser da? Nein! Der Bau des Flughafens BER ist zwar fertig, aber wir wissen, er wurde zur Lachnummer der Nation. Von den ausufernden Kosten einmal abgesehen. Die Deutsche Bahn AG, ebenfalls ein Staatskonzern, wäre ein weiteres Beispiel für die unrühmliche Rolle des Staates als Teilhaber oder Manager. Warum sollte es bei der Kranich-Airline anders laufen? Eine Insolvenz in Eigenverwaltung, verbunden mit einem Schutzschirmverfahren, erscheint vielen, auch bei der Lufthansa, als eine gangbare und wahrscheinlich bessere Lösung.

Günstig werden sich das Ende der Einreisebeschränkungen und die geplante Aufhebung der Reisewarnungen durch das Auswärtige Amt auf die Reiseunternehmen in unserem Fonds auswirken, auch wenn die Verluste im laufenden Jahr nicht mehr auszugleichen sind. Aber der Fokus der Reisebranche liegt auf 2021.

Richtig in die nicht vorhandene Schatztruhe greift die EU und legte einen Plan vor, wonach 750 Milliarden Euro als Wiederaufbauhilfe fließen sollen, 500 Milliarden Euro als nicht rückzahlbare Zuwendungen und 250 Milliarden als Kredite. Das Geld soll im Namen der EU als Anleihen am Kapitalmarkt aufgenommen werden und über einen langen Zeitraum getilgt werden. Der Finanzrahmen der EU soll auf 1 Billion für die Jahre 2021 bis 2027 ausgedehnt werden.  Die Schulden sollen dann über Jahrzehnte aus dem EU-Budget abgestottert werden. Dabei sollen nach dem Willen der EU-Kommission neue eigene Einnahmen aus Steuern und Abgaben helfen. Wir ahnen es bereits, im Gespräch ist auch eine Ausweitung des Europäischen Emissionshandels sowie eine Digitalsteuer oder eine Plastikabgabe. Jetzt raten Sie einmal, wer die in der Endkonsequenz zahlen wird? Noch ist nur ein Plan. Wir werden sehen, was daraus wird, wenn die Politiker es ihren Wählern in den Mitgliedsstaaten erklären müssen.

Diesel-Desaster-Volkswagen

Das saß, was am 25.05.2020 im höchsten deutschen Gericht als Urteil, für wohlgemerkt nur für einen Betrugsfall, gesprochen wurde. Der Volkswagenkonzern muss einem Käufer eines gebrauchten VW mit sogenannter „Schummelsoftware“ Schadensersatz in Höhe von 26.500 Euro zuzüglich Zinsen zahlen. Bei der Berechnung wurden Kaufpreis, bisherige Laufleistung und zu erwartende Gesamtlaufleistung berücksichtigt. Der BGH ging von einer „strategischen Unternehmensentscheidung“ aus. Volkswagen hatte im September 2015 zugegeben, in weltweit 11 Millionen Fahrzeugen eine illegale Software eingesetzt zu haben. 

In einer Musterfeststellungsklage klagte der Verbraucherzentrale Bundesverband im Namen von 235.000 Volkswagen-Kunden auf Entschädigung. Die Klage ging mit einem aus heutiger Sicht zweifelhaften Vergleich zu Ende, der den Betrugsopfern zwischen 1.350 und 6.257 Euro an Schadenersatz brachte. Im Gegensatz zum Urteil wirken diese Summen nur wie Peanuts. Aber die Kunden durften ihr Auto behalten.

Doch die höchstrichterliche  Entscheidung ist für rund 60.000 weitere Fälle allein bei Volkswagen relevant. Und sollte der Europäische Gerichtshof in den kommenden Wochen in einem weiteren Urteil feststellen, dass Abschalteinrichtungen an Diesel-Wagen generell rechtswidrig sind, dürfte das ebenfalls tiefgreifende Konsequenzen haben, beispielsweise auch für unseren Depotwert Daimler.

Bei Mercedes müssen erst recht versäumte Jahre aufgeholt werden, denn das Unternehmen hat den Trend zu Elektrifizierung und zur Digitalisierung der Gefährte verschlafen. Der Rückstand auf einen Wettbewerber wie Tesla beträgt in diesen Bereichen heute fünf bis sieben Jahre.

Eine Branche, die in der gegenwärtigen Zeit um Staatshilfen geradezu fleht, wird sich wohl nicht auf weitere Gerichtscharmützel einlassen. Dazu haben sie weder die Zeit noch das Geld. Viel Geld kostet auch eine Einigung mit den betroffenen Kunden, von weiteren Milliarden ist die Rede.

Die deutsche Automobilbranche tut gut daran, die Folgen von Dieselgate geräuschlos vom Tisch zu räumen, um sich endlich auf das zu konzentrieren, was sie seit Jahren gut kann. Zukunftsträchtige und marktfähige Autos bauen.

Zwei positive Dinge noch zum Abschluss:

Der Nürnberger Datenbank-Anbieter Exasol AG hat am 25.05.2020 als erstes deutsches Unternehmen ein IPO in diesem Jahr erfolgreich absolviert: Der Ausgabepreis der Exasol-Aktie war auf 9,50 Euro festgelegt worden. Die Aktie wurde in das Wachstumssegment Scale, dem Börsensegment der Deutschen Börse für kleine und mittlere Unternehmen, aufgenommen. In den Handel starteten die Papiere mit einem Kurs von 14,00 Euro. Ein stolzes Plus von 47,37 Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis.  Auch wenn es erwartungsgemäß nicht gehalten werden konnte, liegt das Papier mit aktuell über 13,00 Euro immer noch im satten Plus

Und zweitens Ihr Autor ist stolz darauf, endlich einen Text ohne das berühmt-berüchtigte C-Wort zu schreiben. Ein wenig Normalität kehrt endlich wieder ein.

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