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Börsenwissen: Was bringt die neue China Strategie? Teil II

Ein Kommentar von Carsten Witt, stellv. Geschäftsführer des NDAC Anlegerclubs

Das wir uns schon wieder mit der neuen deutschen Chinastrategie im nachstehenden und einem weiteren Beitrag beschäftigen müssen, hat aktuelle Ursachen.  Die neue deutsche Chinastrategie gerät schon ins Wanken, noch ehe sie im Parlament verabschiedet wurde.

Und sie wankt beträchtlich, die vor einiger Zeit in unserem Newsletter vorgestellte und schon damals mit einiger Kritik versehene neue Chinastrategie der bundesdeutschen Ampelregierung. Denn China hat reagiert und das schon lange vorher, nur trat die Regelung erst zum 01.08.2023 in Kraft.

Aber fangen wir erst einmal mit dem längst vergangenen Chemieunterricht an. Damals lernten wir etwas über Germanium und Gallium. Keine Sorge, ihr Autor wird jetzt nicht in die Chemie der beiden Elemente einsteigen. Germanium und Gallium tauften ein Deutscher und ein Franzose im 19. Jahrhundert die Elemente, die sie in ihren jeweiligen Heimatländern entdeckten. Weiter möchten wir uns gar nicht in der Chemie uns aufhalten.

Vor zwei Wochen verabschiedete die Bundesregierung eine neue China-Strategie, um ökonomisch von der Volksrepublik unabhängiger zu werden. Jetzt gibt es den ersten Realitätscheck ausgerechnet mit diesen beiden Halbmetallen: Es gelten von Peking verhängte Exportkontrollen für die beiden Stoffe Germanium und Gallium – als nächste Eskalation im Handelskrieg zwischen den USA, Europa und China. Vor allem Deutschland ist bei den Stoffen sehr stark von der Volksrepublik abhängig.

Heute sind die Europäer für die Lieferung der global gehandelten Metalle fast vollständig auf China angewiesen.

Sie sind Bestandteil der wichtigen Halbleiter, die in fast allen technischen Produkten von Smartphone, Solarzellen bis hin zu Hightech-Waffen eingebaut sind. Auch für die Produktion von Elektroautos werden sie gebraucht. Die EU führt Germanium und Gallium auf der Liste der „kritischen Rohstoffe“, die „entscheidend für Europas Wirtschaft“ sind. Außerdem sind sie ein Nischenprodukt der Rohstoffindustrie. Jährlich werden jeweils nur wenige hundert Tonnen der chemischen Elemente produziert. Und wo? Hauptsächlich in China. In den letzten zehn Jahren verdrängten chinesische Produzenten die meisten Konkurrenten vom Markt, indem sie sie preislich unterboten und Umweltstandards niedrig hielten.

Und so sieht die aktuelle Lage aus: 94 Prozent des Galliums und 83 Prozent des Germaniums stammen aus der Volksrepublik, wie eine aktuelle Studie der europäischen Union über kritische Rohstoffe ergab. Seit dem 1. August gelten in China Exportkontrollen für beide Elemente. Die Exporteure benötigen eine Genehmigung vom chinesischen Handelsministerium und müssen Angaben zu den ausländischen Käufern und ihrem geplanten Einsatz der Metalle machen.

Und warum tritt gerade jetzt diese Regelung in Kraft? Nicht etwa wegen der neuen deutschen Chinastrategie. Dazu ist Deutschland zu klein und unbedeutend für die Chinesen, die uns ja auch als langjährigen Exportweltmeister eiskalt abservierten.

Grund für die neue Regelung sei laut der chinesischen Regierung „die nationale Sicherheit und die Interessen Chinas zu wahren“. Das Staatsmedium Global Times warnte „Dieser ‚erste Schuss‘ könnte Unternehmen aus Ländern treffen, die hart gegen China vorgegangen sind“. Es ist übrigens Chinas erste größere Machtdemonstration im seit dem 2019 laufenden Handelskrieg mit den USA.

Denn Washington hat zahlreiche chinesische Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt, um ihnen den Zugang zu US-Chips und anderen Spitzentechnologien zu verwehren. So soll Peking zum Beispiel daran gehindert werden, Hochleistungscomputer für seine Verteidigung zu bauen. Auch Japan und die Niederlande haben Produktexporte nach China, die für die Herstellung von Halbleitern gebraucht werden, gedrosselt. Gallium und Germanium sind die Waffen Chinas, in dem zunehmend angespannten Chipkrieg. Die chinesischen Staatsmedien bezeichneten die Ausfuhrbeschränkungen der seltenen Metalle erst einmal nur als „Warnung“ an die USA.

Deutschland ist dagegen noch viel abhängiger vom chinesischen Import der beiden Rohstoffe. Für beide Produkte gehörte die Bundesrepublik nach Handelsdaten 2022 zu den Top-Importeuren. Besonders die deutsche Automobilindustrie ist über die jüngste Entwicklung besorgt und fürchtet wieder einmal gestörte Lieferketten. Denn auch in Autos sind Halbleiter eingebaut; Gallium gilt als Wegbereiter für Elektrofahrzeuge. Das dürfte unserem grünen Bundeswirtschaftsminister tiefe Sorgenfalten ins Gesicht treiben.

Der weltweit größte Gallium-Abnehmer sitzt in Freiberg / Sachsen. Das Unternehmen Freiberger Compound Materials GmbH ist bei der Herstellung von Wafern, die in Funksignalverstärkern für Mobiltelefone und in der optischen Elektronik eingesetzt werden, fast ausschließlich auf chinesische Lieferanten angewiesen. „Meine Kunden sehen das ganz und gar nicht gelassen. Es gibt jetzt eine Flut von Aufträgen, um die Lagerbestände zu erhöhen. Die Branche ist sehr angespannt“, sagte Geschäftsführer Michael Harz. Seine chinesischen Zulieferer gehen davon aus, dass die Lieferungen am 1. August eingestellt wurden, wenn die Ausfuhrbeschränkungen in Kraft treten, und etwa einen Monat später wieder aufgenommen werden, sobald die Lizenzanträge genehmigt sind, wenn sie denn genehmigt werden.

Nur gibt es jetzt ein schon oben angesprochenes Problem. Die kürzlich vorgestellte erste China-Strategie der Bundesregierung schmeichelt der Volksrepublik jedoch nicht gerade (wir haben darüber berichtet).

Und was machen wir nun?