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Abhängigkeiten

Ein Kommentar von Torsten Arends, Geschäftsführer NDAC-Anlegerclub

In unserer globalisierten Welt sind wir abhängig von allen und allem. Und auch die deutsche Volkswirtschaft wird in die verschiedenen Zangen genommen.

So können unsere Politiker immer wieder verkünden, wie umfangreich die Hilfe für die Ukraine ist, mal abgesehen von den Fehlleistungen auf militärischem Gebiet und den damit verbundenen Ausreden. An ein vollständiges Embargo gegen Russland wagt sich die deutsche Politik nicht heran. Schließlich haben deutsche Politiker aller Couleur die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von russischem Erdgas und anderen Rohstoffen vorangetrieben. Das fällt jetzt den Deutschen, aber auch den Europäern auf die Füße. Darüber, dass es kein Embargo geben wird, sind die Ukrainer und ihr Präsident sehr enttäuscht. Das führte dazu, dass der deutsche Bundespräsident zur unerwünschten Person in Kiew erklärt wurde. Ein diplomatischer Affront, den die Regierung Scholz sich selbst eingehandelt hat. Der ukrainische Präsident Zelensky will mit dem Bundeskanzler konkrete Vereinbarungen über Waffenlieferungen, auch schwere Waffen, abschließen. Dazu ist der Bundespräsident qua Amtes nicht in der Lage.

Das wir von Russlands Energie und Rohstofflieferungen abhängig sind, ist schon sehr lange bekannt. Wir haben darüber schon oft berichtet. Aber nicht nur von Russland sind wir abhängig. Stellen wir uns nur einmal vor, die Chinesen wollen ihr Reich der Mitte mit der Insel Formosa, uns bekannt als Taiwan, vergrößern.

Die Amerikaner, die für den militärischen Schutz Taiwans sorgen, werden wenn schon keinen militärischen Beistand, dann Sanktionen der Europäer gegen China einfordern. Und dann sind die EU und speziell Deutschland in dem gleichen Dilemma wie aktuell mit Russland.

Nicht nur deshalb lohnt es sich, über Abhängigkeit neu nachzudenken, nicht nur was Russland betrifft. Vor allem die von China ist noch größer. Und noch gefährlicher. Die Globalisierung legt gerade den Rückwärtsgang ein. Deutschland hat sich stärker als alle anderen auf die internationalen Handels- und Produktionsverflechtungen verlassen.

Schon nach der Finanzkrise 2008 begann ein Trend, der erst jetzt für alle offensichtlich wird. Statt immer engerer Handelsbeziehungen und immer größerer Arbeitsteilung bleibt das Wachstum des Welthandels hinter dem der Weltwirtschaft zurück. Der Stand der ökonomischen Abhängigkeiten ist auch sehr schön am Baltic Dry Index, dem sogenannten Welthandels-Indikator, abzulesen, denn die meisten Containerschiffsladungen sind zwischen Europa, den USA und China unterwegs.

 

Und dann kam der Corona-Schock, wo die Folgen geradezu extrem sichtbar wurden und verschärft auftraten. Lieferketten brachen zusammen, Häfen wurden geschlossen und wochenlang standen komplette Fabrikationen in aller Welt still. Und China ist noch lange nicht fertig mit Corona, wie wir alle wissen. Shanghai lässt grüßen…

Das Gleiche können wir von der Chipkrise sagen, die bis heute noch nicht überwunden ist. Die nicht bedarfs- und termingerechte Chip-Produktion auf anderen Erdteilen legt unsere Automobilindustrie und andere Zweige der Volkswirtschaft lahm.

Und so treten immer mehr Abhängigkeiten auf, die wir immer erst bemerken, wenn sie uns selbst betreffen, unsere Wirtschaft so wie auch uns persönlich. Kabelbäume (Automobilindustrie) aus der Ukraine und spezieller Eisendraht, der nur in Russland hergestellt und jetzt die internationale Logistik an die Grenzen bringt, er wird für die wichtige Palettenherstellung und -reparatur gebraucht. Das sind nur noch zwei weitere Beispiele für die gegenseitigen Abhängigkeiten in der globalisierten Welt, die nichts mit Gas und Chips zu tun haben.

Es gab in dieser Woche wieder Zahlen aus der Zukunft. Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr deutlich gesenkt. Sie erwarten nur noch ein Wachstum von 2,7 Prozent statt wie im Herbst 4,8 Prozent, wie sie am Mittwoch mitteilten. Die Inflation wird ihrer Schätzung nach bei 6,1 Prozent in diesem Jahr liegen. Und wie abhängig wir vom russischen Gas sind, haben auch die Ökonomen in einer zweiten Rechnung mitgeteilt. Im Falle eines Stopps russischer Gaslieferungen warnen die Institute sogar vor einer schweren Rezession und der höchsten Inflation seit Bestehen der Bundesrepublik. Dann dürfte die Wirtschaft in diesem Jahr nur um 1,9 Prozent zulegen, 2023 dann sogar um 2,2 Prozent schrumpfen.”Bei einem Stopp der Gaslieferungen droht der deutschen Wirtschaft eine scharfe Rezession”, so die Forscher. In beiden Jahren stünden dann insgesamt 220 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung im Feuer.

Unter diesem Vorzeichen wird die Schuldenlast weiter auf Kosten der Verbraucher und Sparer „weginflationiert“, denn die EZB bleibt bei ihrer bisherigen Null-Zinspolitik. Sie beließ den Einlagenzins auf dem bisherigen Niveau von minus 0,5 Prozent und den Leitzins bei null Prozent. Im Gegensatz zur Fed scheinen in Frankfurt noch nicht die Alarmglocken zu klingeln. Wenigstens das Anleihekaufprogramm APP soll ab April bei 40 Milliarden Euro monatlich liegen und dann im Mai auf monatlich 30 Milliarden und im Juni auf 20 Milliarden Euro sinken. Die Einschätzung ihres Autors dazu, auch zur nächsten EZB-Sitzung werden wir nichts zu Zinserhöhungen hören. Manchmal wünscht man sich gerade doch eine Abhängigkeit der EZB von der Fed.

In diesem Sinne, frohe Ostern an unsere Leser.